Das Ich und der Andere

12. August 2018, 19. Sonntag im Jahreskreis B

Was ist das Innerste der Gebote? Diese Frage wurde schon in biblischer Zeit gestellt und erörtert. Die Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus beschreibt es mit den Worten: „Ahmt Gott nach“.

Das Ureigene Gottes aber, das dann nachzuahmen wäre, ist sein Ausgerichtetsein auf ein Gegenüber. Auf eines, das nicht er selbst, sondern eben ganz anders ist. Das war seine Triebfeder, wenn man das so sagen kann, den Kosmos zu schaffen, die Welt, den Menschen. Die Materie ist das ganz Andere als er, der purer Geist ist. Wegen dieser Andersheit ist sie seine Freude – die Welt mit uns Menschen. Diesen Gott nach­zuahmen hieße dann für uns, ausgerichtet zu sein auf das unserem Ich Andere, Fremde. Genauer, an der Andersheit des Nächsten nicht Anstoß zu nehmen und sie abzutun, sondern sie als Ursache unserer Freude zu begreifen. bek

Eph 4,30 – 5,2

Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt.

Was die Welt zum Leben braucht

5. August 2018, 18. Sonntag im Jahreskreis B

Israel war seit den Anfängen ein Spezialist für die Einsicht, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern vom entscheidenden Wort.

Als das Volk in der Wüste murrt, füllt das Manna vom Himmel seinen Magen und das Wort vom Himmel, die Tora, erfüllt sein Leben. Dieses Wort ist fortan das tägliche Brot Israels. Weil Jesus das entscheidende Wort vom Vater ist, kann er auch Brot des Lebens genannt werden. Als Logos der Tora ist er das wahre Brot, das vom Himmel gekommen ist. ‚Ihn zu essen‘ und auf ihn zu hören, fallen in eins. tac

Joh 6,24-35

Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Das große Missverständnis

29. Juli 2018, 17. Sonntag im Jahreskreis B

Das Markus-Evangelium ist so kurz, dass Johannes vom 17. bis zum 21. Sonntag als eine Art Lückenfüller zum Zug kommt. Der erzählt vielfach anders als die Synoptiker:

An die Stelle des letzten Abendmahls setzt er die Fußwaschung; die Tempelreinigung verlegt er an den Anfang des Auftretens Jesu; der heutigen Geschichte von der wunderbaren Speisung gibt er eine eigene Wendung: „Da erkannte Jesus, dass sie kommen wollten, um ihn mit Gewalt zum König zu machen.“ Ist hier Johannes der historischen Wahrheit näher als die anderen? Beim Verhör wird Pilatus Jesus fragen: „Bist du der König der Juden?“ und dann am Kreuz die Inschrift anbringen lassen: „Jesus von Nazareth, König der Juden.“
Einige Jahrhunderte später hat Martin von Tours eine Erscheinung: Einer, mit Krone und kaiserlichem Gewand, tritt vor ihn und sagt: „Ich bin Christus.“ Er wiederholt es und noch ein drittes Mal. Erst dann geht Martin auf: Es muss der Verwirrer sein. „Ich kann nicht glauben, dass Christus anders gekommen wäre als in jener Haltung und äußeren Gestalt, so wie er gelitten, als mit den Wundmalen des Kreuzes.“ Die Auflösung des Missverständnisses ist noch nicht abgeschlossen. ars

Joh 6,1-15

Jesus ging an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Aus Erfahrung

22. Juli 2018, 16. Sonntag im Jahreskreis B

„Ich bin misstrauisch gegen die meisten Theologen, sie könnten mich enttäuschen, weil ich jedes Wort, das aus ihrem Mund kommt, schon vorher gewusst hatte.“

Der junge Hans Scholl, der dies am 17. August 1942 in sein Tagebuch notierte, suchte nicht die spektakulären Ideen kreativer Denker; er vermisste solche, die Neues sagen können, weil sie Neues erfahren. Markus erzählt von einer neuen Erfahrung der Nähe Gottes, die sich in der Weggemeinschaft Jesu mit den Jüngern auswirkt. Die Frage nach einer Belebung dieser Geschichte stellt sich auch heute. acb

Mk 6,30-34

Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

Kommunikationstheorie

15. Juli 2018, 15. Sonntag im Jahreskreis B

Wie kann der jenseitige transzendente Gott glaubwürdig in der Geschichte wirken?

Dem alten orientalischen Botenrecht zufolge galt der Gesandte eines Königs als bevollmächtigter Repräsentant des fernen Herrschers. In einem ähnlichen Horizont erzählen die biblischen Texte von Gott und seinem Volk: Er wirkt und hilft durch Menschen, die sich von ihm senden lassen, wie die Propheten, Mose und Elija. In den Gesendeten ist der Sendende selbst präsent. Darum wird im Neuen Testament Jesus als Gesandter charakterisiert und einmal ausdrücklich Apostel, also Ge­sand­ter genannt. In seinen eigenen Auftrag zieht er die Zwölf und seine Jünger mit hinein, wenn er sie zu seinen Boten macht: „Wer euch hört, der hört mich ...“ (Lk 10,16); „Wer euch auf­nimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat …“ (Mt 10,40). Und die Aussendung der Jünger zu zweit erfolgt wegen ihrer Glaubwürdigkeit als Zeugen. hak

Mk 6,7-13

Jesus rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Anders

8. Juli 2018, 14. Sonntag im Jahreskreis B

Paulus war von einer rätselhaften Krankheit gezeichnet, vielleicht war es Epilepsie. Das war für ihn wie ein Stachel im Fleisch. Er hätte aufgeben und sich verbittert zurückziehen können.

