Vorbereitung

28. Mai 2017, 7. Sonntag der Osterzeit A

Es geschieht nur selten, dass die liturgischen Texte uns noch überraschen. Doch die Lesungen dieses Sonntags zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind voll von ungewöhnlichen Begriffen, die nicht aus unserem Wortschatz stammen:

„selig preisen“, „verherrlichen“ ... und in der Apostelgeschichte noch ein Fremdwort: „einmütig verharren“. Wo gibt es das, dass einige tagelang beieinander bleiben, um sich darüber klar zu werden, was ihnen widerfahren ist? Und wo sind die 12, 70 oder gar 120, die eines Sinnes sind, von einer einzigen Leidenschaft, nämlich der Leidenschaft Jesu beseelt? Würde eine Gemeinde sich heute ebenso wie damals in Jerusalem versammeln, der Geist würde sicher nicht zögern, auf sie herabzukommen. mim

Apg 1,12-14

Als Jesus in den Himmel aufgenommen war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.

Rede und Antwort

21. Mai 2017, 6. Sonntag der Osterzeit A

Auf Fragen nach ihrem Glauben und Leben sollen die Christen klar und deutlich Rede und Antwort stehen. Der Verfasser benutzt im Griechischen das Wort Verteidigung, „Apologie“.

Damit ruft er die berühmteste Verteidigungsrede der Antike in Erinnerung, die seine Leser kannten: Die Apologie des Sokrates. Der hatte sich gegen Verleumdungen zu verteidigen, die letztlich dennoch zu seinem Todesurteil  führten: Gottlosigkeit und Verführung der Jugend.

In einer ähnlichen Situation sieht der Petrusbrief die Christen. Es geht nicht um das Wiedergewinnen der bürgerlichen Ehre, sondern um die Wahrheit. Für die Christen heißt das, sich von den Verleumdungen nicht verunsichern zu lassen und die eigene bescheidene Wirklichkeit nicht verschämt verstecken zu müssen. Ihre Gemeinschaft ist Gemeinschaft „in Christus“. Ihre Apologie ist ihr Miteinander. Es ist ihre eigentliche Art, Rede und Antwort zu stehen. acb

1 Petr 3,15-18

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in der Gemeinschaft in Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen. Es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse. Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.

Aus Steinen

14. Mai 2017, 5. Sonntag in der Osterzeit A

Petrus bedeutet „Stein“. Deswegen klingt aus dem Mund des „Felsen“-Apostels Petrus besonders markant, was Christsein bedeutet:

- sich als Stein zum Leben erwecken zu lassen,
- das Herz aus Stein durch eins aus Fleisch ersetzen zu lassen,
- sich mit anderen Steinen zusammenfügen zu lassen zu einem strukturierten Bau,
- dies auf dem schon gelegten lebendigen Eckstein auf dem Zion – Jesus Christus,
- dadurch mit ihm, dem Stein des Anstoßes, anstößig werden,
- dadurch auch Teil haben an seinem Verworfen-Sein
und so eins werden mit dem „besonderen Eigentum“ Gottes, dem Gottesvolk. tac

1 Petr 2,4-9

Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

Was tun?

7. Mai 2017, 4. Sonntag der Osterzeit A

Am Ende wurde er als falscher Messias denunziert und getötet. Wenige sehen, was unsichtbar ist: dass der unschuldig Verurteilte ins Recht gesetzt wurde, an Gottes rechte Seite erhoben.

Sichtbar ist, dass die zuvor feige Geflohenen nun mutig als Gemeinschaft an die Öffentlichkeit gehen. Und hörbar ist, dass sie ihre Brüder, „das ganze Haus Israel“, anreden. Ezechiel sah es als Totengebein daliegen, doch dann vom Geist Gottes lebendig werden. Das ist jetzt neu im Gang, sagen sie, durch „diesen Jesus“. Und die Hörer? Sie schenken denen, die das Neue schon erfahren haben, Vertrauen. Also fragen sie, wohin ihre Füße laufen sollen, wo die Hände zulangen sollen: „Was sollen wir tun, Brüder?“ hak

Apg 2,14a.36-41

Am Pfingsttag trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete ihnen: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird. Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Das Leben der kommenden Welt

30. April 2017, 3. Ostersonntag A

Jeden Sonntag bekennen die zum Gottesdienst Versammelten ihren Glauben an „das ewige Leben“. Insgeheim wünscht sich wahrscheinlich keiner, dass es allzu schnell kommen möge, geht ihm nach üblicher Auffassung doch der Tod voraus.

