Die verflixte Sache mit dem Sehen

21. April 2019, Ostersonntag C

„Er sah und glaubte.“ Was ist daran Besonderes? Wenn ich ein Auto auf der Straße fahren sehe, was gibt es da noch zu glauben?

Und wenn ich in eine leere Grabhöhle schaue, wie der Sprinter Johannes, was gibt es da zu glauben? Dass sie leer ist, sieht er. Das hatte auch vor ihm schon Maria von Magdala gesehen und gesagt. Den neugeborenen Jesusknaben hätte man fotografieren können, wenn es denn technisch schon möglich gewesen wäre. Und den am Kreuz gestorbenen Jesus auch. Und was hätte man an Ostern auf die Platte bannen können? Die in alle Richtungen geflohenen Jünger, die – wenn auch zögernd und zaudernd wie die Emmausjünger – sich wieder in Jerusalem versammelten. Zunächst ängstlich, sie verriegelten die Türen des Saales. Dann aber ohne Angst: denn sie erfuhren, dass der getötete Jesus unsichtbar zwar, aber lebendig in ihrer Mitte war. Sie erlebten, sahen, was mit ihnen selbst geschah, und glaubten, dass dies der von Gott auferweckte Jesus an ihnen bewirkte. bek

Joh 20,1-9

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.

Ruhestörung

14. April 2019, Palmsonntag C

Bevor der König Israels ans Kreuz geschlagen wird, zieht er feierlich in seine Stadt ein. Er reitet, damit er als König erscheinen kann.

Allerdings auf einem Esel, damit er mit den Großen der Erde nicht verwechselt wird. Als er geboren wurde, besangen himmlische Chöre den Frieden auf Erden, jetzt besingen seine irdischen Jünger das Kommen des himmlischen Königs nach Jerusalem, der diesen Frieden bringt. Friedlich bleibt es allerdings nicht. Treffsicher erkennen die Frommen, dass der Messias die religiöse Ruhe stört. Das Bild der schreienden Steine hält fest: Gottes Treue ist stärker. tac

Lk 19,28-40

Jesus zog voran und ging nach Jerusalem hinauf. Und es geschah: Er kam in die Nähe von Betfage und Betanien, an den Berg, der Ölberg heißt, da schickte er zwei seiner Jünger aus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt! Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann antwortet: Der Herr braucht es. Die Ausgesandten machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie das Fohlen losbanden, sagten die Leute, denen es gehörte: Warum bindet ihr das Fohlen los? Sie antworteten: Weil der Herr es braucht. Dann führten sie es zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Fohlen und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf dem Weg aus. Als er sich schon dem Abhang des Ölbergs näherte, begann die Schar der Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Machttaten, die sie gesehen hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe! Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, weise deine Jünger zurecht! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.

Judica

7. April 2019, Fünfter Fastensonntag C

Der Anfang des Eröffnungspsalms gibt diesem 5. Fastensonntag seinen Namen: Judica „Verschaff mir Recht“. Er verweist in die Sphäre des Rechts und der gerechten Urteilsfindung.

Eher assoziativ liefert er eine Brücke zu der Erzählung „Jesus und die Ehebrecherin“. In der prophetischen Tradition ist oft von Ehebruch die Rede. Es ist ein anderes Wort für das fragile, immer gefährdete, aber intime Verhältnis Israels zu seinem Gott. Dieser Bezug ist auch hier vorausgesetzt. Wie Jesus reagiert, kommentiert Augustinus so: „Die Sünderin soll bestraft werden, aber nicht von Sündern“ (Puniatur peccatrix, sed non a peccatoribus). Gegenwärtig heben überall die Leute Steine auf, um sie auf die Kirche und die vielen Sündigen darin zu werfen. 1971 schrieb Gertraud Wallbrecher an einen befreundeten Franziskaner: „Es ist unser Anliegen, dass man die Kirche nur kritisieren darf, wenn man gleichzeitig das Leben für ihre Erneuerung einsetzt.“ ars

Joh 8,1-11

Jesus ging zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Perspektive

31. März 2019, Vierter Fastensonntag C

Es kommt auf die Perspektive an. Deswegen spielt das Evangelium dieses Sonntags mit Verwandtschaftsbezeichnungen und Lebensbeschreibungen.

