So lernten wir als Studenten auf Jesus blicken, auf sein Leben, seine Zeichen, seine Gleichnisse – durch unseren Professor in Freiburg. Und zugleich war Rudolf Pesch für uns, für mich, ein Glaubenszeuge. Ein Zeuge dafür, dass Jesu Botschaft nichts von ihrer befreienden Kraft verloren hat.
Wir erlebten an ihm und am eigenen Leib, dass Berufung durch den Herrn auch heute geschieht – vermittelt durch den Mund der Kirche.
Berufung nicht nur zum Priesterwerden, oder zu einem Leben als Ordensfrau oder Ordensmann, sondern Berufung – zur Mitarbeit beim Aufbau der Kirche in der Gemeinde –als Getaufte.

Und wenn man den Ruf hört, was sagt dann nicht alles: „Das geht nicht!“
– der Beruf, der ortsgebunden ist
– die Familie, für die zu sorgen ist
– die sorgfältig vorgeplante Zukunft

Der Entschluss von Rudolf Pesch, sich diesem wandernden Völkchen anzuschließen, war konsequent, weil er erkannte, dass die Theologie die Gemeindeerfahrung braucht. Sein Schritt war ein Zeugnis für die Gemeinde; von „Gemeinde“ spricht das ganze Neue Testament. Der Name „Integrierte Gemeinde“ tut nichts zur Sache, wie er selbst in seiner Abschiedsvorlesung sagte. Gemeinde ist nicht „unser Unternehmen“.

Zur Gemeinde des Neuen Testaments sind wir unterwegs und war auch Rudolf Pesch zeitlebens unterwegs; wir sind unterwegs zu ihr; das bedeutet auch klar zu sehen:
Wir haben sie nicht, wir wissen nicht einfach wie es geht, verfügen nicht über das „Gemeindemodell“.
 
 
 
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