Der Messias wartet

18. November 2018, 33. Sonntag im Jahreskreis B

„Er sitzt zur Rechten Gottes“ heißt es im apostolischen Glaubensbekenntnis. Der Hebräerbrief beschreibt das näher: „Er hat sich zur Rechten Gottes gesetzt und seitdem wartet er“. Der Messias wartet?

Er wartet, dass sich auswirkt, was er ein für alle Mal getan hat. Die ganze Geschichte Israels hat sich zugespitzt in der Existenz des Messias Jesus. Er hat sein Leben nicht geschont und damit eine Bresche geschlagen in die Mauer der Feindschaft gegen ihn und sein Volk. So ist allen die Verwirklichung einer neuen Lebensweise für immer eröffnet. hak

Hebr 10,11-14.18

Jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. Wo also die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.

Das alles verändernde Zuerst

11. November 2018, 32. Sonntag im Jahreskreis B

Worum der alttestamentliche Prophet Elija die Witwe von Sarepta bittet, ist nicht schwer: ein Brot für ihn backen. Allerdings gibt es eine entscheidende Bedingung: Es soll zuerst geschehen. Das verändert alles.

Zuerst oder danach? Daran zeigt sich, was wirklich zählt. Das Entscheidende kommt oft deswegen nicht zum Zug, weil es sich nachgeordnet wiederfindet: nachdem die eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht sind, nachdem alles geregelt ist, nach diesem Leben. Bei dieser Witwe ist es anders: Sie geht und tut, wie es Elija gesagt hat. Sie gibt zuerst der Geschichte Gottes eine Chance und kümmert sich danach um das Eigene. Erstaunlicherweise ordnet sich das Eigene dann auch für sie zum Besten. ruk

1 Kön 17,10-16

Der Prophet Elija machte sich auf und ging nach Sarepta. Als er an das Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. Er bat sie: Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken! Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: Bring mir auch einen Bissen Brot mit! Doch sie sagte: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf und gehe dann heim, um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten. Das wollen wir noch essen und dann sterben. Elija entgegnete ihr: Fürchte dich nicht! Geh heim, und tu, was du gesagt hast. Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck, und bring es zu mir heraus! Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet. Sie ging und tat, was Elija gesagt hatte. So hatte sie mit ihm und ihrem Sohn viele Tage zu essen. Der Mehltopf wurde nicht leer, und der Ölkrug versiegte nicht, wie der Herr durch Elija versprochen hatte.

Was heißt das schon „Gott lieben“?

4. November 2018, 31. Sonntag im Jahreskreis B

Der Schriftgelehrte will die Rechtgläubigkeit Jesu prüfen. Dabei zielt die Frage des Schriftgelehrten nach dem wichtigsten Gebot ins Zentrum der Theologie: Was will Gott von uns?

Jesus zitiert aus Israels Bibel. Aber er schreibt den Originaltext fort, indem er die Art und Weise, wie der Mensch Gott lieben soll, ergänzt: „mit deinem ganzen Denken“. Und er nimmt noch eine weitere Akzentuierung vor. Er verbindet das Hauptgebot aus Deuteronomium mit dem der Nächstenliebe aus Levitikus und rückt beide an die erste Stelle: „Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden“. Was heißt das? Es heißt, dass der Weg zu Gott über die Welt führt. bek

Mk 12,28b-31

Ein Schriftgelehrter hörte, wie treffend Jesus antwortete; so ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.

Weil man Erlösung sehen können muss

28.10.2018, 30. Sonntag im Jahreskreis B

Wenn die Heilung des Blinden keine bloße Einzelszene ist, sondern Evangelium im Evangelium, dann ist der blinde Bartimäus ein besonderer Patient.

