„Das Christentum ist jeden Augenblick noch möglich.“ F. Nietzsche

 

 

 

Mobil bleiben

29. April 2018, 5. Sonntag der Osterzeit B

Mobiles Telefon, mobile Gesellschaft, mobil noch im Alter. Wie kaum etwas bestimmt Mobilität unsere Welt und unser Leben. Da taucht wie aus der Versenkung das Wort „bleiben“ auf.

Gleich achtmal wird es in dem kurzen Abschnitt aus dem Johannesevangelium genannt. Wir wussten es fast: Kirche und Christentum sind das Gegenteil von mobil. Starrheit und Unbeweglichkeit sind ihre Kennzeichen. Aber das Bleiben des Johannes ist nicht ein „So bleiben wie es war“, sondern: treu sein, dranbleiben. Nicht ein Zustand bleibt, sondern eine Verbindung. Jeden Tag kann es anders sein. Bleiben heißt: Das Leben und das Schicksal mit dem Mann aus Nazareth und seinen Jüngern teilen. acb

Joh 15,1-8

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Ein einziger Name

22. April 2018, 4. Sonntag der Osterzeit B

In der Antike steht der Name für die Person. Er kennzeichnet ihr Wesen und ihr Wollen. Das gilt auch für den Namen Gottes. Sein ‚Eigenname’ JHWH hat eine dynamische Bedeutung: „Ich bin da für Euch“.

Der Jude Petrus und seine Gefährten erklären nach Ostern: Jesus ist der einzige Name durch den Rettung und Hilfe kommen. Den Jüngern war aufgegangen, dass Gott da ist und hilft durch diesen Handwerker aus Nazaret, der Gutes tat und Israel neu sammelte. Das bedeutet auch der Name Jesu, Je-shua, „JHWH rettet“. Die Dynamik des Gottesnamens ist in ihm personifiziert und sie wirkt weiter, wo die Jünger in seinem Namen tun was er tat. hak

Apg 4,8-12

Petrus sagte, erfüllt vom Heiligen Geist: Ihr Anführer des Volkes und ihr Ältesten! Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist, so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch. Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

 

Von der Freiheit des Seins

von J. Ratzinger

Ein schönes Wort von Mahatma Gandhi: Im Meer leben die Fische, und sie schweigen. Die Tiere auf der Erde schreien; die Vögel aber, deren Lebensraum der Himmel ist – sie singen.

Dem Meer ist das Schweigen, der Erde das Schreien und dem Himmel das Singen zu Eigen. Der Mensch aber hat Anteil an allen dreien: Er trägt die Tiefe des Meeres, die Last der Erde und die Höhe des Himmels in sich, und deswegen gehören ihm auch alle drei Eigenschaften zu: das Schweigen, das Schreien und das Singen.
Heute – so möchte ich hinzufügen – sehen wir, wie dem transzendenzlosen Menschen nur das Geschrei übrig bleibt, weil er nur noch Erde sein will und auch den Himmel und die Tiefe des Meeres zu seiner Erde zu machen versucht. Die rechte Liturgie, die Liturgie der Gemeinschaft der Heiligen, gibt ihm seine Ganzheit zurück. Sie lehrt ihn wieder das Schweigen und das Singen, indem sie ihm die Tiefe des Meeres auftut und indem sie ihn fliegen lehrt, das Sein des Engels. Rechte Liturgie singt mit den Engeln. Sie schweigt mit der wartenden Tiefe des Alls. Und so erlöst sie die Erde.

Aus: Joseph Ratzinger, Das Welt- und Menschbild der Liturgie und sein Ausdruck in der Kirchenmusik (1985)

Nichts Neues unter der Sonne?

15. April 2018, 3. Sonntag der Osterzeit B

Zweimal taucht im Abschnitt aus dem Johannesbrief das Wort „Gebote“ auf. Aber kennen wir die nicht längst schon? Seit Israel sie am Sinai feierlich empfing?

