Schöpfungsworte

4. März 2018, Dritter Fastensonntag B

Die Zehn Gebote nennen Juden auch „Zehn Worte“. Das Wort scheint Gottes Macht in der Welt zu sein: Er schuf Himmel und Erde durch seine Worte. Mit den zehn Worten sucht er jetzt Mitarbeiter, um seine eigentlich gute Schöpfung zu reparieren.

Die zehn Pfeiler seiner Sozialordnung werden nicht in ein dunkles, stilles Universum eingerammt, sondern in eine Geschichte, die als eine Liebesgeschichte enttarnt wird, wenn Gott verrät: „Ich bin ein eifersüchtiger Gott“. Wenn man von der Selbstvorstellung Gottes als Liebhaber und Befreier absieht, werden die vernünftigen Gebote ähnlich lästig, wie die Schöpfung sinn- und wertlos wird, wenn man sie von den Schöpfungsworten Gottes säubern will. tac

Ex 20,1-17

In jenen Tagen sprach Gott auf dem Berg Sinai alle diese Worte:

Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.

Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!

Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.

Du sollst nicht morden.

Du sollst nicht die Ehe brechen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

 

Die Versuchung eines Glaubenden

25. Februar 2018, Zweiter Fastensonntag B

Ein Sturm tobte durch den Blätterwald, als Papst Franziskus in einem Fernsehinterview die Vaterunser-Bitte „führe uns nicht in Versuchung“ interpretierte: „Gott stürzt einen nicht in die Versuchung, um dann zuzuschauen, wie ich gefallen bin.“

Bischöfe und Theologen stritten um die richtigen Worte, doch keiner redete von Abraham und seiner Versuchung. Gott wollte wissen: Bist du noch derselbe Abraham, der Sippe und Vaterhaus verließ, seitdem du selber Vater geworden bist? Ist dir der lang ersehnte Erbe derart kostbar geworden, dass du ihm alles andere opfern würdest? In der Erprobung wurde Abraham treu befunden. Denn er zog aus, obwohl er schon angekommen war, und suchte das Land, in dem er bereits wohnte. mim

Gen 22,1-14

Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. Abraham gab jenem Ort den Namen: Der Herr sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der Herr sehen.

Im Zeichen des Regenbogens

18. Februar 2018, Erster Fastensonntag B

Der Sache mit dem Regenbogen haben Gender- und Friedensbewegungen sich angenommen: weltumarmend friedenstrunkene Selbstbeglückung ist die Mission des farbigen Lichteffekts. Heile Welt. Die uralte Erzählung von Noah wusste mehr.

Die Menschen werden immer von Zwang, Neid, Spaltungen bedroht sein. Manchmal nimmt das Unrecht überhand, dann steigt der Gewaltpegel wie eine Flut. Dass Gott das Regenbogenzeichen des Bundes setzt, ist dichterische Sprache. Sie spricht von der Zuversicht, dass der Mensch die Antwort finden kann auf seine Fragen: Wie kann man Gewalt überwinden? Wie Gerechtigkeit finden, wie den Frieden? Er entdeckt die Antwort aber nicht einfach in sich selbst. Sie ist gesetzt. Man muss sie suchen, nach ihr Ausschau halten. Man kann die ganze Geschichte Israels, sogar die Menschheitsgeschichte, lesen als ein Forschen nach dieser Setzung, als eine Entdeckung dessen, was recht ist. acb

Gen 9,8-15

Gott sprach zu Noah und seinen Söhnen, die bei ihm waren: Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren des Feldes, mit allen Tieren der Erde, die mit euch aus der Arche gekommen sind. Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben. Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde. Balle ich Wolken über der Erde zusammen und erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch, und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch vernichtet.

Wer hilft

11. Februar 2018, 6. Sonntag im Jahreskreis B

Der amerikanische Schriftsteller Walker Percy beendet sein „letztes Hilf-dir-selbst-Buch“ mit der aufgefangenen Botschaft einer außerirdischen Intelligenz: „Wenn ihr in Schwierigkeiten seid, habt ihr um Hilfe ersucht?“ Eine vernünftige Frage, aber wem soll man zutrauen, dass er helfen kann und will?

