Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.

26. Januar 2020, 3. Sonntag im Jahreskreis A

Das sagt der Engel zu den Frauen, die zum Grab Jesu kommen und verzweifelt sind, weil sie es leer finden. Dorthin verweist sie auch Jesus. Das leere Grab und die Angabe „Galiläa“ wurden immer als dunkel empfunden und waren Anlass zu allerlei Spekulationen.

Matthäus erzählt schon für den Beginn des Auftretens Jesu: Er zog sich nach Galiläa zurück. Seine Herkunft aus dem „Galiläa der Heiden“, aus Nazaret, blieb an ihm haften bis zur Inschrift am Kreuz (JNRJ). Bewohnt von den Stämmen Sebulon und Naftali, war Galiläa schon 732 v. Chr. von den Assyrern erobert und mit Heiden besiedelt worden. „Kann von dort etwas Gutes kommen?“ Diese „Schmach“ war auch zweihundert Jahre später noch Jesaja präsent. Aber Jesaja öffnet ein Fenster in die Zukunft und Matthäus macht es weit auf: In Galiläa erscheint ein Licht. Die Wiederbelebung der verlorenen Stämme beginnt mit der Sammlung der Zwölf. Nach Joseph Ratzinger ist das Neue am Neuen Testament die Person Jesu und die Figur der Zwölf. ars

Mt 4,12-23

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

Das Geheimnis des Knechtes

19. Januar 2020, 2. Sonntag im Jahreskreis A

Knechte gibt es heute nur noch in den etwas zu bunten Heimatfilmen vergangener Jahrzehnte: Sie bevölkern Alpentäler oder einsame Almen und schuften als abhängige Arbeiter unter der Knute ihrer launischen Bauern. Mit diesen verschrobenen Figuren hat der „Knecht Gottes“, dessen Gestalt mehrfach im Buch des Propheten Jesaja erscheint, wenig gemeinsam.

Dort bleibt die Gestalt des Knechtes Gottes im Dunkeln. Ist eine historische Figur gemeint, ein einzelner, oder vielleicht das Gottesvolk als Ganzes? Für die zweite Interpretation spricht, dass es um einen Auftrag „für die Völker“ geht: ein Licht sein, das die Richtung zeigt. Israel als Volk ist dieser Knecht in der Welt, im Dienstverhältnis Gottes. Seine Arbeit? Darstellen, wie Gott diese Welt will. Wie Friede unter den Menschen möglich wird. Was eine gerechte Gesellschaft ist. Sein Arbeitsvertrag? Der Bund. Seine Strategie? Das Leben bis in die kleinsten Details von den Geboten Gottes prägen lassen. acb

Jes 49,3.5-6

Der Herr sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will. Jetzt hat der Herr gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammle. So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt, und mein Gott war meine Stärke. Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht für die Völker, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.

Von der Sehnsucht der Inseln

12. Januar 2020, Taufe des Herrn im Lesejahr A

Beim Fest der Taufe Jesu geht es um Israel. Gottes Gefallen an seinem Knecht erneuert die Berufung Israels. Das Bild des Gottesknechtes, auf den Gott seinen Geist legt, hat Jesaja gut 500 Jahre vorher poetisch beschrieben.

Es verdichtet, was Gott mit dem Volk vorhat: Israel ist nicht für sich selber da: Auf sein Gesetz warten die Inseln. Das Volk des Bundes ist dazu bestimmt, Licht für die Völker zu sein. Darum heißt es, dass der Gottesknecht den glimmenden Docht nicht auslöscht, sondern neu entfacht. hak

Jes 42,1-4.6-7

So spricht Gott, der Herr: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln. Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

In Jerusalem

5. Januar 2020, 2. Sonntag nach Weihnachten im Lesejahr A

Die Weisheitslehrer Israels wussten, dass es sich lohnt, das Leben in Übereinstimmung mit der von Gott her vorausgedachten Berufung zu gestalten, mithilfe der Weisheit. Diese ist aber nicht immer und überall zu finden, sondern an einem bestimmten Ort.

