Wartendes Wort

15. Dezember 2019, 3. Adventssonntag im Lesejahr A

Am Ende des Prologs zu seinem Opus magnum „Jesus von Nazareth“, das den synoptischen Kindheitsgeschichten gewidmet ist, verwendet Benedikt XVI., vor allem im Blick auf den Propheten Jesaja, als einen Schlüsselbegriff „Wartendes Wort“.

Er führt ihn ein, um die Einheit von Altem und Neuem Testament darzulegen. Darüber hinaus als Brücke, um anschaulich und belegbar zu machen, wie die bedeutungsoffenen Verheißungen Jesajas in der nachfolgenden Geschichte unerwartet neu konkret geworden sind. An allen vier Adventssonntagen ist die erste Lesung aus Jesaja genommen. Und im Evangelium lässt Johannes aus dem Gefängnis seine Jünger bei Jesus anfragen: „Bist du es?“ Der sagt nicht Ja und nicht Nein, sondern lädt sie mit einem Zitat von Jesaja ein, Johannes zu berichten, was sie sehen und hören können: Blinde sehen und Lahme gehen. Advent: Großes erwarten, es herbeiführen und so das „Wartende Wort“ updaten, das kein bloßes Menschenwort ist. ars

Jes 35,1-6a.10

Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken. Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes. Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten. Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen frohlockt. Die vom HERRN Befreiten kehren zurück und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen.

Harmlos?

8. Dezember 2019, 2. Adventssonntag im Lesejahr A

Zu lange wurde der „liebe Gott“ nur noch in Kinderzimmern und an Esstischen genannt, dass es nicht verwunderte, als ihn der moderne Mensch als harmlos entsorgte.

Hört man die kraftvolle Sprache des Jesaja, dann merkt man, dass die Urerfahrung Israels eine ganz andere war. Nicht ein Volk hat sich Ihn ausgedacht, vielmehr: Er ersann Israel. Wo sich eine Gesellschaft auf seine Gebote einlässt – der Prophet nennt es „Gottesfurcht“ –, da kann sie die Heilung der tiefsten sozialen und individuellen Wunden erleben. Parteilichkeit, Unrecht, Armut, Konkurrenzkampf und alles zerfressender Neid werden machtlos. Einige nahmen dieses Experiment auf sich. Die Propheten beschrieben es in Bildern und Fabeln: Wolf und Lamm. Löwe und Kalb. Schlange und Kind. Es ist eine Vision und eine Erfahrung von Wirklichkeit zugleich, immer am Rande des Scheiterns. Aber weil Sein Name nicht „lieber Gott“ ist, sondern „Gerechtigkeit“ und „Treue“, wuchs ein Volk. Seine Wirkungen dauern fort. acb

Jes 11,1-10

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig.

Schon jetzt

1. Dezember 2019, 1. Adventssonntag im Lesejahr A

Bei zwei Propheten, bei Jesaja und Micha, ist eine großartige Vision überliefert. Die Völker werden sich aufmachen nach Zion, weil sie die Wege von Israels Gott kennenlernen wollen. Aber wie beginnt dieser Strom der Völker?

Von Appellen an Assur oder Syrien wird nichts berichtet. Denn nicht die Völker müssen zunächst etwas tun. Vielmehr beginnt die Zeit der Pflugscharen und Winzermesser mit einigen vom Haus Jakob. Sie entschließen sich aufzubrechen und den ersten Schritt selbst zu tun: Sie wollen gemeinsam ihre Wege nach der Weisung Gottes gehen, und zwar „schon jetzt“, wie Micha verdeutlicht. hak

Jes 2,1-5

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat: Am Ende der Tage wird es geschehen, der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort. Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg. Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Krönung des Lebens

24. November 2019, Christkönigssonntag C

Schon den Vorsokratikern ist der Vorwurf gegen die Religion bekannt: Die Menschen machen sich genau die Bilder vom Göttlichen, die ihnen entsprechen: Wenn Hunde Götter hätten, dann hätten sie die Gestalt von Hunden. Auch die biblische Aufklärung entlarvt diese Schwäche des Religiösen und geht einen anderen Weg.

Das Bild von Christus als König ist deswegen nicht als religiöse Spiegelung menschlicher Vorstellungen zu sehen. Im Gegensatz zu einem weltlichen König sitzt Jesus auf keinem Thron und regiert kein Staatswesen. Die Krönung seines Lebens ist es, den unteren Weg zu gehen. Bis heute ist er deswegen als Gekreuzigter dargestellt. In der Widersprüchlichkeit von Kreuz und Thron zeigt die Bibel ein Ebenbild des Unsichtbaren in dieser Welt. Es kann von allen, die es anschauen, nachgeahmt werden. ruk

Kol 1,12-20

Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

Leben im Zwischen

17. November 2019, 33. Sonntag im Jahreskreis C

Das Lese- und Kirchenjahr geht zu Ende. Die liturgischen Texte nehmen diese Stimmung auf, aber ganz anders als gegenwärtige Endzeitprediger.

