„Ich bin gerne Import-Priester!“

Im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ meint ZdK-Präsident Thomas Sternberg, Import-Priester seien auf Dauer keine Lösung für den Priestermangel in Deutschland.

Wahrscheinlich ist er kein Fußball-Fan. Denn dort haben sich „Importe“ längst bewährt, ebenso im internationalen Management. Ich sehe auch nicht, dass sich das auf Dauer verändern wird. Warum sollte ich also als gebürtiger Italiener für das Bistum Augsburg nicht einen ebenso guten Dienst leisten können, wie das jetzt Carlo Ancelotti für den FC Bayern versucht? Also ich bin gerne „Import-Priester“ im Bistum Augsburg und bringe meine Erfahrungen aus meiner Heimat selbstverständlich auch hier in die Seelsorge in Deutschland ein. Im Bischöflichen Ordinariat bin ich für die rund 150 Priester aus der Weltkirche verantwortlich, ich helfe auch in der Pastoral mit aus. Deshalb sehe ich mich verpflichtet, den 150 Priestern aus der Weltkirche eine Stimme zu geben. Wir sind gerne hier und empfinden uns auch nicht als Ausländer! Alle reden von einer globalisierten Welt. Wir als katholische Kirche sind das vielleicht älteste globale, die Welt umfassende Unternehmen. Warum sollte da nicht auch die deutsche Kirche von uns Priestern aus der Weltkirche lernen? Wir sind jederzeit gerne für Nachhilfe zu haben, auch für den Präsidenten des Zentralkomitees der Katholiken. Mein erster Tipp an ihn wäre folgende Überlegung: Papst Franziskus hat selbst nach seiner Wahl gesagt, vom Ende der Welt zu kommen. Ob Herr Sternberg ihn deshalb wie jetzt uns mit dem Begriff „Import“ in Verbindung bringen und ihn als „Import-Papst“ bezeichnen würde? Wohl sicher nicht! alp

Grüne Welle bergauf

Ein Fahrradfahrer vor meinem Mini radelt heroisch mit nahezu 20 Stundenkilometern die kurvenreiche Straße bergauf. Respekt.

Aber es wäre trotzdem nett, wenn er mich überholen ließe. Das scheint bei seinem Fahrstil über Kilometer weit vollkommen ausgeschlossen. Zeit genug, mich in sein mindestens zwei Fahrspuren breites Selbstbewusstsein hineinzuversetzen. Hier wird offensichtlich weitaus Wichtigeres getan, als in die Pedale getreten. Hier wird mal eben die Welt gerettet. Das raumgreifende Selbstbewusstsein fast ganz ohne CO2 vor meiner kleinen Kühlerhaube hat wahrhaft imposante Ausmaße, es bewegt sich so ausladend und unermüdlich wie die Windradflügel der Energiewende. Dabei ist er so cool und energieeffizient wie Tripel-A-Kühlschrank. Er ist nur kalte Schulter für mich und alle anderen Sorgen von Globalisierung und Industrialisierung, leuchtendes Vorbild vor meiner Kühlerhaube wie eine LED, die meine inzwischen zornrote Glüh-Birne richtig alt aussehen lässt. mas

Brexit 1534 | 2016

Die nach dem Ende des kalten Kriegs unter Historikern geführte Diskussion um die „Posthistoire“ und das Ende der Geschichte ist endgültig ad absurdum geführt worden:

Aus der Geschichte kann man nicht aussteigen wie aus einem Zug, der in die falsche Richtung fährt. Aber man kann historische Entscheidungen fällen. Davon haben die Briten Gebrauch gemacht.

Für die katholische Kirche ist der „Brexit“ schon bald ein halbes Jahrtausend alt. Heinrich VIII. trennte mit der Suprematsakte von 1534 die englische Kirche von der katholischen. Die im Verhältnis zur Weltgeschichte atemberaubend zeitraffende Langsamkeit im Geschichtsdenken der Kirche macht Kontinuitäten deutlich, die im politischen Tagesgeschehen kaum wahrgenommen werden.

