Wer ist er?

5. April 2020, Palmsonntag im Jahreskreis A

Aufmerksamen Lesern und Hörern fällt ein Detail auf, das Matthäus in seiner Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem betont: Jesus reitet auf einer Eselin und einem Fohlen, also auf zwei Tieren?

Manche Ausleger rätselten, ob der Evangelist eine poetische Doppelung aus dem Prophetentext, den er zitiert, zu wörtlich genommen habe. Der Grund ist aber wohl ein anderer. Matthäus beschreibt die Geschichte Jesu durchgängig von der heiligen Schrift Israels her. Mit der Eselin und ihrem Fohlen greift er auf den Segen Jakobs über seinen Sohn Juda zurück: „Er bindet seinen Esel an den Weinstock an, an die Rebe das Junge seiner Eselin“ (Gen 49,11). Ein paradiesisches Bild, denn kein Bauer bindet seinen Esel und dessen Fohlen an einen Weinstock, da die Tiere naturgemäß naschen würden. Das Bild bedeutet: Aus Juda erwartete man den Messias. Und das rettende Kommen dieses Gesalbten Gottes beginnt jetzt in seinem Volk. hak

Mt 21,1-11

Als sie sich Jerusalem näherten und nach Betfage am Ölberg kamen, schickte Jesus zwei Jünger aus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

Wo der Geist hinweht

29. März 2020, Fünfter Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr A

In der Alltagssprache ist das Wort „Geist“ äußerst schillernd. Es reicht vom weißen Gespenst über intellektuell Geistreiches bis zu etwas vage Spürbarem. Dementsprechend wird er auch im gängigen kirchlichen Kontext häufig als etwas Bewegliches, Nicht-Greifbares, letztlich Ortloses angesehen.

Der alttestamentliche Prophet Ezechiel denkt ganz anders. Wenn er seinem Volk zuspricht, dass Gott seinen Geist in sie einhauchen wird, dann meint er damit die Heimkehr der Versprengten in ihr Land. Der Geist wird also dann wirksam, wenn die Glaubenden aufbrechen und sich in ihrem Land sammeln lassen. Gott belebt sein Volk nicht irgendwo, sondern an einem bestimmten Ort. Das gilt auch für Christen. Der Geist Gottes kann unter ihnen wirksam werden, wenn sie aus der Vereinzelung aufbrechen und sich als Volk Gottes sammeln lassen. ruk

Ez 37,12b-14

So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus – Spruch des Herrn.

Wissen – Glauben – Fakten

22. März 2020, Vierter Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr A

Wenn man die Heilung des blinden Mannes als Zauber oder magische Handlung versteht, begibt man sich auf eine falsche Spur – und bleibt so blind, wie Jesus es am Schluss der Geschichte indirekt von den Selbstgewissen sagt. Denn Sehen ist hier ein anderes Wort für Glauben.

Jünger und Pharisäer meinen, über die Zusammenhänge von Krankheit, Schuld und Heilung alles zu wissen. Der Geheilte hingegen weiß gar nichts, seine Eltern noch weniger. Er weiß nicht, wer seine Augen geöffnet hat – er vermutet, vielleicht ein Prophet. Er weiß nur die Fakten: er war blind und kann jetzt sehen, und wie äußerlich die Heilung vor sich ging. Aber nicht der Teig auf seinen Augen hat ihn sehend gemacht und auch nicht das Bad im Teich Schiloach, sondern einzig und allein das Vertrauen zur Person Jesu. Er hat vertrauend-gläubig getan, was Jesus ihm sagte. Und das ist so einfach, dass jeder Mensch es tun könnte – und so ohne, viel zu wissen heil werden könnte. bek

Joh 9,1-41

Jesus sah einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann? Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen. Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst. Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann. Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden? Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden. Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

Durst

15. März 2020, Dritter Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr A

Die Bücher Mose zeichnen ein ungeschöntes Bild von den Israeliten zwischen Ägypten und dem Gelobten Land. Wie ein Nicht-Wüsten-Volk in der Wüste sind sie ständig unbefriedigt, unzufrieden und gereizt. Diesmal haben sie Durst.

