Krönung des Lebens

24. November 2019, Christkönigssonntag C

Schon den Vorsokratikern ist der Vorwurf gegen die Religion bekannt: Die Menschen machen sich genau die Bilder vom Göttlichen, die ihnen entsprechen: Wenn Hunde Götter hätten, dann hätten sie die Gestalt von Hunden. Auch die biblische Aufklärung entlarvt diese Schwäche des Religiösen und geht einen anderen Weg.

Das Bild von Christus als König ist deswegen nicht als religiöse Spiegelung menschlicher Vorstellungen zu sehen. Im Gegensatz zu einem weltlichen König sitzt Jesus auf keinem Thron und regiert kein Staatswesen. Die Krönung seines Lebens ist es, den unteren Weg zu gehen. Bis heute ist er deswegen als Gekreuzigter dargestellt. In der Widersprüchlichkeit von Kreuz und Thron zeigt die Bibel ein Ebenbild des Unsichtbaren in dieser Welt. Es kann von allen, die es anschauen, nachgeahmt werden. ruk

Kol 1,12-20

Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden. Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

Leben im Zwischen

17. November 2019, 33. Sonntag im Jahreskreis C

Das Lese- und Kirchenjahr geht zu Ende. Die liturgischen Texte nehmen diese Stimmung auf, aber ganz anders als gegenwärtige Endzeitprediger.

„Lasst euch nicht irreführen, erschreckt nicht“, heißt es im Evangelium. Zutiefst beunruhigend war damals die Zerstörung des Jerusalemer Tempels; Schreckensszenarien wie Erdbeben, Seuchen, Hungernöte und Kriege begleiten die Geschichte bis heute. Die angesagte Klimakatastrophe fügt dieser Liste eine Nuance hinzu. Aber das alles ist nicht das Ende. Wir leben im Zwischen. Was sind feste Koordinaten? Für den Propheten: der „Tag“, wenn der Herr kommt und über Israel die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen wird. Für uns: der „Tag des Herrn“, wenn wir sein Kommen in die Versammlung der Kirche begrüßen. Für Paulus: arbeiten, auch mit der Hand, zum eigenen Lebensunterhalt. Und dabei möglichst viele Juden und Heiden, Männer und Frauen ­sammeln. „Lasst euch nicht irreführen“ – „Das Ende kommt nicht sofort.“ Die Dranbleiber (ὑπομονή) sollen trotz Bedrängnis und Anfeindung kein einziges Härchen verlieren. ars

Mal 3,19–20b

Seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heerscharen. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen dann bleiben. Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung.

2 Thess 3,7–12

Ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt und bei niemandem unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt. Denn als wir bei euch waren, haben wir euch geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Diesen gebieten wir und wir ermahnen sie in Jesus Christus, dem Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr eigenes Brot zu essen.

Lk 21, 5–19

In jener Zeit, als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll? Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach! Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Ohnmächtig und doch nicht zerstörbar

10. November 2019, 32. Sonntag im Jahreskreis C

Kann man Märtyrertum auch als etwas anderes verstehen als religiösen Fanatismus? „Es gibt Werte, die nie um eines noch höheren Wertes wegen preisgegeben werden dürfen und die auch über dem Erhalt des physischen Lebens stehen. Es gibt das Martyrium. Gott ist mehr, auch als das physische Überleben“ – schrieb der emeritierte Papst Benedikt.

