Zum Lachen

17. Juli 2016, 16. Sonntag im Jahreskreis C

Um den Clou der ersten Lesung besser zu verstehen, muss man ein paar Verse weiterlesen; sonst erscheint sie mit dem Evangelium – Jesus bei Martha und Maria zu Gast – vor allem als ein Vorbild für Gastfreundschaft.

Aber wer wird da bewirtet? Das Rätselhalte um die Besucher wird nicht aufgelöst, sondern noch übertroffen durch das Wort über Sara: ein Sohn. Maria aus Nazareth wird später auf das ähnliche Verheißungswort des Engels spontan abwehrend reagieren und fragen. „Wie soll das geschehen?“ Sara, wenn sie an sich herunter- und auf ihren Abraham schaut, ist da unverblümter: Zum Lachen! Ihre eindeutige Äußerung empfindet der Besucher als Affront: „Ist denn beim Herrn etwas unmöglich?“ Wie sich später zeigt, war es keine rhetorische Frage. ars

Gen 18,1-12a

Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. Ich will einen Bissen Brot holen und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast. Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Rühr es an und backe Brotfladen! Er lief weiter zum Vieh, nahm ein zartes, prächtiges Kalb und übergab es dem Jungknecht, der es schnell zubereitete. Dann nahm Abraham Butter, Milch und das Kalb, das er hatte zubereiten lassen, und setzte es ihnen vor. Er wartete ihnen unter dem Baum auf, während sie aßen. Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Zelteingang hinter seinem Rücken zu. Abraham und Sara waren schon alt; sie waren in die Jahre gekommen. Sara erging es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt. Sara lachte daher still in sich hinein.

Nahe

10. Juli 2016, 15. Sonntag im Jahreskreis C

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die historisch-kritische Exegese die vom Gestrüpp der Jahrhunderte fast überwucherte zentrale Botschaft Jesu neu entdeckte.

„Die Basileia Gottes ist nahe gekommen.“ Was hat er damit gemeint? Die Meinungen darüber fallen unterschiedlich aus je nachdem, wie das „nahe“ zu verstehen ist. Jesus erzählt am liebsten Gleichnisse, wenn er erklären will, was er meint, Paulus redet lieber von der „Gerechtigkeit Gottes“.
Eine Verstehenshilfe kann da vielleicht die erste Lesung geben. Der Deuteronomist, der durch Mose noch einmal an alle Worte Gottes erinnert, muss am Ende ins Grübeln gekommen sein: Kann Israel dem allem nachkommen? Ja, ist er sich sicher: „Das Wort ist ganz nah bei dir. Es ist auf deinem Mund und in deinem Herzen.“ Von sich selbst wird das niemand behaupten wollen, ohne schamrot zu werden. Das erkennt aber der Glaube der Kirche als wirklich geworden in dem Mann aus Nazareth – einmal, und so für die nach ihm zum Greifen nahe. ars

Dtn 30,10-14

Mose sprach zum Volk: Du sollst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören und auf seine Gebote und Gesetze achten, die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind. Du sollst zum Herrn, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurückkehren. Denn dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht im Himmel, so dass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können. Es ist auch nicht jenseits des Meeres, so dass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können? Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Bewohnbare Welt

3. Juli 2016, 14. Sonntag im Jahreskreis C

„Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“. Diese Einsicht muss Jesus plötzlich gekommen sein als nach Lukas die Jünger berichten, dass auch sie Macht über die Dämonen haben.

Diese Einsicht Jesu teilt der Seher Johannes: „Gestürzt wurde der große Drache, die alte Schlange“ (Offb 12,9).
Wenn Jesus neu mit dem Wort vom nahen Herr-Sein Gottes auftritt, agiert er auch als Exorzist. Denn überall ist die Konkurrenz schon zur Stelle, überall ist besetztes Land: Menschen unter der Herrschaft von „Mächten und Gewalten“, wie sein Schüler Paulus sie nennt. Die Dämonen müssen vertrieben werden, damit bewohnbare Orte in der Welt entstehen und Menschen ohne Angst und in Frieden miteinander leben können. Anderes Wort für Basileia: bewohnbare Welt. hak

Lk 10,1-12.17-20

In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.

Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.

Wer ist das? (3)

26. Juni 2016, 13. Sonntag im Jahreskreis C

Eine kurze Fermate auf dem Weg Jesu nach Jerusalem.

Er ist entschlossen, nach Jerusalem zu gehen. Deswegen verweigern ihm die Samaritaner die Unterkunft. Sollen sie dafür bestraft werden? Nein! Elija hatte noch ganz anders gehandelt.
Einer sagt zu Jesus: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst“; er wird abgeschreckt. Ein anderer will auch, aber sich noch von seiner Familie verabschieden. Nicht geeignet. Einen anderen fordert Jesus selbst auf, mit ihm zu gehen – und stürzt ihn in ein Dilemma: Ist das Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“ jetzt nicht mehr alles? „Lass die Toten ihre Toten begraben.“ – Denkt Jesus dabei nur an den einen? Was der mit dem Bescheid anfing, wird nicht berichtet. ars

Lk 9,51-62

Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf. Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Wer ist das? (2)

19. Juni 2016, 12. Sonntag im Jahreskreis C

Diesmal provoziert Jesus selbst die Frage: „Für wen halten mich die Leute?“

Nach den Umfragen des damaligen Allensbach-Instituts wird er irgendwo bei den Propheten Israels eingeordnet. Das ist schon viel gegenüber dem „Sohn des Zimmermanns“. Petrus geht darüber hinaus: „Der Messias Gottes.“ Ihm ist nicht bewusst, welche Lawine er damit lostritt, Jesus schon: Er verhängt absolutes Redeverbot. Erst wenn ihn im Verhör der Hohepriester fragt: „Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?“ sagt er dazu öffentlich Ja und wird dafür verurteilt.
Ein Messias, der leiden muss und scheitert, ist undenkbar; auch Petrus ist das wie den anderen Elf absolut fremd, ebenso den späteren Rabbinen. Jesus – vor allem ein Dekonstruktivist? ars

Lk 9, 18-24

In jener Zeit, als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Wer ist das? (1)

11. Juni 2016, 11. Sonntag im Jahreskreis C

Das fragen sich die Gäste, die der Pharisäer Simon miteingeladen hatte und zu unfreiwilligen Zeugen einer pikanten Szene macht. Offenbar kannte Jesus keinerlei Berührungsängste.

Man liegt, nach hellenistischer Sitte auf Sofas ausgestreckt, zu Tisch, die Linke als Kopfstütze nutzend, die Rechte frei zum Hantieren. Jesus wieder einmal in schlechter Gesellschaft?

Die stadtbekannte Frau mit dem Alabastergefäß – notwendiges Accessoire ihres Gewerbes – bricht in das scheinbar friedliche Idyll ein und sorgt für Irritationen. Simon sieht sich in seinem Vorurteil bestätigt: Kein Prophet! Die anderen Gäste: Er vergibt Sünden – Gotteslästerung! Was die Frau mit dem Öl und ihren Tränen sagen wollte, wenn sie Jesus die Füße salbt? Vielleicht dies: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der hören lässt: Friede. Befreiung.“ (Jes 52,7) ars

Lk 7,36-50

Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! 

Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Was Paulus aufging

5. Juni 2016, 10. Sonntag im Jahreskreis C

Auf dem Petersplatz in Rom stehen sie beide auf hohen Sockeln, der eine mit dem Schlüssel in der Hand, der andere mit dem Schwert: Petrus und Paulus,

von der Peripherie herkommend, beide mit Migrationshintergrund, um der Metropole des römischen Imperiums das „Reich, das nicht von dieser Welt“ ist, zu bringen. Rom – die Stadt der Apostelfürsten, nicht mehr der Kaiser?