Den Ausreißer legen Vater und Knecht dem Älteren, Daheimgebliebenen als „deinen Bruder“ ans Herz. Der aber lässt sie abblitzen. Für ihn ist der gescheiterte Lebemann nur noch „dein Sohn“. Distanzierter geht es nicht. Auch der Knecht stellt nüchtern fest, dass der Verlorene wieder heil und gesund heimgekommen ist. Der Vater aber nennt ihn tot und wieder lebendig geworden. Die kleine Novelle ist eine Lektion über das Leben in Gemeinschaft. Es kommt auf die Perspektive an, auf den Ort, von dem ich schaue: Bleibe ich auf Distanz zur gemeinsamen Geschichte, weil sie voller Fehler und Versagen ist, dann wird alles fremd und fern, selbst der Nächste. Weiß ich mich selber als einen, der nicht taugt und doch gebraucht ist, wird aus „deinem Sohn“ wieder „mein Bruder“. acb

Lk 15,1-3.11-32

Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören.

Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.

Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis und sagte:

Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht! Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er begann Not zu leiden. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner! Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße! Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein Fest zu feiern. Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte seinem Vater: Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

„Ich habe gesehen“

24. März 2019, Dritter Fastensonntag C

Heute werden Zukunftsvisionen von Kirche gesucht – diskutiert wird dabei aber vor allem über die klassischen Streitthemen.

Der Ansatz Israels ist anders. Es kennt die Vision Gottes und weiß: er setzt alles daran, dass sie Wirklichkeit wird. In Mose ist das Volk als Gegenüber, als Du Gottes verdichtet. Seine Augen halten Ausschau und so hört er: Gott ist im Bild über das Elend der Seinen und er will Abhilfe schaffen. Darum ist er „herabgestiegen“. Mit anderen Worten: Er braucht solche, die seinen Blick teilen und sich schicken lassen zu tun, was getan werden muss: einen Ausweg suchen und bahnen aus der Verknechtung an fremde Mächte. Es geht um eine gemeinsame Lebensmöglichkeit in Freiheit vor dem Angesicht Gottes, dem Land wo Milch und Honig fließen. hak

Ex 3,1-8a.13-15

Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Er schaute hin: Der Dornbusch brannte im Feuer, aber der Dornbusch wurde nicht verzehrt. Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der HERR sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm mitten aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Er sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne sein Leid. Ich bin herabgestiegen, um es der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen sagen? Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht zu Geschlecht.

In guter Gesellschaft

17. März 2019, Zweiter Fastensonntag C

Die drei Jünger, die mit Jesus auf dem Berg Tabor waren, erkannten etwas, was den Weg der Kirche bis heute bestimmt: Jesus war kein Einzelgänger.

Er ist nicht wie ein Meteorit vom Himmel gefallen, sondern er steht in der Tradition Israels. Sie hat ihn und damit auch die Kirche geprägt. Zwei Gestalten werden bei Jesus sichtbar, mit allem wofür sie stehen: Mose, dessen Weisungen bis heute die Grundlage unseres Zusammenlebens sind. Elija, der sich nicht dem übermächtigen Zeitgeist seiner Tage beugte und damit den Maßstab für alle weiteren Propheten setzte. In dieser Gesellschaft erkennen die Jünger, wer Jesus eigentlich ist. Jesus und seine Botschaft stehen ein für alle Mal in dieser Gefährtenschaft. ruk

Lk 9,28-36

Es geschah aber: Etwa acht Tage nach diesen Worten nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Und es geschah, als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten. Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten.

Eine Frage der Macht

10. März 2019, Erster Fastensonntag C

Jesus kann nicht zaubern? Nicht von der Tempelzinne springen, ohne sich zu verletzen? Nein, kann er nicht.

Weil er kein mythischer Halbgott ist. Er ist ganz und gar Mensch wie jeder von uns. Und dazu Jude, der haargenau weiß, wem allein Anbetung gebührt. Aber er ist auch ein freier Mensch und muss selbst die Entscheidung treffen, eine Glaubensentscheidung. Die schärfste der drei Herausforderungen des Widersachers an Jesus steht in der Mitte: Bete mich an! Es geht um die Machtfrage: wer hat letztlich das Sagen? Es reicht dem Bösen nicht, dass er über die Macht und Herrlichkeit der Reiche der Erde verfügt, sondern er möchte angebetet werden. Sein Ziel wäre gewesen, mit Hilfe Jesu in die Position aufzusteigen: er als der Höchste. Bis heute zeigt die Geschichte auch Spuren der Herrschaft des Widersachers mit Hass und Zerstörung. Jesus weiß sich als Sohn des jüdischen Volkes und seines Gottes, dessen Macht Liebe und Dienst heißt. Deshalb kann er die Welt im Gleichgewicht der Mächte halten. Und jeder Glaubende hilft ihm dabei. bek

