Ein ungeklärter Begriff

6. Oktober 2019, 27. Sonntag im Jahreskreis C

Glaube kann alles Mögliche heißen: vermuten, für wahr halten, eine unbestimmte Meinung usw. Das Evangelium gibt auch keine Definition, sondern nur Beispiele.

Als die Jünger sich fragen, ob ihr Glaube wohl ausreicht, antwortet Ihnen Jesus zuerst mit dem rätselhaften Vergleich von Glaube und Senfkorn, und liefert dann ein sehr sprechendes Bild aus der damaligen Lebenswelt. Dabei geht es um ein selbstverständliches Tun, nicht um ein Meinen oder Sinnieren. Denn nur theoretisch kann man vom Glauben nichts erfassen. bek

Lk 17,5-10

Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen. Wenn einer von euch einen Knecht hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Komm gleich her und begib dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe; danach kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Der Party-Crasher

29. September 2019, 26. Sonntag im Jahreskreis C

Die Drohworte des Propheten Amos „Weh den Sorglosen“ passen gut in das Endzeit-Bauchgefühl unserer Zeit. Aber Amos prangert nicht systemische Fehler in Israel an und er ruft nicht zur antikapitalistischen Klima-Revolution auf.

Er kündigt die Verbannung des Gottesvolkes an, da in der allgemeinen Hochstimmung vor den Augen des Propheten der Untergang schon passiert: Israel versinkt in der Masse der Völker. Dass die Verbannung letztlich doch nicht das Ende Israels bedeutet, verdankt das Volk einzig der Gnade Gottes und der Umkehr der Wenigen. tac

Am 6,1a.4-7

Weh den Sorglosen auf dem Zion und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria. Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde und Mastkälber aus dem Stall. Ihr grölt zum Klang der Harfe, ihr wollt Musikinstrumente erfinden wie David. Ihr trinkt den Wein aus Opferschalen, ihr salbt euch mit feinsten Ölen, aber über den Untergang Josefs sorgt ihr euch nicht. Darum müssen sie jetzt in die Verbannung, allen Verbannten voran. Das Fest der Faulenzer ist vorbei.

Von wem lernen?

22. September 2019, 25. Sonntag im Jahreskreis C

Die knapp zwei Jahre, in denen Jesus mit den Zwölf unterwegs in Israel umherging, waren eine Art wanderndes Lehrhaus; er versuchte ihnen zu vermitteln, was es mit der Nähe der Basileia Gottes auf sich hat, für sie und überhaupt.

Er sagt ihnen: Sorgt euch nicht – schaut auf die Vögel. Denkt nicht, was ich jetzt in Israel initiiere, ist eine glamouröse Erfolgsgesichte: seht der Frau zu, die ein bisschen Sauerteig unter viel Mehl mengt; es dauert, bis daraus Teig für Brot wird. Der Same des Senfkorns ist winzig, aber es wird daraus ein Baum werden. Im heutigen Evangelium gibt er eine weitere Lektion: Lernt von den Zockern. In seiner ziemlich prekären Lage – Veruntreuung, drohender Jobentzug ­und mit der Aussicht auf eine unsichere Altersversorgung – sucht ein Verwalter den Befreiungsschlag. Er wird dafür gelobt. Vielleicht haben die Zwölf erstaunte Gesichter gemacht und geahnt: In der Lage der Bedrängnis, in der Jesus lebt, später sie selbst, sind waghalsig Kluge eine Gnade, die nur erbeten werden kann. ars

Lk 16,1-13

Jesus sprach aber auch zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.

Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib fünfzig! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig! Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht! Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Finden macht das Suchen leichter

15. September 2019, 24. Sonntag im Jahreskreis C

Da wird uns einiges zugemutet. Das Evangelium dieses Sonntags ist einer der längsten Lesetexte des ganzen Kirchenjahres. Mindestens sieben Minuten wird der Vortragende brauchen, wenn er nicht lieber auf eine Kurzform zurückgreift. Alle drei Kurzgeschichten Jesu greifen das Thema „Suchen und Finden“ auf.

In drei Anläufen wird es präsentiert. So wichtig war ihm dieses Motiv. Es war eine Erfahrung seines Volkes. Was man einmal gewonnen oder erkannt hat, kann auch wieder verloren gehen: Das Land, eine vernünftige Lebensweise, Gerechtigkeit, Freiheit. Die Suche, die Jesus beschreibt, ist nicht zu verwechseln mit einem Unterwegssein, das schon das Ziel sein soll. Der Hirte, die Frau, der Sohn können suchen, weil sie wissen: Es gibt die Herde, es gibt den Brautschatz, es gibt den Vater, zu dem man zurückfinden kann. Auch die Suchenden unserer Tage haben es leichter, wenn es schon etwas zu Finden gibt. Ihre Suche nicht ins Leere laufen zu lassen, ist Sache der Hörer dieser Geschichten. acb

Lk 15,1-32

Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.

Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war! Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.

Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet? Und wenn sie diese gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte! Ebenso, sage ich euch, herrscht bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht! Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er begann Not zu leiden. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner! Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße! Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein Fest zu feiern. Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte seinem Vater: Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Leitungsfragen

8. September 2019, 23. Sonntag im Jahreskreis C

Wonach können wir uns ausrichten? Wer kann uns leiten? Ähnlich fragen alle Gesellschaften nach den Voraussetzungen für das Herrschen, Leiten, Richten.

Im Gebet Salomos um Weisheit wird in Israels Königsbüchern eine überraschende Antwort formuliert. Der Dreh- und Angelpunkt ist, zu begreifen „was der Herr will“. Das Paradox der biblischen Antwort ist aber auch das Eingeständnis, dass es dem Menschen in den Unwägbarkeiten des Lebens, in seiner strukturellen Begrenztheit prinzipiell unmöglich ist – und dass er dabei dennoch den Anspruch aufrecht erhält, zu verstehen, dass er lernt und bereit ist, Weisheit und Geist Gottes als Geschenk zu empfangen. Durch sie kann er Vernunft lernen: was Gott gefällt. Das qualifiziert für den Auftrag. In der Geschichte Israels wurde entdeckt, erprobt und erfahren, was nicht mehr und nicht weniger ist als der im Paradoxon frei gehaltene Rettungsweg. hak

Weish 9,13-19

Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Überlegungen der Sterblichen und einfältig unsere Gedanken; denn ein vergänglicher Leib beschwert die Seele und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Verstand. Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was auf der Hand liegt; wer ergründet, was im Himmel ist? Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast? So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht und die Menschen lernten, was dir gefällt; durch die Weisheit wurden sie gerettet.

Nachhaltig ungewöhnlich

1. September 2019, 22. Sonntag im Jahreskreis C

Bereits in der Antike gab es die unbändige Lust, Außergewöhnliches zu erleben. Damit war die Hoffnung verbunden, dass das Erschauern einen aus dem Alltag herausreißt und man sich den Göttern näher fühlt. Mit dieser Erwartung mussten sich auch die ersten Gemeinden der Christen auseinandersetzen.

Menschen zu erleben, die versuchen, die Welt miteinander nach der Weisung Gottes zu gestalten, ist vergleichsweise unspektakulär. Aber es ist bedeutend nachhaltiger. Und jeder kann jederzeit mittun. Hinweise, wie das gelingen kann, fallen nicht in Finsternis und Sturmwind vom Himmel, sondern wurden jahrhundertelang erprobt und gesammelt. Der Hebräerbrief macht ihre Weisheit an einem Ort fest: Zion. Wer daran teilhat, Woche für Woche in einer „festlichen Versammlung“, darf sich glücklich schätzen. ruk

Hebr 12,18-19.22-24a

Ihr seid nicht zu einem sichtbaren, lodernden Feuer hinzugetreten, zu dunklen Wolken, zu Finsternis und Sturmwind, zum Klang der Posaunen und zum Schall der Worte, bei denen die Hörer flehten, diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden. Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind, und zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus.

Zusammenwirken

25. August 2019, 21. Sonntag im Jahreskreis, C

Die Messfeier beginnt wie ein Musikstück immer mit einer Ouvertüre: Worum geht es hier, was ist das Thema? Wer trifft aufeinander?

Genauso an diesem Sonntag mit den Anfangsversen von Psalm 86. Da ist die ganze Volk-Gottes-Geschichte zusammengefasst. Da sind nicht zwei Partner die Aug in Aug gegenüberstehen. Da ist ein Hilfsbedürftiger, der um das Ohr des Stärkeren bittet: Den ganzen Tag rufe ich zu Dir. Wer diese grundsätzliche Proportion verfehlt, verfehlt den Gott der Juden und Christen und ebenso seine Geschöpfe. Erst wo das ins Kalkül gezogen wird, erscheint das Rettende: „Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an Dich glauben, zum gemeinsamen Streben.“ Dies bezeichnet präzise die unbändige Kraft, mit der alle christlichen Gemeinschaften der Welt – und insbesondere Europa – ihren Stempel aufgedrückt haben. bek

Eröffnungsvers und Tagesgebet

 

Ps 86,1-3
Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, Herr,
hilf deinem Knecht, der dir vertraut, sei mir gnädig, o Herr.
Den ganzen Tag rufe ich zu dir.