Im Johannesevangelium formuliert Jesus die Neuheit seines Gebotes. Man könnte es als die innere Zielrichtung aller bisher bekannten Gebote der Bibel bezeichnen: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!“ So seltsam es klingt, das Wort „lieben“ ist hier ein Fachbegriff, der die Übersetzung des griechischen Wortes ‚agapein‘ darstellt. Es bezeichnet das Miteinander der Getauften – mit dem Ziel, die Gemeinde aufzubauen – als irdischen sichtbaren Leib des auferweckten Jesus von Nazareth. Das ist so vergessen wie aufregend neu. bek

1 Joh 2,1-5a

Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt. Wenn wir seine Gebote halten, erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm. Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet.

Annahme

von S. Kierkegaard

Erhält man ein Paket, so löst man die Hülle, um zum Inhalt zu gelangen. Das Christentum war eine Gabe von Gott.

Aber, anstatt die Gabe entgegenzunehmen, hat die Christenheit sich vorgenommen, diese einzuwickeln; jede Generation hat außen einen neuen Umschlag um die anderen herumgemacht – und auf diese Weise meinte man, dem Christentum näher und näher zu kommen.

Man lebt dahin, glückselig gemacht durch die Vorstellung, dass Gott den Abstand von achtzehnhundert Jahren entfernt ist und dass die Nähe Gottes eine historische Frage bleibt.

Aus: Sören Kierkegaard, Tagebuch XI 2A, Christentum und Christenheit (1854)

Ostern

von R. Kunze

Die glocken läuteten,

als überschlügen sie sich vor freude

über das leere grab

 

Darüber, daß einmal

etwas so tröstliches gelang,

 

und daß das staunen währt

seit zweitausend jahren

 

Doch obwohl die glocken

so heftig gegen die mitternacht hämmerten –

nichts an finsternis sprang ab

 

Aus: Reiner Kunze, eines jeden einziges leben. gedichte (1986)

Familienbuch zur Erstkommunion | Neue Rezension: „Der ‚rote Faden‘“

Die beiden Autorinnen dieses Buches, Christl Keller und Heide Stöhr-Zehetbauer, gehören zur Katholischen Integrierten Gemeinde. Seit vielen Jahren haben sie im Rahmen der KIG und in verschiedenen Pfarrgemeinden Erfahrungen mit biblischer Unterweisung, Gottesdienstvorbereitung und Hinführung auf das Sakrament der Taufe, der Versöhnung und der Eucharistie gemacht.

Dabei entstand eine Sammlung von Texten und Bildern, die sich besonders bewährten. Naheliegend war dann der Versuch, die gesammelten Erfahrungen in einem Buch zu bündeln. Entstanden ist es im Grunde aus dem gemeinsamen Erleben, wie aktuell die biblischen Geschichten und die Sakramente der Kirche heute sind.

Das Buch ist über den Buchhandel zu erwerben oder direkt beim Verlag Neue Stadt erhältlich: Christl Keller/Heide Stöhr-Zehetbauer „Rund um die Erstkommunion – Ein Familienbuch“ (ISBN 978-3-7346-1105-6) 19,95 €. Im Januar 2018 ist die dritte Auflage erschienen, mit den Texten der neuen Einheitsübersetzung. Auf der Website des Verlags stehen die ersten 19 Seiten des Buches als Leseprobe online.

Aus dem Begleitwort von Gerhard Lohfink

In den letzten Jahrzehnten ist viel darüber nachgedacht worden, wie man Kinder am besten auf die Erstkommunion vorbereiten kann. Soll man mit ihnen Brot backen, damit sie das Brot der Eucharistie besser verstehen? Soll man mit ihnen eine Kommunionkerze basteln oder ein Spiel mit biblischem Hintergrund einüben? Aber das Wichtigste wäre doch, dass die Kinder die großen Texte der Bibel kennenlernen und Freude an ihnen gewinnen. Christl Keller und Heide Stöhr-Zehetbauer haben in der Textarbeit mit Kindern seit vielen Jahren große Erfahrung gesammelt. Sie haben Kinder auf die Erstkommunion vorbereitet. Aus dieser Erfahrung ist das vorliegende Buch entstanden. Ich halte es für ausgezeichnet. Es bereitet biblisch und damit sachgerecht auf die Erstkommunion vor.

