Welt

23. Juli 2017, 16. Sonntag im Jahreskreis A

Dass Gott nicht die Religion, sondern die Welt erschaffen hat, ist ein gern zitiertes Wort des Religionsphilosophen Franz Rosenzweig. Es gibt ziemlich genau wieder, was Matthäus in seinem Evangelium in das Jesus-Wort fasste: „Der Acker ist die Welt.“

Was das „Himmelreich“ ist, geschieht hier, nicht über den Sternen. Es geschieht jetzt, nicht am Sankt-Nimmerleinstag. Es geschieht im Verhalten dem nächsten Glaubensgenossen gegenüber, nicht in Gefühlen für Millionen von Unbekannten. Deswegen regelt die Tora Besitzverhältnisse ebenso wie sexuelle Beziehungen, das Verhalten im Zeugenstand, Tierschutz und Finanzgebaren. Auch Jesus belehrt seine Jünger über den Umgang mit Schuld, Ehrgeiz und dem Herrschenwollen. Vorausgesetzt ist die Gottesherrschaft, von der er in Bildern redet: Die Saat auf dem Acker, das winzige Senfkorn, die minimale Hefe. Die neue Welt Gottes beginnt meist müheselig, klein und unscheinbar. Aber sie wächst. Mitten in dieser Welt, als Welt. acb

Mt 13,24-43

Jesus erzählte der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich zu den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune. Er erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hoch gewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war. Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge durch Gleichnisse; er redete nur in Gleichnissen zu ihnen. Damit sollte sich erfüllen, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund und rede in Gleichnissen, ich verkünde, was seit der Schöpfung verborgen war. Dann verließ er die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt wird und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Worte, die wirken

16. Juli 2017, 15. Sonntag im Jahreskreis A

Wenn Mann und Frau vor dem Standesbeamten oder am Altar ihr „Ja“ sagen, dann bewirkt ihr Wort etwas: Die Ehe ist damit geschlossen. Sie handeln durch ihr Wort. Ähnliches geschieht, mit Worten, die beispielsweise überzeugen, trösten, umstimmen wollen. Sie haben Einfluss auf das Gegenüber. Wenn die Hörer eine solche Anrede verstehen und aufnehmen, hat das Folgen für die Handlungs- und Beziehungsebene der Beteiligten.

Darauf weist der Prophet hin. Alles, was im Lauf der Geschichte als Wort und Wille Gottes vernehmbar wurde, ist verstehbar als sein Handeln für das Leben und Überleben des Volkes. Darin zeigt sich seine verlässliche Treue, die permanent neue Antwortmöglichkeiten schafft. Um im Bild des Propheten zu bleiben: Die Wirkmacht des Wortes zeigt sich, indem die Angesprochenen Frucht bringen. hak

Jes 55,10-11

Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.

Aufbruch

9. Juli 2017, 14. Sonntag im Jahreskreis A

Angesichts von wiederholt grassierenden Fake-News wächst die Sehnsucht nach verlässlichen und wahren Worten. Dabei geht es nicht nur um einzelne Erkenntnisse, sondern darum, ob solches Suchen überhaupt sein Ziel erreichen kann. Denn nach der Wahrheit kann man nicht ‚googeln‘.

Der Durchbruch geschah in Israel, nicht durch Suchen, sondern faktisch. In der Begegnung mit einem konkreten Menschen fanden erstaunlich viele, dass sein Leben mit der Geschichte Israels kompatibel war und mitten in den Erfahrungen der heidnischen Welt und der griechischen Philosophie konkurrenzfähig. Faktum ist, dass es eher den Kleinen gegeben ist, zu verstehen, wohl dadurch, dass sie sich auf den Weg machen, sein Joch zu übernehmen und von ihm zu lernen. hak

Mt 11,25-30

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen und es den Kleinen, den Unmündigen, offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Liebe – einmal anders

2. Juli 2017, 13. Sonntag im Jahreskreis A

Es war eine gewaltige Sache, dass Israel gelernt hat, den Glaubensbruder so zu lieben, „wie sich selbst“. An dieser Stelle im Matthäus-Evangelium präzisiert Jesus.

