Entscheidungen

von A. Miller

„Ein Götze sagt den Menschen genau, was sie glauben sollen. Gott stellt sie vor Entscheidungen, die sie selbst treffen müssen.

Der Unterschied ist alles andere als unwichtig. Vor dem Götzen bleiben Menschen abhängige Kinder. Gott belastet sie damit, an den Entscheidungen einer ewigen Schöpfung mitzuwirken, aber gleichzeitig ist das auch eine Art Freiheit.“

Aus: A. Miller, Zeitkurven (1987)

Die Spieler

von M. Buber

„Ein Chassid verklagte einst vor Rabbi Wolf einige Leute, dass sie ihre Nächte beim Kartenspiel zu Tagen machten.

‚Das ist gut’, sagte der Zaddik (Meister). ‚Wie alle Menschen, wollen auch sie Gott dienen und wissen nicht wie. Aber nun lernen sie sich wach halten und bei einem Werk ausharren. Wenn sie darin die Vollendung erlangen, brauchen sie nur noch umzukehren – und was für Gottesdiener werden sie dann geben!’“

Aus: M. Buber, Die Erzählungen der Chassidim (1949)

Credo eines modernen Katholiken

von W. Percy

In seinem Roman „Liebe in Ruinen – Die Abenteuer eines schlechten Katholiken kurz vor dem Ende der Welt“ lässt Walker Percy seinen Helden, einen neurotischen Arzt und Alkoholiker, sagen:

„Ich zum Beispiel bin römischer Katholik, obschon ein schlechter. Ich glaube an die heilige katholische apostolische und römische Kirche, an Gott, den Vater, an die Auserwähltheit der Juden, an Jesus Christus, seinen Sohn, unseren Herrn, welcher die Kirche gegründet hat auf Petrus, seinen ersten Vikar, welche dauern wird bis ans Ende der Welt. Vor ein paar Jahren allerdings habe ich aufgehört, Christus zur Kommunion zu essen, aufgehört, zur Messe zu gehen, und führe seither ein liederliches Leben. Ich glaube an Gott und den ganzen Kram, aber Frauen liebe ich am meisten, dann Musik und Wissenschaft, dann Whiskey, Gott an vierter Stelle und meinen Nächsten fast überhaupt nicht. Im Allgemeinen mache ich, was ich will.“
Aus: W. Percy, Liebe in Ruinen (1998)

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