Die Ruhe im Sturm

24. Juni 2018, 12. Sonntag im Jahreskreis B

Jesus spricht zum Volk einen ganzen Tag lang in Gleichnissen. Bevor Markus erzählt, dass Jesus am Abend ins Boot steigt, notiert er: „Seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.“ Jetzt ist er mit ihnen alleine in einem Boot als ein Seesturm ausbricht.

Offenbar ist diese Geschichte eine Erklärung der erzählten Gleichnisse: Jesus verglich das Reich Gottes zuletzt mit der von selbst wachsenden Saat. Und jetzt, beim Seesturm, schläft er. Markus erwähnt sogar, dass er auf einem Kissen liegt. Der befürchtete Untergang des Bootes stört den ruhigen Schlaf des Meisters nicht, weil er weiß, die Saat wächst – ohne Aktivismus und Geschrei. Die Kombination von Boot, Jüngern und Jesus wird nicht untergehen. Diese Ruhe geht zuerst auf den See über – und nach Pfingsten auch auf die Jünger. tac

Mk 4,35-41

An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

Was gewiss ist

17. Juni 2018, 11. Sonntag im Jahreskreis B

Das neuzeitliche Bewusstsein definierte sich absolut, absehend von allem Äußeren, Zufälligen, Geschichtlichem und Dogmatischem: „Ich denke, also bin ich“. Die einzig übriggebliebene Gewissheit.

Daraus ist das emanzipierte, autonome Subjekt der Moderne geworden, dessen Würde und Rechte in vielen Verfassungen festgeschrieben sind. Ein Grad von Freiheit und Selbstbestimmung ist damit erreicht, den es so in der bisherigen Geschichte nicht gegeben hat. Führt eine Brücke zum Evangelium des Sonntags? Jesus reflektiert im Gleichnis, was gewiss ist. Die Exegeten sind sich nicht einig, ob er von der selbst wachsenden Saat oder vom zuversichtlichen Sämann redet. Jesus sieht einen Prozess in Gang gesetzt, der von dem Sämann initiiert ist und an dem sich „die Erde“ kooperativ beteiligt, bis es Zeit für die Ernte ist. Johannes schreibt die Gewissheit Jesu fort (4,36): „Gleichzeitig freuen sich Sämann und Schnitter“. ars

Mk 4,26-34

Jesus sprach zur Volksmenge: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

Tschuldigung!

10. Juni 2018, 10. Sonntag im Jahreskreis B

Als Bitte meint das Wort, das man schnell im Gedränge an der Kasse oder im Bus sagt, meist: Sorry! Verzeihung! Es tut mir leid. Größer gesagt: Vergib mir. Solch ein Satz ist nicht selbstverständlich.

Das Normale finden wir bereits auf den ersten Seiten der Bibel, ganz nüchtern erzählt: „Die Frau hat mir gegeben …“. „Die Schlange hat mich verführt …“. Einer schiebt die Schuld auf den anderen. Der paradiesische Garten geht durch solche Worte verloren. Das Gespräch im Paradies hat es so nie gegeben, aber die Sache gab es und gibt es bis heute. Sie kann nur durch ein Handeln aus der Welt geschafft werden, wie es Dag Hammerskjöld, der zweite Generalsekretär der Vereinten Nationen, in seinem Tagebuch beschreibt: „Die Vergebung zerbricht die Ursachenkette dadurch, dass der, der – aus Liebe – vergibt, die Verantwortung auf sich nimmt für die Folgen dessen, was du verursacht hast.“ Es ist der Schlüssel, um den Garten wieder zu öffnen. acb

Gen 3,9-15

Nachdem Adam von der Frucht des Baumes gegessen hatte, rief Gott, der Herr, ihm zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.

Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen.

Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.

Freiheitszeichen

3. Juni 2018, 9. Sonntag im Jahreskreis B

Für den antiken Philosophen Seneca, der viele Sklaven hatte, war die biblische Kultur eines freien Ruhetages ein Ärgernis, wirtschaftlicher Unverstand, der Arbeitskraft brachliegen lässt. Freiheit war ein Privileg für nur wenige.

