Was zu hören ist

21. Juli 2019, 16. Sonntag im Jahreskreis C

In politischen Talkshows hört man oft: „Lassen Sie mich ausreden!“ Offensichtlich ist es schwierig, einem anderen zuzuhören, der einem etwas sagt, was man nicht schon zu wissen glaubt.

In einem Dorf Galiläas zur Zeit Jesu hat sich genau das zugetragen. Dieser Vorgang ist so ungewöhnlich, dass er einen kleinen Familienstreit auslöst. Der einen, die wirklich zuhört, ist das Neue, das Jesus zu sagen hat, wichtiger als alles andere. Für diejenigen, die meinen, dass sie schon alles wissen, kann sie zum Vorbild werden. Sie ist bereit sich einzuhören in sein Wort. Das ist nicht ganz ungefährlich: Man könnte Neues hören. ruk

Lk 10,38-42

Als sie weiterzogen, kam Jesus in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.

Keine Ausreden

14. Juli 2019, 15. Sonntag im Jahreskreis C

Wer kennt das nicht? Bei einer Einsicht, was getan werden sollte, gerät das Gehirn wie von selbst in einen beispiellosen Kreativitätsmodus – was alles dagegen spricht, das als vernünftig Erkannte auch zu tun.

Das steht dem Mose in seiner Abschiedsrede an das Volk Israel vor Augen. Er kennt seine Pappenheimer. Obwohl sie alles gelernt haben und wissen, was das Leben gelingen lässt, weichen sie am liebsten aus: ist zu schwer, zu umständlich, zu kompliziert usw. Mose räumt das Ausredenregal komplett leer. Zu weit entfernt, um das Original der rettenden Lebensordnung in die Hände zu bekommen? Nein, durch die Schöpfung, die Gottebenbildlichkeit – in deinem Herzen. Und durch die mühsame Lehr- und Lerngeschichte während der Wüstenzeit ist die Erkenntnis, wie ER das Leben in Seligkeit münden lassen will, allen in Israel nahegerückt. Näher als ein Buch, das man im Laden erwerben und lesen könnte. Wer diese Geschichte teilt, dem ist sie gleichsam zur zweiten Natur geworden, und darum kann er das Wort, die Lebensordnung Gottes, halten. bek

Dtn 30,11-14

Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht im Himmel, sodass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, sodass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können? Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Worauf es ankommt

7. Juli 2019, 14. Sonntag im Jahreskreis C

Die Entdeckung von Paulus, dass weder Beschneidung noch das Unbeschnittensein etwas gelte, war für ihn eine Revolution.

Er relativiert aber die Beschneidung nicht. Er predigt keine billige Toleranz und die Gleichheit aller. Denn die Beschneidung ist nicht bloß Trennmauer von den Heiden, sondern auch Schutzmauer um die Saat Gottes. Diese Mauer kann nur fallen, wo eine neue Wirklichkeit eingetreten ist, durch den gemeinsamen Blick auf die Geschichte Jesu. Das beschreibt Paulus mit „neue Schöpfung“ – nur sie zählt. tac

Gal 6,14–18

Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn es gilt weder die Beschneidung etwas noch das Unbeschnittensein, sondern: neue Schöpfung. Friede und Erbarmen komme über alle, die diesem Grundsatz folgen, und über das Israel Gottes. In Zukunft soll mir niemand mehr solche Schwierigkeiten bereiten. Denn ich trage die Leidenszeichen Jesu an meinem Leib. Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit eurem Geist, meine Brüder und Schwestern! Amen.

„Ich wollte dich nur auf einen anderen Gedanken bringen“ –

30. Juni 2019, 13. Sonntag im Jahreskreis C

Das sagt Merlin in dem gleichnamigen Stück von Tankred Dorst zu König Artus.