Er sagt nicht: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als seinen Glaubensbruder, ist meiner nicht wert.“ Das Maß ist nicht der Glaubensgenosse, auch nicht die Gemeinschaft als Ganzes, sondern die Anerkenntnis der Messianität Jesu. Vor seinem Tod sagt Jesus es so: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Das ist das Maß. Und es bezieht auch die ein, die sich selbst dem Weg Jesu nicht angeschlossen haben, ganz konkret: „Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist …“ Das gibt der Frage nach der „Nächstenliebe“ eine ganz neue Facette. tac

Mt 10,37-42

Jesus sagte zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mit nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Übersetzungsfehler

25. Juni 2017, 12. Sonntag im Jahreskreis A

Für einen normalen Christen enthält Jeremias Klagelied einen schrillen Misston: „Ich werde deine Rache an ihnen erleben.“ Mit diesem einen Wort wird eines der folgenschwersten und hartnäckigsten Vorurteile wachgerufen:

der alttestamentliche Gott der Rache, der von dem neutestamentlichen Gott der Liebe abgelöst wurde. Zum Glück hat die neue Einheitsübersetzung diesen Fehler korrigiert: nicht Rache, sondern Vergeltung, d. h. Wiederherstellung der Gerechtigkeit. Der Prophet will keine persönliche Genugtuung, er will, dass die Verfolger nicht obsiegen, dass die üble Nachrede aufgedeckt, das Unrecht wiedergutgemacht, die Gewalt beendet wird. Wenn Jeremia mit ganz Israel zu dem „Gott der Vergeltung“ ruft, dann deshalb, weil das Böse nicht nur erlitten, sondern bekämpft und überwunden werden muss. mim

Jer 20,10-13 (neue Einheitsübersetzung)

Jeremia sprach: Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können. Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. Aber der Herr der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut. Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben der Armen aus der Hand der Übeltäter.

Diskriminierung

18. Juni 2017, 11. Sonntag im Jahreskreis A

Ob in der Schule, im Büro, vor dem Standesamt oder in der Dusche am Schwimmbad – Diskriminierung ist gegen das Gesetz: Wir behandeln alle gleich. Eigenartig, dass die Bibel einen so ganz anderen Weg erzählt:

„Ihr seid mein besonderes Eigentum.“ Gott macht einen Unterschied. Er wählt aus. Er braucht nur wenige, sein winziges Volk: Israel. Wie auf Adlerflügeln trägt er sie zu ihrer Erwählung. Oft wollen sie gar nicht, denn die Wahl ist ihnen eine Last. Als ein Volk zu Diensten zu sein – „ein Reich von Priestern“, „heiliges Volk“ – nur um zu zeigen: So könnte eine Gesellschaft aussehen. So kann man leben. Erst dadurch gibt es die Freiheit zu wählen, für alle. acb

Ex 19,2-6a

In jenen Tagen kamen die Israeliten in die Wüste Sinai. Sie schlugen in der Wüste das Lager auf. Dort lagerte Israel gegenüber dem Berg. Mose stieg zu Gott hinauf. Da rief ihm der Herr vom Berg her zu: Das sollst du dem Haus Jakob sagen und den Israeliten verkünden: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe. Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.

Konsequenz aus Pfingsten

11. Juni 2017, Dreifaltigkeitssonntag A

Die kirchliche Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes scheint herauszustellen, wie unbegreiflich und fern er ist. Paulus sieht das anders.

Er ist seiner Nähe sicher und schreibt deshalb der Gemeinde in Korinth, die ihre Einheit verloren hat. Da ihnen der Auftrag aus dem Blick gerät, sie uneinig sind, und Ungeordnetes ihre Freude verdunkelt, stellt der Apostel ihnen die Dreifaltigkeit vor Augen: Der eine, in der Geschichte entdeckte Gott Israels hat durch Jesus aufgedeckt: Von Gott her ist alles da und durch seinen Geist können sie das auch verstehen, können sie einig sein. Diese Dreifaltigkeit ist die nötige Hilfe, die Einheit wieder zu finden. hak

2 Kor 13,11-13

Freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes, und lebt in Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss! Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Mehr als die UNO

4. Juni 2017, Pfingstsonntag A

Ein Endzeitszenario löst das andere ab, die einen geben unserem Planeten noch 1000 Jahre, andere nur 100.