Israel hat in seiner Geschichte erfahren, dass seine Freiheit zuerst Geschenk ist, vom Exodusgott gewährt. Damit das nicht vergessen wird, braucht es jede Woche eine Unterbrechung, freie Zeit zum Erinnern: den siebten Tag. Auf sechs Tage für jegliche Arbeit folgt ein Ruhetag. Er gilt auch für den Sklaven und den Fremden, selbst für Rind und Esel. Die Befreiungsgeschichte soll auf das ganze Volk und alle Lebensbereiche durchschlagen. Die auf Gott hin geöffnete Arbeitsruhe hilft die geschenkte Freiheit zu schützen. Die humanisierende Wirkung des Ruhetags reicht von der Antike bis heute weit über das Gottesvolk selbst hinaus. hak

Dtn 5,12-15

Halte den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der HERR, dein Gott, geboten hat! Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem HERRN, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du. Gedenke, dass du Sklave warst im Land Ägypten und dass dich der HERR, dein Gott, mit starker Hand und ausgestrecktem Arm von dort herausgeführt hat. Darum hat es dir der HERR, dein Gott, geboten, den Sabbat zu begehen.

Wie ein aufgespannter Schirm

27. Mai 2018, Dreifaltigkeitssonntag B

Als das Volk Israel aus Ägypten aufbrach, ahnte es noch nichts von den Schwierigkeiten, die es danach zu überwinden galt. Im Rückblick viele Jahre später kommen alle zum Staunen, was das für ein Gott ist, der sie während der Wüstenwanderung geführt hat.

Auch nach Mose fanden sich immer wieder Zeitgenossen, die eine ähnliche Erfahrung machten: Sich von Gott führen lassen und dann erkennen, dass er in den entscheidenden Momenten wirksam war. Diese Geschichte ist wie ein aufgespannter Schirm und ihr Bogen reicht von Mose bis heute. Es wird der gleiche Gott gefeiert, der von Anfang an vorauszog. ruk

Dtn 4,32-34.39-40

Denn forsche doch einmal in früheren Zeiten nach, die vor dir gewesen sind, seit dem Tag, als Gott den Menschen auf der Erde erschuf; forsche nach vom einen Ende des Himmels bis zum andern Ende: Hat sich je etwas so Großes ereignet wie dieses und hat man je solches gehört? Hat je ein Volk mitten aus dem Feuer die donnernde Stimme eines Gottes reden gehört, wie du sie gehört hast, und ist am Leben geblieben? Oder hat je ein Gott es ebenso versucht, zu einem Volk zu kommen und es sich mitten aus einer anderen Nation herauszuholen unter Prüfungen, unter Zeichen, Wundern und Krieg, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm und unter großen Schrecken, wie alles, was der HERR, euer Gott, in Ägypten mit euch getan hat, vor deinen Augen? Heute sollst du erkennen und zuinnerst begreifen: Der HERR ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst. Daher sollst du seine Gesetze und seine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte, bewahren, damit es dir und später deinen Nachkommen gut geht und du lange lebst in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt für alle Zeit.

Weltfrieden?

20. Mai 2018, Pfingstsonntag, B

„Parther, Meder und Elamiter …“ Und dann zählt die Apostelgeschichte noch weitere 13 Volksgruppen auf, die an Pfingsten in Jerusalem ein völkerübergreifendes Verstehen erleben konnten. Eine antike Form der United Nations? Für die Idee eines weltweiten Völkerverbundes im vorigen Jahrhundert brauchte es erst die Weltkriege.

Die Ursache für das Jerusalemer Verstehen ist eine andere. Eine Idee des Gottes Israels stand am Anfang und ließ es Wirklichkeit werden. Er blickte tiefer, kritischer auf die Geschichte als die Ideengeber der Vereinten Nationen und sah: Der Mensch kann weder sich selbst verstehen noch den Mitmenschen, solange er nicht erkennt, von wem er Leben und Vernunft-Geist hat. Und er suchte, fand und rief einige, die ihn verstanden und handelten: Abraham, Mose, Samuel, Ezechiel und viele andere. Ihrer Einsicht, ihrem Vertrauen und Mut verdanken sich Israel und die Kirche. Die Sache ist in einem Saal in Jerusalem mit ein paar Juden zum Ziel gekommen. Von hier ausgehend ist sogar mehr möglich als Nicht-Krieg: Friede. Sofern sich auch heute Einsichtige, Glaubende, Mutige finden lassen. bek

Apg 2,1-11

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Der zwölfte Mann

13. Mai 2018, 7. Sonntag der Osterzeit B

Die Lücke des Judas muss geschlossen werden, damit die Vollzahl der Zeugen wiederhergestellt wird. Mit Ostern ist nicht bloß eine Einsicht entstanden, die man einfach durch kluge Reden vermitteln könnte, sondern etwas, das durch das Leben bezeugt und beglaubigt werden muss.

