Kletterleichte Herzenssachen

Ein christliches Jugendzentrum wirbt für das Projekt „Herzenssache – Das Spiel des Lebens“: gemeinsam in der Gruppe als eine fiktive Person durch einen Geburtskanal klettern; Parcours-Stationen passieren wie Taufe, Grundschule, Erstkommunion, Firmung, Schulabschluss.

Da wird geklettert, überlegt, gehüpft, gefragt, balanciert … mit jugendlichen Spielleitern über eine Stunde überlegen: wie Entscheidungen fällen, wie Christsein leben; als Abschlussgeschenk ein Lebkuchenherz mit einem Bibelsatz.
Eine einzige Stelle gibt es in der Bibel über den 12-jährigen Jesus. Sein Training: Er saß unter den Schriftgelehrten und ließ nicht locker, um Antworten zu bekommen. Darüber – Herzenssache – habe er sogar seine Familie vergessen, die schon weitergezogen war. pez

Jerusalem

Die Grabeskirche und den dortigen Touristenrummel wollen wir umgehen. So bitten wir unseren israelischen Guide, einen Politikwissenschaftler, uns in das jüdische Viertel zu führen und uns von der Geschichte dieses Ortes, vor allem im 20. Jahrhundert, zu erzählen. Energisch lehnt er ab.

Wir gehen in die Grabeskirche, sagt er und führt uns dorthin. Seine Erklärung: Ihr werdet Jerusalem nicht verstehen, wenn ihr nicht versteht: Diese Stadt ist errichtet auf dem Berg Moria, dem Berg der Bindung Isaaks an den Glauben Abrahams, und dem Berg Golgota. mas

Neue Frömmigkeit

In Wien wirbt ein Fitness-Studio mit einem großen Transparent:

„Wir haben den Tempel. Ihr bringt die Opfer.“ dio

Alles so schön grün hier!

Wie ein Reisemagazin interreligiös in Richtung Eden rudert und dabei heil um die Klippe Jerusalem kommt.

Wenn ein intellektuell anspruchsvolles Medium wie DIE ZEIT mit einem Papst-Interview überrascht, dann erörtert sie im Reiseteil auch gleich die Frage, wo der Garten Eden zu suchen sei und lädt zum Gespräch über das Paradies einen Imam, eine Pastorin und einen Rabbi ein.   

Das kleine interreligiöse Seminar über die Heilshorizonte  in Judentum, Christentum und Islam ist erfreulich aufschlussreich, wenn man ein wenig zwischen den Zeilen liest. Jude und Christin äußern sich wenig konkret, aber diesseitig. Der Imam spricht ausschließlich vom Jenseits, dafür aber sehr konkret. Das muslimische Paradies kommt erst nach der „Vernichtung von allem“, dafür ist es großartig: „Es hat zum Beispiel hundert Stufen, zwischen zwei Stufen liegen tausend Jahre. Und es ist von einem Baum die Rede, von dessen Schatten läuft man 40 Jahre bis zum Stamm. Da braucht man schon ein ewiges Leben, um das alles zu sehen.“  Die Pastorin zeigt sich von den großen Zahlen des Imam unbeeindruckt und hat nichts besseres zu tun, als nach den 72 Jungfrauen zu fragen: „Was habe ich als Frau davon?“ Die Antwort des Imam, im Paradies seien auch die Männer Jungfrauen, beantwortet nicht direkt die Frage der Pastorin, klingt aber genderpolitisch korrekt. Skeptisch ist der Rabbi: „Wir Juden sehen uns als eine Gemeinschaft, private Paradiese sind da nicht vorgesehen.“

Bestimmt haben die Zahlen der muslimischen Mystik etwas zu bedeuten. Wenn man die Stufen und den Weg im Schatten zusammenzählt, sind es 50.040 Jahre, im Verhältnis zur Ewigkeit noch nicht einmal das akademische Viertelstündchen. Vielleicht ist das Paradies der Muslime doch etwas näher als sie meinen. Nur das mit der „Vernichtung von allem“, die dem vorausgehen muss, klingt irgendwie beunruhigend.

Die Redakteure der ZEIT wollen es weniger spekulativ und fragen die drei nach einem konkreten Ort, einem persönlichen Garten Eden. Da schwärmt der Imam vom Geschmack eines saftigen Granatapfels in der Trockenheit von Damaskus, während der Rabbi  von Jerusalem erzählt, wo er studiert hat und seine ersten beiden Kinder geboren wurden. Das Paradies der Pastorin liegt „in Mecklenburg oder irgendwo an der Ostseeküste“, da empfindet sie die „ganz große Resonanz“.  

Beim Reizwort Jerusalem müssen die ZEIT-Redakteure korrekterweise einhaken und festhalten, dass die Stadt allen drei Religionen heilig ist. Auch Imam und Pastorin sollen sich zu Jerusalem äußern.  Darauf herrscht „kurzes Schweigen, aber man hört die Synapsen rattern.“  Die Pastorin schaut auf ihr Wasserglas, der Imam lässt seinen Kaffee weiter kalt werden. „Beide sind Profis im interreligiösen Dialog. Sie wissen wie man heiße Eisen aus dem Feuer kriegt.“ Die Spannung löst sich, weil der Iman noch nie in Jerusalem war und die Pastorin angesichts heiliger Stätten „nicht auf Kommando ergriffen sein“ mag. Versöhnlich wird das Gespräch, als der Rabbi meint, dass die Paradiesvorstellungen nicht zufällig aus der Wüste kamen, sie sind „Ausdruck eines existenziellen Mangels“. Das gefällt dem Imam, weil es erklärt, warum das Paradies immer grün ist. Seine Gäste aus der Türkei bekommen in Deutschland „vor lauter Staunen den Mund nicht zu. So viel Grün!“ 

Am Ende des Gesprächs ist für den Imam Zeit zu beten. Die Pastorin versucht vergeblich einen Andachtsraum zu vermitteln: die Gedächtniskirche sei immerhin „optisch sehr zurückhaltend“. Aus praktischen Gründen geht der Imam aber lieber zum Rabbi nach Hause: Vor dem Gebet muss er sich waschen. ses

Gegen Bildung ist kein Kraut gewachsen

Kursthemen aus dem Programmheft eines Bildungszentrums (Februar – September 2017): „Gott denken – Malakademie – Ich persönlich – Der Klang von Wort und Farbe – Zen Meditation und Qi-Gong – Dem Glück auf der Spur – Weckworte – Gesund durch Lebensfreude – Trommeln – Gott neu denken“.

