„Das Christentum ist jeden Augenblick noch möglich.“ F. Nietzsche

 

 

 

Die gute Meinung

von F. Ebner

Was dem Menschen am meisten im Wege steht, zum Glauben und durch ihn zur Erkenntnis und zur Vergebung der Sünde zu kommen, ist die gute Meinung, die er von sich selbst hat –

tatsächlich jener „Glaube an sich selbst“ der am Ende nichts anders ist als die wahre Pervertierung des Glaubens. Wenn Rousseau meinte, der Mensch sei von Natur aus gut, so ist das einfach falsch. Die Natur ist weder gut noch böse (und sie gibt auch in keiner Weise einen Maßstab für das Gute und Böse ab, nur für das Nützliche und Schädliche, Angenehme und Unangenehme).

Aber das ist richtig: Jeder hat „von Natur aus“ eine gute Meinung von sich, von der er um keinen Preis lassen will und die auch die Ursache ist für das keinem Menschen unbekannt bleibende Gefühl, dass das Leben, das er lebe, doch nicht das rechte sei. Denn andererseits neigt jeder, eben weil er von Natur aus jene gute Meinung von sich hat, auch dazu, im Widerspruch zu jenem Gefühl sein Leben als etwas zu leben, in dem alles durchaus recht und in Ordnung sei. Und wenn es einmal nicht recht stimmt, dann kommt natürlich die Unordnung von außen.

Aus: Ferdinand Ebner, Das Wort und die geistigen Realitäten (1919)

Keine Ausreden

14. Juli 2019, 15. Sonntag im Jahreskreis C

Wer kennt das nicht? Bei einer Einsicht, was getan werden sollte, gerät das Gehirn wie von selbst in einen beispiellosen Kreativitätsmodus – was alles dagegen spricht, das als vernünftig Erkannte auch zu tun.

Das steht dem Mose in seiner Abschiedsrede an das Volk Israel vor Augen. Er kennt seine Pappenheimer. Obwohl sie alles gelernt haben und wissen, was das Leben gelingen lässt, weichen sie am liebsten aus: ist zu schwer, zu umständlich, zu kompliziert usw. Mose räumt das Ausredenregal komplett leer. Zu weit entfernt, um das Original der rettenden Lebensordnung in die Hände zu bekommen? Nein, durch die Schöpfung, die Gottebenbildlichkeit – in deinem Herzen. Und durch die mühsame Lehr- und Lerngeschichte während der Wüstenzeit ist die Erkenntnis, wie ER das Leben in Seligkeit münden lassen will, allen in Israel nahegerückt. Näher als ein Buch, das man im Laden erwerben und lesen könnte. Wer diese Geschichte teilt, dem ist sie gleichsam zur zweiten Natur geworden, und darum kann er das Wort, die Lebensordnung Gottes, halten. bek

Dtn 30,11-14

Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht im Himmel, sodass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, sodass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können? Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Neu – Theologica Nr. 7: Ebrei e Cristiani

» … Eine entscheidende Wende im jüdisch-katholischen Dialog«

Dieser Satz steht auf dem Werbeband des Buches „Ebrei e Cristiani“, denn der Beitrag von Papst em. Benedikt in der Zeitschrift Communio im vergange­nen Jahr hat das jüdisch-christliche Gespräch unerwartet beflügelt.

Die Präsentation des Buches erfolgte bei einem Evento am 16. Mai 2019, ausgerichtet vom Lehrstuhl für die „Theologie des Volkes Gottes“, an der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom. Es sprachen Rabbiner Arie Folger, Erzbischof Georg Gänswein, der Präfekt des Päpstlichen Hauses und Sekretär von Benedikt XVI., und Elio Guerriero, der Herausgeber des Buches. Theologica Nr. 7 gibt die Vorträge der Begegnung wieder.

Näheres zum Inhalt und Hinweise zur Bestellung finden Sie hier.

Worauf es ankommt

7. Juli 2019, 14. Sonntag im Jahreskreis C

Die Entdeckung von Paulus, dass weder Beschneidung noch das Unbeschnittensein etwas gelte, war für ihn eine Revolution.

Er relativiert aber die Beschneidung nicht. Er predigt keine billige Toleranz und die Gleichheit aller. Denn die Beschneidung ist nicht bloß Trennmauer von den Heiden, sondern auch Schutzmauer um die Saat Gottes. Diese Mauer kann nur fallen, wo eine neue Wirklichkeit eingetreten ist, durch den gemeinsamen Blick auf die Geschichte Jesu. Das beschreibt Paulus mit „neue Schöpfung“ – nur sie zählt. tac

Gal 6,14–18

Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn es gilt weder die Beschneidung etwas noch das Unbeschnittensein, sondern: neue Schöpfung. Friede und Erbarmen komme über alle, die diesem Grundsatz folgen, und über das Israel Gottes. In Zukunft soll mir niemand mehr solche Schwierigkeiten bereiten. Denn ich trage die Leidenszeichen Jesu an meinem Leib. Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit eurem Geist, meine Brüder und Schwestern! Amen.