Aus dem Mit-Sein und Mit-Leben mit Jesus entsteht ein Amt. Hier beginnt aber keineswegs ein Abfall vom ursprünglichen Leben zu starren Amtsstrukturen, ganz im Gegenteil: Bei der Auswahl der Kandidaten ist das Kriterium, dass sie „die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging“. Sie müssen jeden Schritt, den Jesus mit den Zwölf gegangen ist, mitgegangen sein. Dieses „mit uns zusammen“ schafft die Kontinuität mit der Zeit Jesu. Das Amt ist Mit-Leben und dieses Mit-Leben ist das Amt. tac

Apg 1,15-17.20a.c-26

In jenen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Amt soll ein anderer erhalten! Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde, – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.

Der Kornelius-Effekt

6. Mai 2018, 6. Sonntag der Osterzeit B

Das Pfingstfest am fünfzigsten Tag, wie Lukas es beschreibt, war ein Jerusalemer und ein jüdisches Ereignis: Mit Juden beginnt die Neusammlung Israels.

Diesen Sonntag wird von einem anderen Pfingsten erzählt, nicht in Jerusalem, sondern in Caesarea am Meer. Der es erlebt, ist nicht ein Jude, sondern ein römischer Offizier der dortigen Garnison mit seiner Familie, gottesfürchtige Heiden. Die Geschichte und wie es dazu kommt, ist neben der Passionsgeschichte die längste Einzelperikope des Neuen Testamentes. Wer sie ungekürzt liest, dem kommt entgegen, welche Ungeheuerlichkeit Lukas sagen will: Die Juden und Heiden trennende Mauer ist beseitigt. Um dies als schon geschehen klar zu machen, tritt gleichsam der ganze Himmel in Aktion, um den erkenntnis-resistenten Petrus von Jerusalem nach Caesarea zu bewegen. Kornelius ist der Anlass, ihm die Augen für die universale Dimension von Pfingsten zu öffnen. ars

Apg 10,1 – 11,18

In Cäsarea lebte ein Mann namens Kornelius, Hauptmann in der sogenannten Italischen Kohorte; er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott. Er sah um die neunte Tagesstunde in einer Vision deutlich, wie ein Engel Gottes bei ihm eintrat und zu ihm sagte: Kornelius! Kornelius blickte ihn an und fragte erschrocken: Was ist, Herr? Er sagte zu ihm: Deine Gebete und Almosen sind zu Gott gelangt und er hat ihrer gedacht. Schick jetzt einige Männer nach Joppe und lass einen gewissen Simon herbeiholen, der den Beinamen Petrus hat. Er ist zu Gast bei einem Gerber namens Simon, der ein Haus am Meer hat. Als der Engel, der mit ihm sprach, weggegangen war, rief Kornelius zwei seiner Haussklaven und einen frommen Soldaten von denen, die ihm treu ergeben waren. Er erzählte ihnen alles und schickte sie nach Joppe.

 

Am folgenden Tag, als jene unterwegs waren und sich der Stadt näherten, stieg Petrus auf das Dach, um zu beten; es war um die sechste Stunde. Da wurde er hungrig und wollte essen. Während man etwas zubereitete, kam eine Verzückung über ihn. Er sah den Himmel offen und eine Art Gefäß herabkommen, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde. Darin waren alle möglichen Vierfüßler, Kriechtiere der Erde und Vögel des Himmels. Und eine Stimme rief ihm zu: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber antwortete: Niemals, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen. Da erging die Stimme ein zweites Mal an ihn: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein! Das geschah dreimal und sogleich wurde das Gefäß in den Himmel hinaufgenommen. Petrus war noch ratlos und überlegte, was die Vision, die er gehabt hatte, wohl bedeutete; siehe, da standen die von Kornelius gesandten Männer, die sich zum Haus des Simon durchgefragt hatten, am Tor. Sie riefen und fragten, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast sei. Während Petrus noch über die Vision nachdachte, sagte der Geist zu ihm: Siehe, da sind drei Männer und suchen dich. Steh auf, geh hinunter und zieh ohne Bedenken mit ihnen; denn ich habe sie geschickt. Petrus stieg zu den Männern hinab und sagte: Siehe, ich bin der, den ihr sucht. Aus welchem Grund seid ihr hier? Sie antworteten: Der Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der beim ganzen Volk der Juden in gutem Ruf steht, hat von einem heiligen Engel die Weisung erhalten, dich in sein Haus holen zu lassen und zu hören, was du ihm zu sagen hast.

