Wer ist das? (2)

19. Juni 2016, 12. Sonntag im Jahreskreis C

Diesmal provoziert Jesus selbst die Frage: „Für wen halten mich die Leute?“

Nach den Umfragen des damaligen Allensbach-Instituts wird er irgendwo bei den Propheten Israels eingeordnet. Das ist schon viel gegenüber dem „Sohn des Zimmermanns“. Petrus geht darüber hinaus: „Der Messias Gottes.“ Ihm ist nicht bewusst, welche Lawine er damit lostritt, Jesus schon: Er verhängt absolutes Redeverbot. Erst wenn ihn im Verhör der Hohepriester fragt: „Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?“ sagt er dazu öffentlich Ja und wird dafür verurteilt.
Ein Messias, der leiden muss und scheitert, ist undenkbar; auch Petrus ist das wie den anderen Elf absolut fremd, ebenso den späteren Rabbinen. Jesus – vor allem ein Dekonstruktivist? ars

Lk 9, 18-24

In jener Zeit, als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Wer ist das? (1)

11. Juni 2016, 11. Sonntag im Jahreskreis C

Das fragen sich die Gäste, die der Pharisäer Simon miteingeladen hatte und zu unfreiwilligen Zeugen einer pikanten Szene macht. Offenbar kannte Jesus keinerlei Berührungsängste.

Man liegt, nach hellenistischer Sitte auf Sofas ausgestreckt, zu Tisch, die Linke als Kopfstütze nutzend, die Rechte frei zum Hantieren. Jesus wieder einmal in schlechter Gesellschaft?

Die stadtbekannte Frau mit dem Alabastergefäß – notwendiges Accessoire ihres Gewerbes – bricht in das scheinbar friedliche Idyll ein und sorgt für Irritationen. Simon sieht sich in seinem Vorurteil bestätigt: Kein Prophet! Die anderen Gäste: Er vergibt Sünden – Gotteslästerung! Was die Frau mit dem Öl und ihren Tränen sagen wollte, wenn sie Jesus die Füße salbt? Vielleicht dies: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der hören lässt: Friede. Befreiung.“ (Jes 52,7) ars

Lk 7,36-50

Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! 

Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Was Paulus aufging

5. Juni 2016, 10. Sonntag im Jahreskreis C

Auf dem Petersplatz in Rom stehen sie beide auf hohen Sockeln, der eine mit dem Schlüssel in der Hand, der andere mit dem Schwert: Petrus und Paulus,

von der Peripherie herkommend, beide mit Migrationshintergrund, um der Metropole des römischen Imperiums das „Reich, das nicht von dieser Welt“ ist, zu bringen. Rom – die Stadt der Apostelfürsten, nicht mehr der Kaiser?

Dabei hatte Paulus die schlechteren Karten. Er war nicht wie Petrus und die anderen seit der Taufe des Johannes mit Jesus gewesen; er kannte ihn nicht, hatte ihn nie gesehen und gehört. Er war keiner von den Zwölf, die Jesus kreiert hatte als den Anfang eines erneuerten Israel. Paulus zündet gleichsam den Sprengsatz, den Jesus gelegt hatte: Das Evangelium ist auch für die Heiden. Die Zwölf heißen jetzt Apostel; und da ist auch Platz für Paulus. Die Ungeheuerlichkeit dieses Schrittes über Jesus hinaus versucht er, den Galatern verständlich zu machen. ars

Gal 1,11-19

Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen. Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte. In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk, und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein.
Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate; ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück. Drei Jahre später ging ich hinauf nach Jerusalem, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn.

Jesus wundert sich

29. Mai 2016, 9. Sonntag im Jahreskreis C

Manchmal beklagt Jesus, dass er kein Wunder tun kann, weil es am Glauben mangelt. Bei diesem Heiden wundert er sich, dass so viel Glaube vorhanden ist.