Synapsen der Geschichte

Zwischen: „Seht ich mache alles neu“ und: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“ liegt das revolutionäre Potential des Denkens in der Tradition der Schrift.

Ein Taubenschlag des Geistes, in dem sich seit jeher die besten Denker und Gedanken versammelten und in ihrem stummen Gespräch über die Jahrhunderte, im Augenblick ihrer Vergegenwärtigung, die sonst so relevanten Fragen plötzlich verschwanden: wer war orthodox, wer kommunistisch, wer dekonstruktivistisch, wer Künstler, Naturwissenschaftler, Rabbiner, Philosoph, Theologe oder auch nur Journalist.
Dass wir geistige Zwerge sind, ist gar nicht so schlimm, wenn wir uns bewusst werden, auf den Schultern welcher Riesen wir stehen können. ses

„Ich wollte dich nur auf einen anderen Gedanken bringen“ –

30. Juni 2019, 13. Sonntag im Jahreskreis C

Das sagt Merlin in dem gleichnamigen Stück von Tankred Dorst zu König Artus.

Der erweist sich als resistent, aber es gab oft Versuche, die Zeitgenossen auf andere Gedanken zu bringen. So in der Mitte des 19. Jahrhunderts der spätere Kardinal John Henry Newman. Es war die Hochzeit Darwins und der sogenannten Religionsgeschichte, die in der Bibel und im Christentum nichts Eigenes mehr sehen konnten –­ alles sei übernommen aus den Religionen der Umwelt. Dazu Newman, souverän und unängstlich: Es mag ja sein, dass die Engel eine Erfindung Babylons sind, für uns ist nur wichtig, dass sie in Bethlehem gesungen haben.
1905 formulierte der protestantische Exeget Julius von Wellhausen seine Erkenntnis: „Jesus war kein Christ, sondern ein Jude.“ Als hundert Jahre später eine italienische Donna erstmals damit konfrontiert wurde, war ihre spontane Reaktion: Jesus ja, vielleicht – Ma la Madonna no!
Im heutigen Evangelium fordert Jesus einen auf –­ er ist auf dem Weg nach Jerusalem und ahnt wohl, wie das für ihn enden wird –, sich ihm anzuschließen. Der ist bereit, will aber erst noch seinen Pietätspflichten nachkommen und seinen Vater begraben. Was muss er sich anhören? „Lass die Toten ihre Toten begraben.“ Es ist nicht überliefert, wie er sich entschieden hat; wir wissen nur, dass Jesus seinen Weg nach Jerusalem fortsetzte. ars

Lk 9,51-62

Es geschah aber: Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samariter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen in ein anderes Dorf.

Als sie auf dem Weg weiterzogen, sagte ein Mann zu Jesus: Ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben! Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Warum der Mensch bisweilen in Versuchung gerät

von F. Rosenzweig

Eine rabbinische Legende fabuliert von einem Fluss in fernem Lande, der so fromm sei, dass er am Sabbat sein Fließen einstelle.

Aber Gott tut solche Zeichen nicht. Es graut ihm offenbar vor dem unausbleiblichen Erfolg: dass dann grade die Unfreisten, die Ängstlichen und Kümmerlichen die „Frömmsten“ sein würden. Und Gott will offenbar nur die Freien zu den Seinen. Um so zwischen den Freien und den Knechtseelen zu scheiden, genügt aber kaum die Unsichtbarkeit seines Waltens; denn die Ängstlichen sind ängstlich genug, um im Zweifel sich lieber auf die Seite zu schlagen, zu der zu halten „in jedem Falle“ nicht schadet und möglichweise – mit 50 Prozent Wahrschein­lichkeit – sogar nützt. Gott muss also, um die Geister zu scheiden, nicht bloß nicht nützen, sondern geradezu schaden. Und es bleibt ihm gar nichts übrig: er muss den Menschen versuchen; er muss ihm nicht bloß sein Walten verbergen, nein er muss ihn darüber täuschen; er muss es dem Menschen schwer, ja unmöglich machen, es zu sehen, auf dass dieser Gelegenheit habe, ihm wahrhaft, also in Freiheit, zu glauben und vertrauen. Der Mensch muss also wissen, dass er bisweilen versucht wird um seiner Freiheit willen.

 

Aus: Franz Rosenzweig (1886–1929), Der Stern der Erlösung (1921)

Weckmittel von 1983/84

Ein ‚wanderndes Gottesvolk?‘ – Ja, ein aus der Kirche auswanderndes Volk.