Der erweist sich als resistent, aber es gab oft Versuche, die Zeitgenossen auf andere Gedanken zu bringen. So in der Mitte des 19. Jahrhunderts der spätere Kardinal John Henry Newman. Es war die Hochzeit Darwins und der sogenannten Religionsgeschichte, die in der Bibel und im Christentum nichts Eigenes mehr sehen konnten –­ alles sei übernommen aus den Religionen der Umwelt. Dazu Newman, souverän und unängstlich: Es mag ja sein, dass die Engel eine Erfindung Babylons sind, für uns ist nur wichtig, dass sie in Bethlehem gesungen haben.
1905 formulierte der protestantische Exeget Julius von Wellhausen seine Erkenntnis: „Jesus war kein Christ, sondern ein Jude.“ Als hundert Jahre später eine italienische Donna erstmals damit konfrontiert wurde, war ihre spontane Reaktion: Jesus ja, vielleicht – Ma la Madonna no!
Im heutigen Evangelium fordert Jesus einen auf –­ er ist auf dem Weg nach Jerusalem und ahnt wohl, wie das für ihn enden wird –, sich ihm anzuschließen. Der ist bereit, will aber erst noch seinen Pietätspflichten nachkommen und seinen Vater begraben. Was muss er sich anhören? „Lass die Toten ihre Toten begraben.“ Es ist nicht überliefert, wie er sich entschieden hat; wir wissen nur, dass Jesus seinen Weg nach Jerusalem fortsetzte. ars

Lk 9,51-62

Es geschah aber: Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samariter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen in ein anderes Dorf.

Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben! Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Abraham 2.0

23. Juni 2019, 12. Sonntag im Jahreskreis C

Was der Gemeindegründer und Briefautor Paulus an ein paar christliche Gemeinden in Anatolien schreibt, erzählt nichts weniger als einen Umsturz:

die völlige Überwindung der drei für unüberbrückbar gehaltenen tiefen sozialen Spaltungen der Antike, in Juden und Nichtjuden, Männer und Frauen, freie Menschen und Sklaven. Paulus skizziert dabei keine Utopie. Das neue Miteinander findet nicht irgendwo und irgendwann statt, sondern ist Realität geworden in den Gemeinden der Jünger des Juden Jesus von Nazareth. Es ist heute leicht, das Wort des Paulus multikulturell, gendergerecht oder klassenkämpferisch zu lesen. Aber hier geht es um etwas Anderes. Nicht die strategische Aufhebung der Unterschiede bringt die neue Erfahrung hervor. Vielmehr ist es das „Christus-Gehören“, das Sich-Einklinken in die Geschichte und das Wissen des jüdischen Volkes, das das Gewicht der Differenzen aufhebt und die alten Schranken wegräumt. Es ist ein qualitativer Sprung innerhalb des Volkes, das mit Abraham begann und Gott als Labor für eine neue Gesellschaft dient. acb

Gal 3,26-29

Ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben gemäß der Verheißung.

Wohnungssuche

16. Juni 2019, Dreifaltigkeitssonntag C

Von der ersten Zeile an entfaltet die Bibel in immer neuen Bildern die Erfahrung, dass der jenseitige Gott unserem Diesseits in schöpferischer Zuneigung verbunden ist.

Das Buch der Sprichwörter findet dafür das Bild der personifizierten Weisheit. Sie ist schon im Anfang bei Gott wie ein Kind, spielt vor ihm und ist seine Freude. Zugleich spielt sie auf der Erde und es ist ihre Freude, bei den Menschen zu sein. So verkörpert die Weisheit das innere Woraufhin der Schöpfung: Gott will bei den Menschen sein, er will eine Geschichte mit ihnen. Darum gibt er von sich, was ihn freut, schenkt Maß und Ordnung, seine Weisheit. Im Lauf dieser Geschichte nimmt dann die ewige Weisheit Gottes, der Logos, bei den Menschen Wohnung, in Nazareth. hak

Spr 8,22-31

Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde. Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren. Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands. Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, als er dem Meer sein Gesetz gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

Am gleichen Ort

9. Juni 2019, Pfingstsonntag C

In vielen Pfarreien ist es mühsam für Pfingsten einen Chor zusammenzustellen, weil fast alle ins Grüne fahren. Wie anders klingt der Bericht aus der Apostelgeschichte.