Offensichtlich erlebten die Zeitgenossen Jesu ihn als so jemanden. Er will helfen und er kann helfen, wo er auf solches Vertrauen trifft, auch wenn die Krankheit als unheilbar gilt. Was Jesus will und tut, ist dasselbe, was Gott in der Geschichte mit seinem Volk will und tut. Wer krank ist, um sich kreisend, isoliert, kann neu belebt werden, damit er wieder am Alltagsleben und am Festtagsleben teilhaben kann. So soll das Volk als ganzes wieder ein Hilfsort werden. hak

Mk 1,40-45

Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein. Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Gesucht

4. Februar 2018, 5. Sonntag im Jahreskreis B

Zu Beginn eines neuen Jahres werden jeweils die Jubiläen benannt, die da anfallen. Dieses Jahr: 50 Jahre 68er-Studentenrevolte, ausgehend von Paris. Manche sprechen sogar von Revolution. Eine um mehr Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen. Erneuerung! Eine ganz neue Gesellschaft sollte sich Bahn brechen. Pauschal formuliert: Alle suchten etwas Neues.
Und jetzt, 50 Jahre später?

Man flieht nur noch vor jeder Veränderung. Und fürchtet die weltweiten Umbrüche.
Die Jünger sagen zu Jesus: „Alle suchen dich“. Was für ein Satz! Israel sucht. Den nächsten Schritt in seiner Geschichte, die Annäherung an das Verheißene. Die Überwindung der Kluft zwischen dem „Schon“, des von Gott Erfüllten, und dem „Noch-Nicht“, der menschlichen Bereitschaft für das Neue. Für die Jünger bedeutete das konkret dies: „Simon und seine Begleiter eilten ihm nach.“ Israel beginnt einen Psalm: „Gott, du mein Gott, dich suche ich.“ Wenn wir nicht mehr suchen, nicht mehr Gott und seinen Willen suchen – was dann? bek

Mk 1,29-39

Sie verließen die Synagoge und Jesus ging zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Der Prophet

28. Januar 2018, 4. Sonntag im Jahreskreis B

Mose gilt für Juden als der größte Prophet. Mose verstand die Intention Gottes so gut, dass es heißt, er habe „Auge in Auge“ mit ihm geredet.

Als das Volk das Vertrauen verloren hatte, konnte Mose auf Augenhöhe mit Gott reden und für das Volk eintreten. Als niemand mehr verstand, brauchte das Volk Mose als Übersetzer. So wurde die Stimme Gottes in das befreiende Gesetz Israels übertragen. Als auch Mose vom Volk nicht mehr verstanden wurde, erhielt es die Verheißung, dass ein neuer Prophet kommen wird, der Gott unmittelbar versteht. tac

Dtn 18,15-20

Mose sprach zum Volk: Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören. Der Herr wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, den Herrn, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme des Herrn, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne dass ich sterbe. Damals sagte der Herr zu mir: Was sie von dir verlangen, ist recht. Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen, und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage. Einen Mann aber, der nicht auf meine Worte hört, die der Prophet in meinem Namen verkünden wird, ziehe ich selbst zur Rechenschaft. Doch ein Prophet, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe, oder der im Namen anderer Götter spricht, ein solcher Prophet soll sterben. Und wenn du denkst: Woran können wir ein Wort erkennen, das der Herr nicht gesprochen hat?, dann sollst du wissen: Wenn ein Prophet im Namen des Herrn verkündet und sein Wort sich nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das nicht der Herr gesprochen hat. Der Prophet hat sich nur angemaßt, es zu sprechen. Du sollst dich dadurch nicht aus der Fassung bringen lassen.

Als ob nicht

21. Januar 2018, 3. Sonntag im Jahreskreis B

Kein anderes Wort definiert die Existenz der Glaubenden so präzise wie das paulinische „als ob nicht“. Denn worin unterscheiden sich die zu der Gemeinde gehören von den anderen Bewohnern Korinths?

Sie kaufen und verkaufen, lachen und weinen, heiraten, bekommen Kinder. Aber sie tun es anders: Sie nutzen die Dinge, ohne von ihnen abzuhängen. Sie denken ans Morgen und leben doch im Heute, agieren auf eigenes Risiko und lassen die anderen mitgewinnen. Selbst einer, der losgelöst im Weltraum schwebt, könnte nicht freier sein als sie. mim

1 Kor 7,29-31

Ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

Wohnst du noch?