 

Unser Konkordat gibt beiden Seiten die Freiheit: dem Staat die Freiheit,
die Kirche einzuspannen, und der Kirche die Freiheit, vom Evangelium auszuspannen.

 

Die Kirchen werden aus Schwäche eines Tages konfusionieren. Einzige Hoffnung auf die Ökumene.

 

Man schüttelt sich auf die Aufforderung hin „Gebt einander ein Zeichen des Friedens“ gegenseitig freundlich ab.

 

Die Sonntagspredigt ist ein kostenloser Abenteuerurlaub: Wie der durch den Wildbach des Evangeliums steuert, ohne jemanden und sich zu verletzen!

 

Heute fehlen in der Kirche hierzulande von den Wundern der Apostelgeschichte die zwei: wir sind weder einmütig noch freimütig. Hingegen ist ein neues Wunder aufgetreten: Dennoch hat sie überlebt.

 

Tsgna heißt der Gott unserer Zeit. Er verkehrt alles. Deshalb ist sein Name von hinten nach vorn geschrieben.

 

Wer nichts macht, macht auch etwas falsch: alles.

 

Die Aphorismen sind einseitig, übertrieben, und überschlagen das Gute in der Christenheit? Richtig, was sollen sie denn sonst sein als ärgerliche Weckmittel?

luw

Reform und Erneuerung

von W. Dirks

Einer der bezeichnendsten Unterschiede zwischen der echten Erneuerung und dem Reformertum. Der Reformer stellt Forderungen an andere, vor allem an Autoritäten;

man hört aus seinen eifervollen Argumentationen immer leise das Ultimatum heraus: wenn ihr die Kirche nicht endlich nach meinen Vorschlägen in Ordnung bringt, werdet ihr am Ende einmal auf mich verzichten müssen!

Auch die Mahnung dessen, der der Erneuerung dient, kann ernst und beschwörend sein, aber sie richtet sich eigentlich und hauptsächlich an ihn selbst; anderen gegenüber ist sie nicht eine Forderung, sondern ein Appell. Seine Hoffnung geht weder auf die anderen noch auf die eigene Kraft, sondern auf den Geist Gottes, der der Geist der Erneuerung ist. Von ihm erwartet er sie, nicht von den Menschen, ihren Einrichtungen und Methoden; ihm offenzustehen, sieht er als seinen eigentlichen Beitrag an. Ungeduldig harrt und betet er, denn das Himmelreich leidet Gewalt. Aber tiefer als seine Ungeduld ist seine Geduld, da er die Sache Gottes nicht an die eigene Leistung und damit an die eigene Lebensdauer geknüpft sieht.

 

Walter Dirks, Die geistige Aufgabe des deutschen Katholizismus, in: Frankfurter Hefte (Nr. 2, Mai 1946, 1. Jahrgang)

„Ebrei e cristiani“

Begegnung an der Lateran-Universität

Am 16. Mai 2019 stellte der „Lehrstuhl für die Theologie des Volkes Gottes“ an der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom vor vielen interessierten Zuhörern die italienische Übersetzung der Korrespondenz zwischen Benedikt XVI. und dem Wiener Oberrabbiner Arie Folger vor.

Die Veranstaltung wurde von Prof. Achim Buckenmaier, dem Direktor des Lehrstuhls, moderiert. Vorgestellt wurde das Buch vom Wiener Oberrabbiner Arie Folger, von Erzbischof Georg Gänswein, dem Präfekten des Päpstlichen Hauses und Sekretär von Benedikt XVI., von Elio Guerriero, dem Herausgeber des Buches, und vom Direktor des L‘Osservatore Romano, Andrea Monda.

Weitere Informationen und Fotos finden Sie auf der Homepage des Lehrstuhls www.popolodidio.org.

Zeitgeistig – 1930

von K. Tucholsky

Was an der Haltung beider Landeskirchen auffällt, ist ihre heraushängende Zunge. Atemlos jappend laufen sie hinter der Zeit her, auf dass ihnen niemand entwische. „Wir auch, wir auch!“, nicht mehr, wie vor Jahrhunderten: „Wir.“

Sozialismus? Wir auch. Jugendbewegung? Wir auch. Sport? Wir auch. Diese Kirchen schaffen nichts, sie wandeln das von andern Geschaffene, das bei andern Entwickelte in Elemente um, die ihnen nutzbar sein können. Die Kirche hat nachgegeben; sie hat sich nicht gewandelt, sie ist gewandelt worden.

 

Aus: Kurt Tucholsky, Braut- und Sport-Unterricht (1930)

Aus Erfahrung geronnen

von J. Ratzinger

Zum Akt des Glaubens gehört von seiner Grundstruktur her die Einfügung in die Kirche, das Gemeinsame des miteinander Verbindenden und Verbindlichen.

