Shimon Peres, gestorben am 28. September 2016

Ich bin überzeugt davon, dass es im Leben nicht entscheidend ist, was man ist, sondern was man tut.

Titel oder Ähnliches haben mich nie beeindruckt. Ich habe, glaube ich, zu einem recht frühen Zeitpunkt begriffen, dass man als öffentliche Person den Menschen zu dienen hat – und nicht zu herrschen. Ich finde, dienen ist besser als herrschen.

Mir wurde früh bewusst, dass wir nichts haben. Israel ist ein sehr armes Land. Klein, trocken, eher ein karges als ein gelobtes Land. Doch dann wurde mir klar, dass wir über einen großen Schatz verfügen – die Menschen.

Mein ganzes Leben lang habe ich versucht, anderen behilflich zu sein. Wenn ich anderen helfe, helfe ich mir selbst.

Bevor ich zu Bett gehe, notiere ich eine Liste aller Fehler, die ich im Laufe des Tages gemacht habe.

aus einem Interview der Bild-Zeitung vom 6. Juni 2013, kurz vor seinem 90. Geburtstag

Shear Yashuv Cohen, Rabbiner von Haifa, gestorben am 5. September 2016

Er war der erste Rabbiner in der Geschichte, der gebeten wurde, vor der Versammlung der Bischöfe im Vatikan zu sprechen; eingeladen von Benedikt XVI. In seiner Rede am 6. Oktober 2008 sagte Rabbiner Cohen:

„Zwischen unserem Volk und unserem Glauben und der Katholischen Kirche steht eine lange, schwierige und schmerzvolle, von Blut und Tränen getränkte Geschichte. Meine Anwesenheit, dessen bin ich mir zutiefst bewusst, ist ein Zeichen der Hoffnung, eine Botschaft der Liebe, der Koexistenz und des Friedens, für uns und die kommenden Generationen.
Ihre Einladung ist auch eine Bestätigung, dass Sie Ihrerseits jene Richtung und Lehre weiterzuführen gedenken, die uns ‚unsere älteren Brüder‘  nannte und ‚Gottes erwähltes Volk‘, mit dem Er einen ewigen Bund geschlossen hat – eine Aussage, die wir zutiefst zu schätzen wissen. Ich danke Gott, der uns diesen Tag gemeinsam erleben lässt.“

Hier geht es zum vollständigen Text der Ansprache

Peter Esterhazy, gestorben am 14. Juli 2016

„Ich lebe nicht radikal genug.

Ich lebe, als erwarte mich ewiges Dasein, und nicht völlige Vernichtung. Das heißt, ich lebe in der Knechtschaft meiner Zukunft und nicht in der unendlichen Freiheit meiner Sterblichkeit.“

http://www.deutschlandradiokultur.de/zum-tod-von-peter-esterhazy-ich-lebe-als-erwarte-mich.2165.de.html?dram:article_id=360182: Letzter Abruf: 22.07.2016

Elie Wiesel, gestorben am 2. Juli 2016

„Der nachdenkliche Christ weiß,

dass in Auschwitz nicht das jüdische Volk, sondern das Christentum gestorben ist.“

Aus: Responses to Elie Wiesel, Harry James Cargas (ed.), (1978)

Gegenwart

von C. S. Lewis

„Am besten ist es, die Menschen in der Zukunft leben zu lassen.

Da sie ihnen unbekannt ist, hängen sie unwirklichen Dingen nach, wenn sie ihren Gedanken an die Zukunft fesseln. Fast alle Laster wurzeln in der Zukunft. Die Dankbarkeit schaut in die Vergangenheit und die Liebe auf die Gegenwart; Furcht, Habsucht, Lust und Gier blicken auf die Zukunft. Unser Werk [gemeint ist das Werk des Teufels] geht darauf aus, die Menschen von der Gegenwart und von der Ewigkeit wegzulotsen, denn die Gegenwart ist der Punkt, an dem die Ewigkeit die Zeit berührt.“

Aus: C. S. Lewis, Dienstanweisungen an einen Unterteufel / The Screwtape Letters (1942)

Der feine Unterschied

von J. Pelikan

„Tradition ist der lebendige Glaube der Toten;

Traditionalismus ist der tote Glaube der Lebendigen.“

Aus: Jaroslav Pelikan, The Christian Tradition (1975)

Lob des Dilettanten

von E. Friedell

„Was den Dilettantismus anlangt, so muss man sich klarmachen, dass allen menschlichen Betätigungen nur so lange eine wirkliche Lebenskraft innewohnt, als sie von Dilettanten ausgeübt werden.