Er kann hören, er kann reden, sogar schreien kann er, er kann betteln und bekommt vielleicht alles, was er braucht, auch einen Mantel hat er. Nur sehen kann er nicht. Es erinnert an Platons Höhlengleichnis über die Suche des Menschen nach Erkenntnis und Wahrheit. Im Unterschied dazu spürt dieser Mensch aber, dass es auf das helle Sehen ankommt, gerade wenn Jesus vorbeikommt. Man muss doch sehen können, was Gott tut, wie er handelt und dem Menschen nahekommt. Und dass er sieht, heißt, dass er mit ihm geht, befreit vom Gefängnis des An-der-Stelle-Sitzens. Und er geht mit Jesus nach Jerusalem und sieht immer mehr: das Abendmahl, das Kreuz und die Auferstehung. tac

Mk 10,46-52

Als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Nicht so

21. Oktober 2018, 29. Sonntag im Jahreskreis B

Was im heutigen Evangelium verhandelt wird, könnte man mit „die Alternative“ übersetzen. Aber das geht eigentlich nicht, es gibt ja schon eine Partei, die das Wort für sich reklamiert, wenigstens für unser Land.

Dem Leser der Evangelien begegnen Jakobus und Johannes, die Zebedäussöhne, zusammen mit Petrus öfter als die drei, die Jesus bevorzugt, so wenn er auf den Berg der Verklärung steigt. Offenbar ist ihnen das zu Kopf gestiegen und sie melden vorsorglich ihre Wünsche auf die Ehrenplätze an, die sie aus ihrer Nähe zu Jesus ableiten. Sie täuschen sich. Alle Zwölf müssen umdenken. Sie haben nichts verstanden, auch wenn sie schon einige Zeit mit Jesus unterwegs waren. Erst später geht ihnen auf: Er hat das Fundament für ein anderes Leben gelegt. Eine Alternative für viele. ars

Mk 10,35-45

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu Jesus und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen! Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es bestimmt ist. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Die kommende Welt

14. Oktober 2018, 28. Sonntag im Jahreskreis B

Sind kommende Welt und ewiges Leben, die am Ende des Sonntagsevangeliums stehen, nicht jene verbrauchten Worte, die den biblischen Glauben als Vertröstungsdroge in Verruf brachten?

Eine kommende Welt, in die man erst nach dem Tod hineinkommt, wo überraschenderweise alles besser wäre als es hier ist, wäre lächerlich. Der Baalschem, ein bekannter jüdischer Rabbi, der darüber nachdachte, sprach bei sich: „Wenn ich Gott liebe, was brauche ich da eine kommende Welt?“ Gott lieben, aus Freude nach seinen Geboten leben, das ist genau jene Welt, die kommt, in unser Jetzt und Hier, und diese Welt verändert. So ist sie kommende Welt; sie ist jenseitig, weil ganz anders, aber diesseits. acb

Mk 10,17-30

Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Vom Ursprung her gesehen

7. Oktober 2018, 27. Sonntag im Jahreskreis B

Die Problematik der Ehescheidung ist ein uraltes Thema. Im Judentum der Zeitenwende gab es dazu eine tradierte und allgemein akzeptierte Ansicht, die auf Mose zurückgeführt wurde.

Auch Jesus setzt bei Mose an, führt die Hörer tiefer hinein in den Kontext des Gebotes und erschließt die ursprüngliche Absicht des Schöpfers. Sie zielt auf eine personale Einheit von Mann und Frau, über die der Mann nicht einfach verfügen kann. Die Frau ist in gleicher Weise dafür verantwortlich, wie Jesus den überraschten Jüngern erklärt. Souverän benennt er die der Tora zugrunde liegende Intention und legt so die im Gesetz wirkende Weisheit des Schöpfers frei. hak

Mk 10,2-16

Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau aus der Ehe zu entlassen? Damit wollten sie ihn versuchen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch. Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

Nichts allein durchziehen

30. September 2018, 26. Sonntag im Jahreskreis B

Während des Durchzugs durch die Wüste passiert es, dass zwei Quereinsteiger eine Verantwortung übernehmen, die man ihnen nicht zugetraut hatte.