Rezension „Zurück zu den Wurzeln in der Heiligen Schrift“

Auszüge aus der Rezension von Barbara Stühlmeyer in der Tagespost vom 12. Februar 2017:

Ganze 109 Seiten mit einer guten Auswahl von Schrifttexten, Erläuterungen für Eltern und Kinder, Tipps zum Weiterlesen, katechetischen Elementen und zahlreichen farbenprächtigen Bildern von Christl Keller.

Die Kinder lernen die Geschichten von der Berufung Abrahams, seiner Wanderung nach Kanaan, seiner Trennung von Lot, der Verkündigung der Verheißung an Abraham und des Besuchs Gottes, die Erzählung von der Berufung des Mose kennen. Sie erfahren vom Bundesangebot Gottes und dem Bruch des Bundes durch das Volk Israel, von der Berufung des jungen Samuel, der Salbung Davids und der Berufung der ersten Jünger durch Jesus. Teil eins des Buches trägt entscheidend dazu bei, Kindern und Eltern nahezubringen, wie vielfältig Berufungsgeschichten aussehen können, dass es auch vor vielen tausend Jahren schon eine Herausforderung war, auf Gott zu hören und sein Leben nach seinem Wort auszurichten und dass Gott jeden einzelnen Menschen unermüdlich auf seinem Berufungsweg begleitet und den abgerissenen Faden immer wieder neu aufnimmt.

Im zweiten Teil steht das Bild des guten Hirten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Den Beginn bildet Psalm 23, dann wird das Hirtenamt Jesu, das von ihm an die Hirten der Kirche aller Zeiten übergeben wurde, anhand der Evangelientexte von der neuen Sammlung des Gottesvolkes, der Segnung der Kinder und der Heilung des Gelähmten entfaltet.

Der dritte Teil des Buches beschäftigt sich mit den Sakramenten. Er ist katechetisch sehr gelungen, zeigt er doch die Verwurzelung der ersten Sakramente in der Heiligen Schrift. Das letzte Kapitel widmet sich dem Sakrament der Eucharistie. Es wird mit dem Paschamahl in Israel verknüpft, dessen Vorbereitungen beschrieben werden, und reicht über das letzte Abendmahl bis zu den Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen und der Entstehung der Kirche. Der Aufbau der Messe ist übersichtlich dargestellt.

Am Ende des Buches finden sich – eine besonders schöne Idee – einige ausgewählte Psalmen, um Nahrung für eine regelmäßige Gebetspraxis zu geben. Eine empfehlenswerte Neuerscheinung.

Rezension „Dieses neu erschienene Buch weicht vom Üblichen ab“

Buchvorstellung in „Christ und Bildung“, Zeitschrift der Katholischen Erzieher-Gemeinschaft, März-April 2017:

Dieses neu erschienene Buch weicht vom Üblichen ab, es ist ganz für Kinder und doch kein Kinderbuch; es informiert vom Glauben her und bringt Anregungen zugleich für Erwachsene, Eltern, Paten – ein Familienbuch, das biblische Texte, Vorschläge zur Gestaltung und Glaubenswissen verbindet. Dabei helfen die großen, farbigen Bilder, sich gemeinsam auf eine Zeitreise durch die Bibel zu begeben und dabei Neues zu entdecken. Im anschließenden Teil sind Texte und Bilder gesammelt zu den Sakramenten der Taufe, der Versöhnung, der Eucharistie und zur Kirche als Ort des Gottesdienstes der Christen. So ist das Buch auch sehr gut geeignet zur Vorbereitung der Erstbeichte und Erstkommunion in Pfarreien für Helfer und Priester.

