Vorübungen

20. Dezember 2015, 4. Advent

Im Leib der Elisabeth vollführt der noch ungeborene Johannes einen Freudensprung, wenn Maria sie begrüßt: Er hüpft.

Mit dieser spontanen Art der Bewegung geht die Bibel sonst sehr sparsam um, sie bleibt besonderen Ereignissen vorbehalten. Z.B. wenn Israel mit trockenen Füßen durch das Schilfmeer ans sichere Ufer gelangt. „Da hüpften sie wie Lämmer“, heißt es (Wsh 19, 9). Nicht nur Israel hüpft vor Freude: „Die Berge hüpften wie Widder, die Hügel wie junge Schafe“ (Ps 114, 4). Auch im Hohelied wird gehüpft. Was hört und sieht die Geliebte? „Horch! Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel“ (Hl 2,5).

Der Evangelist Lukas versteht offenbar die spontane Regung als Bewegungsübung, als Training für das nahe, freudige Ereignis: „Er kommt.“ – Ähnlich der kleine Manés Sperber. Von ihm erzählt man sich, er hätte sich darin geübt, auf den Händen zu gehen. Denn er hatte gehört, dass in der kommenden Welt alles Kopf stehen werde. ars

Lk 1,39-56

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, / und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. / Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan / und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht / über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: / Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron / und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben / und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an / und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, / Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Prophetisches Feuer

13. Dezember 2015, 3. Advent

Zu Johannes dem Täufer kommen die Leute und fragen – gut jüdisch: „Was sollen wir tun?“ Er gibt vernünftige, ethische Anweisungen. Aber er ist noch nicht fertig.

Er sagt noch, nach ihm komme jemand, der größer sei als er, der werde nicht mit Wasser, sondern mit Feuer taufen.

Dass Johannes nicht meint, der Größte zu sein, ist schon erstaunlich. Aber noch erstaunlicher ist es, dass tatsächlich jemand nach ihm kommt.

Und woher ist dessen Feuer? Von den Propheten.

Der Prophet Zefanja sagt zum Volk Gottes: „Gott freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt.“ Aber liefert das Volk einen Grund für diese Freude Gottes? Nein, ganz im Gegenteil! Auch das weiß Zefanja. Doch er weiß noch etwas: „Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben.“ Gaudete! tac

Zef 3,14-17

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.

Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.

Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!

Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Adventliches Prinzip

6. Dezember 2015, 2. Advent

Baruch sagt: Gott bahnt einen Weg durch die Wüste für sein Volk. Lukas lässt Jesaja rufen: Das Volk soll Gott einen Weg bahnen durch die Wüste.

Baut Gott den Weg für sein Volk? Oder baut das Gottesvolk den Weg für seinen Gott?

Die Stärke und die Freude des Advents ist die Erkenntnis, dass die zwei Aktionen ineinander fallen: Ganz Gott und ganz Mensch, alles von Gott und alles durch den Menschen.

Denn jeder Handgriff, den Gott tut, müssen wir tun. Und jeden Handgriff, den wir im Vertrauen auf Gott tun, macht er. tac

Lk 3,1-6

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: / Bereitet dem Herrn den Weg! / Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, / jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, / was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

Bar 5,1-9

Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht. Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen. Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht. Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat. Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu dir, ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte. Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß. Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.

Keine besinnliche Vorweihnachtszeit

29. November 2015, 1. Advent

Wer eine besinnliche Vorweihnachtszeit begehen möchte, wird die Prophezeiung des Jeremia als unliebsame Störung empfinden.

In ihr geht es nämlich nicht um ein Fest der Familie und der Liebe, sondern um Recht und Gerechtigkeit, um eine Gesellschaft, in der der Starke dem Schwachen zu Hilfe kommt.

Um Weihnachten richtig zu feiern, müssten wir offensichtlich die Propheten neu verstehen. Nicht als Herolde eines ‚holden Knaben‘, sondern als Kritiker der politischen und sozialen Wirklichkeit. Sie verheißen, dass diese verändert werden muss und auch verändert werden kann. Nämlich dann, wenn einer sich findet, der herrscht, indem er dem Plan Gottes dient. Er wird den Namen tragen ‚JHWH ist unsere Gerechtigkeit‘ – und ihn mit Leben füllen. mim

Jer 33,14-16

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn –, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit.

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