Die Empörung im Volk ist groß: Wie kann das sein, da sie doch gar nicht vorgesehen waren? Mose antwortet mit Weitblick: Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde. Er weiß: Ein so großes Unternehmen wie die Befreiung des Volkes aus der Sklaverei kann man nicht allein durchziehen. Gott sucht sich die Menschen, die er braucht. Denn auch er kann und will nichts alleine durchziehen. Bis auf den heutigen Tag wirbt er um Mitarbeiter, Quereinsteiger ebenso wie langjährige Weggefährten. ruk 

Num 11,25-29

Der HERR kam in der Wolke herab und redete mit Mose. Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Sobald der Geist auf ihnen ruhte, redeten sie prophetisch. Danach aber nicht mehr. Zwei Männer aber waren im Lager geblieben; der eine hieß Eldad, der andere Medad. Auch über sie kam der Geist. Sie gehörten zu den Aufgezeichneten, waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen. Auch sie redeten prophetisch im Lager. Ein junger Mann lief zu Mose und berichtete ihm: Eldad und Medad sind im Lager zu Propheten geworden. Da ergriff Josua, der Sohn Nuns, der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war, das Wort und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran! Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich ereifern? Wenn nur das ganze Volk des HERRN zu Propheten würde, wenn nur der HERR seinen Geist auf sie alle legte!

Unerhörte Propheten

23. September 2018, 25. Sonntag im Jahreskreis B

Zum täglichen Ritual wie die Zeitung zum Frühstück gehört für viele die Feststellung, wie schlecht doch die Zeiten seien. Hat dieses Stereotyp vielleicht etwas übersehen?

Nämlich dass jede Epoche Personen hat, mit klarem, unbestechlichem Blick, die auf die wirklichen Gefahren und nötigen Weichenstellungen hinweisen – aber beiseitegeschoben werden? Israels Weisheitsliteratur beschreibt diesen Reflex gegenüber den Personen, die kritisch und quer denken: „Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg.“ In bedrohlichen Zeiten, 1927, sagte Theodor Haecker: Es haben Zeiten gemeint, dass das westliche Erbe bewahrt werden könne auch trotz oder gar wegen der Emanzipation von dem einen Glauben. „Ohne den christlichen Glauben ist Europa nur ein Sandkorn im Wirbel der Meinungen, Ideen und Religionen.“ Ob diese bewahrheiteten Worte eines hellsichtigen Mahners heute Gehör finden? bek

Weish 2,1a.12.17-20

Die Gottlosen tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen, um seinen Gleichmut kennenzulernen und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.

„Geht in Frieden“

16. September 2018, 24. Sonntag im Jahreskreis B

Der Jakobusbrief nimmt mit beißender Kritik die Einstellung aufs Korn, der Glaube könnte vom Tun getrennt sein.

Eine Auffassung, die schon in der Auseinandersetzung der frühen Kirche mit der griechischen Weltanschauung auftauchte. Glaube nur als innere Haltung oder Meinung ist jüdisch kaum denkbar, wo eine bestimmte Art des Tuns, Treue zur Tora, die Weise des Glaubens selber ist. Deshalb kann es hier keine Arbeitsteilung geben: einige glauben, andere handeln. Den biblischen Glauben gibt es nur mit Werken. Den Zusammenhang erklärt Jakobus am Beispiel Abrahams, dem ersten Glaubenden und kommt zum Schluss: „Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und dass der Glaube aus den Werken zur Vollendung kam.“ Also weder auf den Glauben allein noch auf die Werke allein, sondern auf ihr Zusammenwirken kommt es an. tac

Jak 2,14-22

Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Nun könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben. Du glaubst: Es gibt nur einen Gott. Damit hast du Recht; das glauben auch die Dämonen und sie zittern. Willst du also einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist? Abraham, unser Vater, wurde er nicht aus den Werken als gerecht anerkannt, als er seinen Sohn Isaak auf den Opferaltar legte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und dass der Glaube aus den Werken zur Vollendung kam.

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