Theologie
Theologie des Volkes Gottes: Erfahrungen der Katholischen Integrierten Gemeinde

Die Theologie des Volkes Gottes geht von der biblischen Grundeinsicht aus, dass Gottes Wille nicht einfach unbekannt ist und der Mensch sich unablässig bemühen müsste, ihn zu erahnen, zu erfühlen, sondern dass er deutlich aus dem Reichtum der Heilsgeschichte zu erfassen ist. Dass Gott ein Volk in dieser Welt ins Leben gerufen hat, das in seinem Miteinander seine Weltzuwendung widerspiegeln kann – zum Segen für alle Völker: als die "neue Stadt, die vom Himmel herabkommt", eine reale Gesellschaft, die vom Tun seines Willens geprägt ist.

Der spezifische Beitrag der Katholischen Integrierten Gemeinde zur katholischen Theologie bestimmt mit den folgenden vier inhaltlichen Schwerpunkten auch die Ausrichtung der "Akademie für die Theologie des Volkes Gottes":

1. Zusammengehörigkeit von Altem und Neuem Testament, Juden und Christen
Das Israel des Alten Testaments in seiner Bedeutung als Wurzel der Kirche und das lebendige Judentum wurden als ein an diese Wurzel gemahnender, korrigierender Partner neu wahrgenommen. Die Bilder von der "einen Braut Gottes“ und vom „älteren und jüngeren Bruder“ sind ein wesentlicher Impuls der erneuerten Theologie des Volkes Gottes.

2. Unterscheidung zwischen natürlicher Religion und biblischem Glauben
Eine wesentliche Aufgabe der theologischen Reflexion ist die "Unterscheidung zwischen natürlicher Religion und übernatürlich-geschichtlicher Offenbarung“. Die Glaubensgeschichte Israels, Leben und Theologie des Jesus aus Nazaret und die Kirchengeschichte zeigen, dass die Überlieferung und Auslegung der Offenbarung mit einem ununterbrochenen religionskritischen Prozess verbunden ist.

3. Strukturkongruenz
Die Gemeinde hat strukturkongruente Erfahrungen zur Heiligen Schrift gemacht und zur Sprache bringen können. So entwickelte sie eine "Hermeneutik der Strukturkongruenz“: Das Leben als neutestamentliche Gemeinde ist der Schlüssel zum Verstehen der Texte des Schrift-Kanons und der katholischen Dogmen. Theologie wird so wieder die unmittelbare wie reflektierte Rede von Gottes Handeln mit seinem Volk.

4. Glaube und Form
Der Urimpetus der Offenbarung, die Verhältnisse der Welt und der Gesellschaft zu erlösen und zu verwandeln, führte zur deutlicheren Wahrnehmung des Zusammenhangs von Glaube und Form. Er ist ein zentrales Thema der Theologie und Praxis der Katholischen Integrierten Gemeinde geworden und wirkt sich in allen Bereichen aus: in der Wirtschaft (dem gemeinsamen Wirtschaften) ebenso wie in der Erziehung, im Bereich von Krankheit und Heilung, in der Gestaltung.
 
 
 
Externe Links
 
Tafelbild von Dr. Ludwig Weimer
 
Prof. Gerhard Lohfink
 
Prof. Rudolf Pesch († 13. Januar 2011)
 
Dr. habil Ludwig Weimer - Schüler von Joseph Ratzinger