Englands außenpolitisches Sicherheitsgefühl, das auf dem Gleichgewicht der Mächte beruht, wurde durch die EU zunehmend beunruhigt. Die Selbstdarstellung der deutschen Kanzlerin als Anführerin Europas hat sich, verschärft durch die von ihr erhobene Forderung nach einer europaweiten Flüchtlingsquote, zum entscheidenden Motiv für den Brexit ausgewachsen. Das ist der für uns Deutsche eher bedauerliche Teil der Geschichte. 

Diese nationale Perspektive kann noch geweitet werden. Englands Beharren darauf, dass vor Ort entschieden gehört, was vor Ort entschieden werden kann, kommt dem nahe, was in der katholischen Soziallehre des 19. Jahrhunderts als allgemeingültiges Prinzip der Subsidiarität entwickelt wurde. ses

Spitze?

Auf dem Nachrichtenticker von N24 am 20. Juni 2016: „München ist reichstes Bistum“, noch vor Köln und Paderborn.

Andere Kanäle warteten mit Summen auf. Erheblich! Soll man nur deswegen nachdenklich werden, weil das Kirchensteueramt auch bei der Kapitalertragssteuer die Hand aufhält?

Am 4. Dezember 1842 sagte John Henry Newman – damals noch Anglikaner – seinen Zuhörern: „Solange Gold und Silber von der Kirche verwendet werden, um die Lobpreisungen des Herrn zu erhöhen, werden sie gegeben werden und angenommen werden können; wenn sie aber um ihrer selbst willen geliebt werden, verlieren sie ihre Heiligung und sind nicht mehr „vom Vater“, sondern von der Welt.

Keine weiteren Fragen. ars

Unsinn und Unrecht – 10 Jahre UN-Menschenrechtsrat

Die edle Gepflogenheit des UN-Menschenrechtsrates, jeden Redner als „the distinguished representative“ anzukündigen, steigert die Komik wie ein Running-Gag:

Die Saudis bestätigen China seinen korrekten Umgang mit Minderheiten und China lobt Saudi-Arabien für Religionsfreiheit. Wenn die „distinguished representatives“ schon für Menschenrecht und Menschenwürde nicht viel tun können, so will doch die Würde des Abgeordneten ausgiebig zelebriert sein.

Der praktische Nebeneffekt dieser zeitraubenden diplomatischen Höflichkeit offenbart sich, als die Delegierten von Kuba, Venezuela, Russland und Pakistan mit Ordnungsrufen die Rede des UN-Watch-Sprechers Hillel Neuer unterbrechen und durch ihre Wortmeldungen seine Redezeit faktisch auf wenige Sekunden verkürzen. Hillel Neuer hatte gefragt: “Why are there no resolutions at all – zero – for human rights victims in China, Russia, Cuba, Saudi Arabia, and Venezuela? Why, on the contrary, are those governments elected members of this Council? Why are there no urgent sessions on gross and systematic rights abuses in Iran, Iraq, Syria, or Turkey?” ses

Der Lümmel, das Volk

Voller Neid und Bewunderung macht sich die Phantasie durch den Eurotunnel auf den Weg zur Insel jenseits des Ärmelkanals.

Was dort die gewählten Regierenden ihrem stolzen Volk, in dem niemand einen Personalausweis besitzt, zutrauen! Wie deren offenes Yes oder No das europäische Projekt aufwirbelt!

Referendum ist grammatikalisch ein Gerundium. Es drückt eine Notwenigkeit aus, hier: sich zu vergewissern beim Souverän.

Wie anders bei uns. Schon seit Jahren keine Opposition, was heißt: alternativlos. Dem Souverän wird bestenfalls zugetraut, dass er seinen Müll in den richtigen Tonnen deponiert. Im Grundgesetz ist ein Referendum wie in England nicht vorgesehen. Das Misstrauen gegenüber dem Lümmel, dem Volk, ist grenzenlos. Möglicherweise zu Recht. „Du bist die Aufgabe. Kein Schüler weit und breit.“ (F. Kafka) ars

Handzeichen

1508 – 2016…

 

Theologie auf Expansionskurs?

In einer Sendung über Jane Goodall wurde sie zitiert mit dem Satz:

„Der Tag, an dem mich die Gorillas als einen der ihren anerkannt haben, war der schönste Tag in meinem Leben.“

Eben las ich von der Existenz eines Instituts an einer philosophisch-theologischen Hochschule, dessen Schirmherrin Jane Goodall ist. Es nennt sich „Institut für Theologische Zoologie“. anm

Gespräch mit einer jungen Muslima (aus dem Italienischen)

Sie ist schön, gebräunte, samtige Haut, Ende zwanzig. Der Kopf ist in einen Schleier aus Naturseide gehüllt.

