Firmung durch Erzbischof Reinhard Marx
am 29. Mai 2010 in St. Paul, München
Erzbischof Reinhard Marx firmte am Samstag, dem 29. Mai 2010, vierzig Jugendliche und junge Erwachsene aus der K.I.G. und ihrem Freundeskreis in der St. Paulskirche in München.
Mit dem Erzbischof in der Mitte der Festgemeinde entfaltete sich der Firmgottesdienst mit Chor und Orchester, den Verwandten und der ganzen Gemeinde mit ihren Gästen und Freunden zu einem sehr bewegenden Fest.
Im Rahmen der Firmvorbereitung hatten sich die jungen Leute mit unterschiedlichen Themen beschäftigt, von den Sakramenten bis zum modernen Theater. Es gab Samstagstreffen in München und Wochenenden im Marlene-Kirchner-Haus in Urfeld am Walchensee, dem Fest- und Begegnungshaus der K.I.G.
Mehrmals reiste Prof. Achim Buckenmaier dazu eigens aus Rom an. Auch Prof. Arnold Stötzel, Prof. Gerhard Lohfink und sogar Dr. Wilfried Hagemann, ein Priester der Fokular-Bewegung, hielten theologische Vorträge und brachten den Firmlingen die Aussagen des Katechismus nahe.
Mit ihren Anregungen und Fragen gestalteten die Firmbewerber und ihre Paten den Vorbereitungskurs aktiv mit und lernten sich untereinander, aus verschiedenen Regionen kommend, als die nächste Generation intensiver kennen. Der Tag der Firmung bildete den vorläufigen Abschluss dieses gemeinsamen Weges und gleichzeitig den Auftakt für neue Zusammenarbeit im Rahmen der K.I.G., für die Wahrnehmung eines Auftrags.

Sr. Marie-Edith, die Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Paul, und Arnold Stötzel, Vorsitzender des Leitungsteams der K.I.G. begrüßten die Festgemeinde.
Sr. Marie-Edith:

Sehr geehrter, lieber Herr Erzbischof,
liebe Priester und Freunde der Katholischen Integrierten Gemeinde,
liebe Schwestern und Brüder.
Als Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Paul heiße ich für die ganze Pfarrei, auch im Namen unseres Pfarrers Herrn Hepler und unseres Pastoralreferenten Herrn Schäfert, Sie alle sehr herzlich willkommen.
Wir freuen uns, dass Sie, lieber Herr Erzbischof, nicht nur das Fest Pauli Bekehrung im Paulusjahr mit uns feierten und beim Abschluss des ÖKT mit dem Bischofskollegium gerade hier die Messe gefeiert haben, sondern auch jetzt mit dieser Firmung von 40 Personen der Katholischen Integrierten Gemeinde ein Hoffnungszeichen für die Kirche setzen. Viele Mitglieder der Katholischen Integrierten Gemeinde wohnen in unserer Pfarrei, sind hier schon zu Hause. Sie bringen sich aktiv im Gemeindeleben ein, gestalten Gottesdienste und Feiern mit uns zusammen und bereichern sie mit ihren vielfältigen Gaben. Wir freuen uns über diese gelungene Zusammenarbeit zur Ehre Gottes. Wir wünschen uns allen, besonders den Firmbewerbern, die Fülle des Heiligen Geistes.

Aus den Worten von Arnold Stötzel:
Den herzlichen Worten der Begrüßung und des Dankes von Schwester Marie-Edith möchte ich mich anschließen und darf noch einige Worte anfügen:
Mit einiger Bangigkeit sind wir zu dieser ersten Begegnung mit unserem Bischof hierher nach St. Paul gekommen – in einer nicht nur für uns turbulenten Zeit. Und zugleich mit viel Erwarten. Mit Bängnis, weil er fragen wird: Was macht ihr? Was ist euer Beitrag für die Kirche? Was wollt ihr eigentlich?
Das haben wir uns in den letzten Jahren selbst immer wieder gefragt – auch im Blick darauf, dass der Impetus der Gründergeneration fortgeschrieben werden muss, der 1978 vom damaligen Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger als kirchlich anerkannt und hier an diesem Ort von ihm selbst - zeichenhaft - öffentlich gemacht wurde. Der ökumenische Kirchentag stand unter dem großen Thema „Hoffnung“. Was wir mitbringen, hat vielleicht eher mit dem zu tun, was auf dem Grabstein von Johann Adam Möhler zu lesen ist: „ecclesiae solamen“ – der Kirche ein Trost.
Vierzig Firmbewerber. Es sind keine Kinder. Sie haben freiwillig und regelmäßig an katechetischen Unterweisungen und Treffen teilgenommen. Sie haben zu verstehen begonnen, dass Katholisch-Sein nicht nur eine Art zu denken, sondern auch eine Art zu leben ist. Zuletzt haben sie Jean Paul Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“ inszeniert; und durch die Begegnung mit dem jüdischen Schriftsteller Chaim Noll an diesem Pfingsttag ist ihnen vielleicht erstmals bewusst geworden, dass ihr Platz nie bei der Mehrheit sein kann.
Solche Orte, wo unterscheidbar und anschaubar wird, was des Kaisers und was Gottes ist, muss es geben – ob man das Integrierte Gemeinde nennt oder wie immer. Hier haben sie die Kirche kennen und lieben gelernt. In diesem weiten Land möchten sie leben. (…)