In der gesammelten Weisheit des Volkes Israel, also in Jerusalem ist sie zugänglich geworden. Deswegen müssen die drei Weisen auch zuerst nach Jerusalem gehen, um den Weg zum Messias zu finden. Deswegen ist auch das Leben Jesu untrennbar mit dieser Stadt verbunden: von dort bezog er seine eigene Weisheit und dort hat er sie endgültig bezeugt. ruk

Sir 24,1-2.8-12

Die Weisheit lobt sich selbst, und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich. In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich: Der Schöpfer des Alls gebot mir, der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden. Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf und in Israel sei dein Erbteil! Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. Im heiligen Zelt diente ich vor ihm, so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt. In der Stadt, die er ebenso geliebt hat, ließ er mich Ruhe finden, in Jerusalem ist mein Machtbereich, ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk, im Anteil des Herrn, seines Erbteils.

Mein Sohn

29. Dezember 2019, Fest der Heiligen Familie im Lesejahr A

In der frühen, nach-neutestamentlichen Zeit wurde gezielt das Gerücht verbreitet, Jesus aus Nazareth sei das Kind aus der Liaison eines römischen Legionärs mit einem jüdischen Mädchen namens Mirjam.

Auch sein Aufenthalt in Ägypten, wie Matthäus im heutigen Evangelium erzählt, wurde entsprechend denunziert: Dort habe sich Jesus die Magie und Zauberkünste der ägyptischen Priester zu Eigen gemacht, um mit ihrem Wissen seine Zeitgenossen mit seinen übermenschlichen Fähigkeiten zu überrumpeln. Was ist das mit dem Sohn, von dem Matthäus im Blick auf Jesus sagt: „Aus Ägypten rief ich meinen Sohn“? Das war zuerst ein Wort des Propheten Hosea (11,1), und der meinte das Volk Israel. Im Credo bekennen wir aber von Jesus Christus: „Er ist vom Himmel herabgestiegen.“ Wie geht das alles zusammen: „Mein Sohn“ im Singular (Jesus) und im Plural (das Volk)? Der Sohn einer Familie in Nazareth und der Sohn Gottes aus dem Himmel? – Die Heilige Familie muss keine Idylle gewesen sein. ars

Mt 2,13-15.19-23

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.

Er tat, was der Engel ihm befohlen hatte

22. Dezember 2019, 4. Adventssonntag im Lesejahr A

Die Geburt Jesu erzählt Matthäus aus der Perspektive des Josef. Er muss lernen, dass Gottes Durchbruch in der Geschichte zugleich natürlich und unnatürlich ist. Wenn alles im Rahmen des Gewohnten und Möglichen abliefe, wie sollte dann Gottes großes Anliegen, seine konkret ersehnte Gegenwart in seinem Volk, gelingen?

Josefs Zögern entspringt vielleicht der Ahnung, dass er Vater des Kindes sein wird, das durch ihn „dem Fleische nach Nachkomme Davids“ ist (vgl. Röm 1,3) und zugleich ganz dem Heiligen Geist und dessen mehr als menschlichen Plänen gehört. tac

Mt 1,18-24

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Wartendes Wort

15. Dezember 2019, 3. Adventssonntag im Lesejahr A

Am Ende des Prologs zu seinem Opus magnum „Jesus von Nazareth“, das den synoptischen Kindheitsgeschichten gewidmet ist, verwendet Benedikt XVI., vor allem im Blick auf den Propheten Jesaja, als einen Schlüsselbegriff „Wartendes Wort“.

