Weltfrieden?

20. Mai 2018, Pfingstsonntag, B

„Parther, Meder und Elamiter …“ Und dann zählt die Apostelgeschichte noch weitere 13 Volksgruppen auf, die an Pfingsten in Jerusalem ein völkerübergreifendes Verstehen erleben konnten. Eine antike Form der United Nations? Für die Idee eines weltweiten Völkerverbundes im vorigen Jahrhundert brauchte es erst die Weltkriege.

Die Ursache für das Jerusalemer Verstehen ist eine andere. Eine Idee des Gottes Israels stand am Anfang und ließ es Wirklichkeit werden. Er blickte tiefer, kritischer auf die Geschichte als die Ideengeber der Vereinten Nationen und sah: Der Mensch kann weder sich selbst verstehen noch den Mitmenschen, solange er nicht erkennt, von wem er Leben und Vernunft-Geist hat. Und er suchte, fand und rief einige, die ihn verstanden und handelten: Abraham, Mose, Samuel, Ezechiel und viele andere. Ihrer Einsicht, ihrem Vertrauen und Mut verdanken sich Israel und die Kirche. Die Sache ist in einem Saal in Jerusalem mit ein paar Juden zum Ziel gekommen. Von hier ausgehend ist sogar mehr möglich als Nicht-Krieg: Friede. Sofern sich auch heute Einsichtige, Glaubende, Mutige finden lassen. bek

Apg 2,1-11

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Der zwölfte Mann

13. Mai 2018, 7. Sonntag der Osterzeit B

Die Lücke des Judas muss geschlossen werden, damit die Vollzahl der Zeugen wiederhergestellt wird. Mit Ostern ist nicht bloß eine Einsicht entstanden, die man einfach durch kluge Reden vermitteln könnte, sondern etwas, das durch das Leben bezeugt und beglaubigt werden muss.

Aus dem Mit-Sein und Mit-Leben mit Jesus entsteht ein Amt. Hier beginnt aber keineswegs ein Abfall vom ursprünglichen Leben zu starren Amtsstrukturen, ganz im Gegenteil: Bei der Auswahl der Kandidaten ist das Kriterium, dass sie „die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging“. Sie müssen jeden Schritt, den Jesus mit den Zwölf gegangen ist, mitgegangen sein. Dieses „mit uns zusammen“ schafft die Kontinuität mit der Zeit Jesu. Das Amt ist Mit-Leben und dieses Mit-Leben ist das Amt. tac

Apg 1,15-17.20a.c-26

In jenen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Amt soll ein anderer erhalten! Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde, – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.

Der Kornelius-Effekt

6. Mai 2018, 6. Sonntag der Osterzeit B

Das Pfingstfest am fünfzigsten Tag, wie Lukas es beschreibt, war ein Jerusalemer und ein jüdisches Ereignis: Mit Juden beginnt die Neusammlung Israels.

Diesen Sonntag wird von einem anderen Pfingsten erzählt, nicht in Jerusalem, sondern in Caesarea am Meer. Der es erlebt, ist nicht ein Jude, sondern ein römischer Offizier der dortigen Garnison mit seiner Familie, gottesfürchtige Heiden. Die Geschichte und wie es dazu kommt, ist neben der Passionsgeschichte die längste Einzelperikope des Neuen Testamentes. Wer sie ungekürzt liest, dem kommt entgegen, welche Ungeheuerlichkeit Lukas sagen will: Die Juden und Heiden trennende Mauer ist beseitigt. Um dies als schon geschehen klar zu machen, tritt gleichsam der ganze Himmel in Aktion, um den erkenntnis-resistenten Petrus von Jerusalem nach Caesarea zu bewegen. Kornelius ist der Anlass, ihm die Augen für die universale Dimension von Pfingsten zu öffnen. ars

