Die Katholische Integrierte Gemeinde ist eine Gemeinschaft in der katholischen Kirche. Zu ihr gehören Familien und Alleinstehende, Laien und Priester. In ihrem Ursprung geht sie auf die Zeit unmittelbar nach dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg zurück. Sie will ein Ort für ein aufgeklärtes und unverkürztes Christentum sein. Ihre Aufgaben finanziert sie selbständig und unabhängig, in privater Initiative.

Die Integrierte Gemeinde ist als Verein im Sinne des katholischen Kirchenrechts in Diözesen in Deutschland, Österreich, Italien und Tansania errichtet und anerkannt.

Aus den Statuten:

„Die Katholische Integrierte Gemeinde versucht, in einer der Kirche entfremdeten Welt das Evangelium in einer solchen Gestalt präsent zu machen, dass auch Fernstehende wieder einen Zugang zum Glauben und der Gemeinschaft der Katholischen Kirche finden können.

Zu den Aufgaben der Katholischen Integrierten Gemeinde gehört es, ihre Erfahrungen in die Formulierung der katholischen Theologie einzubringen. So will sie vor allem auch zu einer Formulierung einer Theologie des Volkes Gottes und der gemeinsamen Wurzel des jüdisch-christlichen Offenbarungsglaubens beitragen.

Personen, die der Katholischen Integrierten Gemeinde zugehörig sind, verknüpfen in den verschiedenen Bereichen ihr Leben auf vielfältige Weise miteinander, je nach ihren Möglichkeiten und ihrer Berufung.“

Es fängt an nach dem Zweiten Weltkrieg in München, der nationalsozialistischen „Hauptstadt der Bewegung“. Dort sammelt sich eine Gruppe aus der katholischen Jugendbewegung um Traudl und Herbert Wallbrecher und den Priester Aloys Goergen. Sie fragen sich: Können wir nach Holocaust und Krieg einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen? – Auschwitz verlangt eine Reform des christlichen Denkens, Lebens und Handelns.

Inmitten der Strömungen der Zeit in Kirche und Gesellschaft stoßen Künstler und Handwerker, Studenten und Familien dazu. Mit eigener Hand und eigenen finanziellen Mitteln bauen sie aus einer Berghütte ein Festhaus. Dort treffen sie sich zu den kirchlichen Festen – Ostern, Pfingsten, Weihnachten – studieren Schriftsteller, Philosophen, jüdische und evangelische Theologen, sie experimentieren mit neuen Liedern und eigenen Texten, spielen Stücke von Beckett und Sartre, suchen neue liturgische Formen. Alles wird in Frage gestellt. Die Kristallisation zu einer solchen Experimentier-Gemeinde führt natürlich auch zu Krisen. Und sie finden Neues und Ungewohntes: Dass das Christentum keine übliche Religion ist, sondern aufklärender Glaube, den wir dem Judentum verdanken – weil Jesus kein Christ war, sondern Jude.

Die Frage ‚Wie lässt sich das Christentum im Alltag leben?‘ ist keine theoretische. Ab 1964 beginnen sie in München Gottesdienste zu feiern, halten Seminare und schreiben und drucken eigene Veröffentlichungen. Sie kommen als Gruppe vom Berg in die Stadt – vom Fest in den Alltag. Einige Jahre lang geben sie die Zeitschrift ‚Die integrierte Gemeinde‘ heraus. Von ihr bekommt die Gruppe ihren Namen.

Sie finanzieren alles selbst und positionieren sich damit bewusst ‚außerhalb‘ der herkömmlichen kirchlichen Strukturen (Kirchensteuer, Pfarrzentren), um ihre Suche frei und unabhängig verfolgen zu können: Ganz weltlich und zugleich ganz gottgehörig leben und handeln – wie geht das zusammen?

1978 erkennt die katholische Kirche die Integrierte Gemeinde durch die Kardinäle Joseph Ratzinger von München und Freising und Johannes Joachim Degenhardt von Paderborn rechtlich an.

