Warum ein Prophet im eigenen Land nichts vermag

31. Januar 2016

Jesus predigt in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret. Er legt eine biblische Prophezeiung aus und bringt seine Zuhörer zum Staunen.

Doch wenig später geraten sie in Wut, treiben ihn zur Stadt hinaus und wollen ihn töten.

Ein einziger Satz hatte beides ausgelöst: “Heute hat sich das Schriftwort in euren Ohren erfüllt.” Dass sich die Verheißungen “heute” erfüllen, das freudige Staunen. Dass sie sich “in den Ohren” erfüllen, also nur da, wo sie gehört und angenommen werden, die zornige Erregung.

In Nazaret tat Jesus keine Wunder, er konnte es einfach nicht. Denn seine Landsleute wollten lieber an einen Wundertäter glauben als an das, was sie selbst vermocht hätten, wenn sie seinen Worten gefolgt wären. mim

Lk 4,21-30

In jener Zeit begann Jesus in der Synagoge in Nazareth darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

Was eine richtige Predigt ist

24. Januar 2016

Wer heute zum Gottesdienst geht, wird durch die alttestamentliche Lesung und das Evangelium in zwei frühere Parallelveranstaltungen hereingezogen: In das, was mit dem Priester Esra in Jerusalem stattfindet, und was sich der Laie Jesus in der Synagoge von Nazareth herausnimmt.

Beide machen, was den christlichen Wortgottesdienst bis heute strukturiert: Sie lesen aus den Schriften vor – Esra aus der Tora, Jesus aus den Propheten – und legen das Vorgelesene aus.

Die Leute in Jerusalem weinen, wenn sie die Tora hören. Sie realisieren, wie weit ihre Lebenswirklichkeit davon entfernt ist; sie reagieren. Auch in Nazareth reagieren die Leute – empört. ars

Neh 8,2-4a.5-6.8-10

In jenen Tagen brachte der Priester Esra das Gesetz vor die Versammlung; zu ihr gehörten die Männer und die Frauen und alle, die das Gesetz verstehen konnten. Vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten, das Gesetz vor. Das ganze Volk lauschte auf das Buch des Gesetzes. Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigens dafür errichtet hatte. Esra öffnete das Buch vor aller Augen; denn er stand höher als das versammelte Volk. Als er das Buch aufschlug, erhoben sich alle. Dann pries Esra den Herrn, den großen Gott; darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen! Sie verneigten sich, warfen sich vor dem Herrn nieder, mit dem Gesicht zur Erde. Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. Der Statthalter Nehemia, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sagten dann zum ganzen Volk: Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes. Seid nicht traurig, und weint nicht! Alle Leute weinten nämlich, als sie die Worte des Gesetzes hörten.
Dann sagte Esra zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl, und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.

Lk 1,1-4; 4,14-21

Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest. Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Überfluss

17. Januar 2016

Gut 600 Liter Wein für eine nicht mehr ganz frische Hochzeitsgesellschaft – das ist Jesu erstes Wunder im Johannes-Evangelium. Warum so viel Wein?

Der Evangelist weiß, was Jesaja angekündigt hat und zeigt, dass es mit Jesus da ist: Eine neue Brautzeit Gottes mit seinem Volk. Die überfließende Menge des besonders guten Hochzeitsweins ist ein erstes Zeichen dafür. Wer sieht und versteht das? Die verständige Mutter Jesu, die Tochter Zion, ist präsent. Sie kennt die ‚Wunderformel‘: „Was er euch sagt, das tut“. Außerdem sind die kurz vorher berufenen Jünger da. Es ist auch für sie Jesu erstes Zeichen. Erkennen sie darin Gottes überfließende Zuneigung zu Israel? Nach Joseph Ratzingers Einführung ins Christentum ist Überfluss die eigentliche Definition der Heilsgeschichte. hak

Lk 3,1-6

Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.

Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.

Wer tröstet sein Volk?

10. Januar 2016, 1. Sonntag im Jahreskreis

„Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott!“ – Wer redet da? Natürlich, Gott will, dass sein Volk getröstet wird.

