Kein Widerspruch

16. Dezember 2018, 3. Adventssonntag Lesejahr C

Das Nebeneinander von Jubel und Gerichtsandrohung entspricht der Realität des Gottesvolkes seit Jahrhunderten. Ständiges Abirren und Zuwiderhandeln den Wünschen Gottes – und genau da hinein spricht Gott seine Heils- und Gerichtsworte. Warum?

Weil der Mensch und auch das Gottesvolk frei sind, diesen oder jenen Weg zu gehen. Beides aber, Heils- und Gerichtsworte sind eigentlich Lockrufe. Gott möchte durch beides bewegen, ihm zu folgen. Dazu kann auch die Erinnerung daran hilfreich sein, was die Folgen sind und wie es einem ergeht, ohne Gottes vernünftige Weisung. Das Gericht, so muss man die alte Sprache verstehen, zieht man nämlich selbst auf sich, es sind die Folgen eigenen Tuns. Wer den Menschen, sich selbst, und die Geschichte des Volkes Gottes einigermaßen nüchtern betrachtet, der weiß, dass beides nahe bei einander liegt: die Freude an Gott und die Gleichgültigkeit ihm gegenüber. Dennoch sind wir dem nicht ausgeliefert, wie Zefanja sagt: „Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben.“ bek

Zef 3,14-17

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

Lehrgang des Advent

9. Dezember 2018, 2. Adventssonntag Lesejahr C

Eine Straße muss gebaut werden. Von allen Himmelsrichtungen nach Jerusalem.

Laut Baruch ist Gott der Bauherr: er spricht, und die Hindernisse geben den Weg frei. Bei anderen Propheten überträgt Gott diese Bauaufgabe den Menschen: „Baut dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straße“. Das ist kein Widerspruch – Gott baut und die sich sammeln lassen, bauen für Ihn. Das ist der große Lehrgang des Advent: Jeden Handgriff, den Gott tut, müssen wir tun, und jeden Handgriff, den wir im Vertrauen auf Gott tun, tut er. tac

Bar 5,1-9

Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht! Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen. Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht. Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat. Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu dir, ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte. Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß. Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.

Wieder vor Christi Geburt?

2. Dezember 2018, 1. Adventssonntag Lesejahr C

Das Neue Jahr 2019 wird wieder mit viel Erwartung und Feuerwerk begrüßt werden. Um den Anfang des neuen Kirchenjahres ist es vergleichsweise still. Wird da jemand erwartet?

Soll der rote Teppich ausgerollt werden für einen „gerechten Spross“, von dem Jeremia spricht, oder für den Menschensohn, der auf einer Wolke kommen soll? Sind wir vielleicht zurückversetzt in den Wartesaal, in die Zeit vor der Ankunft Christi? Advent bedeutet nicht künftiges Ankommen, sondern Gegenwärtigkeit. Benedikt XVI. hat daran erinnert: Das oder der Erwartete ist schon Gegenwart z. B. in den großen Heiligen. Paulus sagt es so: „Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen.“ Dann ist Adventus medius, nicht im Futur und nicht im Präteritum, sondern im Präsens. ars

1 Thess 3,12 – 4,2

Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit eure Herzen gestärkt werden und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, bei der Ankunft Jesu, unseres Herrn, mit allen seinen Heiligen. Im Übrigen, Brüder und Schwestern, bitten und ermahnen wir euch im Namen Jesu, des Herrn: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! Ihr wisst ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben.

Wahrheit

25. November 2018 – Christkönigssonntag B

Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme. Das war in der Sprache des Johannes-Evangeliums das Menschenbild des Jesus von Nazareth. 1200 Jahre nach ihm zog der Theologe Thomas von Aquin daraus die Konsequenz: Jede Wahrheit, ganz gleich, von wem sie gesagt wird, stammt vom Heiligen Geist.

Werden damit die Wahrheitssucher, die Verteidiger von Gerechtigkeit und die Menschen­rechtsaktivisten nicht doch vereinnahmt und zu anonymen Christen gemacht? Nein. Die Frage nach der Wahrheit nimmt den biblischen Glauben aus der Welt der Religionen heraus. Glauben heißt nicht länger: Spezialist für Religiöses sein. Antennen fürs Jenseitige haben. Ins Innere hineinhorchen und dort die Geheimnisse der Welt entdecken wollen. Mit allen Wahrheitssuchenden verbinden den Glaubenden die Fragen: Was ist richtig? Was entspricht der Realität? Was hilft wirklich? Das Wort Jesu verweist auf ein Bündnis mit der Vernunft. acb

Joh 18,33b-37

Pilatus fragte Jesus: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Der Messias wartet

18. November 2018, 33. Sonntag im Jahreskreis B

„Er sitzt zur Rechten Gottes“ heißt es im apostolischen Glaubensbekenntnis. Der Hebräerbrief beschreibt das näher: „Er hat sich zur Rechten Gottes gesetzt und seitdem wartet er“. Der Messias wartet?

Er wartet, dass sich auswirkt, was er ein für alle Mal getan hat. Die ganze Geschichte Israels hat sich zugespitzt in der Existenz des Messias Jesus. Er hat sein Leben nicht geschont und damit eine Bresche geschlagen in die Mauer der Feindschaft gegen ihn und sein Volk. So ist allen die Verwirklichung einer neuen Lebensweise für immer eröffnet. hak

Hebr 10,11-14.18

Jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. Wo also die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.

Das alles verändernde Zuerst

11. November 2018, 32. Sonntag im Jahreskreis B

Worum der alttestamentliche Prophet Elija die Witwe von Sarepta bittet, ist nicht schwer: ein Brot für ihn backen. Allerdings gibt es eine entscheidende Bedingung: Es soll zuerst geschehen. Das verändert alles.

