Wohnungssuche

16. Juni 2019, Dreifaltigkeitssonntag C

Von der ersten Zeile an entfaltet die Bibel in immer neuen Bildern die Erfahrung, dass der jenseitige Gott unserem Diesseits in schöpferischer Zuneigung verbunden ist.

Das Buch der Sprichwörter findet dafür das Bild der personifizierten Weisheit. Sie ist schon im Anfang bei Gott wie ein Kind, spielt vor ihm und ist seine Freude. Zugleich spielt sie auf der Erde und es ist ihre Freude, bei den Menschen zu sein. So verkörpert die Weisheit das innere Woraufhin der Schöpfung: Gott will bei den Menschen sein, er will eine Geschichte mit ihnen. Darum gibt er von sich, was ihn freut, schenkt Maß und Ordnung, seine Weisheit. Im Lauf dieser Geschichte nimmt dann die ewige Weisheit Gottes, der Logos, bei den Menschen Wohnung, in Nazareth. hak

Spr 8,22-31

Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde. Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren. Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands. Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, als er dem Meer sein Gesetz gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

Am gleichen Ort

9. Juni 2019, Pfingstsonntag C

In vielen Pfarreien ist es mühsam für Pfingsten einen Chor zusammenzustellen, weil fast alle ins Grüne fahren. Wie anders klingt der Bericht aus der Apostelgeschichte.

Da kommen die Vielen zum Wochenfest nach Jerusalem zusammen. Sie feiern, dass das Volk Israel die „Weisung“ bekommen hat, die Anleitung für ein gutes Leben. Heute können wir staunen, dass es diese Mitte immer noch gibt. Die Freude darüber führt zusammen. Zentripetal statt zentrifugal würde die Physik diese Bewegung nennen. Die Apostelgeschichte nennt den Bezugspunkt „Gottes große Taten“. ruk

Apg 2,1-11

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Herrlichkeit

2. Juni 2019, Siebter Sonntag in der Osterzeit C

Im Alten Testament bezeichnet das Wort von der Herrlichkeit das Sichtbare an Gott.

Die Existenz Jesu und sein Wirken schreiben dieses Thema fort – hier in der Form eines Gebetes. Es fasst sein ganzes Leben zusammen. Im Hören auf ihn, in der Einheit mit ihm, ereignet sich konkret die ganze dem Menschen mögliche Einheit mit Gott. Das Gebet Jesu bindet seine Zeit mit allen Generationen von Glaubenden zusammen. In dieser Kontinuität und Einheit die Herrlichkeit Gottes zu zeigen, ist somit Auftrag der Kirche. bek

Joh 17,20-26

Jesus erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.

Das Bauprinzip des himmlischen Jerusalem

26. Mai 2019, Sechster Sonntag der Osterzeit C

Die Stadt aus dem Himmel ist eine Vision der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen“ Kirche in ihrer vollendeten Gestalt. Ihre tiefe, unzertrennliche Verwobenheit mit Israel gehört zu ihrem Wesen:

Sie heißt Jerusalem, und die Zwölferzahl erscheint als Prinzip ihres Bauplans. Seltsam ist nur, dass „die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels“ an den Toren, während „die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ auf den Grundsteinen geschrieben stehen. Umgekehrt wäre es vielleicht logischer: Israel als Fundament und darüber die Apostel. Das Bauprinzip der Vision deutet an, dass der Zugang zur Kirche weiterhin und ausschließlich die Geschichte Israels bleibt. tac

Offb 21,10-23

Da entrückte er mich im Geist auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis. Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf. Auf die Tore sind Namen geschrieben: die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels. Im Osten hat die Stadt drei Tore und im Norden drei Tore und im Süden drei Tore und im Westen drei Tore. Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. Und der Engel, der zu mir sprach, hatte einen goldenen Messstab, um die Stadt, ihre Tore und ihre Mauer zu messen. Die Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit. Er maß die Stadt mit dem Messstab; ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich: zwölftausend Stadien. Und er maß ihre Mauer; sie ist hundertvierundvierzig Ellen hoch nach Menschenmaß, das der Engel benutzt hatte. Ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut und die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas. Die Grundsteine der Stadtmauer sind mit edlen Steinen aller Art geschmückt; der erste Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardion, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Die zwölf Tore sind zwölf Perlen; jedes der Tore besteht aus einer einzigen Perle. Die Straße der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas. Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.