 

Tagesgebet

Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an dich glauben, zum gemeinsamen Streben. Gib, dass wir lieben, was du befiehlst, und ersehnen, was du uns verheißen hast, damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens unsere Herzen dort verankert seien, wo die wahren Freuden sind.

Die Wolke vergrößern

18. August 2019, 20. Sonntag Jahreskreis C

Die Wolke der Zeugen, von der der Hebräerbrief spricht, sind nicht die zahlreichen Christus-Nachfolger der Kirchengeschichte,

sondern die zahlreichen Christus-Vorgänger der Geschichte Israels, von denen vor unserer Lesung einige aufgezählt werden. Sie liefern ausreichend Anschauung und Motivation, dass sich auch die ermatteten Christen in den Wettkampf des Glaubens stürzen können. Das Ziel, das dabei vor Augen liegt, ist nicht ihr Triumph auf der Weltbühne, sondern die Vergrößerung der Wolke der Zeugen. tac

Hebr 12,1-4

Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet! Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.

Etwas darüber hinaus?

11. August 2019, 19. Sonntag im Jahreskreis C

Schon die griechischen Philosophen wollten sich nicht damit abfinden, dass die Zeitgenossen sich damit zufrieden geben, nur zu leben, zu überleben, sich zu reproduzieren, vor dem Fernseher zu sitzen und ihre wohl verdiente Pension auf Mallorca zu verzehren.

Aber Hand aufs Herz: Was wird dem Bestwilligen sowohl von den Vertretern der politischen Parteien und der Kirchen angeboten? Lauter gute Ratschläge, Ermahnungen, Drohungen im Fall von Unfolgsamkeit: nicht fliegen, Rad fahren, kein Fleisch essen, Bienen retten, Klima retten – Strategien zum (angeblich) bloßen Überleben. Da hat es das Evangelium schwer mit der Mahnung: Verschafft euch einen Schatz im Himmel. Diese Himmelwärts-Geste begegnet auch in der zweiten Lesung: Die Väter des Glaubens seien unterwegs gewesen nach der himmlischen Heimat: Sie sahen sie vor sich, von ferne, aber zeigen damit, dass sie eine Heimat suchen. Warum sonst haben sie ihr Land verlassen? ars

Hebr 11,1-2.8-12

Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten. Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Aufgrund des Glaubens siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat. Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte. So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.

Vernichtende Bilanz oder gehaltene Balance?

28. Juli 2019, 17. Sonntag im Jahreskreis C

Viele sehen unsere Welt schon auf dem Weg in den Untergang; ihr werde es ergehen wie Sodom und Gomorra. Die beiden Städte sind zur Chiffre geworden für die Gefährdung der Menschheit angesichts ihrer Bedrohung durch sich selbst. Abraham tritt für die korrupte Stadt ein: 

Vielleicht gibt es 50 Gerechte, vielleicht nur 45, vielleicht aber auch nur 40, nur 30. Am Ende handelt er das zur Rettung aller erforderliche Minimum auf 10 herunter. Weiter geht er nicht. Was an das Feilschen auf einem orientalischen Basar erinnert, zeigt, dass Abraham etwas vom Herzen seines Gegenübers versteht. Er ist vertraut mit dessen Gedanken: Einer allein ist zu wenig, zehn müssen es wenigstens sein, eine Minderheit, der die Sorge anvertraut ist, dass die Welt nicht kippt. hak

Gen 18,20-32

Der Herr sprach: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist angeschwollen und ihre Sünde, ja, die ist schwer. Ich will hinabsteigen und sehen, ob ihr verderbliches Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist, oder nicht. Ich will es wissen. Die Männer wandten sich ab von dort und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn. Abraham trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen? Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten in ihrer Mitte? Fern sei es von dir, so etwas zu tun: den Gerechten zusammen mit dem Frevler töten. Dann ginge es ja dem Gerechten wie dem Frevler. Das sei fern von dir. Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben? Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom fünfzig Gerechte in der Stadt finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben. Abraham antwortete und sprach: Siehe, ich habe es unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin. Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde. Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun. Da sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde. Darauf sagte er: Siehe, ich habe es unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie nicht vernichten um der zwanzig willen. Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Er sprach: Ich werde sie nicht vernichten um der zehn willen.

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