Der rote Faden, der sich durch das anspruchsvoll gestaltete farbenfrohe Buch zieht, ist didaktisch übersichtlich gehalten, sodass es Freude macht, Kapitel für Kapitel durchzublättern. Die inhaltliche Auswahl der Texte und Bilder vermittelt verständlich die Grundaussage: Gott will ein Volk in dieser Welt, als sein Bild, sein Werkzeug. Die biblischen Berichte erzählen, wie dieser Weg des Sammelns verlief, was ausprobiert wurde und was Generationen daraus gelernt haben. Es gefällt, dass es bei jedem Kapitel zu den Erzählungen Gedanken für Eltern und Kinder gibt, Fantasie und Neugier weckend – und alles sehr anregend dargestellt. Eine beachtliche Neuerscheinung.

Rezension „Einladend“

Aus den Kirchenzeitungen Glaube und Leben / Der Sonntag / Bonifatiusbote, Nr. 11/2017:

Da stellen wir uns mal ganz dumm … und fangen von vorne an; bei Adam und Eva. Dieses Familienbuch stellt sich ein auf das Wissen der Menschen über den Glauben und die Kirche. Und schafft Zugänge. Biblische. Kirchliche. Eine sehr gelungene Hinführung – für Kinder und Eltern.

Rezension „Einführung in den christlichen Glauben“

Aus Theologie und Welt vom 26.04.2017:

Wie kann man Kinder auf die Erstkommunion vorbereiten, ohne dass dabei wichtige Glaubensinhalte zu kurz kommen? … Christl Keller und Heide Stöhr-Zehetbauer geben mit ihrem neuen Buch zentrale Impulse und zeichnen einen Weg, der sicherlich gewinnbringend ist. Denn er setzt dort an, wo man als Glaubender notwendigerweise beginnen muss: in der Bibel. Anhand ausgewählter biblischer Geschichten führt das vorliegende Werk in unterschiedliche Thematiken des Glaubens ein. Angefangen bei der Sammlung des Gottesvolkes im Alten Testament bis zu Jesus, dem Guten Hirten, der gekommen ist, um alle Menschen in seine Nachfolge zu rufen. … Zu jedem Bibeltext findet sich eine Illustration, Fragen an Kinder aber auch (und das scheint ein wirkliches Surplus des Buches zu sein) Hinweise für die Eltern, wie man die Texte für Kinder auslegen und erklären kann. … Letztendlich kann man es allen nur empfehlen, die im Bereich der Gemeindekatechese tätig sind. Doch es ist auch ein Buch, das nicht ausschließlich zur Erstkommunionvorbereitung eingesetzt werden kann, sondern schon lange vorher in der Familie als Lesebuch und als Einführung in den christlichen Glauben genutzt werden sollte.

Rezension „Familien- und Katechesetauglich“

Aus ekz Bibliothekarische Dienste 3/2017

In die Vorbereitung auf die Erstkommunion eines Kindes wird die ganze Familie mit einbezogen. Vielen Eltern fehlt aber mittlerweile selbst das Hintergrundwissen zu biblischen Texten oder zu den Sakramenten. Zwei Autorinnen mit langjähriger Erfahrung in der Erstkommunionvorbereitung und der Arbeit mit Texten haben ein familientaugliches Buch zusammengestellt, das anhand biblischer Texte Grundwissen zum katholischen Glauben vermittelt. Am Ende eines Sinnabschnittes gibt es Verständnisfragen für Kinder. Vom Format her ist das stabil eingebundene Buch groß genug, dass man auch zu zweit hineinschauen kann. Die Illustrationen von Christl Keller erinnern an den Stil von Chagall. Jedes der übersichtlich strukturierten, informativen Kapitel schließt mit vertiefenden Anregungen zum Thema. Dieses Buch kann auch allgemein zur Katechese eingesetzt werden.
 