Auszug aus der Predigt von Erzbischof Marx:
Noch haben wir die Bilder von Pfingsten vor Augen und die Schriftworte, die uns das große Programm von der Sammlungsbewegung Gottes entrollen. Dieses Pfingstgeschehen ist eingebettet in die ganze Geschichte des Volkes Gottes. Die Firmung, die Stärkung soll – so haben wir es eben auch gehört – helfen, dass ihr, liebe Firmbewerber, Euch in diesen großen Strom des Volkes Gottes hineinführen lasst, stärken lasst, salben lasst, befähigen lasst, an dieser großen Sammlungsbewegung teilzuhaben, die von Gott ausgeht um der Menschen willen.
Ein wichtiges Leitmotiv, damit wir Hoffnung finden – auch als Kirche – ist, dass wir nie vergessen: Wir haben ein Plus, wir haben die Fülle gefunden. Wir können nicht „mehr“ finden als Christus und in ihm die Fülle des Lebens. Das ist doch dieser Welt nicht möglich, in der Fülle zu leben.
Genau das will auch das Johannesevangelium uns sagen, wenn Jesus von dem Beistand spricht, der uns in die ganze Wahrheit führt, der uns helfen wird auf unserem persönlichen Lebensweg und im Weg des Volkes Gottes, immer tiefer zu erkennen, wer dieser Jesus Christus ist und wie wir in ihm den Weg zum Vater finden.
Ein erster Gedanke für Euch, liebe Firmbewerberinnen und Firmbewerber: den Sammlungspunkt finden, aus der Zerstreuung in die Konzentration hineingehen. Sich dieses Ausgangspunktes vergewissern und dankbar dafür sein, dass dieser Ausgangspunkt uns hilft, das Vielerlei, das Ganze, das Bunte der Welt zu sehen, auch zu lieben, aber in diesem Vielerlei uns selber nicht zu verlieren und den Zielpunkt nicht aus den Augen zu verlieren: Um was es eigentlich im Leben geht, was eigentlich die Zielorientierung ist.

Der Glaube als neue Lebensweise,
die auf Gemeinschaft zielt

Ich denke besonders an die Katholische Integrierte Gemeinde, die ich schon lange kenne, schon von meiner studentischen Zeit. Sie ist auch ein wichtiger Beitrag daran, zu erinnern: Die Kirche selber ist eine Sammlungsbewegung. Die Kirche selber muss mitten in der Geschichte aus der Zerstreuung den Ausgangspunkt darstellen, für alle – nicht nur individuell jeder für sich – sondern auch in einer Gemeinschaft, in einer Kommune, in einer Gesellschaft, die sichtbar macht, dass Glaube eben nicht nur ein innerliches Gefühl ist, eine persönliche Erkenntnis, sondern eine neue Lebensweise, die der Welt vor Augen gestellt werden soll.
„Es ist nicht gut, das der Mensch allein ist“, steht auf der ersten Seite der Heiligen Schrift.“ Damit ist nicht nur die Ehe, nicht nur die Hochzeit gemeint, sondern da ist gemeint, dass der Mensch grundsätzlich berufen ist, in Gemein¬schaft zu leben und in dieser Gemeinschaft dann in der neuen Lebensweise. So ist die Berufung des Volkes Gottes in allen Völkern, ein Zeichen zu sein, oder wie wir als Kirche sagen, ein Sakrament, ein wirksames Zeichen.
Ich glaube Herr Weimer oder Herr Pesch hat einmal gesagt „ein Lockvogel Gottes“ zu sein, für die ganze Welt, für alle Menschen. Dazu müssen wir uns rüsten lassen, auch in der Kraft des Heiligen Geistes.

Die Sakramente werden durch unser „Ja“ wirksam
Ihr seid nun eingefügt oder ihr werdet eingefügt in diese große Gemeinschaft der Kirche, in diese große Bewegung, und da gilt es „Ja“ zu sagen. Wirksam werden die Sakramente nicht äußerlich, sondern sie werden wirksam dadurch, dass wir innerlich einverstanden sind mit dieser neuen Wirklichkeit. Dass wir „Ja“ sagen dazu. Dass wir innerlich akzeptieren: Diese neue Schöpfung in Christus existiert, ich nehme sie an und bitte den Geist, dass er mir aufhilft. Und ich erkenne an, dass dieser geheimnisvolle Gott unter uns lebt. Das Christentum, der christliche Glaube ist nicht die Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln, sondern die Erkenntnis, dass ein ganz anderer Weg möglich ist: Der Weg, den Gott zu uns geht. Er nimmt unter uns Wohnung. Er lebt in uns als dreifaltiger Gott. Das ist ein unglaublich großer und starker Gedanke.

Nach dem Gottesdienst
Zum Sektempfang versammelte sich die gesamte Festgemeinde auf dem Platz vor dem Hauptportal zum Sektempfang. Dort überreichte Tolu Arowele, eine der Firmlinge, stellvertretend für alle, mit folgenden Worten ein Geschenk an den Erzbischof:

„Lieber Herr Erzbischof, wir Firmlinge möchten uns von Herzen bei Ihnen bedanken, dass Sie uns heute in diesem festlichen Gottesdienst das Sakrament der Firmung gespendet haben. Gestärkt mit diesem „Plus von oben“ wollen wir Firmlinge diese Stärkung weitergeben und in der Kirche, für die Kirche, für die Welt ein Zeichen von Gottes Gegenwart und Wirken heute sein, mit der Unterstützung und Leitung durch unsere Paten, Familien, Freunde und Bekannten, und auch unter Ihrer Leitung. Wir haben für Sie ein kleines Geschenk vorbereitet – etwas zum Lesen. Das Buch heißt „30 Jahre Wegbegleitung“ – der Integrierten Gemeinde durch einen Ihrer Vorgänger, Joseph Ratzinger. Wir hoffen, dass wir in 30 Jahren auf einen ebenso intensiven und gesegneten gemeinsamen Weg mit Ihnen zurückblicken können.“