Zeller Weg 31, Samstag den 12. Februar 2011
Grzegorz Heckert (aus Polen) – Unternehmer, Mitinitiator einer Katholischen Schule und Philosophie-Dozent an der Universität in Posen– hielt den auch für „Ungeübte“ geeigneten Vortrag „Einführung in die Geschichte der Philosophie“. Seit 1986 ist er in Kontakt mit der Katholischen Integrierten Gemeinde.
Den Vortrag begann Herr Heckert mit der Feststellung, dass es keine christliche Philosophie gibt und sich Theologie und Philo-
sophie dennoch nicht voneinander trennen lassen. Er selbst sprach zu uns demnach als ein Christ, der nach dem sucht, was das Christentum meint und dabei Philosophie betreibt.
Dem Vortrag voran stellte er die drei philosophischen Fragen der Neuzeit, die der große Aufklärer Immanuel Kant gestellt hat:
- Was können wir wissen?
- Was sollen wir tun?
- Was dürfen wir hoffen?
Jeder der drei Fragen stellte er einen Schrifttext gegenüber, der darauf eine Antwort geben könnte oder auch die Frage einfach nur verstärkt oder weiterführt.
Besonders der Text, mit dem Herr Heckert auf die dritte Frage „was dürfen wir hoffen“ antwortete, war sehr interessant. Er verwies auf die Geschichte der Verfluchung des Feigenbaums,
die im Markusevangelium die Tempelreinigung durch Jesus einrahmt, in dem sich ein typischer Aspekt des Christlichen zeigt: im unbedingten Glauben an Gott nicht das Menschen-Mögliche erwarten sondern das Menschen-Unmögliche.
Dann gab Herr Heckert mit Hilfe eines Tafelbildes einen Überblick über die Entwicklung der Philosophie seit ihrer Entstehung im antiken Griechenland und die Paradigmenwechsel der philosophischen Fragestellungen.
Er führte vier Paradigmen ein, zunächst das ontologische, das
ein theozentrisches war und sich vor allem mit den Dingen und dem Sein an sich beschäftigte und im Erstaunen über alles Existierende hinter das Dasein schauen wollte. Diese Frage-
stellung beschäftigte vor allem die Antike bis etwa zum Ende des 5. Jahrhunderts. Danach folgte, eingeleitet durch den Kirchen-
vater Augustinus, das anthropozentrische, mentale Paradigma, das sich, ausgehend von Zweifel und Skepsis am Dasein, dem menschlichen Bewusstsein zuwendete und kritisch in Frage stellte, was der einzelne als vernunftbegabtes Individuum überhaupt wissen könne.
1914 stellte das Philosophentreffen in Verdun, auf dem sich u.a. Wittgenstein, Husserl und Heidegger trafen, einen weiteren Paradigmenwechsel dar, es folgte nun das linguistische Para-
digma. Diese Zeit setzte sich mit der Sprache auseinander und der Frage, was der Mensch überhaupt verstehen kann angesichts der herrschenden Konfusion, die das Zeitalter der Moderne, in der alle bisherigen Fixpunkte ins Wanken gerieten hervorgerufen hatte.
Und zuletzt führte Herr Heckert noch ein weiteres Paradigma ein, das unser Denken seit 1968 bestimmt – er nannte es das ästhetische. Der heutige Mensch sucht die Erfahrung, das Erlebnis, das seine Langeweile und innere Leere vertreibt. So steht nicht mehr die Vernunft im Vordergrund, sondern vielmehr die erlebbaren Emotionen, was auch die zunehmende Psychologisierung zeigt, die eine Folge der immer weiter fortschreitenden Individualisierung ist.
Darin sieht Herr Heckert auch die zunehmenden Schwierigkeiten, wie das Verhältnis von Glaube und Vernunft zu verstehen ist, weil der Papst z.B. noch im Paradigma der Vernunft spricht, die heutigen Menschen aber schon keinen Zugang mehr zu dieser Sprache haben, weil sie nicht mehr fragen, was der Mensch wissen, erkennen und verstehen kann, sondern vielmehr, was er spüren und erleben kann.