Zusammenwirken

25. August 2019, 21. Sonntag im Jahreskreis, C

Die Messfeier beginnt wie ein Musikstück immer mit einer Ouvertüre: Worum geht es hier, was ist das Thema? Wer trifft aufeinander?

Genauso an diesem Sonntag mit den Anfangsversen von Psalm 86. Da ist die ganze Volk-Gottes-Geschichte zusammengefasst. Da sind nicht zwei Partner die Aug in Aug gegenüberstehen. Da ist ein Hilfsbedürftiger, der um das Ohr des Stärkeren bittet: Den ganzen Tag rufe ich zu Dir. Wer diese grundsätzliche Proportion verfehlt, verfehlt den Gott der Juden und Christen und ebenso seine Geschöpfe. Erst wo das ins Kalkül gezogen wird, erscheint das Rettende: „Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an Dich glauben, zum gemeinsamen Streben.“ Dies bezeichnet präzise die unbändige Kraft mit der alle christlichen Gemeinschaften, der Welt und insbesondere Europa ihren Stempel aufgedrückt haben. bek

Eröffnungsvers und Tagesgebet

 

Ps 86,1-3
Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, Herr,
hilf deinem Knecht, der dir vertraut, sei mir gnädig, o Herr.
Den ganzen Tag rufe ich zu dir.

 

Tagesgebet

Gott, unser Herr, du verbindest alle, die an dich glauben, zum gemeinsamen Streben. Gib, dass wir lieben, was du befiehlst, und ersehnen, was du uns verheißen hast, damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens unsere Herzen dort verankert seien, wo die wahren Freuden sind.

Die Wolke vergrößern

18. August 2019, 20. Sonntag Jahreskreis C

Die Wolke der Zeugen, von der der Hebräerbrief spricht, sind nicht die zahlreichen Christus-Nachfolger der Kirchengeschichte,

sondern die zahlreichen Christus-Vorgänger der Geschichte Israels, von denen vor unserer Lesung einige aufgezählt werden. Sie liefern ausreichend Anschauung und Motivation, dass sich auch die ermatteten Christen in den Wettkampf des Glaubens stürzen können. Das Ziel, das dabei vor Augen liegt, ist nicht ihr Triumph auf der Weltbühne, sondern die Vergrößerung der Wolke der Zeugen. tac

Hebr 12,1-4

Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet! Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.

Etwas darüber hinaus?

11. August 2019, 19. Sonntag im Jahreskreis C

Schon die griechischen Philosophen wollten sich nicht damit abfinden, dass die Zeitgenossen sich damit zufrieden geben, nur zu leben, zu überleben, sich zu reproduzieren, vor dem Fernseher zu sitzen und ihre wohl verdiente Pension auf Mallorca zu verzehren.

Aber Hand aufs Herz: Was wird dem Bestwilligen sowohl von den Vertretern der politischen Parteien und der Kirchen angeboten? Lauter gute Ratschläge, Ermahnungen, Drohungen im Fall von Unfolgsamkeit: nicht fliegen, Rad fahren, kein Fleisch essen, Bienen retten, Klima retten – Strategien zum (angeblich) bloßen Überleben. Da hat es das Evangelium schwer mit der Mahnung: Verschafft euch einen Schatz im Himmel. Diese Himmelwärts-Geste begegnet auch in der zweiten Lesung: Die Väter des Glaubens seien unterwegs gewesen nach der himmlischen Heimat: Sie sahen sie vor sich, von ferne, aber zeigen damit, dass sie eine Heimat suchen. Warum sonst haben sie ihr Land verlassen? ars

Hebr 11,1-2.8-12

Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten. Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Aufgrund des Glaubens siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat. Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte. So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.

Die Wende

4. August 2019, 18. Sonntag im Jahreskreis C

Verkehrswende, Energiewende, Klimawende. Als Kampfbegriffe moralischer Aufrüstung nehmen die Parolen eine kommende Zeit in Blick, die es auf den Kopf zu stellen gilt.

Dieser erst zukünftigen besseren Welt stellt der Brief an die Christengemeinde in Kolossä eine messianische Wende entgegen, die schon vollzogen ist: „Ihr seid mit Christus gestorben. Ihr seid mit Christus auferweckt.“ In der Sprache der zweiten Lesung ist damit die Taufe beschrieben, die Aufnahme und der Eintritt in die Gemeinde der Jünger Jesu. Die Perspektive ist revolutioniert, umgedreht. Das Weltentscheidende ist schon passiert. Es gibt den Ort, an dem die als unüberbrückbar geltenden antiken Trennungen zwischen Juden und Nichtjuden, Sklaven und Freien überholt sind und wo der Jünger so leben kann, dass er Wissen, Können und Erfolg anderen zur Verfügung überlassen kann, ohne etwas zu verlieren. Was man sonst mit aller Macht hintertreiben will – das Leben in seiner unabänderlichen Begrenztheit – in der Gemeinde Jesu wird es zur Zeit des Heute, in der sich alles entscheidet und die neue Schöpfung bereits begonnen hat. acb

Kol 3,1-5.9-11

Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt! Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!  Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Darum tötet, was irdisch an euch ist: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist! Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und habt den neuen Menschen angezogen, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie, sondern Christus ist alles und in allen.