Neuheit – Altheit

19. Mai 2019, Fünfter Sonntag der Osterzeit C

Von dem Kirchenvater Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert ist das Wort überliefert: „Christus brachte alle Neuheit.“

Besieht man daraufhin die Texte des heutigen Sonntags, begegnet der Gedanke des Neuen gleich dreimal. In der 2. Lesung aus der Apokalypse: „Neu mache ich alles.“ Im Evangelium: „Ein neues Gebot gebe ich euch.“ Und dann im Schlussgebet als Bitte: „Mache, dass dein Volk zur Neuheit des Lebens übergehe (transire) aus der vetustas (oldness)“ – ein adäquates Wort für vetustas gibt es im Deutschen nicht. Vor achtzig Jahren präsentierte Karl Prümm seine Beobachtungen zum frühen Christentum in der antiken Welt unter dem Titel „Christentum als Neuheitserlebnis“: Erst diese Neuheit ließ alles Bisherige, Sonstige alt aussehen. Das Problem ist: Wenn diese Neuheit kraftlos und unansehnlich wird, verschwindet das Andere nicht, nur heißt es jetzt Normalität. Der Transit von A nach B ist keine Autobahn, sondern ein schmaler Pfad, immerhin staufrei. ars

Offb 21,1-5a

Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.

Der Auftrag

12. Mai 2019, Vierter Sonntag der Osterzeit C

Im Jahr 47 machen sich Paulus, Barnabas und weitere Begleiter zu einer Reise auf, die sie in die jüdischen Gemeinden Zyperns und Kleinasiens führt und ein ganzes Jahr dauert.

In Antiochien in Pisidien, einer aufstrebenden römischen Veteranenkolonie, erzählen sie während des Sabbatgottesdienstes in der Synagoge die Geschichte Jesu. In deren Licht deuten sie die gesamte jüdische Geschichte. Das weckt Interesse und Begeisterung. Am darauffolgenden Sabbat, an dem es innerhalb der Synagoge zur Auseinandersetzung um diese Deutung kommt, fällt das Wort: „... dann wenden wir uns jetzt an die Heiden.“ Paulus zieht aus der Ablehnung in Antiochien also eine weitreichende Konsequenz. Aber er verlässt das Judentum nicht. So argumentiert er mit zwei Worten des Propheten Jesaja, die er nach Art eines Rabbi kombiniert: „Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht.“ Und: „Bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein.“ Er schafft keine neue Religionsgemeinschaft, sondern will den Auftrag, den Israel für die Welt hat, verwirklichen. Und er nimmt einfach, wie schon Jesus, diejenigen, die sich dafür gewinnen lassen. Uns als Heiden zum Glück. acb

Apg 13,14.43b-52

Sie selbst wanderten von Perge weiter und kamen nach Antiochia in Pisidien. Dort gingen sie am Sabbat in die Synagoge und setzten sich. Es schlossen sich viele Juden und fromme Proselyten Paulus und Barnabas an. Diese redeten mit ihnen und ermahnten sie, der Gnade Gottes treu zu bleiben.

Am folgenden Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort des Herrn zu hören. Als die Juden die Scharen sahen, wurden sie eifersüchtig, widersprachen den Worten des Paulus und stießen Lästerungen aus. Paulus und Barnabas aber erklärten freimütig: Euch musste das Wort Gottes zuerst verkündet werden. Da ihr es aber zurückstoßt und euch des ewigen Lebens unwürdig zeigt, wenden wir uns jetzt an die Heiden. Denn so hat uns der Herr aufgetragen: Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht, bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein. Als die Heiden das hörten, freuten sie sich und priesen das Wort des Herrn; und alle wurden gläubig, die für das ewige Leben bestimmt waren.

Das Wort des Herrn aber verbreitete sich in der ganzen Gegend. Die Juden jedoch hetzten die vornehmen gottesfürchtigen Frauen und die Ersten der Stadt auf, veranlassten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet. Diese aber schüttelten gegen sie den Staub von ihren Füßen und zogen nach Ikonion. Und die Jünger waren voll Freude und erfüllt vom Heiligen Geist.

Dieselbe Handschrift erkennen?

5. Mai 2019, Dritter Sonntag der Osterzeit C

In den fünf Wochen zwischen Ostern und Pfingsten werden entgegen der sonstigen Gepflogenheit nur neutestamentliche Texte im Gottesdienst gelesen. An diese Trennung hält sich Petrus nicht, wenn er mit anderen Aposteln vom Hohen Rat einbestellt wird und erklärt, was ihn nicht schweigen lässt:

„Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt.“ Dem bekannten Namen Gottes, „der Israel aus Ägypten befreit hat“, wird als der neue hinzugefügt, der „Jesus auferweckt hat.“ Wer hat es erkannt? „Wir und der Heilige Geist sind die Zeugen“, sagt Petrus. Papst em. Benedikt XVI. schrieb jüngst und fand auch dafür mehr Häme als Zustimmung: „Gott hat auch heute seine Zeugen (martyres) in der Welt. Wir müssen nur wach sein, um sie zu sehen und zu hören.“ ars

Apg 5,27b-32.40b-41

Man führte die Apostel herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.
Dann schlugen sie die Apostel, verboten ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei. Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.