Jesus braucht gar nichts zu tun, das Wunder ist ihm buchstäblich zuvorgekommen. 
Das Wunder, um das der heidnische Hauptmann bittet, ist vorbereitet: 1. Er liebt Israel, nicht nur innerlich, sondern hat sogar eine Synagoge finanziert. 2. Er schätzt seine Diener und ist besorgt um ihre Gesundheit. 3. Er setzt auf die neue Kraft, die Jesus umtreibt. 4. Er nimmt sich zurück.
Jesus ist so sprachlos, dass er sogar das eine Wort, das der Hauptmann für die Heilung notwendig hielt, nicht zu sprechen braucht. Der Diener ist geheilt. Eine kleine Nebenwirkung des großen Wunders: ein Heide glaubt. tac

Lk 7,1-10

Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten.  Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. 

Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Fortgeschriebene Wahrheit

22. Mai 2016, Dreifaltigkeitssonntag

Der Ausgangspunkt konnte nicht der Olymp oder der Kilimandscharo sein.

Nur um den Sinai herum war es versammelt, ein „störrisches Volk“, das (wie die Rabbiner später sagen) sich bereit erklärt hatte, erst zu tun und dann die Wahrheit dessen zu begreifen, was auf den beiden Tafeln geschrieben war.
Aber so weit war es am Sinai offenbar noch nicht. Das Wort „ist dir nahe“, sagt später der Deuteronomist, wenn es ins Herz eingeschrieben ist. Jesus aus Nazareth muss es in einzigartiger Weise beherzigt haben.

Da ist die ganze Trinität versammelt: Gott, der herabsteigt, indem der Sohn versteht, was er sagen will, und der Heilige Geist, der nicht aufhört, das auszubuchstabieren, was der Sohn vom Vater erkannt hat. ars

Joh 16,12-15

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Finger Gottes

15. Mai 2016, Pfingsten

„Der Finger an Gotts rechter Hand“ – so übersetzte Martin Luther den entsprechenden Vers aus dem Hymnus Veni, Creator Spiritus, der Rhabanus Maurus (10. Jh.) zugeschrieben wird.

Oft ist von der Hand oder dem erhobenen Arm die Rede, um das Handeln Gottes zu umschreiben, nur selten vom Finger. Im Psalm 8 wird der Himmel als das „Werk deiner Finger“ besungen; vom Sinai bringt Mose zwei steinerne Tafeln mit, „auf die der Finger Gottes geschrieben hatte“ (Ex 31,18). Vielleicht hat sich der Dichter am meisten von dem inspirieren lassen, was die ägyptischen Weisen zum Pharao sagen, wenn Mose und Aaron ihn mit den „ägyptischen Plagen“ zum Einlenken bewegen sollen: „Das ist der Finger Gottes“ (Ex 8,15). Von Jesus ist überliefert: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen“ (Lk 11,20). Anderes Wort für Pfingsten: hoffen dürfen, einmal seine Handschrift irgendwo zu erkennen. ars

Apg 2,1-11

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Paulus an der Garderobe

8. Mai 2016, 7. Sonntag der Osterzeit

Erst nach dem ersten Viertel der Apostelgeschichte wird Saulus aus Tarsus wie nebenbei in die Geschichte der frühen Kirche eingeführt: „Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.“

Er fungiert als Garderobiere, eine Randfigur. Was er da erlebt – die Steinigung des Hellenisten Stephanus, der zum Abfall von Mose und der Tora verführt –, wird für ihn Programm: Diese neue jüdische Sekte um Jesus muss bekämpft und erstickt werden.

Wahrscheinlich hat Paulus später selbst die ‚Damaskus-Legende‘ in Umlauf gebracht. Er war ein Niemand. Er erfüllte nicht die Kriterien für einen richtigen Jünger Jesu. Er war Jesus nie begegnet. Ein skeptisch beäugter, chancenloser Quereinsteiger. Vierzehn Jahre verbrachte er in seiner Heimat, bis Barnabas ihn ausfindig machte und zurückholte.

Die hellenistisch inspirierte Ausweitung des Judentums, die Stephanus noch mit dem Leben bezahlen musste, wird für Paulus zur unerwarteten Chance: Vom Garderobiere avanciert er zum authentischen Interpreten Jesu. ars

Apg 7,55-60

In jenen Tagen blickte Stephanus, erfüllt vom Heiligen Geist, zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

Der Heilige Geist und wir

1. Mai 2016, 6. Sonntag der Osterzeit

„Jesus verkündete die basileia Gottes, und gekommen ist die Kirche.“ Diesem (heute als resignativ wahrgenommenen) Satz von Alfred Loisy muss sich stellen, wer erklären will, wann, warum und wie es zur Gründung der Kirche kam.