Da kommen die Vielen zum Wochenfest nach Jerusalem zusammen. Sie feiern, dass das Volk Israel die „Weisung“ bekommen hat, die Anleitung für ein gutes Leben. Heute können wir staunen, dass es diese Mitte immer noch gibt. Die Freude darüber führt zusammen. Zentripetal statt zentrifugal würde die Physik diese Bewegung nennen. Die Apostelgeschichte nennt den Bezugspunkt „Gottes große Taten“. ruk

Apg 2,1-11

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Herrlichkeit

2. Juni 2019, Siebter Sonntag in der Osterzeit C

Im Alten Testament bezeichnet das Wort von der Herrlichkeit das Sichtbare an Gott.

Die Existenz Jesu und sein Wirken schreiben dieses Thema fort – hier in der Form eines Gebetes. Es fasst sein ganzes Leben zusammen. Im Hören auf ihn, in der Einheit mit ihm, ereignet sich konkret die ganze dem Menschen mögliche Einheit mit Gott. Das Gebet Jesu bindet seine Zeit mit allen Generationen von Glaubenden zusammen. In dieser Kontinuität und Einheit die Herrlichkeit Gottes zu zeigen, ist somit Auftrag der Kirche. bek

Joh 17,20-26

Jesus erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.

Das Bauprinzip des himmlischen Jerusalem

26. Mai 2019, Sechster Sonntag der Osterzeit C

Die Stadt aus dem Himmel ist eine Vision der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen“ Kirche in ihrer vollendeten Gestalt. Ihre tiefe, unzertrennliche Verwobenheit mit Israel gehört zu ihrem Wesen:

Sie heißt Jerusalem, und die Zwölferzahl erscheint als Prinzip ihres Bauplans. Seltsam ist nur, dass „die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels“ an den Toren, während „die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ auf den Grundsteinen geschrieben stehen. Umgekehrt wäre es vielleicht logischer: Israel als Fundament und darüber die Apostel. Das Bauprinzip der Vision deutet an, dass der Zugang zur Kirche weiterhin und ausschließlich die Geschichte Israels bleibt. tac

Offb 21,10-23

Da entrückte er mich im Geist auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis. Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf. Auf die Tore sind Namen geschrieben: die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels. Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore. Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. Und der Engel, der zu mir sprach, hatte einen goldenen Messstab, um die Stadt, ihre Tore und ihre Mauer zu messen. Die Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit. Er maß die Stadt mit dem Messstab; ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich: zwölftausend Stadien. Und er maß ihre Mauer; sie ist hundertvierundvierzig Ellen hoch nach Menschenmaß, das der Engel benutzt hatte. Ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut und die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas. Die Grundsteine der Stadtmauer sind mit edlen Steinen aller Art geschmückt; der erste Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardion, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Die zwölf Tore sind zwölf Perlen; jedes der Tore besteht aus einer einzigen Perle. Die Straße der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas. Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.

Neuheit – Altheit

19. Mai 2019, Fünfter Sonntag der Osterzeit C

Von dem Kirchenvater Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert ist das Wort überliefert: „Christus brachte alle Neuheit.“

Besieht man daraufhin die Texte des heutigen Sonntags, begegnet der Gedanke des Neuen gleich dreimal. In der 2. Lesung aus der Apokalypse: „Neu mache ich alles.“ Im Evangelium: „Ein neues Gebot gebe ich euch.“ Und dann im Schlussgebet als Bitte: „Mache, dass dein Volk zur Neuheit des Lebens übergehe (transire) aus der vetustas (oldness)“ – ein adäquates Wort für vetustas gibt es im Deutschen nicht. Vor achtzig Jahren präsentierte Karl Prümm seine Beobachtungen zum frühen Christentum in der antiken Welt unter dem Titel „Christentum als Neuheitserlebnis“: Erst diese Neuheit ließ alles Bisherige, Sonstige alt aussehen. Das Problem ist: Wenn diese Neuheit kraftlos und unansehnlich wird, verschwindet das Andere nicht, nur heißt es jetzt Normalität. Der Transit von A nach B ist keine Autobahn, sondern ein schmaler Pfad, immerhin staufrei. ars

Offb 21,1-5a

Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.

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