Vernichtende Bilanz oder gehaltene Balance?

28. Juli 2019, 17. Sonntag im Jahreskreis C

Viele sehen unsere Welt schon auf dem Weg in den Untergang; ihr werde es ergehen wie Sodom und Gomorra. Die beiden Städte sind zur Chiffre geworden für die Gefährdung der Menschheit angesichts ihrer Bedrohung durch sich selbst. Abraham tritt für die korrupte Stadt ein: 

Vielleicht gibt es 50 Gerechte, vielleicht nur 45, vielleicht aber auch nur 40, nur 30. Am Ende handelt er das zur Rettung aller erforderliche Minimum auf 10 herunter. Weiter geht er nicht. Was an das Feilschen auf einem orientalischen Basar erinnert, zeigt, dass Abraham etwas vom Herzen seines Gegenübers versteht. Er ist vertraut mit dessen Gedanken: Einer allein ist zu wenig, zehn müssen es wenigstens sein, eine Minderheit, der die Sorge anvertraut ist, dass die Welt nicht kippt. hak

Gen 18,20-32

Der Herr sprach: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist angeschwollen und ihre Sünde, ja, die ist schwer. Ich will hinabsteigen und sehen, ob ihr verderbliches Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist, oder nicht. Ich will es wissen. Die Männer wandten sich ab von dort und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn. Abraham trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen? Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten in ihrer Mitte? Fern sei es von dir, so etwas zu tun: den Gerechten zusammen mit dem Frevler töten. Dann ginge es ja dem Gerechten wie dem Frevler. Das sei fern von dir. Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben? Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom fünfzig Gerechte in der Stadt finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben. Abraham antwortete und sprach: Siehe, ich habe es unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin. Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde. Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun. Da sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde. Darauf sagte er: Siehe, ich habe es unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie nicht vernichten um der zwanzig willen. Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Er sprach: Ich werde sie nicht vernichten um der zehn willen.

Was zu hören ist

21. Juli 2019, 16. Sonntag im Jahreskreis C

In politischen Talkshows hört man oft: „Lassen Sie mich ausreden!“ Offensichtlich ist es schwierig, einem anderen zuzuhören, der einem etwas sagt, was man nicht schon zu wissen glaubt.

In einem Dorf Galiläas zur Zeit Jesu hat sich genau das zugetragen. Dieser Vorgang ist so ungewöhnlich, dass er einen kleinen Familienstreit auslöst. Der einen, die wirklich zuhört, ist das Neue, das Jesus zu sagen hat, wichtiger als alles andere. Für diejenigen, die meinen, dass sie schon alles wissen, kann sie zum Vorbild werden. Sie ist bereit sich einzuhören in sein Wort. Das ist nicht ganz ungefährlich: Man könnte Neues hören. ruk

Lk 10,38-42

Als sie weiterzogen, kam Jesus in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.

Keine Ausreden

14. Juli 2019, 15. Sonntag im Jahreskreis C

Wer kennt das nicht? Bei einer Einsicht, was getan werden sollte, gerät das Gehirn wie von selbst in einen beispiellosen Kreativitätsmodus – was alles dagegen spricht, das als vernünftig Erkannte auch zu tun.

Das steht dem Mose in seiner Abschiedsrede an das Volk Israel vor Augen. Er kennt seine Pappenheimer. Obwohl sie alles gelernt haben und wissen, was das Leben gelingen lässt, weichen sie am liebsten aus: ist zu schwer, zu umständlich, zu kompliziert usw. Mose räumt das Ausredenregal komplett leer. Zu weit entfernt, um das Original der rettenden Lebensordnung in die Hände zu bekommen? Nein, durch die Schöpfung, die Gottebenbildlichkeit – in deinem Herzen. Und durch die mühsame Lehr- und Lerngeschichte während der Wüstenzeit ist die Erkenntnis, wie ER das Leben in Seligkeit münden lassen will, allen in Israel nahegerückt. Näher als ein Buch, das man im Laden erwerben und lesen könnte. Wer diese Geschichte teilt, dem ist sie gleichsam zur zweiten Natur geworden, und darum kann er das Wort, die Lebensordnung Gottes, halten. bek

Dtn 30,11-14

Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht im Himmel, sodass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, sodass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können? Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Worauf es ankommt

7. Juli 2019, 14. Sonntag im Jahreskreis C

Die Entdeckung von Paulus, dass weder Beschneidung noch das Unbeschnittensein etwas gelte, war für ihn eine Revolution.