Die sieben Söhne der Makkabäischen Mutter verteidigen das Wort Gottes, das den höchsten Wert darstellt aber in ihrer Situation vor dem König ohnmächtig ist. Sie opfern dafür ihr Leben. Der beeindruckende Mut der Söhne rührt nicht aus religiösem Fanatismus, sondern aus der Identifikation mit den Gesetzen ihrer Väter, die sie mit dem Schöpfer des Lebens unzerstörbar verbindet. tac

2 Makk 7, 1–2.7a.9–14

In jenen Tagen geschah es, dass man sieben Brüder mit ihrer Mutter festnahm. Der König Antíochus wollte sie zwingen, entgegen dem göttlichen Gesetz Schweinefleisch anzurühren, und ließ sie darum mit Geißeln und Riemen peitschen. Einer von ihnen ergriff für die andern das Wort und sagte: Was willst du uns fragen und was willst du von uns lernen? Eher sterben wir, als dass wir die Gesetze unserer Väter übertreten. Als der Erste der Brüder auf diese Weise gestorben war, führten sie den Zweiten zur Folterung. Als er in den letzten Zügen lag, sagte er: Du Unmensch! Du nimmst uns dieses Leben; aber der König der Welt wird uns zu einem neuen, ewigen Leben auferstehen lassen, weil wir für seine Gesetze gestorben sind. Nach ihm folterten sie den Dritten. Als sie seine Zunge forderten, streckte er sie sofort heraus und hielt mutig die Hände hin. Dabei sagte er gefasst: Vom Himmel habe ich sie bekommen und wegen seiner Gesetze achte ich nicht auf sie. Von ihm hoffe ich sie wiederzuerlangen. Sogar der König und seine Leute staunten über den Mut des jungen Mannes, dem die Schmerzen nichts bedeuteten. Als er tot war, quälten und misshandelten sie den Vierten genauso. Dieser sagte, als er dem Ende nahe war: Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns auferstehen lässt. Darauf warten wir gern, wenn wir von Menschenhand sterben. Für dich aber gibt es keine Auferstehung zum Leben.

Die unverwechselbare Handschrift

3. November 2019, 31. Sonntag im Jahreskreis C

Zachäus wollte Jesus sehen. Er war offenbar etwas zu kurz geraten und überdies einer, der als Steuereintreiber für die verhassten Römer sich keine Sympathien bei seinen Landsleuten erwerben konnte. Wie es für Zachäus ausgeht, erzählt Lukas, wie für Jesus, auch:

Jesus findet einen, der ihn freudig aufnimmt – Jericho, wo Zachäus‘ Haus steht, ist letzte Station bevor er Jerusalem betreten wird. Dort wird er abgelehnt werden. Zachäus erweist sich als ein wahrer Sohn Abrahams. Wonach müsste ein Zeitgenosse heute Ausschau halten, wollte er ´Jesus sehen`? Der wollte Verlorene wie Zachäus suchen und sie für die Freude an der Geschichte Gottes seit Abraham gewinnen. Wobei man damit rechnen muss, dass die Un-Verlorenen kein Verständnis dafür aufbringen, dass es ihn eher zu den Letzten hinzieht. ars

Lk 19,1-10

In jener Zeit kam Jesus nach Jéricho und ging durch die Stadt. Und siehe, da war ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war reich. Er suchte Jesus, um zu sehen, wer er sei, doch er konnte es nicht wegen der Menschenmenge; denn er war klein von Gestalt. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Und alle, die das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Sportlich

27. Oktober 2019, 30. Sonntag im Jahreskreis C

Sören Kierkegaard, der große dänische Theologe, hat von sich selbst gesagt: Wenn er jemals zum Glauben käme, dann würde er nur noch vierspännig durch Kopenhagen fahren.

Paulus – zumindest in der Überlieferung des Autors des zweiten Briefes an Timotheus – schaut ähnlich auf seinen Glaubensweg. Nichts ist selbstverständlich, der Glaube nicht einfach in die Wiege gelegt, sondern ein Kampf, eine Auseinandersetzung, ein Ringen. Drei sportliche Parolen stechen heraus: Kampf, kämpfen, Lauf – alles Bilder aus den Arenen Griechenlands, die Paulus kannte, Ballspiele, Wettläufe, Pferde- und Wagenrennen, Ausscheidungskämpfe. Es gibt auch Niederlagen und Enttäuschung. So blickt die frühe Kirche auf das Christsein. Nur: Der Gegner steht nicht im anderen Spielfeld oder auf der anderen Seite im Gericht. Er wohnt im eigenen Herzen, dort wo die Entscheidung für Gott und sein Volk getroffen werden muss; er steht mitten unter den Jüngern Jesu. acb

2 Tim 4,6-8.16-18

Mein Sohn! Ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen. Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden. Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Völker sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen und retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Hilflos?

