Kostprobe aus "30 Jahre Wegbegleitung"
Die Ernennung Prof. Joseph Ratzingers zum Erzbischof von München und Freising im März 1977 löst in der Gemeinde große Freude aus und so heißt es im Glückwunschtelegramm gleich nach Bekanntwerden dieser Nachricht: „Für die Erwählung zu unserem Bischof danken wir Gott, der unsere Gebete erhört hat, und beglückwünschen Sie und unser Land.“

Bald nach seiner Bischofsweihe und der kurz danach erfolgten Kardinalsernennung im Mai 1977 nimmt sich Kardinal Ratzinger der Frage nach der kirchlichen Anerkennung der Integrierten Gemeinde an. Es ist ihm wichtig, der Gemeinde eine konkrete rechtliche Gestalt in der Kirche zu geben und sie damit auch in eine fassbare kirchliche Verantwortung zu binden. Sein entscheidendes Leitwort in diesem Zusammenhang heißt: „Die Liebe braucht das Recht.“ Deswegen regt er bereits im Juli 1977 an, Statuten auszuarbeiten, und ermöglicht in enger Zusammenarbeit mit Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt von Paderborn ihr Zustandekommen. Im Herbst 1978 ist es soweit, dass sowohl Kardinal Ratzinger als auch Erzbischof Degenhardt die Approbation der Statuten der Integrierten Gemeinde aussprechen und sie zugleich als Apostolische Gemeinschaft kirchenrechtlich errichten. Sie ebnen damit einen Weg, den nach ihnen weitere Bischöfe gehen werden.

An die kirchliche Anerkennung knüpft der Kardinal die Hoffnung, dass die Gemeinde damit in das Ganze der Kirche, in ihre Katholizität eingefügt wird. Seine weitere Wegbegleitung der Integrierten Gemeinde wird immer wieder von diesem Anliegen bestimmt sein. So schreibt er etwa in einem Brief an Prof. Rudolf Pesch im August 1983 von seiner Hoffnung, dass die Gemeinde immer mehr „zu einer heutigen Lebensgestalt der una, sancta catholica et apostolica Ecclesia“ hin wachse.

Am 1. Mai 1979 feiert der Kardinal mit der Integrierten Gemeinde in der Münchener Kirche St. Paul einen Festgottesdienst, der diese Einfügung der Gemeinde in das Ganze der Kirche auch öffentlich sichtbar macht. Im Anschluss an diesen Gottesdienst besucht der Kardinal das Gemeindezentrum in der Herzog-Heinrich-Straße in München. Für einen Tag der Offenen Tür stand an diesem 1. Mai das Haus für die interessierte Öffentlichkeit der Stadt offen – eine Gelegenheit, auch dem hohen Gast anhand von Bildtafeln und Stadtplänen zu zeigen, wie die Mitglieder der Gemeinde in Integrationshäusern über die ganze Stadt verstreut leben.“

Aus der Predigt von Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger am 1. Mai 1979 „Der Geist braucht Institutionen, um selbst in dieser Welt wirksam werden zu können. Von daher müssen wir die Kirche neu verstehen lernen. Sie ist ihrem Wesen nach Institution des Geistes, des creator spiritus, die dem Größeren Raum schafft in dieser Welt, ohne dass unsere Arbeit und unsere Waren den Sinn verlieren und zur Knechtschaft für uns werden. Dabei ist zweierlei wichtig: einmal dass die Kirche immer hinausragt über alles, was wir machen können, dass sie immer größer ist als jede einzelne Gemeinde und als all unsere Produktionen; und dass die Kirche immer die Einbruchstelle der neuen Macht Gottes, seines Schöpfergeistes in der Welt sei und dass sie in konkreten menschlichen Gemeinschaften dies darzustellen und zu leben versuche, was sie ansagt, damit es auch anschaubar wird und neue Wege auftut.


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Einladungsplakat zum Festgottesdienst am 1. Mai 1979
 
Der Kardinal bei der Predigt in St. Paul in München
 
Der Kardinal besucht die K.I.G. zum Tag der Offenen Tür
 
Der Gast lässt sich zeigen, wie die Häuser verteilt sind, in denen Mitglieder der Gemeinde leben.
 
Im Gespräch mit Dr. Herbert Wallbrecher