Apg 10,1 – 11,18

In Cäsarea lebte ein Mann namens Kornelius, Hauptmann in der sogenannten Italischen Kohorte; er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott. Er sah um die neunte Tagesstunde in einer Vision deutlich, wie ein Engel Gottes bei ihm eintrat und zu ihm sagte: Kornelius! Kornelius blickte ihn an und fragte erschrocken: Was ist, Herr? Er sagte zu ihm: Deine Gebete und Almosen sind zu Gott gelangt und er hat ihrer gedacht. Schick jetzt einige Männer nach Joppe und lass einen gewissen Simon herbeiholen, der den Beinamen Petrus hat. Er ist zu Gast bei einem Gerber namens Simon, der ein Haus am Meer hat. Als der Engel, der mit ihm sprach, weggegangen war, rief Kornelius zwei seiner Haussklaven und einen frommen Soldaten von denen, die ihm treu ergeben waren. Er erzählte ihnen alles und schickte sie nach Joppe.

 

Am folgenden Tag, als jene unterwegs waren und sich der Stadt näherten, stieg Petrus auf das Dach, um zu beten; es war um die sechste Stunde. Da wurde er hungrig und wollte essen. Während man etwas zubereitete, kam eine Verzückung über ihn. Er sah den Himmel offen und eine Art Gefäß herabkommen, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde. Darin waren alle möglichen Vierfüßler, Kriechtiere der Erde und Vögel des Himmels. Und eine Stimme rief ihm zu: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber antwortete: Niemals, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen. Da erging die Stimme ein zweites Mal an ihn: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein! Das geschah dreimal und sogleich wurde das Gefäß in den Himmel hinaufgenommen. Petrus war noch ratlos und überlegte, was die Vision, die er gehabt hatte, wohl bedeutete; siehe, da standen die von Kornelius gesandten Männer, die sich zum Haus des Simon durchgefragt hatten, am Tor. Sie riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast sei. Während Petrus noch über die Vision nachdachte, sagte der Geist zu ihm: Siehe, da sind drei Männer und suchen dich. Steh auf, geh hinunter und zieh ohne Bedenken mit ihnen; denn ich habe sie geschickt. Petrus stieg zu den Männern hinab und sagte: Siehe, ich bin der, den ihr sucht. Aus welchem Grund seid ihr hier? Sie antworteten: Der Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der beim ganzen Volk der Juden in gutem Ruf steht, hat von einem heiligen Engel die Weisung erhalten, dich in sein Haus holen zu lassen und zu hören, was du ihm zu sagen hast.

 

Da ließ er sie eintreten und nahm sie gastlich auf. Tags darauf machte er sich mit ihnen auf den Weg und einige Brüder aus Joppe begleiteten ihn. Am folgenden Tag kamen sie nach Cäsarea. Kornelius erwartete sie schon und hatte seine Verwandten und seine nächsten Freunde zusammengerufen. Als nun Petrus ankam, ging ihm Kornelius entgegen und warf sich ihm ehrfürchtig zu Füßen. Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch. Während er sich mit ihm unterhielt, ging er hinein und fand dort viele Menschen versammelt. Da sagte er zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten; mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf. Darum bin ich auch ohne Widerspruch gekommen, als nach mir geschickt wurde. Nun frage ich: Warum habt ihr mich holen lassen? Da sagte Kornelius: Vor vier Tagen um diese Zeit war ich zum Gebet der neunten Stunde in meinem Haus; siehe, da stand ein Mann in einem leuchtenden Gewand vor mir und sagte: Kornelius, dein Gebet wurde erhört und deiner Almosen wurde vor Gott gedacht. Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der den Beinamen Petrus hat, holen; er ist Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer. Sofort habe ich nach dir geschickt und es ist gut, dass du gekommen bist. Jetzt sind wir alle hier vor Gott zugegen, um all das anzuhören, was dir vom Herrn aufgetragen worden ist. Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt. Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Petrus aber sagte: Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.

 

Die Apostel und die Brüder in Judäa hörten, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten. Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor: Du bist bei Unbeschnittenen eingekehrt und hast mit ihnen gegessen. Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten: Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Art Gefäß, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde, senkte sich aus dem Himmel und es kam bis zu mir herab. Als ich genauer hinschaute, sah und betrachtete ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels. Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen. Doch zum zweiten Mal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein! Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen. Und siehe, gleich darauf standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir wohnten; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden. Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir und wir kamen in das Haus jenes Mannes. Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der Petrus genannt wird, holen! Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst. Als ich zu reden begann, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns. Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden. Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe verliehen hat wie uns, als wir zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?