Er führt ihn ein, um die Einheit von Altem und Neuem Testament darzulegen. Darüber hinaus als Brücke, um anschaulich und belegbar zu machen, wie die bedeutungsoffenen Verheißungen Jesajas in der nachfolgenden Geschichte unerwartet neu konkret geworden sind. An allen vier Adventssonntagen ist die erste Lesung aus Jesaja genommen. Und im Evangelium lässt Johannes aus dem Gefängnis seine Jünger bei Jesus anfragen: „Bist du es?“ Der sagt nicht Ja und nicht Nein, sondern lädt sie mit einem Zitat von Jesaja ein, Johannes zu berichten, was sie sehen und hören können: Blinde sehen und Lahme gehen. Advent: Großes erwarten, es herbeiführen und so das „Wartende Wort“ updaten, das kein bloßes Menschenwort ist. ars

Jes 35,1-6a.10

Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken. Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes. Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen frohlockt. Die vom HERRN Befreiten kehren zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen.

Harmlos?

8. Dezember 2019, 2. Adventssonntag im Lesejahr A

Zu lange wurde der „liebe Gott“ nur noch in Kinderzimmern und an Esstischen genannt, dass es nicht verwunderte, als ihn der moderne Mensch als harmlos entsorgte.

Hört man die kraftvolle Sprache des Jesaja, dann merkt man, dass die Urerfahrung Israels eine ganz andere war. Nicht ein Volk hat sich Ihn ausgedacht, vielmehr: Er ersann Israel. Wo sich eine Gesellschaft auf seine Gebote einlässt – der Prophet nennt es „Gottesfurcht“ –, da kann sie die Heilung der tiefsten sozialen und individuellen Wunden erleben. Parteilichkeit, Unrecht, Armut, Konkurrenzkampf und alles zerfressender Neid werden machtlos. Einige nahmen dieses Experiment auf sich. Die Propheten beschrieben es in Bildern und Fabeln: Wolf und Lamm. Löwe und Kalb. Schlange und Kind. Es ist eine Vision und eine Erfahrung von Wirklichkeit zugleich, immer am Rande des Scheiterns. Aber weil Sein Name nicht „lieber Gott“ ist, sondern „Gerechtigkeit“ und „Treue“, wuchs ein Volk. Seine Wirkungen dauern fort. acb

Jes 11,1-10

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig.

Schon jetzt

1. Dezember 2019, 1. Adventssonntag im Lesejahr A

Bei zwei Propheten, bei Jesaja und Micha, ist eine großartige Vision überliefert. Die Völker werden sich aufmachen nach Zion, weil sie die Wege von Israels Gott kennenlernen wollen. Aber wie beginnt dieser Strom der Völker?

Von Appellen an Assur oder Syrien wird nichts berichtet. Denn nicht die Völker müssen zunächst etwas tun. Vielmehr beginnt die Zeit der Pflugscharen und Winzermesser mit einigen vom Haus Jakob. Sie entschließen sich aufzubrechen und den ersten Schritt selbst zu tun: Sie wollen gemeinsam ihre Wege nach der Weisung Gottes gehen, und zwar „schon jetzt“, wie Micha verdeutlicht. hak

Jes 2,1-5

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat: Am Ende der Tage wird es geschehen, der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort. Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg. Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Krönung des Lebens

24. November 2019, Christkönigssonntag C

Schon den Vorsokratikern ist der Vorwurf gegen die Religion bekannt: Die Menschen machen sich genau die Bilder vom Göttlichen, die ihnen entsprechen: Wenn Hunde Götter hätten, dann hätten sie die Gestalt von Hunden. Auch die biblische Aufklärung entlarvt diese Schwäche des Religiösen und geht einen anderen Weg.

Das Bild von Christus als König ist deswegen nicht als religiöse Spiegelung menschlicher Vorstellungen zu sehen. Im Gegensatz zu einem weltlichen König sitzt Jesus auf keinem Thron und regiert kein Staatswesen. Die Krönung seines Lebens ist es, den unteren Weg zu gehen. Bis heute ist er deswegen als Gekreuzigter dargestellt. In der Widersprüchlichkeit von Kreuz und Thron zeigt die Bibel ein Ebenbild des Unsichtbaren in dieser Welt. Es kann von allen, die es anschauen, nachgeahmt werden. ruk

Kol 1,12-20

Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

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