Nur die Schuhe, Walking-Schuhe, verraten die Vertrautheit mit abendländischer Kleidung. Die dunklen, tiefen Augen sprechen von einem anderen Leben, das ihren italienischen Zeitgenossinnen hier unbekannt ist. Seit acht Jahren ist sie verheiratet. Er lebt seit 14 Jahren in Italien, wo er inzwischen einen eigenen Handwerksbetrieb gegründet hat. Sie haben zwei Kinder und es werden weitere kommen. Sie sehnt sich nach dem Studium, das sie mit 19 wegen der Heirat aufgehört hat, sie hat gerne studiert. Aber jetzt, mit der Familie, hätte sie keine Zeit dafür.

Sie ist zur katholischen Beratungsstelle gekommen, weil sie sich Sorgen um den Sohn macht. Im Urlaub waren sie in ihrer Heimat, und als sie zurückkamen, wurde das Kind zunehmend unruhig. Sie sagt, das Kind sei wie gespalten zwischen Italien und ihrem Heimatland. Dann korrigiert sie: „Ich bin wie gespalten, wir Eltern sind gespalten“. Sie würde am liebsten nach Hause zurück, aber der Mann will nicht. Er hat sich so sehr in diesem fremden Land bemüht, jetzt hat er einen eigenen handwerklichen Betrieb und kann die Familie anständig unterhalten. In seinem Land hätte er das alles nicht. Dort müsste er das Risiko eingehen, von vorne anzufangen. Für ihn kommt das nicht in Frage.

Sie kämpft mit den Tränen. In ihrem Heimatland würde die Familie die Sicherheit verlieren – in Italien wird sie die Kinder verlieren. Regelmäßig besucht sie die Moschee, nimmt an einem Kurs teil, um die Sprache des Koran lesen und besser verstehen zu können. Sie betet fünf Mal am Tag und achtet den Ramadan. „Wenn ich bete, habe ich die Kinder in der Nähe, damit sie es auch lernen“.

Was beunruhigt sie so? „Ich habe Angst wegen der Kinder,“ sagt sie. Als unwissende Abendländerin lenke ich das Gespräch auf den IS und die aktuelle große Sorge in der islamischen Welt. Ihr Blick verfinstert sich, sie senkt die schönen Augen: „Ja, das ist ein großes Problem,“ sagt sie, schaut aber schnell wieder hoch und ihre klare Stimme sagt: „Mein Problem ist ein anderes. Der Sinn meines Lebens ist, dass ich Kinder erziehe, die als Erwachsene in Gottes Nähe leben wollen. Dann wird ihr Leben ein gutes Leben. Das ist alles, was ich will. Aber in Italien ist es schwierig, den Kindern den Glauben und die Nähe Gottes zu vermitteln. Unsere Kinder verlieren sich hier. Ich würde mich in Italien gut fühlen, wenn die Italiener Christen wären, aber sie sind es nicht. Die Italiener sind gar nichts. Und meine Kinder hier aufwachsen zu sehen, macht mir Angst.“

Jetzt senke ich den Blick. Was kann ich katholische Beraterin einer jungen moslemischen Mutter sagen, die befürchtet, dass ihre Kinder mitten in unserem Nichts die Nähe Gottes verlieren? Ich weiß nicht, was ich sagen soll, also umarme ich sie. cat/Übersetzung maz

Gefangen in der Staatsgläubigkeit – Es gibt nichts Gutes, außer der Staat tut es

Manches in der deutschen Diskussion um Zuckerbergs Ankündigung, den größten Teil seines Vermögens in wohltätige Stiftungen zu stecken, zeigt die deutsche Staatsgläubigkeit.

Die Entwicklungshilfe aus Steuermitteln der Bundesrepublik beträgt pro Jahr etwa das Siebenfache der von Zuckerberg angekündigten jährlichen Milliarde. Was mit diesem Geld gemacht wird? Das interessiert kaum jemanden. Aber private Wohltätigkeit erregt die Gemüter. ses

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