„Lasst euch nicht irreführen, erschreckt nicht“, heißt es im Evangelium. Zutiefst beunruhigend war damals die Zerstörung des Jerusalemer Tempels; Schreckensszenarien wie Erdbeben, Seuchen, Hungernöte und Kriege begleiten die Geschichte bis heute. Die angesagte Klimakatastrophe fügt dieser Liste eine Nuance hinzu. Aber das alles ist nicht das Ende. Wir leben im Zwischen. Was sind feste Koordinaten? Für den Propheten: der „Tag“, wenn der Herr kommt und über Israel die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen wird. Für uns: der „Tag des Herrn“, wenn wir sein Kommen in die Versammlung der Kirche begrüßen. Für Paulus: arbeiten, auch mit der Hand, zum eigenen Lebensunterhalt. Und dabei möglichst viele Juden und Heiden, Männer und Frauen ­sammeln. „Lasst euch nicht irreführen“ – „Das Ende kommt nicht sofort.“ Die Dranbleiber (ὑπομονή) sollen trotz Bedrängnis und Anfeindung kein einziges Härchen verlieren. ars

Mal 3,19–20b

Seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heerscharen. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen dann bleiben. Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung.

2 Thess 3,7–12

Ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt und bei niemandem unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt. Denn als wir bei euch waren, haben wir euch geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Diesen gebieten wir und wir ermahnen sie in Jesus Christus, dem Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr eigenes Brot zu essen.

Lk 21, 5–19

In jener Zeit, als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll? Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach! Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Ohnmächtig und doch nicht zerstörbar

10. November 2019, 32. Sonntag im Jahreskreis C

Kann man Märtyrertum auch als etwas anderes verstehen als religiösen Fanatismus? „Es gibt Werte, die nie um eines noch höheren Wertes wegen preisgegeben werden dürfen und die auch über dem Erhalt des physischen Lebens stehen. Es gibt das Martyrium. Gott ist mehr, auch als das physische Überleben“ – schrieb der emeritierte Papst Benedikt.

Die sieben Söhne der Makkabäischen Mutter verteidigen das Wort Gottes, das den höchsten Wert darstellt aber in ihrer Situation vor dem König ohnmächtig ist. Sie opfern dafür ihr Leben. Der beeindruckende Mut der Söhne rührt nicht aus religiösem Fanatismus, sondern aus der Identifikation mit den Gesetzen ihrer Väter, die sie mit dem Schöpfer des Lebens unzerstörbar verbindet. tac

2 Makk 7, 1–2.7a.9–14

In jenen Tagen geschah es, dass man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König Antíochus wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch anzurühren, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen. Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und was willst du von uns lernen? Eher sterben wir, als dass wir die Gesetze unserer Väter übertreten. Als der Erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den Zweiten zur Folterung. Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferstehen lassen, weil wir für seine Gesetze gestorben sind. Nach ihm folterten sie den Dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin. Dabei sagte er gefasst: Vom Himmel habe ich sie bekommen und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen. Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten. Als er tot war, quälten und misshandelten sie den Vierten genauso. Dieser sagte, als er dem Ende nahe war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns auferstehen lässt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.

Die unverwechselbare Handschrift

3. November 2019, 31. Sonntag im Jahreskreis C

Zachäus wollte Jesus sehen. Er war offenbar etwas zu kurz geraten und überdies einer, der als Steuereintreiber für die verhassten Römer sich keine Sympathien bei seinen Landsleuten erwerben konnte. Wie es für Zachäus ausgeht, erzählt Lukas, wie für Jesus, auch:

Jesus findet einen, der ihn freudig aufnimmt – Jericho, wo Zachäus‘ Haus steht, ist letzte Station bevor er Jerusalem betreten wird. Dort wird er abgelehnt werden. Zachäus erweist sich als ein wahrer Sohn Abrahams. Wonach müsste ein Zeitgenosse heute Ausschau halten, wollte er ´Jesus sehen`? Der wollte Verlorene wie Zachäus suchen und sie für die Freude an der Geschichte Gottes seit Abraham gewinnen. Wobei man damit rechnen muss, dass die Un-Verlorenen kein Verständnis dafür aufbringen, dass es ihn eher zu den Letzten hinzieht. ars

Lk 19,1-10

In jener Zeit kam Jesus nach Jéricho und ging durch die Stadt. Und siehe, da war ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war reich. Er suchte Jesus, um zu sehen, wer er sei, doch er konnte es nicht wegen der Menschenmenge; denn er war klein von Gestalt. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Und alle, die das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Sportlich

27. Oktober 2019, 30. Sonntag im Jahreskreis C

Sören Kierkegaard, der große dänische Theologe, hat von sich selbst gesagt: Wenn er jemals zum Glauben käme, dann würde er nur noch vierspännig durch Kopenhagen fahren.