Lehrstuhl

An der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom gibt es seit 2008 den „Lehrstuhl für die Theologie des Volkes Gottes“. Die theologischen Erkenntnisse und die Erfahrungen des Lebens der Integrierten Gemeinde finden dort den Weg in die akademische Theologie.

www.popolodidio.org

Fernstudium „Das Profil des Jüdisch-Christlichen“

Seit Herbst 2016 bietet der Lehrstuhl an der Päpstlichen Lateran-Universität ein zweijähriges postgraduales Fernstudium der Theologie des Volkes Gottes an. 

Eine kleine Summe der Theologie

Information und Anmeldung

Forum Zeitgeschehen

Im „Forum Zeitgeschehen“ trifft sich eine kleine Gruppe von politisch Interessierten, die hinter den großen Schlagzeilen des aktuellen Weltgeschehens nach Ursachen, Zusammenhängen und Perspektiven sucht. Darüber hinaus dient das Forum als Plattform für Austausch und Anregung, Hinweis und Debatte. Parteipolitisch ist es nicht festgelegt, favorisiert aber fundierte Betrachtungsweisen, die auch über den politischen Bereich hinaus Literatur, Film, oder andere Medien mit einbeziehen.

Tansania

Ab 1977 begann durch den Besuch des tansanischen Bischofs Christopher Mwoleka in München der Aufbau einer Integrierten Gemeinde in Tansania. Durch einen intensiven Austausch zwischen Deutschland und Tansania hat sie in den folgenden Jahrzehnten vielen jungen Tansaniern Schulbildung oder Berufsausbildung ermöglicht. Es entstanden eine Landwirtschaft, Metzgerei, Molkerei und Bäckerei, eine Schreinerei, Aufforstung wurde betrieben und Brunnen gebaut, die Stromversorgung verbessert. Heute betreiben tansanische Mitglieder der Integrierten Gemeinde in Mikese bei Morogoro einen Kindergarten mit Vorschule, eine Primarschule und ein Mädcheninternat.

In Mikese wurde seit 1992 die Pfarrei St. Nikolaus mit vier Außenstationen und gut dreißig „Small Christian Communities“ im Pfarrgebiet aufgebaut.

Lesen Sie mehr:

Berichte aus Tansania 2015

Berichte aus Tansania 2016

Förderkreis

Dem Förderkreis der Katholischen Integrierten Gemeinde schließen sich Personen an, denen die Integrierte Gemeinde und ihre Arbeit wichtig sind. Sie unterstützen ihre verschiedenen Initiativen finanziell und mit persönlichem Einsatz. Der Förderkreis ist regelmäßig Gastgeber für Begegnungen.

Förderkreise gibt es an mehreren Orten und in verschiedenen Ländern.

Kontakt Förderkreis München: foerderkreiskig@gmail.com
(Vorsitzender: Erich Henkel)

Fest- und Tagungshaus

Ab 1953 wurde in den bayerischen Alpen ein Fest- und Tagungshaus gebaut und weiterentwickelt. Das Haus ist eng mit der Geschichte der Integrierten Gemeinde verbunden. Es wird in diesem Zusammenhang für Begegnungen, Seminare, festliche Anlässe, Ausstellungen, Theateraufführungen u.ä. bereitgestellt.

 

Urfelder Abende

St. Anna Schulverbund

Der St. Anna Schulverbund betreibt seit 1977 im Raum München zwei private Schulen: das Günter-Stöhr-Gymnasium in Icking und die Reinhard-Wallbrecher-Grundschule in Solln.

www.st-anna.eu

Priestergemeinschaft

Kardinal Johannes Joachim Degenhardt von Paderborn errichtete 1982 die „Gemeinschaft der Priester im Dienst an Integrierten Gemeinden“. Auf diese Weise können Bischöfe Priester für die Mitarbeit in der Integrierten Gemeinde freistellen. Gemäß ihrer Satzung üben die Priester neben ihren priesterlichen Tätigkeiten einen bürgerlichen Beruf aus, der die wirtschaftliche Unabhängigkeit sichert.