Wer aber weiß und sagt, dass Gott sein zerstreutes Volk nun trösten will? Es ist der Deuterojesaja genannte exilische Prophet. Doch an wen wendet er sich? Wer soll Israel trösten?

Kurz danach heißt es: „Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste!“ Wer erhebt da seine Stimme? Und wer wird den Weg bereiten, damit Gott mit den Verbannten heimkehren kann?

Papst Benedikt XVI. sprach einmal von den ‚wartenden Worten‘. Worte, die darauf warten, ausgesprochen und gehört zu werden. So wartete das Wort vom Wegbereiten, bis Johannes kam und in der Wüste den Weg der Umkehr bahnte. Und das Wort von der Tröstung Jerusalems, bis Jesus kam und seinem Volk die Nähe Gottes brachte. mim

Jes 40, 1-5.9-11

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden. Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen. Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott. Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her. Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.

Was der Anfang der Weisheit ist

3. Januar 2016

Erasmus von Rotterdam hat Jahrhunderte vor allem mit seinem „Lob der Torheit“ überlebt, einem Pamphlet, das Martin Luther fast alle Munition für seine Kritik an der Papstkirche lieferte.

In dieser vorreformatorischen Phase repräsentierte er eine Position, die später Aufklärung und Religionskritik heißt. In der Lesung heute: „Die Weisheit lobt sich selbst.“ Torheit – Weisheit: Diese typisierte Entgegensetzung übernahmen jüdische Weisheitslehrer wie Jesus Sirach aus dem Skeptizismus, der die späthellenistische Ära prägte. Sie verstehen sich auch als deren Zeitgenossen, wie das Buch Kohelet eindrücklich zeigt. Aber sie verbleiben nicht in Resignation. Sie arbeiten dagegen an. Und dazu bieten sie auf, was ihre Tradition und die daraus gewonnene Erkenntnis ist: „Der Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn.“ Sie setzen ein anderes Vorzeichen. ars

Sir 24,1-2.8-12

Die Weisheit lobt sich selbst, sie rühmt sich bei ihrem Volk. Sie öffnet ihren Mund in der Versammlung Gottes und rühmt sich vor seinen Scharen: Da gab der Schöpfer des Alls mir Befehl; er, der mich schuf, wusste für mein Zelt eine Ruhestätte. Er sprach: In Jakob sollst du wohnen, in Israel sollst du deinen Erbbesitz haben. Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen, und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. Ich tat vor ihm Dienst im heiligen Zelt und wurde dann auf dem Zion eingesetzt. In der Stadt, die er ebenso liebt wie mich, fand ich Ruhe, Jerusalem wurde mein Machtbereich. Ich fasste Wurzel bei einem ruhmreichen Volk, im Eigentum des Herrn, in seinem Erbbesitz.

Konzentrische Kreise

27. Dezember 2015

Jesus geht zwölfjährig als „Bar Mitzwa“ („Sohn des Gesetzes“) mit seiner Familie zum Fest nach Jerusalem. Die wöchentliche Zusammenkunft am Sabbat in der Synagoge in Nazareth reicht nicht aus.

Zu den großen Festen muss „die ganze Gemeinde Israel“ in Jerusalem zusammenkommen. Beim Fest erinnert sich das Volk an seine Befreiungsgeschichte und hört und fragt nach deren Aktualisierung.

Das ist das Milieu, in dem Jesus aufwächst. Zur „heiligen Familie“ Jesu gehört also auch die größere Gemeinschaft, „das heilige Volk Gottes“. Für Jesus existiert Familie in konzentrischen Kreisen: innen der Familientisch, dann die Gemeinschaft der Heimatsynagoge und als umfassende Familie die Glaubensgemeinschaft des Festes in Jerusalem. Dort muss er sein, bei diesem Paschafest und bei seinem letzten. hak

Lk 2,41-51

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

Vorübungen

20. Dezember 2015, 4. Advent

Im Leib der Elisabeth vollführt der noch ungeborene Johannes einen Freudensprung, wenn Maria sie begrüßt: Er hüpft.