Rezension „Der ‚rote Faden‘“

Aus einer Besprechung von Michael Winter im Konradsblatt, Nr. 13/2018

Gibt es einen „roten Faden“, der sich durch die Bibel zieht? Gibt es in den vielen und vielfältigen Geschichten, die von ganz unterschiedlichen Autoren geschrieben und bearbeitet wurden, so etwas wie die „eine“ Geschichte? Durchaus. Es ist, in zahlreichen Facetten, die Geschichte Gottes mit seinem Volk, das den Auftrag hat, den wahren Gott und dessen Willen für alle Menschen zugänglich zu machen. An diesem Grundthema orientiert sich das vor Kurzem erschienene biblische Familienbuch von Heide Stöhr-Zehetbauer und Christl Keller (Bilder und Zeichnungen).

Die beiden Autorinnen, die auf jahrzehntelange katechetische Erfahrungen zurückgreife n können, nehmen in erster Linie Kinder in der Zeit rund um die Erstkommunion sowie deren Eltern in den Blick. Über die durchweg gelungene Vermittlung der biblischen Geschichten in Text und Bild gehen sie noch einige Schritte weiter: Die einzelnen Abschnitte werden durch Wissensfragen an die Kinder ergänzt, die dazu motivieren, die jeweilige biblische Perikope noch einmal genauer zu lesen und deren Sinnspitze zu erkennen. Dazu kommen kurze erklärende Texte für die Eltern, in denen deutlich wird, dass die einzelnen Texte immer im Zusammenhang stehen mit dem biblischen Grundthema, dem „roten Faden“, der Geschichte Gottes mit seinem Volk.

Und weil diese Geschichte nicht zu Ende ist, sondern weitergeht in der Kirche, zu der ja die Kinder durch die Taufe gehören, schlagen die Autorinnen die Brücke von den Schrifttexten zu den zentralen Sakramenten, zur Feier des Gottesdienstes und zu den Elementen des Kirchenraums. Darüber hinaus geben sie „Anregungen aus der Praxis“ zur Vertiefung der Inhalte. Eine nachhaltige Fundgrube nicht nur für Kommunionkinder und deren Eltern, sondern für alle, die sich im Bereich der Katechese engagieren.

Josef Stimpfle

* 25. März 1916, † 12. September 1996

Erzbischof Dr. Josef Stimpfle (1916–1996) in St. Ulrich Walchensee, 1989

 

Zur Predigt ließ er sich gerne einen Sitz vor den Altar stellen, so auch bei dem festlichen Gottesdienst, den er am Ostermontag 1995 in St. Ulrich in Walchensee mit der Pfarrgemeinde und der Katholischen Integrierten Gemeinde feierte. Unvergessen seine Worte:
„Am Dritten Tage ist der Herr auferstanden von den Toten. Wir feiern jetzt dieses Ostern unmittelbar vor dem Anbruch des Dritten Tages. Das 1. Jahrtausend war das Jahrtausend der Verkündigung des Gekreuzigten und Auferstandenen. Dann kam das 2. Jahrtausend; da begannen das Auseinanderlaufen und die Spaltung. Jetzt stehen wir am Ende dieses 2. Jahrtausends. Es ist ein Kairos, eine atemberaubende Stunde, wo trotz aller Dunkelheit und aller Leiden der Menschheit und auch vieler Zerrissenheit in der Kirche selber der Dritte Tag kommt. Es ist der Tag des Sieges des Auferstandenen. Es ist der Tag, der die Menschheit erneut verwandeln und eine Wende herbeiführen will, wie es vor zweitausend Jahren in der Osternacht geschehen ist.“

Einmal fuhren zwei von der KIG nach Fulda. Dort tagte die Bischofskonferenz, und wir wollten ihm ein Anliegen vortragen. Im Kreuzgang suchten wir eine Nische. Vorbei zog der Pulk von Bischöfen und Weihbischöfen. Kurze Stille. Dann war ein Schritt zu hören wie von einem Bauern, der über den gepflasterten Hof geht, schwer, bedächtig, nicht eilig, sicher. Er war es. So war er. Ein Erwartender, dem Erwarteten zugewandt und tätig, ihm Lust zum Ankommen zu machen, nicht nur in seiner Diözese.

