Jesus spricht oft vom „Heute“ und er proklamiert mitten in Israel das neue Land der Gottesherrschaft – und er sammelt dafür die ersten Mitbewohner. Er spricht von einer biographischen Wende, die nötig ist: ein völlig neues Denken und Handeln.

Was er in Aussicht stellt, ist die Gemeinschaft mit ihm und gemeinsame Arbeit: „Kommt her, folgt mir nach. Ich werde euch zu Fischern der Menschen machen.“ Matthäus erzählt, dass Simon Petrus und Andreas mitten in ihrer Berufsarbeit waren; gerade warfen sie ihr Netz in den See, als die Berufung sie traf – und sie entschieden sich prompt.

Für die untergegangenen Stämme Sebulon und Naftali hat Jesus also schon Vertreter gefunden, aber es geht ihm um ganz Israel, um alle zwölf Stämme. So ruft er als nächstes die Zebedäus-Söhne, Jakobus und Johannes. Und auch sie folgen sofort. So jedenfalls verdichtet Matthäus einen vermutlich längeren Prozess. Die Bereitschaft der Gerufenen zeigt exemplarisch, dass auch Beruf und Familie kein Hindernis sind, auf die neue Situation im Gottesvolk entsprechend zu reagieren.

Jesus, selbst ein Handwerker, wählt gerade Fischer. Für ihren neuen Auftrag werden sie ihre beruflichen Qualifikationen brauchen; dazu gehört auch die Ausdauer, jeden Tag gemeinsam neu aufzubrechen. Sie sollen mitarbeiten, dass die vielen in Israel und durch Israel, viele aus den Völkern, die Einladung zu einer neuen Lebensmöglichkeit erhalten. Aber auch ihr neuer Beruf „Menschenfischer“ verlangt eine Ausbildung und die bekommen sie bei Jesus: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen“. Mit Christus sammeln, eine Aufgabe für jeden Christen, können wir also nicht einfach von uns aus oder für uns allein: Wir müssen gemeinsam in die Schule Jesu gehen. In der Gemeinschaft derer, die ihm nachfolgen, können wir lernen, was es heißt, mit unserem Leben Christus zu gehören.

Mit dem kurzen Sammelbericht über das Wirken Jesu macht Matthäus deutlich, dass im Heute Jesu die Endzeit anbricht. Die Geschichte tritt in eine neue Phase. Die Zeit, die die Propheten ersehnten, ist nun da: Gott erweist sich als der wahre König Israels, als der Hirt und Arzt seines Volkes – in Jesus von Nazareth.
 
 
 
Kardinal Friedrich Wetter mit den Konzelebranten in der Kirche von Ebenhausen