Wenn es nur um das Wasser ginge, wäre Ägypten ein wahrlich besserer Ort. Aber dem Volk hat mehr gefehlt. Es gibt auch eine tiefere Sehnsucht als die nach Getränk und Nahrung: Nämlich nach dem Wort, das von Gott kommt. Nicht zufällig ist der Felsen, aus dem das Wasser fließt, am Horeb. Es ist der Berg, auf dem Mose die lebensnotwendigen Worte bekommen wird. Auch der Stab wird benötigt, der bei der Befreiung geholfen hat. Die Befreiung entscheidet sich an der Frage: „Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“ tac

Ex 17,3-7

Das Volk dürstete nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen? Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich. Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels. Den Ort nannte er Massa und Meriba, Probe und Streit, weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

Reminiscere – Denk an deine Erbarmungen

8. März 2020, Zweiter Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr A

Den Namen für diesen Zweiten Sonntag der Fastenzeit haben auch die protestantischen Kirchen nach der Reformationszeit beibehalten. Meist ist es so, dass der Gott Israels redet:

In der ersten Lesung zu Abraham „Zieh aus“. Und im Evangelium zu den dreien auf dem Berg der Verklärung „Auf ihn sollt ihr hören“. Anders ist es im Eröffnungsvers aus Psalm 25. Der Gott Israels wird angegangen. Er soll sich erinnern an das, was er früher getan hat, und auch jetzt wieder so handeln. Auf das Unterscheidende des biblischen Gottesbegriffs hat Joseph Ratzinger oft hingewiesen: Es ist seine Ansprechbarkeit; er hört, er kann angerufen werden. Wie ist diese Wechselseitigkeit zu verstehen? Ein früher Mönch, als Sklave geboren, Abbas Mios, sagte es im vierten Jahrhundert so: „Gehorsam steht für Gehorsam. Wenn einer Gott gehorcht, gehorcht Gott auch ihm.“ ars

Ps 25,6.2.22

Denk an deine Erbarmungen, Herr, und an die Taten deiner Huld, denn sie bestehen seit Ewigkeit.

Lass unsere Feinde nicht triumphieren!

Befreie uns, Gott Israels, aus all unseren Nöten.

„… dass wir Fortschritte machen im Verstehen des Arcanums Christi …

1. März 2020, Erster Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr A

… und dass wir die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.“ Darum bittet die Kirche an diesem Ersten Fastensonntag. Und beschreibt so das Programm für die kommenden vierzig Tage bis Ostern. 

Die Lesungen konzentrieren sich weniger auf die Konsequenzen. Sie umkreisen das Arcanum, das Geheimnis Christi: Dem ersten Menschen, Adam, gegenüber ist er in die Position des neuen, letzten Adam erhoben. Aber nicht einfach so. Er wird versucht, ihm wird der Prozess gemacht. Er wird einen gefährlichen Weg geführt, bis aus dem ‚alten Adam‘ der neue Mensch werden kann. Was die Ersten im Paradiesgarten erreichen wollten: Sein wie Gott, wird dem Letzten zuteil – durch seinen Gehorsam. ars

Röm 5,12-19

Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten. Sünde war schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt; dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht wie Adam durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten; Adam aber ist die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist. Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade; sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheim gefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteil geworden. Anders als mit dem, was durch den einen Sünder verursacht wurde, verhält es sich mit dieser Gabe: Das Gericht führt wegen der Übertretung des einen zur Verurteilung, die Gnade führt aus vielen Übertretungen zur Gerechtsprechung. Ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht alle, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteil wurde, leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus. Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.

Alles euer

23. Februar 2020, 7. Sonntag im Jahreskreis A

Wie kann der überweltliche Gott in der Welt einen Ort haben, wo er wohnt? Judentum und Christentum haben auf ihrem Weg erfahren, dass Gott in der Mitte seines Volkes wohnen will und zugleich der Heilige bleibt. Wie lässt sich von daher das Verhältnis der christlichen Gemeinde zur Welt und ihren Maßstäben beschreiben?

Diese Frage der Gemeinde in Korinth beantwortet Paulus überraschend: Alles ist euer. Und er zählt verschiedenes auf: die Welt, das Leben sowie den Tod. Als Grund und Grenze solcher Freiheit beschreibt der Jude Paulus eine Bindung, in die alles hineingestellt werden kann: Alles gehört euch, ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott. hak

1 Kor 3,16-23

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr. Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig. Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.