Paulus – zumindest in der Überlieferung des Autors des zweiten Briefes an Timotheus – schaut ähnlich auf seinen Glaubensweg. Nichts ist selbstverständlich, der Glaube nicht einfach in die Wiege gelegt, sondern ein Kampf, eine Auseinandersetzung, ein Ringen. Drei sportliche Parolen stechen heraus: Kampf, kämpfen, Lauf – alles Bilder aus den Arenen Griechenlands, die Paulus kannte, Ballspiele, Wettläufe, Pferde- und Wagenrennen, Ausscheidungskämpfe. Es gibt auch Niederlagen und Enttäuschung. So blickt die frühe Kirche auf das Christsein. Nur: Der Gegner steht nicht im anderen Spielfeld oder auf der anderen Seite im Gericht. Er wohnt im eigenen Herzen, dort wo die Entscheidung für Gott und sein Volk getroffen werden muss; er steht mitten unter den Jüngern Jesu. acb

2 Tim 4,6-8.16-18

Mein Sohn! Ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen. Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden. Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Völker sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen und retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Hilflos?

20. Oktober 2019, 29. Sonntag im Jahreskreis C

Das Wesen, dem nicht zu helfen ist, so nennt der Philosoph Volker Gerhardt in seinem neuen Buch den Menschen. Der Mensch wird sich ständig selbst zum Problem und er scheitert an sich. Kann er um Hilfe bitten? Wen?

Die biblischen Erfahrungen weisen in eine Richtung: nicht Götter, nicht Sterne, nicht Natur, sondern Gott. Aber wie kommt die Hilfe? Einer reicht nicht, sie zu vermitteln. Der Mensch ist kooperationsfähig und dazu auch herausgefordert. Durch Kooperation unter Einbeziehung erforderlicher Hilfsmittel, und sei es ein sehr schwerer Steinblock zum Sitzen, kann der wirken, von dem der Psalm sagt: Unsere Hilfe ist von Ihm her. hak

Ex 17,8-13

Und Amalek kam und suchte in Refidim den Kampf mit Israel. Da sagte Mose zu Josua: Wähl uns Männer aus und zieh in den Kampf gegen Amalek! Ich selbst werde mich morgen mit dem Gottesstab in meiner Hand auf den Gipfel des Hügels stellen. Josua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, sodass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging. So schwächte Josua Amalek und sein Heer mit scharfem Schwert.

Das heilsame Eintauchen

13. Oktober 2019, 28. Sonntag im Jahreskreis C

Man stelle sich vor, ein syrischer General würde heute laut sagen: „Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Welt einen Gott gibt außer in Israel.“ Er würde dafür Kopf und Kragen riskieren.

Zu biblischen Zeiten wird es kaum anders gewesen sein. Der syrische General ist krank. Wegen einer kleinen Bemerkung seines jüdischen Hausmädchens geht er einen weiten Weg, der ihn bis zum Jordan führt. Trotz enttäuschter Erwartungen vertraut er dem Propheten und taucht in diesen Fluss ein – und damit tief in die Geschichte Israels. Es ist genau dieses Vertrauen, das ihm neuen Boden unter die Füße gibt. Dafür steht die Erde, die er nach Hause mitnimmt. Das Eintauchen in die Geschichte Israels ist heilsam. ruk

2 Kön 5,1-19a

Naaman, der Feldherr des Königs von Aram, galt viel bei seinem Herrn und war angesehen; denn durch ihn hatte der HERR den Aramäern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt. Nun hatten die Aramäer bei einem Streifzug ein junges Mädchen aus dem Land Israel verschleppt. Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen. Es sagte zu seiner Herrin: Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria! Er würde seinen Aussatz heilen. Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm: Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt. Der König von Aram antwortete: So geh doch hin; ich werde dir ein Schreiben an den König von Israel mitgeben.

Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm zehn Talente Silber, sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit und überbrachte dem König von Israel das Schreiben. Es hatte folgenden Inhalt: Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst. Als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und rief: Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann? Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile. Merkt doch und seht, dass er nur Streit mit mir sucht! Als der Gottesmann Elischa hörte, der König von Israel habe seine Kleider zerrissen, ließ er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen; dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt.

So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund und du wirst rein. Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg. Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich und du wirst rein. So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein.

Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! Elischa antwortete: So wahr der HERR lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als dem HERRN allein. Nur dies möge der HERR deinem Knecht verzeihen: Wenn mein Herr zur Anbetung in den Tempel Rimmons geht, stützt er sich dort auf meinen Arm. Ich muss mich dann im Tempel Rimmons niederwerfen, wenn er sich dort niederwirft. Dann möge das der HERR deinem Knecht verzeihen. Elischa antwortete: Geh in Frieden!

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