Mobil bleiben

29. April 2018, 5. Sonntag der Osterzeit B

Mobiles Telefon, mobile Gesellschaft, mobil noch im Alter. Wie kaum etwas bestimmt Mobilität unsere Welt und unser Leben. Da taucht wie aus der Versenkung das Wort „bleiben“ auf.

Gleich achtmal wird es in dem kurzen Abschnitt aus dem Johannesevangelium genannt. Wir wussten es fast: Kirche und Christentum sind das Gegenteil von mobil. Starrheit und Unbeweglichkeit sind ihre Kennzeichen. Aber das Bleiben des Johannes ist nicht ein „So bleiben wie es war“, sondern: treu sein, dranbleiben. Nicht ein Zustand bleibt, sondern eine Verbindung. Jeden Tag kann es anders sein. Bleiben heißt: Das Leben und das Schicksal mit dem Mann aus Nazareth und seinen Jüngern teilen. acb

Joh 15,1-8

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Ein einziger Name

22. April 2018, 4. Sonntag der Osterzeit B

In der Antike steht der Name für die Person. Er kennzeichnet ihr Wesen und ihr Wollen. Das gilt auch für den Namen Gottes. Sein ‚Eigenname’ JHWH hat eine dynamische Bedeutung: „Ich bin da für Euch“.

Der Jude Petrus und seine Gefährten erklären nach Ostern: Jesus ist der einzige Name durch den Rettung und Hilfe kommen. Den Jüngern war aufgegangen, dass Gott da ist und hilft durch diesen Handwerker aus Nazaret, der Gutes tat und Israel neu sammelte. Das bedeutet auch der Name Jesu, Je-shua, „JHWH rettet“. Die Dynamik des Gottesnamens ist in ihm personifiziert und sie wirkt weiter, wo die Jünger in seinem Namen tun was er tat. hak

Apg 4,8-12

Petrus sagte, erfüllt vom Heiligen Geist: Ihr Anführer des Volkes und ihr Ältesten! Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist, so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch. Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

 

Nichts Neues unter der Sonne?

15. April 2018, 3. Sonntag der Osterzeit B

Zweimal taucht im Abschnitt aus dem Johannesbrief das Wort „Gebote“ auf. Aber kennen wir die nicht längst schon? Seit Israel sie am Sinai feierlich empfing?

Im Johannesevangelium formuliert Jesus die Neuheit seines Gebotes. Man könnte es als die innere Zielrichtung aller bisher bekannten Gebote der Bibel bezeichnen: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!“ So seltsam es klingt, das Wort „lieben“ ist hier ein Fachbegriff, der die Übersetzung des griechischen Wortes ‚agapein‘ darstellt. Es bezeichnet das Miteinander der Getauften – mit dem Ziel, die Gemeinde aufzubauen – als irdischen sichtbaren Leib des auferweckten Jesus von Nazareth. Das ist so vergessen wie aufregend neu. bek

1 Joh 2,1-5a

Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt. Wenn wir seine Gebote halten, erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm. Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet.

Das vierte Paradies

8. April 2018, 2. Sonntag der Osterzeit B

In der jungen Schöpfung gab es laut Genesis einen von Gott angelegten Garten, wo der Mensch alles hatte, was er brauchte. Der Garten ging verloren – seither ist die Geschichte Gottes mit seinem Volk ständig dem Paradies auf den Spuren.

Es war zum Greifen nahe, als Israel, den Ägyptern entflohen, in der Wüste sich dem gelobten Land näherte. Einem überaus reichen Land, das allerdings nur durch das Halten der Torah zu gewinnen war. In weite Ferne rückte es für Israel im Exil. Wieder verheißen war es als Rückkehr und Wieder-Einzug ins Land – aus Erbarmen. Aber es blieb Verheißung, das Land besetzt, das Volk voller Not.

Lukas scheut sich nicht über die nachösterlichen Gemeinden zu sagen: Da litt niemand Not, denn sie hatten alles gemeinsam. Damit beschreibt er ihre nüchterne Realität als erfüllte Paradiesverheißung. tac

Apg 4,32-35

Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.