Lk 4,1-13

Erfüllt vom Heiligen Geist, kehrte Jesus vom Jordan zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt, vierzig Tage lang, und er wurde vom Teufel versucht. In jenen Tagen aß er nichts; als sie aber vorüber waren, hungerte ihn. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Da führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es steht geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Es ist gesagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.

Der Mensch braucht einen guten Meister

3. März 2019, 8. Sonntag im Jahreskreis C

Der gute Baum trägt gute Früchte. Von der Welt mit dem Menschen darin sagt Gott am Anfang ausdrücklich, dass es gut war.

Seither erwartet der Schöpfer mit Recht gute Früchte von seinem großen Baum. Der Mensch bringt seine Früchte allerdings nicht nach der Art seiner Gene, sondern nach der Art seines Meisters. Die Früchte reifen durch Lernen und Nachahmung: „Jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.“ In der Geschichte sorgt Gott seit Abraham auch für den guten Meister, der mit Recht sagen kann, folge mir nach! tac

Lk 6,39-46

Jesus sagte zu seinen Jüngern: Kann etwa ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Ein Jünger steht nicht über dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte bringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte bringt. Denn jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor und der böse Mensch bringt aus dem bösen das Böse hervor. Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund. Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr! und tut nicht, was ich sage?

Was dir gefällt

24. Februar 2019, 7. Sonntag im Jahreskreis C

Die erste Lesung erzählt, wie David seinen Feind Saul verschont. In der Kombination mit Worten Jesu aus der sogenannten Feldrede wird das Thema Feindesliebe in den Vordergrund gerückt.

Das Gebot der Feindesliebe begegnet an vielen Stellen der Tora und Jesus schreibt daran fort, wenn er sagt: „Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin“. Aber keineswegs macht er das, wenn ihm der Diener des Hohenpriesters beim Prozess ins Gesicht schlägt. „Warum schlägst du mich?“, fragt er ihn. Die biblische Feindesliebe wird heute vielfach als Pazifismus verstanden. So naiv war auch die Kirche bisher nicht. Gerechter Krieg und Tyrannenmord wurden nie als Gegensätze zur gebotenen Feindesliebe gesehen. Das konnte sie auch von den Griechen lernen, die ihre Göttin Athene immer Helm-bewehrt darstellten als Bild der Weisheit. Das Tagesgebet nennt die Beter solche, „die immer über das Vernünftige nachdenken, das dir gefällt: semper rationabilia meditantes, quae tibi sunt placita“. Es ist eine Einladung. ars

Lk 6,27-38

Euch aber, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen! Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd! Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand das Deine wegnimmt, verlang es nicht zurück! Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen! Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr denen Geld leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern, um das Gleiche zurückzubekommen. Doch ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurückerhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden! Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.

Theologie der Trockenheit oder Trockenschwimmen in der Zeitgeistwüste

17. Februar 2019, 6. Sonntag im Jahreskreis C

In meinem Postfach landet der neueste Werbeprospekt des katholischen Verlags. Er zählt mir „die aktuellen Themen der Theologie“ auf:

Klimawandel, Schöpfungsverantwortung, Postwachstumsökonomie, soziale Gerechtigkeit durch nachhaltiges Handeln. Auch schon der Prophet Jeremia, über 2600 Jahre vor uns, schreibt von Trockenheit, Ausbreitung der Wüste und Hitzewellen. Setzt das Gottesvolk nicht mehr ausschließlich auf Gott und seine Führung, ist es wie ein vertrockneter Wald. Macht es sein Überleben und Wachsen von diplomatischem Geschick abhängig und schwingt es sich bequem auf den Zeitgeist ein, lebt es wie auf sauren Böden. Vertraut es nur auf Ihn, bleiben seine Blätter grün. So gesehen, sind die neuen Verlagstitel vielleicht doch „die aktuellen Themen“. acb

Jer 17,5-8

So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt. Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.

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