Dabei hatte Paulus die schlechteren Karten. Er war nicht wie Petrus und die anderen seit der Taufe des Johannes mit Jesus gewesen; er kannte ihn nicht, hatte ihn nie gesehen und gehört. Er war keiner von den Zwölf, die Jesus kreiert hatte als den Anfang eines erneuerten Israel. Paulus zündet gleichsam den Sprengsatz, den Jesus gelegt hatte: Das Evangelium ist auch für die Heiden. Die Zwölf heißen jetzt Apostel; und da ist auch Platz für Paulus. Die Ungeheuerlichkeit dieses Schrittes über Jesus hinaus versucht er, den Galatern verständlich zu machen. ars

Gal 1,11-19

Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen. Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte. In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk, und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein.
Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate; ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück. Drei Jahre später ging ich hinauf nach Jerusalem, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn.

Jesus wundert sich

29. Mai 2016, 9. Sonntag im Jahreskreis C

Manchmal beklagt Jesus, dass er kein Wunder tun kann, weil es am Glauben mangelt. Bei diesem Heiden wundert er sich, dass so viel Glaube vorhanden ist.

Jesus braucht gar nichts zu tun, das Wunder ist ihm buchstäblich zuvorgekommen. 
Das Wunder, um das der heidnische Hauptmann bittet, ist vorbereitet: 1. Er liebt Israel, nicht nur innerlich, sondern hat sogar eine Synagoge finanziert. 2. Er schätzt seine Diener und ist besorgt um ihre Gesundheit. 3. Er setzt auf die neue Kraft, die Jesus umtreibt. 4. Er nimmt sich zurück.
Jesus ist so sprachlos, dass er sogar das eine Wort, das der Hauptmann für die Heilung notwendig hielt, nicht zu sprechen braucht. Der Diener ist geheilt. Eine kleine Nebenwirkung des großen Wunders: ein Heide glaubt. tac

Lk 7,1-10

Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten.  Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. 

Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Fortgeschriebene Wahrheit

22. Mai 2016, Dreifaltigkeitssonntag

Der Ausgangspunkt konnte nicht der Olymp oder der Kilimandscharo sein.

Nur um den Sinai herum war es versammelt, ein „störrisches Volk“, das (wie die Rabbiner später sagen) sich bereit erklärt hatte, erst zu tun und dann die Wahrheit dessen zu begreifen, was auf den beiden Tafeln geschrieben war.
Aber so weit war es am Sinai offenbar noch nicht. Das Wort „ist dir nahe“, sagt später der Deuteronomist, wenn es ins Herz eingeschrieben ist. Jesus aus Nazareth muss es in einzigartiger Weise beherzigt haben.

Da ist die ganze Trinität versammelt: Gott, der herabsteigt, indem der Sohn versteht, was er sagen will, und der Heilige Geist, der nicht aufhört, das auszubuchstabieren, was der Sohn vom Vater erkannt hat. ars

Joh 16,12-15

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Finger Gottes

15. Mai 2016, Pfingsten

„Der Finger an Gotts rechter Hand“ – so übersetzte Martin Luther den entsprechenden Vers aus dem Hymnus Veni, Creator Spiritus, der Rhabanus Maurus (10. Jh.) zugeschrieben wird.

Oft ist von der Hand oder dem erhobenen Arm die Rede, um das Handeln Gottes zu umschreiben, nur selten vom Finger. Im Psalm 8 wird der Himmel als das „Werk deiner Finger“ besungen; vom Sinai bringt Mose zwei steinerne Tafeln mit, „auf die der Finger Gottes geschrieben hatte“ (Ex 31,18). Vielleicht hat sich der Dichter am meisten von dem inspirieren lassen, was die ägyptischen Weisen zum Pharao sagen, wenn Mose und Aaron ihn mit den „ägyptischen Plagen“ zum Einlenken bewegen sollen: „Das ist der Finger Gottes“ (Ex 8,15). Von Jesus ist überliefert: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen“ (Lk 11,20). Anderes Wort für Pfingsten: hoffen dürfen, einmal seine Handschrift irgendwo zu erkennen. ars

Apg 2,1-11

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

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