„Das Christentum ist jeden Augenblick noch möglich.“ F. Nietzsche

 

 

 

Sicherheitsabstand

Die Bibel konnte zum Bestseller werden,
weil man eine Methode fand, sie zu
lesen und auszulegen, ohne sie zu tun.

Richtig: Der Amtsträger muss zurücktreten
hinter der Sache. Als Zeuge stellt er sie dar,
nicht her. – Aber heute treten sie so weit
zurück, dass die Sache allein steht. luw

Der Messias wartet

18. November 2018, 33. Sonntag im Jahreskreis B

„Er sitzt zur Rechten Gottes“ heißt es im apostolischen Glaubensbekenntnis. Der Hebräerbrief beschreibt das näher: „Er hat sich zur Rechten Gottes gesetzt und seitdem wartet er“. Der Messias wartet?

Er wartet, dass sich auswirkt, was er ein für alle Mal getan hat. Die ganze Geschichte Israels hat sich zugespitzt in der Existenz des Messias Jesus. Er hat sein Leben nicht geschont und damit eine Bresche geschlagen in die Mauer der Feindschaft gegen ihn und sein Volk. So ist allen die Verwirklichung einer neuen Lebensweise für immer eröffnet. hak

Hebr 10,11-14.18

Jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. Wo also die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.

Wie bitte?

Nach zweitausend Jahren: Auf allen Bergen

Gipfelkreuze, aber in den Tälern keine

österlichen Gemeinden?

 

* * *

 

Gilt nach zwei Jahrtausenden seit der Fleischwerdung des Wortes:

Das Fleisch ist wieder Wort geworden?

luw

Das alles verändernde Zuerst

11. November 2018, 32. Sonntag im Jahreskreis B

Worum der alttestamentliche Prophet Elija die Witwe von Sarepta bittet, ist nicht schwer: ein Brot für ihn backen. Allerdings gibt es eine entscheidende Bedingung: Es soll zuerst geschehen. Das verändert alles.

Zuerst oder danach? Daran zeigt sich, was wirklich zählt. Das Entscheidende kommt oft deswegen nicht zum Zug, weil es sich nachgeordnet wiederfindet: nachdem die eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht sind, nachdem alles geregelt ist, nach diesem Leben. Bei dieser Witwe ist es anders: Sie geht und tut, wie es Elija gesagt hat. Sie gibt zuerst der Geschichte Gottes eine Chance und kümmert sich danach um das Eigene. Erstaunlicherweise ordnet sich das Eigene dann auch für sie zum Besten. ruk

1 Kön 17,10-16

Der Prophet Elija machte sich auf und ging nach Sarepta. Als er an das Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. Er bat sie: Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken! Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: Bring mir auch einen Bissen Brot mit! Doch sie sagte: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf und gehe dann heim, um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten. Das wollen wir noch essen und dann sterben. Elija entgegnete ihr: Fürchte dich nicht! Geh heim, und tu, was du gesagt hast. Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck, und bring es zu mir heraus! Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet. Sie ging und tat, was Elija gesagt hatte. So hatte sie mit ihm und ihrem Sohn viele Tage zu essen. Der Mehltopf wurde nicht leer, und der Ölkrug versiegte nicht, wie der Herr durch Elija versprochen hatte.

Heutiges Credo:

Ich glaube an die Harmonie im Universum und

dass der Jude Jesus ein Vorbild des neuen

sanften Mannes war und

dass der Geist überall weht (außer in Rom)

und wir daher keine Kirche brauchen. Amen.

luw

Wir Helden – Nr. 4

... der Himmel ist so blau

daw/bra

Hedvig Fornander

„Die Erde ist nicht ganz ohne dieses Stück Himmel“

Foto: Hedvig Fornander (1937–1989)

 

Anlässlich ihrer Firmung am 1. Mai 1981 durch Kardinal Johannes Joachim Degenhardt in Paderborn beschrieb Hedvig Fornander, Musikerin und Lyrikerin, ihren bisherigen Weg. Seit 1962 gehörte sie als Gründungsmitglied zu der Gruppe, aus der 1968 die Katholische Integrierte Gemeinde herausgewachsen ist.