Stattdessen legte er diese Schwäche vor seiner Gemeinde in Korinth und vor Gott offen. Weil er seine Ohnmacht bejahte, konnte gerade in seiner Schwachheit etwas wirksam werden, das nicht aus ihm selbst kam. Das wird traditioneller Weise als Gnade bezeichnet, anders gesagt: Stärkung und Hilfe zum gemeinsamen Bleiben im Auftrag. ruk

2 Kor 12,7-10

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Einspruch!

1. Juli 2018, 13. Sonntag im Jahreskreis B

Die Meldungen eines jeden Tages konfrontieren uns mit gewaltsamem Sterben, sei es durch Waffen, anderweitige Gewalttat oder Ertrinken im Mittelmeer. Es ist zum Verzweifeln.

Aber das unsichtbare Gegenüber der Welt, ihr großes DU, erhebt ständig Einspruch. Denn Er ist ein Freund des Lebens. Daher ist an der Welt und ihrer Einrichtung nichts Schädliches: Sie ist ein Abglanz des Guten, das das Wesen des Schöpfers selbst ausmacht. Es gipfelt in der Gerechtigkeit, die Er allem Geschaffenen verliehen hat: dass es recht ist, so wie es ist, weil es von Ihm kommt und auf Ihn ausgerichtet ist. Das Paradies wäre möglich, überall und jeden Tag. Wäre da nicht der große Verderber, der Neid, der alle gegeneinander aufbringt und Blut sehen will. Aber dagegen gibt es ein Mittel: Sein Volk aus allen Völkern, das Seine Gerechtigkeit lebt! Nein, es ist nicht zum Verzweifeln: Jeder kann helfen, egal ob kritisch oder weltverliebt, dieses Volk aufzubauen. bek

Weish 1,13-15; 2,23-24

Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Zum Dasein hat er alles geschaffen, und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. Kein Gift des Verderbens ist in ihnen, das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde; denn die Gerechtigkeit ist unsterblich. Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.

Die Ruhe im Sturm

24. Juni 2018, 12. Sonntag im Jahreskreis B

Jesus spricht zum Volk einen ganzen Tag lang in Gleichnissen. Bevor Markus erzählt, dass Jesus am Abend ins Boot steigt, notiert er: „Seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.“ Jetzt ist er mit ihnen alleine in einem Boot als ein Seesturm ausbricht.

Offenbar ist diese Geschichte eine Erklärung der erzählten Gleichnisse: Jesus verglich das Reich Gottes zuletzt mit der von selbst wachsenden Saat. Und jetzt, beim Seesturm, schläft er. Markus erwähnt sogar, dass er auf einem Kissen liegt. Der befürchtete Untergang des Bootes stört den ruhigen Schlaf des Meisters nicht, weil er weiß, die Saat wächst – ohne Aktivismus und Geschrei. Die Kombination von Boot, Jüngern und Jesus wird nicht untergehen. Diese Ruhe geht zuerst auf den See über – und nach Pfingsten auch auf die Jünger. tac

Mk 4,35-41

An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

Was gewiss ist

17. Juni 2018, 11. Sonntag im Jahreskreis B

Das neuzeitliche Bewusstsein definierte sich absolut, absehend von allem Äußeren, Zufälligen, Geschichtlichem und Dogmatischem: „Ich denke, also bin ich“. Die einzig übriggebliebene Gewissheit.

Daraus ist das emanzipierte, autonome Subjekt der Moderne geworden, dessen Würde und Rechte in vielen Verfassungen festgeschrieben sind. Ein Grad von Freiheit und Selbstbestimmung ist damit erreicht, den es so in der bisherigen Geschichte nicht gegeben hat. Führt eine Brücke zum Evangelium des Sonntags? Jesus reflektiert im Gleichnis, was gewiss ist. Die Exegeten sind sich nicht einig, ob er von der selbst wachsenden Saat oder vom zuversichtlichen Sämann redet. Jesus sieht einen Prozess in Gang gesetzt, der von dem Sämann initiiert ist und an dem sich „die Erde“ kooperativ beteiligt, bis es Zeit für die Ernte ist. Johannes schreibt die Gewissheit Jesu fort (4,36): „Gleichzeitig freuen sich Sämann und Schnitter“. ars

Mk 4,26-34

Jesus sprach zur Volksmenge: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Tschuldigung!

10. Juni 2018, 10. Sonntag im Jahreskreis B

Als Bitte meint das Wort, das man schnell im Gedränge an der Kasse oder im Bus sagt, meist: Sorry! Verzeihung! Es tut mir leid. Größer gesagt: Vergib mir. Solch ein Satz ist nicht selbstverständlich.

Das Normale finden wir bereits auf den ersten Seiten der Bibel, ganz nüchtern erzählt: „Die Frau hat mir gegeben …“. „Die Schlange hat mich verführt …“. Einer schiebt die Schuld auf den anderen. Der paradiesische Garten geht durch solche Worte verloren. Das Gespräch im Paradies hat es so nie gegeben, aber die Sache gab es und gibt es bis heute. Sie kann nur durch ein Handeln aus der Welt geschafft werden, wie es Dag Hammerskjöld, der zweite Generalsekretär der Vereinten Nationen, in seinem Tagebuch beschreibt: „Die Vergebung zerbricht die Ursachenkette dadurch, dass der, der – aus Liebe – vergibt, die Verantwortung auf sich nimmt für die Folgen dessen, was du verursacht hast.“ Es ist der Schlüssel, um den Garten wieder zu öffnen. acb

Gen 3,9-15

Nachdem Adam von der Frucht des Baumes gegessen hatte, rief Gott, der Herr, ihm zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.

Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen.

Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.

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