Prophetisches Feuer

13. Dezember 2015, 3. Advent

Zu Johannes dem Täufer kommen die Leute und fragen – gut jüdisch: „Was sollen wir tun?“ Er gibt vernünftige, ethische Anweisungen. Aber er ist noch nicht fertig.

Er sagt noch, nach ihm komme jemand, der größer sei als er, der werde nicht mit Wasser, sondern mit Feuer taufen.

Dass Johannes nicht meint, der Größte zu sein, ist schon erstaunlich. Aber noch erstaunlicher ist es, dass tatsächlich jemand nach ihm kommt.

Und woher ist dessen Feuer? Von den Propheten.

Der Prophet Zefanja sagt zum Volk Gottes: „Gott freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt.“ Aber liefert das Volk einen Grund für diese Freude Gottes? Nein, ganz im Gegenteil! Auch das weiß Zefanja. Doch er weiß noch etwas: „Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben.“ Gaudete! tac

Zef 3,14-17

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.

Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.

Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!

Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Adventliches Prinzip

6. Dezember 2015, 2. Advent

Baruch sagt: Gott bahnt einen Weg durch die Wüste für sein Volk. Lukas lässt Jesaja rufen: Das Volk soll Gott einen Weg bahnen durch die Wüste.

Baut Gott den Weg für sein Volk? Oder baut das Gottesvolk den Weg für seinen Gott?

Die Stärke und die Freude des Advents ist die Erkenntnis, dass die zwei Aktionen ineinander fallen: Ganz Gott und ganz Mensch, alles von Gott und alles durch den Menschen.

Denn jeder Handgriff, den Gott tut, müssen wir tun. Und jeden Handgriff, den wir im Vertrauen auf Gott tun, macht er. tac

Lk 3,1-6

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: / Bereitet dem Herrn den Weg! / Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, / jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, / was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

Bar 5,1-9

Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht. Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen. Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht. Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat. Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu dir, ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte. Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß. Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.

Keine besinnliche Vorweihnachtszeit

29. November 2015, 1. Advent

Wer eine besinnliche Vorweihnachtszeit begehen möchte, wird die Prophezeiung des Jeremia als unliebsame Störung empfinden.

In ihr geht es nämlich nicht um ein Fest der Familie und der Liebe, sondern um Recht und Gerechtigkeit, um eine Gesellschaft, in der der Starke dem Schwachen zu Hilfe kommt.

Um Weihnachten richtig zu feiern, müssten wir offensichtlich die Propheten neu verstehen. Nicht als Herolde eines ‚holden Knaben‘, sondern als Kritiker der politischen und sozialen Wirklichkeit. Sie verheißen, dass diese verändert werden muss und auch verändert werden kann. Nämlich dann, wenn einer sich findet, der herrscht, indem er dem Plan Gottes dient. Er wird den Namen tragen ‚JHWH ist unsere Gerechtigkeit‘ – und ihn mit Leben füllen. mim

Jer 33,14-16

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn –, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit.

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