1963, am Anfang des Vaticanum II von Paul VI. zum Bischof ernannt, bekundete er schon mit seinem Wahlspruch „Dem Volk Gottes auf dem Weg“ (Plebi Dei peregrinanti) sein Verstehen der sich anbahnenden erneuerten Sicht der Kirche, auch seines Amtes. Seine Sorge um die ganze Kirche wurde weltweit bekannt. Er reiste in die Dritte Welt, auch in Länder unter kommunistischer Herrschaft. Mit dem Werk „Kirche in Not“ brachte er Bischöfen, Priestern und Gläubigen nicht nur materielle Hilfe, sondern vor allem Ermutigung und starke Zeichen der Solidarität.

1968 reiste er mit dem Vorsitzenden der Augsburger jüdischen Gemeinde, Julius Spokojny, nach Israel. 1963 hatte er ihm anlässlich der Einweihung der kleinen Synagoge in Augsburg zugesichert: „Innerhalb des katholischen Raums werde ich für die Annahme des auf dem II. Vatikanischen Konzil vorbereiteten Schemas über die Beziehungen der Katholischen Kirche zum jüdischen Volk sowie über die Gewissensfreiheit eintreten.“ Er hieß neue Initiativen und Charismen willkommen.

Lange wurde nicht realisiert, was für einen Bischof die Katholische Integrierte Gemeinde in ihm hatte. Schon seit 1953 war die KIG, zumeist Münchner Diözesane, mit ihrem Festhaus in Urfeld in der Diözese Augsburg ansässig; das war ein Privileg und gewährte Schutz und Schirm. Als er 1987 erstmals dorthin zu Besuch kam, überraschte er beim Trinkspruch mit einem abgewandelten Wort aus dem 1. Buch Samuel: „Wir sind nicht ausgezogen, Eselinnen zu suchen, und haben doch ein Königreich gefunden!“ Er vertraute der Priestergemeinschaft der KIG zwei Pfarreien an. Er zeigte, was einem Bischof möglich ist, als er einen Bauingenieur, Mitglied der KIG, im Blick auf dessen Engagement für Tansania zum Priester weihte.

Wie haben die Leute in seiner Heimat Maihingen über ihren großen Sohn geredet? „Er ist einer von uns – und doch ganz anders“, so überliefert es sein Neffe. „He had a lot of faith and went beyond boundaries“ („Er hatte eine Menge Glauben und übersprang Grenzen“) sagte ein ugandischer Priester, in dessen Diözese der Bischof eine Kathedrale bauen ließ. ars

Was weh tut

„Mein Kampf“ im Münchner Volkstheater. Der junge Hitler wird in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom fürsorglichen Schlomo Herzl im Männerwohnheim unter die Fittiche genommen.

Erschreckend ist nicht, dass man in George Taboris Stück lacht. Erschreckend sind nicht die Anspielungen wie der glühende Ofen im anfänglich dunklen Szenenbild. Erschreckend ist zu sehen, wie machtlos vernünftige, zivilisierte Menschlichkeit und sogar gläubige Wahrheitssuche gegenüber Dummheit und Verfälschung der Wirklichkeit sein können. Zumindest wenn sie einsam sind.

Tabori endet mit einem Witz: Zwei Schächer hängen am Kreuz. Fragt der eine den andern: „Tut’s weh?“ – „Nur wenn ich lache.“ jup

Gleichgemeinte Aussagen?

2018, Workshop für Spiritualität: „Mitzubringen bequeme Kleidung und die Bereitschaft sein Leben zu ändern.“

Einige Jahre früher: „Interesse am Klosterleben? Unser Kloster liegt in schöner Gegend …“

Oder auch vor einiger Zeit: „Willst du, dass Menschen ein Licht aufgeht, werde Elektriker oder Priester.“

Vor etwa 1900 Jahren: Ein Dialog im Lukasevangelium. Jesus: „Folge mir nach!“ Der Eingeladene: „Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben!“ Jesus: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ pez

Die Kirche sucht …

nach einer neuen Sprache. Zum Beispiel in einem aktuellen Konferenzprogramm:

„Spielarten diskursiver Repräsentierung des Absoluten“

„Entgrenzung des Sinns – zur auto-dekonstruktiven Dynamik im Christentum und (Nicht-)Repräsentierbarkeit des Absoluten“

„Zeigendes Sprechen. Perspektiven eines reflexiven Umgangs der Kunstgeschichte mit dem Absoluten“

„Konkreativität und ‚Analogical Imagination‘ – die Produktion von Wirklichkeit in Kunst und Theologie“

„Negativität und Transgression. Zur Produktivität des Unverfügbaren“

“Wittgenstein and the Mystical: Can Nonsense Make Sense?”

“Theologische Reflexion und narrativer Sinn. Zur Kritik der religiösen Lebensform“

Liebe miss universum, hinter solchen akademischen Nebeln verschwindest Du. Und wenn sich die Nebel einmal heben sollten – ob Du dann noch zu finden bist? pez

Programmierte Menschlichkeit

Digitale Assistenten in kleinen Lautsprecherboxen schmücken derzeit die Wohnzimmer technologieversierter Haushalte und erfüllen die ausgesprochenen Wünsche ihrer Besitzer. Emotionsroboter, die menschliche Zuneigung zeigen sollen, gelten als erfolgversprechendes Zukunftsprojekt der Pflegebranche, besonders für den Umgang mit dementen Patienten.

In dem amerikanischen Theaterstück Marjorie Prime, das im letzten Jahr verfilmt wurde, nehmen Hologramme den Platz verstorbener Familienmitglieder ein. So soll z.B. der an Alzheimer leidenden älteren Mutter geholfen werden, mit der Trauer um Ihren verstorbenen Ehemann besser fertig zu werden, indem sie nun immer in Gesellschaft ihres vierzigjährigen Mannes ist. Über freundliche Fragen wie “Erzähl mir mehr über mich” sammeln die Hologramme Informationen über ihre früheren Charaktereigenschaften, die sie sich dann anzueignen versuchen. Geschilderte gemeinsame Erinnerungen werden von ihnen später geschickt in Gespräche eingewebt. Um menschlich zu wirken, scheinen die Äußerungen der holographischen Gefährten auf zwei Grundaussagen programmiert zu sein: „Ich bin da um dir zu helfen, wenn du mich lässt“ und „Wie schön, dass ich jemanden lieben konnte“. In der skurrilen Schlussszene sitzen drei Hologramme der mittlerweile verstorbenen und ursprünglich zerrütteten Familie ganz friedlich beisammen, schwelgen in endlos wiederholten Erinnerungen zu den Klängen Mozarts, und freuen sich daran, dass sie einmal jemanden geliebt haben. So unmenschlich kann Harmonie sein. heg

Herbert Wallbrecher

* 21. Juni 1922, † 5. Januar 1997

Dr. Herbert Wallbrecher (rechts im Bild) mit Kardinal Johannes Joachim Degenhardt

 

Was ist ein Laie? Nach allgemeinem Sprachgebrauch und Verständnis jemand, der auf Experten angewiesen ist. Will er sein Vermögen anlegen, sucht er einen Anlagenberater; will er ein Haus bauen, engagiert er einen Architekten. Die überwiegende Mehrzahl der Kirchenmitglieder sind Laien. Gilt das oben Gesagte auch für sie, als Laien in der Kirche?
Als ein Experte in Sachen Theologie nahm der damals 36-jährige Professor Joseph Ratzinger am II. Vatikanischen Konzil teil und berichtete, was da zum Thema ‚Laien‘ verhandelt wurde: „Was auffiel war, dass unbeschadet aller Bemühung niemand eine positive Definition des Laien zu geben imstande war. Man hat sich angewöhnt, den Laien in Antithese zum Priester und Ordensmann zu verstehen, als den, der keines von beiden ist.“ In der Forderung nach Amt und Weihe ist dieses Verständnis bis heute das vorherrschende geblieben.
Karl Barth, einer der renommiertesten protestantischen Theologen, war als Gast zum Konzil nach Rom eingeladen, konnte aber erst 1967, wie er es nannte, Ad limina apostolorum kommen – an die Türschwelle der Apostel, zu Petrus und Paulus. Im Gepäck brachte er kritische Fragen mit, auch zum Dekret über den Auftrag der Laien: „Warum wird der Laienapostolat nicht – statt mit dem Hinweis auf seine zeitgemäße Notwendigkeit – mit der Definition der Kirche als populus (laos) Dei [Volk Gottes] begründet?“