Im Großen Glaubensbekenntnis heißt es „das Leben der kommenden Welt“. Der Verfasser des Petrusbriefs sieht den Beginn dieses neuen Lebens in der Gottesfurcht, die das Leben der Gemeinden von dem ihrer Umwelt unterscheiden soll. „Ewigkeit“ bedeutet damit: der kommenden Welt Gottes zu begegnen und sie zu erhoffen. mim

1 Petr 1,17-21

Wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht. Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen, und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, so dass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt.

Osterbeweis?

23. April 2017, 2. Ostersonntag A

Es ist ziemlich überraschend, wie Johannes in der kleinen Ostergeschichte den Gruß betont, mit dem der auferstandene Jesus in die Versammlung der Jünger kommt. Gleich dreimal wiederholt Jesus dieses Wort: „Der Friede sei mit euch!“

Viel wichtiger als dass Thomas seinen Finger in die Wunde Jesu legt, ist dem vierten Evangelisten also, dass Jesus den Finger in die Wunde der Jünger legt: Es ist immer der Unfriede unter ihnen, der den anderen den Zugang zum Glauben und zu einem neuen Leben verbaut. Noch heute ist der Gruß Jesu das Wort, mit dem der Bischof die Messe beginnt: „Der Friede sei mit euch“. In der Liturgie ist das Wissen gespeichert, dass das Osterwunder darin besteht, dass die von Natur aus nicht zueinander Passenden, die sich nicht einmal gesucht haben, beieinander bleiben. Nur wenn sie sich in Frieden bringen lassen, gibt es einen auferstandenen Leib auch heute. acb

Joh 20,19-31

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus – Zwilling –, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Ein Duell

16. April 2017, Ostersonntag A

In der Ostersequenz hören wir singen: „Tod und Leben, die kämpften.“ Um den Sieger dieses Kampfes wissen wir wie im Schlaf. Ob wir aber auch wissen, welcher Tod hier besiegt wurde? Und ob die Welt etwas sieht von den Früchten dieses Duells, das der jüdische Messias siegreich bestanden hat? Eher nicht. Sie sah stattdessen Menschen an Gas ersticken, das in Syrien vom Himmel geworfen wurde.

Es geht aber nicht nur um den biologischen Tod. Er ist sogar natürlich, wenn der Energiehaushalt unserer Körpers sich erschöpft hat. Das ist Teil des Lebens – aber schrecklich? Schrecklich und zum Verzweifeln ist der andere TOD, den Menschen sich gegenseitig zufügen. In allen möglichen Formen von Verantwortungslosigkeit. Die Schrift sagt im Hinblick auf jenes ausgefochtene Duell: „Wir wissen, dass wir aus dem TOD in das LEBEN hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben.“ (1 Joh 3,14) Dass die Bruderliebe die Welt verändern kann, der Sieg des LEBENS, ist für den Verfasser der Ostersequenz das Erstaunlichste. bek

Ostersequenz

Singt das Lob dem Osterlamme,
bringt es ihm dar, ihr Christen.
Das Lamm erlöst‘ die Schafe:
Christus, der ohne Schuld war,
versöhnte die Sünder mit dem Vater.
Tod und Leben, die kämpften
unbegreiflichen Zweikampf;
des Lebens Fürst, der starb, herrscht nun lebend.

Maria Magdalena,
sag uns, was du gesehen.
Sah Engel in dem Grab,
die Binden und das Linnen.
Das Grab des Herrn sah ich offen
und Christus von Gottes Glanz umflossen.
Er lebt, der Herr, meine Hoffnung,
er geht euch voran nach Galiläa.