Mit dieser spontanen Art der Bewegung geht die Bibel sonst sehr sparsam um, sie bleibt besonderen Ereignissen vorbehalten. Z.B. wenn Israel mit trockenen Füßen durch das Schilfmeer ans sichere Ufer gelangt. „Da hüpften sie wie Lämmer“, heißt es (Wsh 19, 9). Nicht nur Israel hüpft vor Freude: „Die Berge hüpften wie Widder, die Hügel wie junge Schafe“ (Ps 114, 4). Auch im Hohelied wird gehüpft. Was hört und sieht die Geliebte? „Horch! Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel“ (Hl 2,5).

Der Evangelist Lukas versteht offenbar die spontane Regung als Bewegungsübung, als Training für das nahe, freudige Ereignis: „Er kommt.“ – Ähnlich der kleine Manés Sperber. Von ihm erzählt man sich, er hätte sich darin geübt, auf den Händen zu gehen. Denn er hatte gehört, dass in der kommenden Welt alles Kopf stehen werde. ars

Lk 1,39-56

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, / und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. / Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan / und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht / über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: / Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron / und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben / und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an / und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, / Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Prophetisches Feuer

13. Dezember 2015, 3. Advent

Zu Johannes dem Täufer kommen die Leute und fragen – gut jüdisch: „Was sollen wir tun?“ Er gibt vernünftige, ethische Anweisungen. Aber er ist noch nicht fertig.

Er sagt noch, nach ihm komme jemand, der größer sei als er, der werde nicht mit Wasser, sondern mit Feuer taufen.

Dass Johannes nicht meint, der Größte zu sein, ist schon erstaunlich. Aber noch erstaunlicher ist es, dass tatsächlich jemand nach ihm kommt.

Und woher ist dessen Feuer? Von den Propheten.

Der Prophet Zefanja sagt zum Volk Gottes: „Gott freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt.“ Aber liefert das Volk einen Grund für diese Freude Gottes? Nein, ganz im Gegenteil! Auch das weiß Zefanja. Doch er weiß noch etwas: „Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben.“ Gaudete! tac

Zef 3,14-17

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.

Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.

Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!

Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Adventliches Prinzip

6. Dezember 2015, 2. Advent

Baruch sagt: Gott bahnt einen Weg durch die Wüste für sein Volk. Lukas lässt Jesaja rufen: Das Volk soll Gott einen Weg bahnen durch die Wüste.

Baut Gott den Weg für sein Volk? Oder baut das Gottesvolk den Weg für seinen Gott?

Die Stärke und die Freude des Advents ist die Erkenntnis, dass die zwei Aktionen ineinander fallen: Ganz Gott und ganz Mensch, alles von Gott und alles durch den Menschen.

Denn jeder Handgriff, den Gott tut, müssen wir tun. Und jeden Handgriff, den wir im Vertrauen auf Gott tun, macht er. tac

Lk 3,1-6

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: / Bereitet dem Herrn den Weg! / Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, / jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, / was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

Bar 5,1-9

Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht. Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen. Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht. Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat. Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu dir, ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte. Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß. Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.

Keine besinnliche Vorweihnachtszeit

29. November 2015, 1. Advent

Wer eine besinnliche Vorweihnachtszeit begehen möchte, wird die Prophezeiung des Jeremia als unliebsame Störung empfinden.

In ihr geht es nämlich nicht um ein Fest der Familie und der Liebe, sondern um Recht und Gerechtigkeit, um eine Gesellschaft, in der der Starke dem Schwachen zu Hilfe kommt.

Um Weihnachten richtig zu feiern, müssten wir offensichtlich die Propheten neu verstehen. Nicht als Herolde eines ‚holden Knaben‘, sondern als Kritiker der politischen und sozialen Wirklichkeit. Sie verheißen, dass diese verändert werden muss und auch verändert werden kann. Nämlich dann, wenn einer sich findet, der herrscht, indem er dem Plan Gottes dient. Er wird den Namen tragen ‚JHWH ist unsere Gerechtigkeit‘ – und ihn mit Leben füllen. mim

Jer 33,14-16

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn –, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit.

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