Nur der Dilettant, der mit Recht auch Liebhaber, Amateur genannt wird, hat eine wirklich menschliche Beziehung zu seinen Gegenständen, nur beim Dilettanten decken sich Mensch und Beruf, während umgekehrt allen Dingen, die berufsmäßig betrieben werden, etwas im übeln Sinne Dilettantisches anhaftet: irgendeine Einseitigkeit, Beschränktheit, Subjektivität, ein zu enger Gesichtswinkel. Der Fachmann steht immer zu sehr in seinem Berufskreise, er ist daher fast nie in der Lage, eine wirkliche Revolution hervorzurufen: er kennt die Tradition zu genau und hat daher, ob er will oder nicht, zu viel Respekt vor ihr. Auch weiß er zu viel Einzelheiten, um die Dinge noch einfach genug sehen zu können, und gerade damit fehlt ihm die erste Bedingung fruchtbaren Denkens.“

Aus: E. Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit (1927)

Der Ort, an dem wir Recht haben

von J. Amichai

An dem Ort, an dem wir recht haben,

werden niemals Blumen wachsen

im Frühjahr.

Der Ort, an dem wir recht haben,

ist zertrampelt und hart wie ein Hof.

Zweifel und Liebe aber

lockern die Welt auf

wie ein Maulwurf, wie ein Pflug.

Und ein Flüstern wird hörbar

an dem Ort, wo das Haus stand,

das zerstört wurde.

Aus: J. Amichai, Zeit. Gedichte (1998) 

Der sagenhafte Ausweg – Eine Parabel

von S. Beckett

„Das Innere eines Zylinders mit einem Umfang von fünfzig Metern und einer Höhe von sechzehn. Einzige Gegenstände etwa fünfzehn einfache Leitern, von denen mehrere ausziehbare in unregelmäßigen Abständen an der Wand aufgestellt sind. Seit jeher geht das Gerücht, dass es einen Ausweg gibt.

Diejenigen, die nicht mehr daran glauben, sind nicht dagegen gefeit, von neuem daran zu glauben. Über die Art des Auswegs und über seinen Ort gibt es zwei Hauptmeinungen, die alle diejenigen veruneinigen, ohne sie jedoch in einen Gegensatz zueinander zu bringen, die diesem alten Glauben treu bleiben.

Oben auf der großen, im Höchstmaß ausgezogenen und an die Wand gelehnten Leiter stehend, können die Größten mit den Fingerspitzen den Rand der Decke berühren. Denselben Körpern würde dieselbe senkrecht in der Mitte des Bodens aufgestellte Leiter, da sie sie einen halben Meter gewinnen ließe, die beliebige Erforschung des sagenhaften Bereichs gestatten, der unzugänglich genannt wird und es demnach eigentlich gar nicht ist. Denn ein solches Zurückgreifen auf die Leiter ist denkbar.

Es bedürfte nur etwa zwanzig entschlossener Freiwilliger, die ihre Kräfte vereinen müssten, um die Leiter im Gleichgewicht zu halten, notfalls mittels anderer Leitern, die als Streben dienen würden.

Ein Augenblick der Brüderlichkeit. Aber diese ist ihnen außerhalb der Gewaltsamkeitsausbrüche ebenso fremd wie den Schmetterlingen. Und zwar nicht so sehr mangels Mut oder Einsicht, als wegen des Ideals, dem jeder zum Opfer gefallen ist.

Voilà, das war’s über jenes unantastbare Oben, wo sich in den Augen der Mythosverehrer ein Ausweg zu Erde und Himmel verbirgt.“

Aus: S. Beckett, Der Verwaiser/Le dépeupleur (1972)

In

von M. Buber

„Mendel sagte nach einer Weile: »Ich verstehe jetzt etwas, was ich vorher nicht verstanden habe.«

»Und was ist das?«, fragte der Lehrer. »Es sind«, antwortete Mendel, »die Worte Bileams: Der Herr, sein Gott, ist bei ihm, Königsjubel in ihm.« »Und wie verstehst du sie?« »Gott«, sagte Mendel, »ist bei uns, wo immer wir sind und wie immer wir sind. Aber der Aufbruch seines Königtums kann nur mitten unter uns geschehen, nur in Israel, – nicht eher als bis es dieses in, diesen Ort gibt.«“

Aus: M. Buber, Zwischen Zeit und Ewigkeit, Gog und Magog (1978)

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