14. Januar 2018, 2. Sonntag im Jahreskreis B

So ganz habe ich den Möbelhaus-Slogan nie verstanden: „Wohnst du noch oder lebst du schon ...?“ Wohnen meint doch: leben, es meint mehr als nur ein paar Bretter zusammenschrauben, auf denen man sitzt.

Deswegen auch die Frage an Jesus: Wo wohnst du? Es war mehr als nur: Wie lautet deine Adresse? Vielmehr: Wie lebst du? Wie sehen wir wer du bist und was du willst? Die Antwort Jesu: Kommt und seht! Seine Wohnung ist die Sammlung Israels und das Zusammenleben mit seinen Jüngern, das Leben, das er meint. acb

Joh 1,35-42

Johannes stand am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden – das heißt übersetzt: Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels.

Neuwerden

7. Januar 2018, Taufe des Herrn B

Um vom offenen Himmel zu erzählen, wird von Personen und Orten berichtet. Johannes sucht sich für die Taufe am 600 km langen Jordan gerade die Stelle aus, an der das Volk unter Josua in das Land der Verheißung gezogen war.

Israel muss noch einmal neu ins Land einziehen. Zu Johannes kommt auch Jesus und lässt sich in die aktuelle Geschichte seines Volkes hineintauchen. Unter den vielen, die sich taufen lassen, ist er, der den Geist, von dem Johannes spricht, erlebt und sieht. Über Jesus ist der Himmel geöffnet und durch ihn eröffnet sich Israel neu das verheißene Land. hak

Mk 1,7-11

Johannes trat in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Wunder oder Mirakel?

31. Dezember 2017, Fest der Hl. Familie B

„Was willst du mir schon geben?“ Zugegeben, ein starkes Stück, dem Höchsten diese Antwort zu geben. Abraham, der erste Jude, gibt sie dem Herrn. Er bekundet damit seinen nüchternen Verstand; denn wie soll Gottes Verheißung vom großen Lohn wahr werden, da Abraham kinderlos und – wie auch seine Frau Sara – bereits alt ist?

Mit dieser gesunden Skepsis steckt Abraham den Horizont ab, auf dem Wunder möglich werden, nicht Mirakel; denn Wunder erfordern die Beteiligung des Menschen. Das unterscheidet Wunder von Mirakeln. Und dafür liefert gerade dieser erste Jude das Beispiel, das Geschichte macht. Auf die wiederholte, jetzt detaillierte Verheißung Gottes, Abraham werde zahlreiche Nachkommen haben, reagiert er so: „Abraham glaubte dem Herrn.“ Und „Sara wurde schwanger“. Dies war nach dem ersten Big Bang, der „Zeugung“ des Kosmos, der zweite: Israel entstand, das Volk Gottes. Durch den Glauben eines Einzigen. Das erste Wunder der Bibel, das weitere in seinem Schoß hat. Dass nach 3000jähriger Geschichte – gleichzeitig eine Geschichte unablässiger Verfolgungen – dieses Volk heute noch lebt, dazu wieder in seinem Land, ist ein dem Anfang mit Abraham ebenbürtiges Wunder. Es steht wie ein hell leuchtender Stern auch über dem 3. Jahrtausend. bek

Gen 15,1-6; 21,1-3

Da erging das Wort des Herrn in einer Vision an Abram: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein. Abram antwortete: Herr, mein Herr, was willst du mir schon geben? Ich gehe doch kinderlos dahin, und Erbe meines Hauses ist Elieser aus Damaskus. Und Abram sagte: Du hast mir ja keine Nachkommen gegeben; also wird mich mein Haussklave beerben. Da erging das Wort des Herrn an ihn: Nicht er wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein. Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf, und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Abram glaubte dem Herrn, und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an. Der Herr nahm sich Saras an, wie er gesagt hatte, und er tat Sara so, wie er versprochen hatte. Sara wurde schwanger und gebar dem Abraham noch in seinem Alter einen Sohn zu der Zeit, die Gott angegeben hatte. Abraham nannte den Sohn, den ihm Sara gebar, Isaak.

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