Herbert Wallbrecher (* 21. Juni 1922, † 5. Januar 1997) trug sich wie seine beiden älteren Brüder und Johannes Joachim Degenhardt, mit dem er in der katholischen Jugendbewegung eng verbunden war, mit dem Gedanken, bei den Jesuiten einzutreten. Als seine Brüder aus dem Krieg nicht zurückkehrten und ihm die elterliche Versicherungs- und Steuerkanzlei zufiel, war es auch für ihn nach dem Ende der Nazi-Diktatur und der Katastrophe der Shoah unmöglich, was viele versuchten, in das bis 1933 Gewohnte einfach wieder einzutreten, als wäre nichts geschehen. Aber wie jetzt ein Christ sein? In dieser ihn wie viele seiner Altersgenossen umtreibenden Frage-Zeit begegnete er, inzwischen Jurist und unternehmerisch tätig, Gertraud Weiß aus München, Psychologiestudentin und Bundesführerin des Heliand, die dieselbe Frage mitbrachte. Sie trafen sich, in München besuchten sie an den gerade wiedereröffneten Kammerspielen eine Aufführung von Paul Claudels Der seidene Schuh; in dem Nachwort, das Hans Urs von Balthasar seiner Übersetzung des Stücks anfügte, fanden sie klarer formuliert, was ihre eigene Frage war: „Wie ist es möglich, ganz weltlich und ganz gottgehörig zu leben?“

Zwanzig Jahre später stellte sich als Frucht dieser Anfangs-Konstellation die Integrierte Gemeinde der Öffentlichkeit vor; nochmals zehn Jahre später wurde sie von den Erzbischöfen von Paderborn und München und Freising, den Kardinälen Johannes Joachim Degenhardt und Joseph Ratzinger anerkannt als „Apostolische Gemeinschaft im Sinn des Dekrets Apostolicam actuositatem Nr. 18 und 19 des II. Vatikanischen Konzils“. In dem Dekret heißt es u. a.: „Unter Wahrung der erforderlichen Verbundenheit mit der kirchlichen Autorität haben die Laien das Recht, Vereinigungen zu gründen, zu leiten und den gegründeten beizutreten. Das in Gemeinschaft geübte Apostolat der Gläubigen entspricht in glücklicher Weise ebenso einem menschlichen wie einem christlichen Bedürfnis. Unter diesen Vereinigungen sind vor allem jene beachtenswert, die eine innigere Einheit zwischen dem praktischen Leben ihrer Mitglieder und ihrem Glauben fördern und betonen.“

Dr. Herbert Wallbrecher mit seiner Ehefrau Gertraud ­– vielleicht Vertreter des modernen Laien in der Kirche, die sich die Väter des II. Vatikanischen Konzils erhofften?

Manifest über die große Tat

von L. Hohl

Das menschliche Arbeiten, das weltverändernde Wirken, vollzieht sich in drei Stufen. Diese sind:

1. die große Idee

2. die Applizierung der großen Idee, ihre Auflösung in kleine Ideen

3. die Einzelausführungen.

Kurz gesagt: Die große Idee, die kleinen Ideen, die kleinen Taten. Diese drei Stufen sollen das Ganze bilden? Sie bilden das Ganze, sind alles. – Wo bleibt denn die große Tat? Folgt dann die große Tat etwa von selber? Nein. Sie ist schon geschehen.

Aus: Ludwig Hohl, Die Notizen oder Von der voreiligen Versöhnung (1981)