Zuerst oder danach? Daran zeigt sich, was wirklich zählt. Das Entscheidende kommt oft deswegen nicht zum Zug, weil es sich nachgeordnet wiederfindet: nachdem die eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht sind, nachdem alles geregelt ist, nach diesem Leben. Bei dieser Witwe ist es anders: Sie geht und tut, wie es Elija gesagt hat. Sie gibt zuerst der Geschichte Gottes eine Chance und kümmert sich danach um das Eigene. Erstaunlicherweise ordnet sich das Eigene dann auch für sie zum Besten. ruk

1 Kön 17,10-16

Der Prophet Elija machte sich auf und ging nach Sarepta. Als er an das Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. Er bat sie: Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken! Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: Bring mir auch einen Bissen Brot mit! Doch sie sagte: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf und gehe dann heim, um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten. Das wollen wir noch essen und dann sterben. Elija entgegnete ihr: Fürchte dich nicht! Geh heim, und tu, was du gesagt hast. Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck, und bring es zu mir heraus! Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet. Sie ging und tat, was Elija gesagt hatte. So hatte sie mit ihm und ihrem Sohn viele Tage zu essen. Der Mehltopf wurde nicht leer, und der Ölkrug versiegte nicht, wie der Herr durch Elija versprochen hatte.

Was heißt das schon „Gott lieben“?

4. November 2018, 31. Sonntag im Jahreskreis B

Der Schriftgelehrte will die Rechtgläubigkeit Jesu prüfen. Dabei zielt die Frage des Schriftgelehrten nach dem wichtigsten Gebot ins Zentrum der Theologie: Was will Gott von uns?

Jesus zitiert aus Israels Bibel. Aber er schreibt den Originaltext fort, indem er die Art und Weise, wie der Mensch Gott lieben soll, ergänzt: „mit deinem ganzen Denken“. Und er nimmt noch eine weitere Akzentuierung vor. Er verbindet das Hauptgebot aus Deuteronomium mit dem der Nächstenliebe aus Levitikus und rückt beide an die erste Stelle: „Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden“. Was heißt das? Es heißt, dass der Weg zu Gott über die Welt führt. bek

Mk 12,28b-31

Ein Schriftgelehrter hörte, wie treffend Jesus antwortete; so ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.

Weil man Erlösung sehen können muss

28.10.2018, 30. Sonntag im Jahreskreis B

Wenn die Heilung des Blinden keine bloße Einzelszene ist, sondern Evangelium im Evangelium, dann ist der blinde Bartimäus ein besonderer Patient.

Er kann hören, er kann reden, sogar schreien kann er, er kann betteln und bekommt vielleicht alles, was er braucht, auch einen Mantel hat er. Nur sehen kann er nicht. Es erinnert an Platons Höhlengleichnis über die Suche des Menschen nach Erkenntnis und Wahrheit. Im Unterschied dazu spürt dieser Mensch aber, dass es auf das helle Sehen ankommt, gerade wenn Jesus vorbeikommt. Man muss doch sehen können, was Gott tut, wie er handelt und dem Menschen nahekommt. Und dass er sieht, heißt, dass er mit ihm geht, befreit vom Gefängnis des An-der-Stelle-Sitzens. Und er geht mit Jesus nach Jerusalem und sieht immer mehr: das Abendmahl, das Kreuz und die Auferstehung. tac

Mk 10,46-52

Als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Nicht so

21. Oktober 2018, 29. Sonntag im Jahreskreis B

Was im heutigen Evangelium verhandelt wird, könnte man mit „die Alternative“ übersetzen. Aber das geht eigentlich nicht, es gibt ja schon eine Partei, die das Wort für sich reklamiert, wenigstens für unser Land.

Dem Leser der Evangelien begegnen Jakobus und Johannes, die Zebedäussöhne, zusammen mit Petrus öfter als die drei, die Jesus bevorzugt, so wenn er auf den Berg der Verklärung steigt. Offenbar ist ihnen das zu Kopf gestiegen und sie melden vorsorglich ihre Wünsche auf die Ehrenplätze an, die sie aus ihrer Nähe zu Jesus ableiten. Sie täuschen sich. Alle Zwölf müssen umdenken. Sie haben nichts verstanden, auch wenn sie schon einige Zeit mit Jesus unterwegs waren. Erst später geht ihnen auf: Er hat das Fundament für ein anderes Leben gelegt. Eine Alternative für viele. ars

Mk 10,35-45

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu Jesus und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen! Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es bestimmt ist. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Die kommende Welt

14. Oktober 2018, 28. Sonntag im Jahreskreis B

Sind kommende Welt und ewiges Leben, die am Ende des Sonntagsevangeliums stehen, nicht jene verbrauchten Worte, die den biblischen Glauben als Vertröstungsdroge in Verruf brachten?

Eine kommende Welt, in die man erst nach dem Tod hineinkommt, wo überraschenderweise alles besser wäre als es hier ist, wäre lächerlich. Der Baalschem, ein bekannter jüdischer Rabbi, der darüber nachdachte, sprach bei sich: „Wenn ich Gott liebe, was brauche ich da eine kommende Welt?“ Gott lieben, aus Freude nach seinen Geboten leben, das ist genau jene Welt, die kommt, in unser Jetzt und Hier, und diese Welt verändert. So ist sie kommende Welt; sie ist jenseitig, weil ganz anders, aber diesseits. acb

Mk 10,17-30

Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

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