Laut wie eine Posaune

28. April 2019, Zweiter Sonntag der Osterzeit C

Weltweit sind Christen die am stärksten verfolgte Glaubensgemeinschaft. In ähnlichen Verhältnissen war das Buch der Offenbarung geschrieben worden.

Sein Autor Johannes kommt von seiner Verbannung aus den bedrängten sieben Gemeinden in Kleinasien zu Hilfe. Er beschreibt diese Gemeinden als goldene Leuchter. Mit diesem Bild sagt er: Diese Gemeinden zeigen, dass der Karfreitag die Botschaft Jesu nicht zum Verstummen gebracht hat. Gemeinsam haben diese Christen die Heidenangst überwunden. „Fürchte dich nicht!“ ist bei ihnen Wirklichkeit geworden. Sie leuchten weniger durch ihre Worte als durch ihre neue Weise des Zusammenlebens. Sie wissen sich füreinander verantwortlich, einstige Sklaven und Herren begegnen einander als Brüder und Schwestern, was von vielen Propheten ersehnt worden war. Ihr Leben verkündet „laut wie eine Posaune“, dass der getötete Jesus in Wirklichkeit „der Lebendige“ ist. ruk

Offb 1,9-13.17-19

Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis, in der Königsherrschaft und im standhaften Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus. Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch und schick es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea! Da wandte ich mich um, weil ich die Stimme erblicken wollte, die zu mir sprach. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen gleich einem Menschensohn; er war bekleidet mit einem Gewand bis auf die Füße und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold. Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. Schreib auf, was du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird.

Die verflixte Sache mit dem Sehen

21. April 2019, Ostersonntag C

„Er sah und glaubte.“ Was ist daran Besonderes? Wenn ich ein Auto auf der Straße fahren sehe, was gibt es da noch zu glauben?

Und wenn ich in eine leere Grabhöhle schaue, wie der Sprinter Johannes, was gibt es da zu glauben? Dass sie leer ist, sieht er. Das hatte auch vor ihm schon Maria von Magdala gesehen und gesagt. Den neugeborenen Jesusknaben hätte man fotografieren können, wenn es denn technisch schon möglich gewesen wäre. Und den am Kreuz gestorbenen Jesus auch. Und was hätte man an Ostern auf die Platte bannen können? Die in alle Richtungen geflohenen Jünger, die – wenn auch zögernd und zaudernd wie die Emmausjünger – sich wieder in Jerusalem versammelten. Zunächst ängstlich, sie verriegelten die Türen des Saales. Dann aber ohne Angst: denn sie erfuhren, dass der getötete Jesus unsichtbar zwar, aber lebendig in ihrer Mitte war. Sie erlebten, sahen, was mit ihnen selbst geschah, und glaubten, dass dies der von Gott auferweckte Jesus an ihnen bewirkte. bek

Joh 20,1-9

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.

Ruhestörung

14. April 2019, Palmsonntag C

Bevor der König Israels ans Kreuz geschlagen wird, zieht er feierlich in seine Stadt ein. Er reitet, damit er als König erscheinen kann.

Allerdings auf einem Esel, damit er mit den Großen der Erde nicht verwechselt wird. Als er geboren wurde, besangen himmlische Chöre den Frieden auf Erden, jetzt besingen seine irdischen Jünger das Kommen des himmlischen Königs nach Jerusalem, der diesen Frieden bringt. Friedlich bleibt es allerdings nicht. Treffsicher erkennen die Frommen, dass der Messias die religiöse Ruhe stört. Das Bild der schreienden Steine hält fest: Gottes Treue ist stärker. tac

Lk 19,28-40

Jesus zog voran und ging nach Jerusalem hinauf. Und es geschah: Er kam in die Nähe von Betfage und Betanien, an den Berg, der Ölberg heißt, da schickte er zwei seiner Jünger aus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt! Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann antwortet: Der Herr braucht es. Die Ausgesandten machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie das Fohlen losbanden, sagten die Leute, denen es gehörte: Warum bindet ihr das Fohlen los? Sie antworteten: Weil der Herr es braucht. Dann führten sie es zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Fohlen und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf dem Weg aus. Als er sich schon dem Abhang des Ölbergs näherte, begann die Schar der Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Machttaten, die sie gesehen hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe! Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, weise deine Jünger zurecht! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.

Seiten