 

In Schweden geboren, lernte ich das Christentum in der dortigen evangelisch-lutherischen Kirche kennen. Doch da meine Eltern immer mehr den Glauben verloren und ich beim Heranwachsen nirgendwo einen Ort fand, wo ich glauben konnte, wurde die Frage nach dem Glauben für mich zu einem quälenden Problem. Ich habe eine lange Zeit die Welt als ganz ‘autonom’ erlebt, aber ich konnte mich nicht darauf ‘ausruhen’. Ich sah überall Spuren von etwas, was doch Wirklichkeit haben und auch mich verpflichten müsse, aber eine undurchdringliche Mauer machte die Erfahrung dieser Wirklichkeit und meine Antwort darauf unmöglich.

Mit zweiundzwanzig Jahren, nach einem angefangenen Sprach- und später Musikstudium, kam ich nach Deutschland. Warum? Deutschland war für mich das Land der Musik und das Land, wo Martin Luther geboren ist. Hier nahm ich, getrieben von der Wurzellosigkeit in jeder Hinsicht, das Suchen auf und lernte – es war 1962 – in München den damaligen ‘Goergen-Kreis’ kennen, aus dem später die Katholische Integrierte Gemeinde hervorgegangen ist. Hier fand ich zum ersten Mal einen Ort, wo auch ich den Glauben lernen konnte. 1966 bin ich zum katholischen Glauben konvertiert, im Jahr darauf vollendete ich mein Musikstudium.

Hier in München hatte ich nun meine ‘neue Familie’ und meine Heimat gefunden, d. h ich habe die Kirche gefunden, den Ort, der für mich eine unbekannte Insel, eine verschlossene Pforte war, wie sie es für die meisten Menschen in meinem Heimatland vielleicht überhaupt ist.

Wieweit diese Entfremdung in meinem Heimatland schon Realität ist, ging mir bei meiner Reise dorthin im Herbst vor anderthalb Jahren nochmals deutlich auf, als ich Stockholm besuchte. Ich ging durch die Straßen nicht weit vom Hauptbahnhof. In der Fußgängerzone hatte eine Frau Posten bezogen. Aufgetakelt, schon älter, mit knallroten Haaren, sang sie zur Begleitung einer elektronischen Orgel, die sie selbst spielte, auf eine schwedisch-amerikanische Art Lieder von dem süßen Jesus und den Himmelspforten aus Edelstein dröhnend in den Lautsprecher. Die Leute schlenderten vorbei – und waren vielleicht nicht einmal verletzt von der erniedrigenden Hässlichkeit des Auftritts, von der Verramschung des Namens Christi. Weil – so kommt es mir vor – wo der Glaube nicht mehr als Wirklichkeit erlebt wird, wo die ‘Welt’ sich selbst regiert, auch das Gefühl immer mehr dafür verschwindet, dass es etwas Schutzbedürftiges ist, dass so etwas wie eine höchste Schönheit existiert.

Heute weiß ich um die Wirklichkeit der Kirche und wie der Glaube von Person zu Person lebendig weitergegeben wird. Ich habe lernen dürfen, was Tradition ist. Dass es heute für mich eine ‘Gemeinschaft der Glaubenden’ gibt, ein ganzes Volk, das ich mit meinem Stolz und meiner Liebe lebendig umfassen kann und wo sich die Bedeutung des Wortes ‘Glauben’ in etwas ganz Handgreifliches verwandelt, ist für mich das ganz Unfassbare.

 

 

Ein Gedicht von Hedvig Fornander

 

Ohne Freude,
mit Sorge begrüßt die Welt dich,
vorrückende Zeit.

 

Doch aus der Angst geholt wurden wir
die wir leben in der Zeit der Wunder

 

 

Weitere Gedichte von Hedvig Fornander

 

 

Nicht das ist wichtig
dass du gesucht hast

oder dass du überhaupt nicht gesucht hast.

Anlass zum Zittern

ist das Gefundene.

 

So ist der Erdball nicht Erdball

sondern Fundstelle.