Er relativiert aber die Beschneidung nicht. Er predigt keine billige Toleranz und die Gleichheit aller. Denn die Beschneidung ist nicht bloß Trennmauer von den Heiden, sondern auch Schutzmauer um die Saat Gottes. Diese Mauer kann nur fallen, wo eine neue Wirklichkeit eingetreten ist, durch den gemeinsamen Blick auf die Geschichte Jesu. Das beschreibt Paulus mit „neue Schöpfung“ – nur sie zählt. tac

Gal 6,14–18

Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn es gilt weder die Beschneidung etwas noch das Unbeschnittensein, sondern: neue Schöpfung. Friede und Erbarmen komme über alle, die diesem Grundsatz folgen, und über das Israel Gottes. In Zukunft soll mir niemand mehr solche Schwierigkeiten bereiten. Denn ich trage die Leidenszeichen Jesu an meinem Leib. Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit eurem Geist, meine Brüder und Schwestern! Amen.

„Ich wollte dich nur auf einen anderen Gedanken bringen“ –

30. Juni 2019, 13. Sonntag im Jahreskreis C

Das sagt Merlin in dem gleichnamigen Stück von Tankred Dorst zu König Artus.

Der erweist sich als resistent, aber es gab oft Versuche, die Zeitgenossen auf andere Gedanken zu bringen. So in der Mitte des 19. Jahrhunderts der spätere Kardinal John Henry Newman. Es war die Hochzeit Darwins und der sogenannten Religionsgeschichte, die in der Bibel und im Christentum nichts Eigenes mehr sehen konnten –­ alles sei übernommen aus den Religionen der Umwelt. Dazu Newman, souverän und unängstlich: Es mag ja sein, dass die Engel eine Erfindung Babylons sind, für uns ist nur wichtig, dass sie in Bethlehem gesungen haben.
1905 formulierte der protestantische Exeget Julius von Wellhausen seine Erkenntnis: „Jesus war kein Christ, sondern ein Jude.“ Als hundert Jahre später eine italienische Donna erstmals damit konfrontiert wurde, war ihre spontane Reaktion: Jesus ja, vielleicht – Ma la Madonna no!
Im heutigen Evangelium fordert Jesus einen auf –­ er ist auf dem Weg nach Jerusalem und ahnt wohl, wie das für ihn enden wird –, sich ihm anzuschließen. Der ist bereit, will aber erst noch seinen Pietätspflichten nachkommen und seinen Vater begraben. Was muss er sich anhören? „Lass die Toten ihre Toten begraben.“ Es ist nicht überliefert, wie er sich entschieden hat; wir wissen nur, dass Jesus seinen Weg nach Jerusalem fortsetzte. ars

Lk 9,51-62

Es geschah aber: Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samariter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen in ein anderes Dorf.

Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben! Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Abraham 2.0

23. Juni 2019, 12. Sonntag im Jahreskreis C

Was der Gemeindegründer und Briefautor Paulus an ein paar christliche Gemeinden in Anatolien schreibt, erzählt nichts weniger als einen Umsturz:

die völlige Überwindung der drei für unüberbrückbar gehaltenen tiefen sozialen Spaltungen der Antike, in Juden und Nichtjuden, Männer und Frauen, freie Menschen und Sklaven. Paulus skizziert dabei keine Utopie. Das neue Miteinander findet nicht irgendwo und irgendwann statt, sondern ist Realität geworden in den Gemeinden der Jünger des Juden Jesus von Nazareth. Es ist heute leicht, das Wort des Paulus multikulturell, gendergerecht oder klassenkämpferisch zu lesen. Aber hier geht es um etwas Anderes. Nicht die strategische Aufhebung der Unterschiede bringt die neue Erfahrung hervor. Vielmehr ist es das „Christus-Gehören“, das Sich-Einklinken in die Geschichte und das Wissen des jüdischen Volkes, das das Gewicht der Differenzen aufhebt und die alten Schranken wegräumt. Es ist ein qualitativer Sprung innerhalb des Volkes, das mit Abraham begann und Gott als Labor für eine neue Gesellschaft dient. acb

Gal 3,26-29

Ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben gemäß der Verheißung.

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