 

Da ließ er sie eintreten und nahm sie gastlich auf. Tags darauf machte er sich mit ihnen auf den Weg und einige Brüder aus Joppe begleiteten ihn. Am folgenden Tag kamen sie nach Cäsarea. Kornelius erwartete sie schon und hatte seine Verwandten und seine nächsten Freunde zusammengerufen. Als nun Petrus ankam, ging ihm Kornelius entgegen und warf sich ihm ehrfürchtig zu Füßen. Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch. Während er sich mit ihm unterhielt, ging er hinein und fand dort viele Menschen versammelt. Da sagte er zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten; mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf. Darum bin ich auch ohne Widerspruch gekommen, als nach mir geschickt wurde. Nun frage ich: Warum habt ihr mich holen lassen? Da sagte Kornelius: Vor vier Tagen um diese Zeit war ich zum Gebet der neunten Stunde in meinem Haus; siehe, da stand ein Mann in einem leuchtenden Gewand vor mir und sagte: Kornelius, dein Gebet wurde erhört und deiner Almosen wurde vor Gott gedacht. Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der den Beinamen Petrus hat, holen; er ist Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer. Sofort habe ich nach dir geschickt und es ist gut, dass du gekommen bist. Jetzt sind wir alle hier vor Gott zugegen, um all das anzuhören, was dir vom Herrn aufgetragen worden ist. Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt. Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Petrus aber sagte: Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.

 

Die Apostel und die Brüder in Judäa hörten, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten. Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor: Du bist bei Unbeschnittenen eingekehrt und hast mit ihnen gegessen. Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten: Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Art Gefäß, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde, senkte sich aus dem Himmel und es kam bis zu mir herab. Als ich genauer hinschaute, sah und betrachtete ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels. Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen. Doch zum zweiten Mal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein! Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen. Und siehe, gleich darauf standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir wohnten; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden. Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir und wir kamen in das Haus jenes Mannes. Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der Petrus genannt wird, holen! Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst. Als ich zu reden begann, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns. Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden. Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe verliehen hat wie uns, als wir zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?

Mobil bleiben

29. April 2018, 5. Sonntag der Osterzeit B

Mobiles Telefon, mobile Gesellschaft, mobil noch im Alter. Wie kaum etwas bestimmt Mobilität unsere Welt und unser Leben. Da taucht wie aus der Versenkung das Wort „bleiben“ auf.

Gleich achtmal wird es in dem kurzen Abschnitt aus dem Johannesevangelium genannt. Wir wussten es fast: Kirche und Christentum sind das Gegenteil von mobil. Starrheit und Unbeweglichkeit sind ihre Kennzeichen. Aber das Bleiben des Johannes ist nicht ein „So bleiben wie es war“, sondern: treu sein, dranbleiben. Nicht ein Zustand bleibt, sondern eine Verbindung. Jeden Tag kann es anders sein. Bleiben heißt: Das Leben und das Schicksal mit dem Mann aus Nazareth und seinen Jüngern teilen. acb

Joh 15,1-8

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Ein einziger Name

22. April 2018, 4. Sonntag der Osterzeit B

In der Antike steht der Name für die Person. Er kennzeichnet ihr Wesen und ihr Wollen. Das gilt auch für den Namen Gottes. Sein ‚Eigenname’ JHWH hat eine dynamische Bedeutung: „Ich bin da für Euch“.

Der Jude Petrus und seine Gefährten erklären nach Ostern: Jesus ist der einzige Name durch den Rettung und Hilfe kommen. Den Jüngern war aufgegangen, dass Gott da ist und hilft durch diesen Handwerker aus Nazaret, der Gutes tat und Israel neu sammelte. Das bedeutet auch der Name Jesu, Je-shua, „JHWH rettet“. Die Dynamik des Gottesnamens ist in ihm personifiziert und sie wirkt weiter, wo die Jünger in seinem Namen tun was er tat. hak

Apg 4,8-12

Petrus sagte, erfüllt vom Heiligen Geist: Ihr Anführer des Volkes und ihr Ältesten! Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist, so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch. Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

 

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