Über 100 Referenten, alle bestens ausgebildet. Eine Person allein vereint z.B. folgende Expertisen: „Erzieherin, Trainer-Trainerin für FamilienTeam®, ProfiTeam® und KlassenTeam®, Systemische Paar- und Familientherapeutin“. Eine andere: „Referentin für Persönlichkeitsbildung und Familienbildung, Erwachsenenbildnerin, Ausbilderin Elterntraining, Lehrtrainerin in Biografiearbeit (LebensMutig), Organisationsentwicklung und Sozialmanagement, in Projektmanagement im Sozialtherapeutischen Rollenspiel“. Ein Blick auf den Umschlag: ein christliches Bildungshaus. Brauchen wir als Gesellschaft im Bildungsnotstand eine Bildungskirche? Welche Therapie kann da noch helfen? pez

Gefällt nicht

Der erste Versuch, ein Sakko online zu kaufen bei einem renommierten Portal, eine gute Marke:  Das Paket kommt, das Sakko passt, am Revers als Zugabe ein Anstecker aus Metall – ein Totenkopf.

Warum ein Totenkopf? Der Retourengrund auf dem Rücksendeschein: „Artikel gefällt nicht“. Zu ergänzen war: Nur ein Sakko bestellt. hak

Vor lauter Bäumen…

Aus einem kirchlichen Flyer zur Verwendung der Kirchensteuer:

Die Kirche „betreibt eine nachhaltige und naturschonende Bewirtschaftung der Wälder ... auch für die Tiere wird immer wieder bewusst Platz gelassen … Wenn etwa ein Baum vom Sturm geknickt ist, dann wird der Stamm oft erst in einigen Metern Höhe abgesägt … dann kommt der Specht … allmählich auch Wildbienen, Eichhörnchen, Fledermäuse …“

Jesus, so bei Markus geschrieben: Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. luw

Al Naqba – die Katastrophe?

Zur Vorgeschichte der „Katastrophe“, der „Naqba“, wie Araber sie nennen – der Gründung des Staates Israel – gehört die Einwanderung von mehreren hunderttausend Juden aus Europa in den Jahrzehnten davor. Wie er über diese Zeit denke, wird ein israelischer Araber gefragt.

Seine Mutter, antwortet er, heute fünfundneunzig Jahre alt, habe diese Zeit miterlebt. Sie sagt dazu: „Die Juden sind kluge Menschen. Sie brachten Technologie ins Land, landwirtschaftliche Neuerungen, belebten die Wirtschaft. Bevor sie kamen, hatten wir keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Straßen. Es gab nichts, gar nichts. Palästina war ein armes Land. Unsere Schuhe haben wir uns aus alten Autoreifen gemacht. Die Juden haben dieses Land verwandelt – heute ist es ein Garten Eden.“ mas

Zwei-Staaten-Lösung?

Gefragt, in welchem Staat er nach der Zweistaatenlösung lieber leben würde, antwortet ein palästinensischer Araber in Israel:

Selbst wenn er König von Jordanien werden könnte, wolle er in jedem Fall hier in Israel leben, wo er frei sagen kann was er denkt. Mit Nachdruck fügt er hinzu: Hundert Prozent der israelischen Araber denken so, auch wenn nicht alle den Mut haben es zu sagen. Wir wollen das testen und wiederholen die Frage leicht abgewandelt gegenüber unserem palästinensischen Taxifahrer: ob es wohl einmal zwei Staaten geben werde? Nein auf keinen Fall – das stünde schon Koran auch in der Tora und in der Bibel. Es dürfe nur ein Land geben. Und das müsste muslimisch sein. ses

Sich in der Szene auskennen

Wie es zugeht, wenn ein Paar katholisch heiraten will und, Gott oder wem sonst sei gedankt, gerade noch ein ehemaliger Messdiener bei einem solchem „Event“ in der Kirchenbank sitzt.

Die ganze Hochzeitsgesellschaft ist froh um den einen, der vormachen kann, wann man steht, sitzt, kniet oder „Amen“ sagt, berichtet die FAS, 9. Oktober 2016. Der humorvolle Vorschlag jenes einen – beste Erinnerung an vergangene Glanzzeiten der Satire, als sie uns noch lehrte, den Realitäten ins Auge zu sehen – wie er sich künftig gewinnbringend vermarkten könnte, sei wiedergegeben: „Rent a Catholic. Halleluja statt Hossa. Sie wollen es katholisch krachen lassen? Prayback statt Playback – ich bin Ihr Animateur fürs Atmosphärische, der allerbeste für religiöse Feste. Biete: profunde Kenntnisse kirchlicher Rituale, Vorbildfunktion, buchbar für Hochzeit, Kinderkommunion, Taufe, Beerdigung. Portfolio erweiterbar für evangelische Interessenten.“ Frage an seine Freunde: „Wetten, ich würde gebucht?“ Davon waren alle überzeugt. pez

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