Unsere Vorfahren, etwa vor 2500 Jahren, wurden ebenso von Schreckensbildern gejagt: dass die Sonne morgens plötzlich nicht mehr aufgehen würde, dass die oberen Himmelsgewölbe einstürzen und die Erde in Meer verwandeln würde … Aber einerseits sagte ihnen ihr Verstand, dass sie die Welt und das Leben ohnehin nicht in der Hand hätten, und auf der anderen Seite machten in Israel einige die eindrückliche Erfahrung eines Beistands eigener Art – beides ließ sie schließlich formulieren: „Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis. In ihm hat alles Bestand.“ (Weish 1,7)
Diese Erkenntnis machte Fortschritte und wurde konkreter: Am meisten sei das Leben auf diesem Planeten bedroht durch die menschengemachten Katastrophen wie die inneren und äußeren Kriegsschauplätze, die von bösen Gedanken in den Herzen von Menschen ihren Ausgang nähmen. Dennoch Einheit, Frieden unter den so Verschiedenen? Vor etwa 2000 Jahren dann kam der „Geist des Herrn“ in Gestalt von Feuerzungen auf die Mitglieder einer Versammlung in Jerusalem. Und der Funke sprang über, so dass das Ersehnte entstand, unter Menschen „aus der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens, auch Römer, Juden und Proselyten, Kreter und Araber“: gegenseitiges Verstehen – im Hören auf diesen Geist.
Die institutionalisierte Völkerverständigung heute, die UNO, ist nur ein dürftiges Derivat, ja eine antiisraelische Gegenveranstaltung zu dem, was damals geschah. Die Kirche kennt noch den Originalgedanken und formuliert deshalb im Tagesgebet: „Was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute.“ bek

Weish 1,7 (Eröffnungsvers) / Apg 2,1-11

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis. In ihm hat alles Bestand. Nichts bleibt verborgen vor ihm.

 

Apg 2,1-11
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Vorbereitung

28. Mai 2017, 7. Sonntag der Osterzeit A

Es geschieht nur selten, dass die liturgischen Texte uns noch überraschen. Doch die Lesungen dieses Sonntags zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind voll von ungewöhnlichen Begriffen, die nicht aus unserem Wortschatz stammen:

„selig preisen“, „verherrlichen“ ... und in der Apostelgeschichte noch ein Fremdwort: „einmütig verharren“. Wo gibt es das, dass einige tagelang beieinander bleiben, um sich darüber klar zu werden, was ihnen widerfahren ist? Und wo sind die 12, 70 oder gar 120, die eines Sinnes sind, von einer einzigen Leidenschaft, nämlich der Leidenschaft Jesu beseelt? Würde eine Gemeinde sich heute ebenso wie damals in Jerusalem versammeln, der Geist würde sicher nicht zögern, auf sie herabzukommen. mim

Apg 1,12-14

Als Jesus in den Himmel aufgenommen war, kehrten die Apostel vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.

Rede und Antwort

21. Mai 2017, 6. Sonntag der Osterzeit A

Auf Fragen nach ihrem Glauben und Leben sollen die Christen klar und deutlich Rede und Antwort stehen. Der Verfasser benutzt im Griechischen das Wort Verteidigung, „Apologie“.

Damit ruft er die berühmteste Verteidigungsrede der Antike in Erinnerung, die seine Leser kannten: Die Apologie des Sokrates. Der hatte sich gegen Verleumdungen zu verteidigen, die letztlich dennoch zu seinem Todesurteil  führten: Gottlosigkeit und Verführung der Jugend.

In einer ähnlichen Situation sieht der Petrusbrief die Christen. Es geht nicht um das Wiedergewinnen der bürgerlichen Ehre, sondern um die Wahrheit. Für die Christen heißt das, sich von den Verleumdungen nicht verunsichern zu lassen und die eigene bescheidene Wirklichkeit nicht verschämt verstecken zu müssen. Ihre Gemeinschaft ist Gemeinschaft „in Christus“. Ihre Apologie ist ihr Miteinander. Es ist ihre eigentliche Art, Rede und Antwort zu stehen. acb

1 Petr 3,15-18

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in der Gemeinschaft in Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen. Es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse. Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.

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