 

 

 

Theologica Nr. 1 · Ein nie gekündigter Bund

 

Ein nie gekündigter Bund. Der lange Weg vom IV. Laterankonzil zum Vaticanum II  1215 – 1965 – 2015

 

  • Vom Vierten Laterankonzil zum Zweiten Vaticanum – Katholische Haltungen gegenüber dem Judentum im Lauf von 800 Jahren 
    Mordechay Levy, ehem. Botschafter Israels beim Heiligen Stuhl

 

  • Ein nie gekündigter Bund – Historische Fakten und prophetische Visionen
    Prof. Dr. Michael P. Maier, Päpstliche Universität Gregoriana, Rom

 

  • Ein nie gekündigter Bund – Dogmatische Anmerkungen zum Weg vom Vatikanum II bis heute
    Prof. Dr. Achim Buckenmaier, Päpstliche Lateran-Universität, Rom

 

52 S., kt., ISBN 978-3-946577-01-0  

Preis 10,– €, zzgl. Versandkostenanteil (D: 2,– €, Internat.: 4,– €)

Bestellung bitte über das Kontaktformular

Theologica Nr. 2 · Zum Profil des Jüdisch-Christlichen

 

Zwei Beträge zum Profil des Jüdisch-Christlichen

 

  • Nostra aetate – die unvollendete Revolution im katholischen Denken über das Judentum
    Prof. Dr. Michael P. Maier, Päpstliche Universität Gregoriana, Rom

 

  • „Und Gott war das Wort.“ Wie können wir ihn heute hören? Die Antwort Joseph Ratzingers
    Prof. Dr. Ludwig Weimer, Päpstliche Lateran-Universität, Rom

 

56 S., kt., ISBN 978-3-946577-02-7  

Preis 10,– €, zzgl. Versandkostenanteil (D: 2,– €, Internat.: 4,– €)

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Theologica Nr. 3 · 'Teologa' del popolo di Dio – Gertraud Wallbrecher

 

'Teologa' del popolo di Dio. Gertraud Wallbrecher (1923–2016)

 

  • Mit Beiträgen von Ludwig Weimer, Bernhard Koch, Gerhard Lohfink, Peter Zitta, Angelika Matzka, Birgit Jaklitsch, Bruno Alber u.a.

 

  • Aus Reflexionen, Briefen, Ansprachen und öffentlichen Reden von Traudl Wallbrecher

 

48 S., kt., ISBN 978-3-946577-03-4 

Preis 10,– €, zzgl. Versandkostenanteil (D: 2,– €, Internat.: 4,– €)

 

Theologica Nr. 3 ist auch in Englisch, in Italienisch und in Suaheli erhältlich.

Theologica Nr. 4 · Was heißt Reform des Gottesvolkes?

 

Was heißt Reform des Gottesvolkes?

Vortragsabend aus Anlass des Reformationsgedenkens 1517 – 2017 am 14. November 2016 an der Päpstlichen Lateran-Universität Rom

 

„Reform geschieht nie durch Zusammenkleben zerbrochener Stücke; sondern: ‚Aus Isais Stumpf sprosst ein Reis, und ein Schössling dringt aus seinem Wurzelstock‘.“ Hans Urs von Balthasar

 

  • Was bedeutet Reform in der Kirche?
    Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre

     

  • Die jüdische Erlösungsgeschichte als eine Geschichte ständiger Reform
    Prof. George Y. Kohler, Bar Ilan Universität, Israel

 

  • Was kann die Theologie des Volkes Gottes zur Reform beitragen?
    Prof. Achim Buckenmaier, Päpstliche Lateran-Universität, Rom

 

54 S., kt., ISBN 978-3-946577-04-1  

Preis 10,– €, zzgl. Versandkostenanteil (D: 2,– €, Internat.: 4,– €)

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