War sie schon durch den historischen Jesus grundgelegt, als er die Zwölf schuf? Oder in Cäsarea-Philippi, wenn Petrus zum Fels erhoben wird, „auf dem ich meine Kirche bauen werde“? Oder beim Letzten Mahl Jesu oder an Pfingsten?

Der zweiten Lesung zum sogenannten Apostelkonzil ist zu entnehmen, dass die da Versammelten eine so nie gestellte Frage entscheiden sollten: Können Heiden in die christliche Gemeinde aufgenommen werden, ohne die Tora mit ihren Konsequenzen zu übernehmen? In ihrem Brief begründen sie ihre Entscheidung: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“. Sie überschreiten damit eine rote Linie. Sie deuten, was Jesus lehrte, neu. Sie verharren nicht beim Anfang. Sie schreiben den Anfang fort im Geist Jesu. Die Kirche – und ihre Gründung – wird verstehbar als ein Prozess, der andauert. ars

Apg 15,1-2.22-29

In jenen Tagen kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden. Nach großer Aufregung und heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und Paulus und Barnabas beschloss man, Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen sollten wegen dieser Streitfrage zu den Aposteln und den Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen. Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern. Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit: Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien. Wir haben gehört, dass einige von uns, denen wir keinen Auftrag erteilt haben, euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben. Deshalb haben wir uns geeinigt und beschlossen, Männer auszuwählen und zusammen mit unseren lieben Brüdern Barnabas und Paulus zu euch zu schicken, die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben. Wir haben Judas und Silas abgesandt, die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen. Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl!

Eine Tür zum Osterglauben

24. April 2016, 5. Sonntag der Osterzeit

Paulus und Barnabas, die nach der Erfahrung von Jesu Tod und Auferstehung in Kleinasien unterwegs sind, finden in jeder Stadt, die sie bereisen, eine Synagoge.

Den Ort für das Erziehen der Kinder, das Studieren, das Beten und Streitschlichten, die Unterstützung der Armen und das Beherbergen von Gästen. Sie finden in jeder Stadt eine Gemeinde, die jede Woche die Schriften liest und darüber diskutiert. Und sie finden Menschen, die vom Judentum fasziniert sind, sich aber vor einem Übertritt scheuen. Diesen sogenannten ‚Gottesfürchtigen‘ genügen wenige Worte der beiden Apostel über Jesus. Den biblischen Glauben kennen sie ja. Ihnen fehlte nur diese ‚Tür‘, um hineinzugehen. mim

Apg 14,21b-27

In jenen Tagen kehrten Paulus und Barnabas nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück. Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. In jeder Gemeinde bestellten sie durch Handauflegung Älteste und empfahlen sie mit Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten. Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien, verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab. Von dort fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes empfohlen hatte. Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.

Am Rande der Sprache

17. April 2016, 4. Sonntag der Osterzeit

In der himmlischen Versammlung aus der Johannes-Offenbarung taucht eine weißgewandete Schar auf: „die aus der großen Bedrängnis kommen“. Woher das weiße Gewand, der Ursprung des Taufkleids?

 

Der Text gibt eine Erklärung: „Sie haben ihre Gewänder weiß gewaschen im Blut des Lammes.“ Die unreinen Kleider werden durch Blut gewaschen, damit sie weiß werden – chemisch nicht möglich. Offenbar Andeutungen am Rande der Sprache, über das Unvorstellbare, das Wunder, das schon der Prophet geheimnisvoll ahnt: „…durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,5) Das Wunder Erlösung als Reinigung.

Das ist eine singuläre Formulierung über die Gewaltlosigkeit als Schlüssel für das biblische Gottesbild. Für Christen bekommt der seit Abraham altbekannte Gott eine neue Definition: Jesus. Ein Gott, der nie durch Gewalt eingreift – aber durch das Erdulden von Gewalt, durch das Kreuz Jesu und den Tod der Märtyrer, in die Welt eingegriffen hat. tac

Offb 7, 9.14b-17

Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden, und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.

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