Das Findelkind

Seit wir zweibeinig sind und raus aus dem dickichten Urwald, seit wir in der Savanne die weiten Horizonte erkunden, und nachts der Sternenhimmel uns offensteht, seit wir uns selbst bewusst wurden und unsere Toten in der Savannenerde begraben, wahrscheinlich schon früh in unserer Sapiensgeschichte möchten wir nach dem Tod nicht tot sein.

So haben wir uns schon sehr früh Religion, und Götter, und einen Jenseitsort, eine ewig schöne Heimat nach unserem oft kurzen, mühseligen, gewaltbegleiteten Leben gesucht. Das Jenseits wurde unser Trost, Priester traten auf und übernahmen den Dienst an der Wegweisung zum ewigen Leben.

Ein Winzling auf der Erde, Israel, steigt aus diesem Religionszirkus aus. Der Himmel staunt. Gott gewinnt Israel lieb, er will bei den Menschen wohnen. „Er steigt herab.“ Israel empfängt die Tora. Sie macht die Erde zum Paradies, Menschen werden Nächste.

Über tausend Jahre übt Israel das Leben in der Tora. Und über tausend Jahre murrt Israel: „Es ist zu schwer.“ „Wir wollen sein wie alle Völker.“ Und sie bauen ihrem Gott die schönste aller Wohnungen, den Tempel.

Gottes Volk lebt in Gefangenschaft, in Besatzung. Israel betet, schreit, hofft einen Messias, der befreit.

Ja, und noch einmal steigt Gott herab, wird Mensch, wird Jude. Das Israel der Zwölf kommt. „Flamme auf Flamme … auf jeden einzelnen von ihnen.“ Gottes Geist steigt herab, bleibt bei den Zwölf.

Die Kirche wächst, wird groß, bringt Frucht, wird mächtig. Die Christenmacht erobert die Welt der Religionen. Priester übernehmen die Wegweisung zum ewigen Leben. So haben wir wie früher Jenseits-Religion.

Die Jahrhunderte der europäischen Aufklärung klären dann auch unsere Christenreligion. Wir sind wieder Gott los geworden. Die Rede von Gott ist tot. Stumm, taub, blind überlebt sie die Ermordung von Gottes Diesseitsvolk der Juden nicht.

„Alles war aus für immer.“

Die Testamente liegen noch am Boden. Und die moderne Bibelwissenschaft hilft. Man hört neue Rede vom Gottesvolk säkularer Gemeinden: „Mädchen, ich sage dir, steh auf.“ rus

Was soll das Theater? – Mit Videoclip

Man könnte meinen, das Theater sei überflüssig geworden: Wieso die Bequemlichkeit der eigenen vier Wände eintauschen gegen einen harten Stuhl, eingezwickt im Theaterpublikum?

Warum sich auf eine Vorführung einlassen, wenn hinter den heimischen Bildschirmen tausende warten? Wozu überhaupt noch „Bretter, die die Welt bedeuten“, wenn Heerscharen an Denkern und Forschern über Jahrtausende hinweg ein kaum überschaubares Wissen angehäuft haben? Weiß man denn nicht spätestens heute, was nun die Welt bedeutet? Allen, die solchen Bedenken folgend des Theaterganges nicht mehr bedürfen: Glückwunsch, eine Mühsal weniger! Allen anderen sei Folgendes empfohlen: Der Prolog eines Theaterabends aus dem Sommer 2019 im Park des Günter-Stöhr-Gymnasiums – unter Mitwirkung vieler aus dem Umfeld der Schule und der Integrierten Gemeinde. Jederzeit anschaubar, ganz bequem, ganz bildschirmtauglich, wann immer, wo immer, ganz wie man möchte. saw

Videoclip „Prolog zum Sommernachtstraum“

Die Worte

 

Die Worte

wurden wegen Betrugs angeklagt

 

Eine geringe Anzahl

erhielt untergeordnete Anstellungen

als Zuträger und Laufburschen

 

„ab heute

muss es im Leben geschehen“

 

Hedvig Fornander

Zum Leben in Gemeinschaft

 

Der Apfelbaum wills dem Birnbaum abgucken

 

die Kartoffelstaude schielt auf die Wassermelone

 

aber was machen wir mit einer Melonenschwemme?

 

verdankt doch unsere Küche ihren Ruhm

unseren schmackhaften Kartoffelgerichten.

 

Hedvig Fornander

Unverhoffter Augenblick

Der andere sieht etwas anderes als ich.

Schaue ich mich an, sehe ich ,von innen nach außen‘,

kann nicht absehen von mir.

Der andere schaut mich von außen nach innen an,

sieht, was ist und was war.

Und was mich Jahre bedrückt hat,
wo ich immer noch dachte „hätte ich doch“,
„wäre ich doch“ heißt dann:
Es war die notwendige Reibungsfläche,
an der alle Möglichkeiten des Heute sich entzünden konnten.

Der andere sieht mehr als ich.

anm

Leise

Mit Grüßen aus einem verschneiten Berghäuschen nach Bautagen in Urfeld am Walchensee

 

Leise rieselt der Schnee,

still und starr – „Moment!“

es brodelt und wogt der See,

weihnachtlich? Lichter, Schmuck – ja.

Sonst altes, graues Gemäuer – unwirtlich.

 

In den Herzen ... – ja, was eigentlich?

 

Unscheinbar, unspektakulär profan

wie bei den Hirten auf den Feldern – Verwandlung.

Wand, für Schrank, für Lampe, für Nadelstich,

kehrt Leben ein – in Haus und Herz.

hat

Wir Helden – Nr. 5

... nur noch schnell den Weg freihacken

daw/bra

Wir Helden – Nr. 4

... der Himmel ist so blau

daw/bra

Wir Helden – Nr. 3

... leg hier richtig Strecke zurück

daw/bra

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