Gebote zur Freiheit

16. Februar 2020, 6. Sonntag im Jahreskreis A

Die Weisheitslehrer Israels wussten, dass dem Menschen eine unglaubliche Freiheit in die Hand gelegt ist: „Der Mensch hat Leben und Tod vor sich. Was er begehrt, wird ihm zuteil.“ Das eigene Schicksal hat wesentlich mit dieser Grundentscheidung zu tun.

Die Größe Gottes spiegelt sich in dieser Freiheit des Menschen. Bei ihrer Verwirklichung bleibt der Mensch aber zu allem fähig. Deswegen sind Erfahrungen, die vor unserem eigenen Leben gemacht wurden, unschätzbar. Sie helfen, diese Freiheit so zu verwirklichen, dass sie fruchtbar wird für viele. Damit nicht jeder Mensch und jede Generation die gleichen Fehler wiederholen muss, wurden diese Erfahrungen im Laufe von Jahrhunderten gesammelt in einer Vielzahl von Geboten und Verboten. Wir kennen davon in der Regel nur noch die zehn bekanntesten. Diese wollen die Freiheit des Menschen nicht einschränken, sondern zu ihrem Ziel führen. ruk

Sir 15,15-20

Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften. Wenn du willst, kannst du das Gebot halten; Gottes Willen zu tun ist Treue. Feuer und Wasser sind vor dich hingestellt; streck deine Hände aus nach dem, was dir gefällt. Der Mensch hat Leben und Tod vor sich; was er begehrt, wird ihm zuteil. Überreich ist die Weisheit des Herrn; stark und mächtig ist er und sieht alles. Die Augen Gottes schauen auf das Tun des Menschen, er kennt alle seine Taten. Keinem gebietet er zu sündigen, und die Betrüger unterstützt er nicht.

Nur eine Prise Salz?

9. Februar 2020, 5. Sonntag im Jahreskreis A

Matthäus schreibt am Ende seines Evangeliums vom Auftrag Jesu zu allen Völkern zu gehen. Aber was heißt das genau und wie soll man sich das vorstellen? Wie soll eine winzige Schar etwas Weltbewegendes leisten?

Es kommt nicht auf die Zahl an, nicht auf eine ausgeklügelte Strategie oder Struktur. Nein, im Bild gesprochen kommt es nur auf das Eine an: die Prise Salz. Sie ist nur eine winzige Zutat im Gesamten der Suppe. Die alles verändernde Größe bleibt immer Minderheit im Ganzen der Welt. Worin also liegt der wirksame Effekt des unscheinbar Kleinen für das große Ganze? Im Bild Jesu gesprochen: dass das Salz nicht schal wird! Auf die Lage unserer Kirche bezogen: Nicht organisatorische, strukturbezogene Überlegungen können ihre Reform einleiten, sondern dass einige wieder beherzt „salzig“ leben. bek

Mt 5,13-16

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Erwünscht und befürchtet

2. Februar 2020, Darstellung des Herrn

Mit dem Fest „Darstellung des Herrn“ tritt die Liturgie noch einmal für einen Augenblick in die Advents- und Weihnachtzeit zurück, in die sichere Erwartung und anfängliche Erfüllung. Der Prophet Maleachi kennt die Spannung, die mit der Ankündigung von Gottes Kommen einhergeht: Dass wir Ihn suchen und herbeiwünschen, zugleich aber die Frage stellen: Wer erträgt den Tag, an dem er kommt?

Dennoch ist die Sicherheit seines Kommens unerschütterlich, denn es gibt den Ort, wohin er kommen kann: sein Tempel, Juda und Jerusalem – und es gibt eine Zeit, die als Maß gilt: die Tage der Vorzeit, die längst vergangenen Jahre. So hat die versprochene Reinigung wie durch Feuer und Lauge bereits erfüllte Rahmenbedingungen und eine klare Ausrichtung auf das Opfer, das richtig ist; d.h. auf die ständige Beziehung zwischen dem Gottesdienst und einem Leben in Gerechtigkeit. tac

Mal 3,1–4

So spricht Gott, der Herr: Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen.

Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!, spricht der Herr der Heerscharen. Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer des Schmelzers und wie die Lauge der Walker. Er setzt sich, um das Silber zu schmelzen und zu reinigen: Er reinigt die Söhne Levis, er läutert sie wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn die richtigen Opfer darbringen. Und dem Herrn wird das Opfer Judas und Jerusalems angenehm sein wie in den Tagen der Vorzeit, wie in längst vergangenen Jahren.

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