Lasst uns glauben, was Maria den Jüngern verkündet.
Sie sahen den Herren, den Auferstandenen.
Ja, der Herr ist auferstanden, ist wahrhaft erstanden.
Du Sieger, König, Herr, hab Erbarmen! Amen. Halleluja.

Der vor etwa tausend Jahren entstandene lateinische Hymnus, eine Mischung aus Lyrik und dramatischer Entfaltung, preist in klassischer Prägnanz das Ostergeheimnis. Der Hymnus hat noch eine ursprüngliche Form: kein einheitliches Versmaß, nur silbenzählend und ohne durchgängiges Reimgefüge.

Der Skandal

9. April 2017, Palmsonntag Lesejahr A

Was ist der Knackpunkt des Neuen Testamentes? Ich meine: der Knackpunkt.

Wohl die „Christologie“, die Aussagen und Lehre darüber, wer der jüdische junge Mann war. Denn daran scheiden sich die Geister. Denn das sprengt jeden Rahmen des Zumutbaren. Es ist peinlich bis unanständig: zu sagen, ein Mensch sei Gott. Was sagt das Neue Testament über Jesus genauerhin? „Sohn Gottes“, „Herr“. Letzteres ist der Titel für Gott im Alten Testament. Gewagt, oder? Was sagt das Neue Testament noch über Jesus? Rasant absteigende Linie: von der Gottgleichheit zum Menschenkörper aus Fleisch und Blut; vom Menschen zum Spott-Sklaven; vom Spott-Sklaven zum Verbrecher am Kreuzesgalgen. Wenn das keine Karriere ist! Damit nicht genug. Zu all dem noch die Behauptung: Der Abstieg war ein Aufstieg. Paradox – wider den Augenschein. Gipfelnd im Namen, der „größer ist als alle Namen“: „Jesus Christus ist der Herr“ – auch über mein Leben. bek

Phil 2,6-11

Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.

„Gibt es ein Leben vor dem Tod?“

2. April 2017, 5. Fastensonntag A

An der unsterblichen Seele und einem Weiterleben im Jenseits ist die Bibel nicht interessiert. Totenerweckungen bleiben singuläre Phänomene. Viel mehr beschäftigt sie die Frage, ob das Volk Gottes lebt oder bereits gestorben ist, ob es gesammelt und vom Geist erfüllt oder zerstreut und ‚ausgetrocknet‘ ist. Wer würde es heute wagen, die Kirche oder eine Gemeinde mit einem Haufen Totengebeine zu vergleichen?

Ezechiel hatte diesen Mut, er hatte aber auch den Glauben, dass Gott sein totes Volk auferwecken kann. Denselben ursprünglichen Auferstehungsglauben bewies Rabbi Schalom von Belz, als er nach dem Tod seiner Frau betete: „Herr der Welt! Wenn in mir die Kraft wäre, sie aufzuwecken, hätte ich es nicht schon getan? Ich kann‘s eben nicht. Aber du, Herr der Welt, in dir ist doch die Kraft, du kannst doch – warum erweckst du Israel nicht?“ mim

Ez 37,12b-14

So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus – Spruch des Herrn.

Postfaktisch

26. März 2017, 4. Fastensonntag A

„Postfaktisch“ schaffte es 2016 zum Wort des Jahres. Die Sache ist älter, wie der Evangelist Johannes zeigt. Postfaktisch argumentieren schon die Gegner Jesu.

Sie widerlegen nicht die Tatsachen, sondern gehen einfach über sie hinweg, finden fromme Gründe, warum eigentlich nicht sein kann, was sie sehen: Ein Blinder sieht wieder. Der Geheilte bleibt bei den Fakten: „Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.“ Der Mann muss es wiederholen: „... dabei hat er doch meine Augen geöffnet.“ Der Glaube in der Bibel ist an Fakten interessiert, nicht an dem, was wir gerne hätten, uns ausdenken und erträumen. Die Fakten sprechen immer für sich, nicht selten aber gegen uns: „Sind etwa auch wir blind?“ Das wäre schon mal eine Frage zum Anfang. Ein Anfang von den Tatsachen her. Post-faktisch im eigentlichen Sinn. acb

Joh 9,1-41

Jesus sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann? Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen. Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst. Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann. Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden? Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden. Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

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