 

Zu beneiden sind nicht die Ölmilliardäre

sondern einzig die Hirten

 

 

* * *

 

 

Der Brief mit der unerhörten neuen Nachricht
kam in einem Umschlag ohne Adresse

 

die einen sagten

„wir sind nicht gemeint“

 

da machten wir den Brief auf

den niemand haben wollte

 

 

* * *                         

 

 

bei dem Zusammentreffen von Föhn
Stoßverkehr

Zahnschmerzen

ist nicht viel zu machen

 

bei dem Zusammentreffen von Petroleum

Eier
Sägemehl

gibts keinen Kuchen

 

Bei dem Zusammentreffen von dir, dir und mir

– wenig drin

wir aber wurden zusammengerufen

 

 

                

* * *

 

 

Was übrig blieb

wurde verwendet

alles was da war

nicht einmal das Beste

 

nun hieß es

Sauerteig

 

                

* * *

 

 

Zuerst kamen wir mit vollen Segeln daher

mit flatternden Fahnen, mit großem Gepäck –

Du ließest uns zusammenschrumpfen.

 

Vielleicht wird am Ende von jedem von uns

nur ein Korn übrig sein –

ein Weizenkorn

das in die Erde fällt.

 

Zuversicht

Ein fröhliches Grillfest mit ehemaligen Kollegen über den Dächern von München. Mit dabei ist auch ein dreißigjähriger Syrer, der als Reinigungskraft in der Firma arbeitet und seit vier Jahren in Deutschland lebt.

Er erzählt stolz, dass er als aramäischer Christ die Sprache spricht, die Jesus damals gesprochen hat. Als der IS seiner Familie die Häuser und Geschäfte wegnahm, floh er aus Damaskus. Wir unterhalten uns über die Schwierigkeiten der Flüchtlinge, die verschiedenen religiösen Hintergründe und die politischen Probleme. Ich frage ihn nach seiner Meinung, wie es bei den vielen Herausforderungen weiter gehen könnte. Darauf er gelassen: „Weißt du, solange zwei oder drei in Seinem Namen beisammen sind, mache ich mir keine Sorgen.“ heg

Herausforderung

von J. Sacks

Sinn erwächst nicht aus Denksystemen, sondern aus Geschichten, und die jüdische Geschichte ist die ungewöhnlichste von allen.

Sie sagt uns, dass Gott uns zu Seinen Partnern im Schöpfungswerk machen wollte, wir aber haben Ihn immer wieder enttäuscht. Doch Er gibt nie auf. Er verzeiht uns immer wieder. Für das Judentum ist das wahre religiöse Geheimnis nicht unser Glaube an Gott, sondern der Glaube Gottes an uns. Das ist keine tröstliche Fiktion, wie Atheisten und Skeptiker manchmal behaupten, sondern das genaue Gegenteil. Das Judentum ist der Appell Gottes an die menschliche Verantwortung, eine Welt zu erschaffen, die ein würdiges Zuhause für Seine Anwesenheit ist.

 

Aus: Jonathan Sacks, Vom Schicksal zum Glauben, Jüdische Allgemeine, 9. September 2018

Interview

Die Katholische Integrierte Gemeinde

Am 27. August 2018 sendete Radio Horeb ein Interview mit Dr. Peter Zitta, Mitglied der Katholischen Integrierten Gemeinde und ihrer Priestergemeinschaft.

Hören Sie hier einen Ausschnitt.

Aus dem Interview mit Dr. Peter Zitta

Eine Hilfe, die man nicht übersehen sollte.

Anmerkungen zur Diskussion um den Beitrag Joseph Ratzingers/Papst Benedikt XVI. „Gnade und Berufung ohne Reue“.

Nach der Welle reflexartiger Kritik, die über Joseph Ratzingers „Anmerkungen zu einem Traktat De Iudaeis“ hereingebrochen ist, fragt man sich, warum Kardinal Koch den emeritierten Papst Benedikt XVI. bewogen hat, diese Skizze zu publizieren. Der Kardinal hat – zurecht – den provokativen Zündstoff erkannt, der in diesem Beitrag liegt. ...

 

Lesen Sie hier die den vollständigen Text der Stellungnahme des Lehrstuhls für die Theologie des Volkes Gottes.