„Er ist nicht hier“

1. April 2018, Ostersonntag B

„Er ist nicht hier“, sagt der junge Mann den drei Frauen, die frühmorgens zum Grab Jesu kommen. Wo war der gekreuzigte und tote Jesus von Karfreitag bis Ostern? Theologen haben sich darüber den Kopf zerbrochen.

Im Credo heißt es: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ In vielen Darstellungen wird ausgemalt, wie die gerechten Toten der früheren Zeit aus dem Rachen des Todes befreit werden. Markus bietet eine andere Antwort. Die Frauen sollen den Jüngern und vor allem Petrus sagen: „Er geht euch voraus nach Galiläa.“ Keineswegs kommen sie dieser Aufforderung nach, sie fliehen verschreckt und entsetzt, sagen niemandem etwas. Geht man dem Verweis auf Galiläa nach: In Galiläa war Jesus aufgetreten; dort hatten ihn die Jünger, auch Petrus, gehört und gesehen, aber verstanden hatten sie nichts, bis zuletzt. Die Frauen suchten „Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten“, aber das Evangelium fängt so an: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“. „Der Christus der Evangelien ist der einzig wahre historische Jesus“ sagte Joseph Ratzinger bei einem Symposion in Israel. Ostern: den Jüngern geht auf, wer Jesus ist. ars

Mk 16,1-8

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang wegwälzen? Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.

Welttheater

25. März 2018, Palmsonntag B

Der Palmsonntag baut eine kleine Bühne auf. Auf dem Programm steht: Ankunft Jesu in Jerusalem, begeisterte Aufnahme, Prozess und Hinrichtung.

Das kleine liturgische Spiel am Anfang, wenn die Heutigen mit Zweigen in der Hand in die Kirche hineingehen, will sagen: Für die nächsten Momente sind sie Mitspieler in einer Geschichte, deren Teilnehmer sie in Wirklichkeit schon sind. In ihr sind die Getauften nicht Zuschauer, sondern Akteure. Die langen Texte sprengen dabei die Kurznachrichtenformate. Sie sprengen auch unsere kleine Welt. Das Drama ist nichts weniger, als das: Wie das Wollen Gottes sich in der Welt realisieren kann. Wie gelingt das? Die Antwort gibt Jesaja: Sich die Ohren öffnen lassen. Erschöpften unter die Arme greifen. Den Rücken hinhalten. acb

Jes 50,4-7

Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

Nostalgie?

11. März 2018, Vierter Fastensonntag B

Psalm 137 ist ein Lied der Trauer und Sehnsucht nach Jerusalem, das Israeliten im babylonischen Exil geschrieben haben. Das Ersehnte ist nicht nur „Heimat“, sondern Inbegriff der Verheißung Gottes.

Ja, um eine bestimmte Stadt geht es diesem Gott, um ein bestimmtes Land und ein Volk darin. So nämlich ist seine Logistik: von einem Punkt aus soll der ganzen Welt seine Vernunft und Güte bekannt werden. Um diesem Ziel näherzukommen, spannt er zum Beispiel auch den persischen Herrscher Kyrus im 6. Jh. B.C. ein. Kyrus bekennt sich als Dienstleister des Weltenherrn, des Gottes Israels, und lässt in dessen Auftrag den Jerusalemer Tempel wieder aufbauen: Der biblische Gott handelt durch Menschen, auch durch Heiden. bek

Ps 137,1-6 und 2 Chr 36,22-23

An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten wenn wir an Zion dachten. Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land. Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, unsere Peiniger forderten Jubel: „Singt uns Lieder vom Zion!“ Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, fern, auf fremder Erde? Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren. Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich an dich nicht mehr denke, wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

 

2 Chr 36,22-23
Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen, was der Herr durch Jeremia gesprochen hatte. Darum erweckte der Herr den Geist des Königs Kyrus von Persien und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich mündlich und schriftlich den Befehl verkünden: So spricht Kyrus, der König von Persien: Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen. Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört – der Herr, sein Gott, sei mit ihm –, der soll hinaufziehen.

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