20. Oktober 2019, 29. Sonntag im Jahreskreis C

Das Wesen, dem nicht zu helfen ist, so nennt der Philosoph Volker Gerhardt in seinem neuen Buch den Menschen. Der Mensch wird sich ständig selbst zum Problem und er scheitert an sich. Kann er um Hilfe bitten? Wen?

Die biblischen Erfahrungen weisen in eine Richtung: nicht Götter, nicht Sterne, nicht Natur, sondern Gott. Aber wie kommt die Hilfe? Einer reicht nicht, sie zu vermitteln. Der Mensch ist kooperationsfähig und dazu auch herausgefordert. Durch Kooperation unter Einbeziehung erforderlicher Hilfsmittel, und sei es ein sehr schwerer Steinblock zum Sitzen, kann der wirken, von dem der Psalm sagt: Unsere Hilfe ist von Ihm her. hak

Ex 17,8-13

Und Amalek kam und suchte in Refidim den Kampf mit Israel. Da sagte Mose zu Josua: Wähl uns Männer aus und zieh in den Kampf gegen Amalek! Ich selbst werde mich morgen mit dem Gottesstab in meiner Hand auf den Gipfel des Hügels stellen. Josua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte, und kämpfte gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker; sooft er aber die Hand sinken ließ, war Amalek stärker. Als dem Mose die Hände schwer wurden, holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn und er setzte sich darauf. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links, sodass seine Hände erhoben blieben, bis die Sonne unterging. So schwächte Josua Amalek und sein Heer mit scharfem Schwert.

Das heilsame Eintauchen

13. Oktober 2019, 28. Sonntag im Jahreskreis C

Man stelle sich vor, ein syrischer General würde heute laut sagen: „Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Welt einen Gott gibt außer in Israel.“ Er würde dafür Kopf und Kragen riskieren.

Zu biblischen Zeiten wird es kaum anders gewesen sein. Der syrische General ist krank. Wegen einer kleinen Bemerkung seines jüdischen Hausmädchens geht er einen weiten Weg, der ihn bis zum Jordan führt. Trotz enttäuschter Erwartungen vertraut er dem Propheten und taucht in diesen Fluss ein – und damit tief in die Geschichte Israels. Es ist genau dieses Vertrauen, das ihm neuen Boden unter die Füße gibt. Dafür steht die Erde, die er nach Hause mitnimmt. Das Eintauchen in die Geschichte Israels ist heilsam. ruk

2 Kön 5,1-19a

Naaman, der Feldherr des Königs von Aram, galt viel bei seinem Herrn und war angesehen; denn durch ihn hatte der HERR den Aramäern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt. Nun hatten die Aramäer bei einem Streifzug ein junges Mädchen aus dem Land Israel verschleppt. Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen. Es sagte zu seiner Herrin: Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria! Er würde seinen Aussatz heilen. Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm: Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt. Der König von Aram antwortete: So geh doch hin; ich werde dir ein Schreiben an den König von Israel mitgeben.

Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm zehn Talente Silber, sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit und überbrachte dem König von Israel das Schreiben. Es hatte folgenden Inhalt: Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst. Als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und rief: Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann? Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile. Merkt doch und seht, dass er nur Streit mit mir sucht! Als der Gottesmann Elischa hörte, der König von Israel habe seine Kleider zerrissen, ließ er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen; dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt.

So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund und du wirst rein. Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg. Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich und du wirst rein. So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein.

Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! Elischa antwortete: So wahr der HERR lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als dem HERRN allein. Nur dies möge der HERR deinem Knecht verzeihen: Wenn mein Herr zur Anbetung in den Tempel Rimmons geht, stützt er sich dort auf meinen Arm. Ich muss mich dann im Tempel Rimmons niederwerfen, wenn er sich dort niederwirft. Dann möge das der HERR deinem Knecht verzeihen. Elischa antwortete: Geh in Frieden!

Ein ungeklärter Begriff

6. Oktober 2019, 27. Sonntag im Jahreskreis C

Glaube kann alles Mögliche heißen: vermuten, für wahr halten, eine unbestimmte Meinung usw. Das Evangelium gibt auch keine Definition, sondern nur Beispiele.

Als die Jünger sich fragen, ob ihr Glaube wohl ausreicht, antwortet Ihnen Jesus zuerst mit dem rätselhaften Vergleich von Glaube und Senfkorn, und liefert dann ein sehr sprechendes Bild aus der damaligen Lebenswelt. Dabei geht es um ein selbstverständliches Tun, nicht um ein Meinen oder Sinnieren. Denn nur theoretisch kann man vom Glauben nichts erfassen. bek

Lk 17,5-10

Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen. Wenn einer von euch einen Knecht hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Komm gleich her und begib dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich, bis ich gegessen und getrunken habe; danach kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Der Party-Crasher

29. September 2019, 26. Sonntag im Jahreskreis C

Die Drohworte des Propheten Amos „Weh den Sorglosen“ passen gut in das Endzeit-Bauchgefühl unserer Zeit. Aber Amos prangert nicht systemische Fehler in Israel an und er ruft nicht zur antikapitalistischen Klima-Revolution auf.

Er kündigt die Verbannung des Gottesvolkes an, da in der allgemeinen Hochstimmung vor den Augen des Propheten der Untergang schon passiert: Israel versinkt in der Masse der Völker. Dass die Verbannung letztlich doch nicht das Ende Israels bedeutet, verdankt das Volk einzig der Gnade Gottes und der Umkehr der Wenigen. tac

Am 6,1a.4-7

Weh den Sorglosen auf dem Zion und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria. Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde und Mastkälber aus dem Stall. Ihr grölt zum Klang der Harfe, ihr wollt Musikinstrumente erfinden wie David. Ihr trinkt den Wein aus Opferschalen, ihr salbt euch mit feinsten Ölen, aber über den Untergang Josefs sorgt ihr euch nicht. Darum müssen sie jetzt in die Verbannung, allen Verbannten voran. Das Fest der Faulenzer ist vorbei.

Von wem lernen?

22. September 2019, 25. Sonntag im Jahreskreis C

Die knapp zwei Jahre, in denen Jesus mit den Zwölf unterwegs in Israel umherging, waren eine Art wanderndes Lehrhaus; er versuchte ihnen zu vermitteln, was es mit der Nähe der Basileia Gottes auf sich hat, für sie und überhaupt.

Er sagt ihnen: Sorgt euch nicht – schaut auf die Vögel. Denkt nicht, was ich jetzt in Israel initiiere, ist eine glamouröse Erfolgsgesichte: seht der Frau zu, die ein bisschen Sauerteig unter viel Mehl mengt; es dauert, bis daraus Teig für Brot wird. Der Same des Senfkorns ist winzig, aber es wird daraus ein Baum werden. Im heutigen Evangelium gibt er eine weitere Lektion: Lernt von den Zockern. In seiner ziemlich prekären Lage – Veruntreuung, drohender Jobentzug ­und mit der Aussicht auf eine unsichere Altersversorgung – sucht ein Verwalter den Befreiungsschlag. Er wird dafür gelobt. Vielleicht haben die Zwölf erstaunte Gesichter gemacht und geahnt: In der Lage der Bedrängnis, in der Jesus lebt, später sie selbst, sind waghalsig Kluge eine Gnade, die nur erbeten werden kann. ars

Lk 16,1-13

Jesus sprach aber auch zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.

Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib fünfzig! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig! Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht! Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

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