In die Glaubens­gemeinschaft eintreten heißt in die Lebensgemeinschaft eintreten und umgekehrt. Der Realitätsgehalt der Kirche reicht über das literarisch Fixierbare hinaus. Zwar kann, was sie glaubt und lebt, im Buch bezeugt werden und wird es auch. Aber es geht damit nicht im Buch auf, sondern das Buch bleibt selbst nur in seiner Funktion, wenn es auf die Gemeinschaft verweist, in der das Wort seinen Lebensraum hat. Diese Lebensgemeinschaft ist nicht durch historische Auslegung ersetzbar oder überholbar; sie geht in ihrer inneren Rangordnung dem Buch voraus. Das Wort des Glaubens setzt von sich aus die Gemeinschaft voraus, die es lebt, die sich daran bindet und es selbst in seiner Verbindlichkeit für den Menschen festhält. In dem Maß, in dem Offenbarung einen Überhang über Literatur hat, hat sie auch einen Überhang über die Grenze der bloßen Wissenschaftlichkeit der historischen Vernunft hinaus.

 

Aus: Joseph Ratzinger, Theologische Prinzipienlehre (1982)

Anfangen

von Papst Franziskus

Papst Franziskus warnte vor der Versuchung, die Kirche „aufräumen“ zu wollen. „Das würde bedeuten, die Dinge zu zähmen, die Jugendlichen zu zähmen, das Herz der Menschen zu zähmen“.

Es gehe heute nicht darum, „aufzuräumen“, sagte der Papst. „Wir sind heute dazu gerufen, das Ungleichgewicht zu ertragen. Wir können nichts Gutes, Evangeliengemäßes tun, wenn wir Angst vor dem Ungleichgewicht haben.“ Das Evangelium selbst sei „eine unausgeglichene Lehre“, so der Papst: „Nehmt nur die Seligpreisungen her, sie verdienen den Nobelpreis für Unausgeglichenheit“.

Franziskus verdeutlichte seinen Gedankengang am Beispiel eines hoch funktionell ausgestatteten Bistums, in dem geordnet in Büros viele Spezialisten an Problemen arbeiteten. Die betreffende Diözese, Franziskus nannte ihren Namen nicht, habe „mehr Angestellte als der Vatikan“, aber sie entferne sich „jeden Tag weiter von Jesus Christus, weil sie die Harmonie zum Kult erhebt, die Harmonie der funktionalistischen Weltlichkeit. Wir sind in diesen Fällen in die Diktatur des Funktionalismus gefallen“. Das Problem dabei ist aus der Sicht des Papstes, dass das Evangelium dabei „zur Weisheit, zur Lehre“ werde, aber nicht zur Verkündigung. Eine Abkehr von der Verkündigung zeige sich auch im Erfinden von „Synoden und Gegensynoden“, das seien Versuche, Dinge „aufzuräumen“. Bei wirklichen Synoden brauche es den Heiligen Geist. „Der Heilige Geist gibt dem Tisch einen Fußtritt, wirft ihn um und fängt von vorne an.“

Franziskus rief die Priester, Ordensleute und Laien auch zum Überwinden von Eigeninteressen auf. Der gute Hirte im Evangelium, der das eine verlorene Schaf sucht, habe nur ein einziges Interesse: dass keines verloren geht. „Wir sind oft besessen vom Gedanken an die wenigen Schafe, die noch im Gehege sind. Und viele geben es auf, Hirten für Schafe zu sein, und werden Friseure exquisiter Schafe.“

 

Aus den Worten von Papst Franziskus an Priester, Ordensleute und Laien des Bistums Rom, am 9. Mai 2019 in der Lateranbasilika (Vatican News)

 

 

Zur Ökologie des Menschen

von Benedikt XVI.

Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten.

Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.

 

Aus der Rede von Papst Benedikt XVI. am 22. September 2011 im Deutschen Bundestag in Berlin; den vollen Wortlaut der Rede finden Sie hier.

Zeitnot in Hülle und Fülle

In einer entwicklungsgeschichtlich lächerlich kurzen aber hoch dynamischen Zeitspanne von nicht einmal zehn Generationen ist es uns gelungen, unsere Lebenszeit nahezu zu verdoppeln und die Arbeitszeit weit unter ein Viertel zu drücken.

Trotzdem steigt die Zahl der Zeitgenossen in Zeitnot. Vielleicht liegt es daran, dass wir im Dienst an gesteigerter Effizienz unsere freie Zeit je mit höchsten Ansprüchen in alle Richtungen fragmentiert haben in Zeit für die Familie, für Freunde, für Bildung, für Gesundheit, Kultur, Sport und vieles mehr. Von einem offenbar wirklich viel zu viel beschäftigten Menschen hörte ich, sein Coach habe ihm einen genialen Tipp gegeben und es gehe ihm viel besser, seit er „das konsequent durchzieht: jeden siebten Tag Pause!“ ses