„Gibt es ein Leben vor dem Tod?“

2. April 2017, 5. Fastensonntag A

An der unsterblichen Seele und einem Weiterleben im Jenseits ist die Bibel nicht interessiert. Totenerweckungen bleiben singuläre Phänomene. Viel mehr beschäftigt sie die Frage, ob das Volk Gottes lebt oder bereits gestorben ist, ob es gesammelt und vom Geist erfüllt oder zerstreut und ‚ausgetrocknet‘ ist. Wer würde es heute wagen, die Kirche oder eine Gemeinde mit einem Haufen Totengebeine zu vergleichen?

Ezechiel hatte diesen Mut, er hatte aber auch den Glauben, dass Gott sein totes Volk auferwecken kann. Denselben ursprünglichen Auferstehungsglauben bewies Rabbi Schalom von Belz, als er nach dem Tod seiner Frau betete: „Herr der Welt! Wenn in mir die Kraft wäre, sie aufzuwecken, hätte ich es nicht schon getan? Ich kann‘s eben nicht. Aber du, Herr der Welt, in dir ist doch die Kraft, du kannst doch – warum erweckst du Israel nicht?“ mim

Ez 37,12b-14

So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus – Spruch des Herrn.

Postfaktisch

26. März 2017, 4. Fastensonntag A

„Postfaktisch“ schaffte es 2016 zum Wort des Jahres. Die Sache ist älter, wie der Evangelist Johannes zeigt. Postfaktisch argumentieren schon die Gegner Jesu.

Sie widerlegen nicht die Tatsachen, sondern gehen einfach über sie hinweg, finden fromme Gründe, warum eigentlich nicht sein kann, was sie sehen: Ein Blinder sieht wieder. Der Geheilte bleibt bei den Fakten: „Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.“ Der Mann muss es wiederholen: „... dabei hat er doch meine Augen geöffnet.“ Der Glaube in der Bibel ist an Fakten interessiert, nicht an dem, was wir gerne hätten, uns ausdenken und erträumen. Die Fakten sprechen immer für sich, nicht selten aber gegen uns: „Sind etwa auch wir blind?“ Das wäre schon mal eine Frage zum Anfang. Ein Anfang von den Tatsachen her. Post-faktisch im eigentlichen Sinn. acb

Joh 9,1-41

Jesus sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann? Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen. Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst. Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann. Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden? Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden. Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

Freiheit

19. März 2017, 3. Fastensonntag A

Der Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit ist groß. Warum also hat Israel nicht gejubelt?

Bei Widrigkeiten beginnt sofort die Suche nach einem Schuldigen. Und der muss sich dann einiges anhören an Vorwürfen und Verdrehungen: Der wütende Mob will Mose steinigen. Die Erfahrung dieses Konflikts zeigt, wie Freiheit gegen Widerstand neu errungen werden muss. Dafür ist eine Lektion in Geschichte nötig. Es braucht einen, der sie erzählt, und wenigstens einige, die sich daran erinnern: Mose, die Ältesten. Der Stab aktualisiert die Erfahrung des Exodus und der Felsen die Errungenschaft der Gesetze, die Gebote der Freiheit. hak

Ex 17,3-7

Das Volk dürstete nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen? Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich. Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels. Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

Klarheit

12. März 2017, 2. Fastensonntag A

War das Ereignis auf  dem Berg eine Performance, Jesus – eine Art Aktionskünstler? Im griechischen Urtext ist von Metamorphose die Rede: Umgestaltung der Form. Luther übersetzt „er ward verklärt“, das aktuelle Lektionar für die Liturgie „er wurde verwandelt“. Welche Übersetzung trifft am besten?

Wer weiß, dass er vor Gott steht, als sein Geschöpf und als Mitverantwortlicher für die Schöpfung – und das sind Juden und Christen – dessen Lebensform verändert sich. Sein Leben ist neu ausgerichtet, verwandelt. Für Jesus, den Sohn, trifft dies in ganz einzigartiger Weise zu. Er leuchtet, wie zuvor schon das Antlitz Mose geleuchtet hatte, nachdem er auf dem Berg Gott gegenübergestanden war.
Und der Begriff „Verklärung“? Jesus bildet für die Menschen eins zu eins Gott selbst ab. Das ist die „Klärung“, eine Klarheit, die für uns kaum zu ertragen ist, da sie alles Dunkle, alles nicht auf Gottes Willen Ausgerichtete, aus der Übermalung herausholt. bek

Mt 17,1–9

Jesus nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Nackt

5. März 2017, 1. Fastensonntag A

Die Schlange scheint die bessere Menschenkennerin zu sein. Erfolg hat nicht die Erlaubnis: „Von allen Bäumen dürft ihr essen, außer dem einen“, sondern das Versprechen der Schlange: „Ihr werdet erkennen, ihr werdet sein wie Gott“.

Und indem sie das zuvor Gesagte ins Gegenteil verkehrt und fragt: „Dürft ihr wirklich von keinem Baum essen?“ –, provoziert sie Evas übertreibende Reaktion zum Baum in der Mitte: „Nicht einmal anrühren!“ Am Ende stehen Adam und Eva nackt da, nicht weil ihnen die Kleider fehlen, sondern, wie der Midrasch erklärt, weil ihnen das schützende Gebot abhanden gekommen ist. mim

Gen 2,7-9; 3,1-7

Gott, der Herr, formte den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von gut und böse.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.

Ökonomen Gottes

26. Februar 2017, 8. Sonntag im Jahreskreis A

Wenn Paulus von sich und den Gemeindemitgliedern in Korinth als „Verwalter von Geheimnissen Gottes“ spricht, bezieht er sich auf das nichtreligiöse Denken Jesu.

Jesus stellt immer wieder einen Oikonomos, einen Verwalter, ins Zentrum seiner Gleichnisse. Es geht um die Treue im Umgang mit dem anvertrauten Gut. Um ihren Auftrag zu erfüllen, müssen die Jünger klug sein, vernünftig handeln und das Risiko nicht scheuen. Denn Nachfolge ist weniger Wallfahrt oder Gedankengebäude, als vielmehr treues und wagemutiges Tun. acb

1 Kor 4,1-5

Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht, ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten.

Wir sind Papst?

19. Februar 2017, 7. Sonntag im Jahreskreis A

Das Buch Levitikus zeigt: Die Nächstenliebe ist nicht erst ein neutestamentlicher Gedanke, sondern tief verwurzelt in den Geboten Israels. Was bedeutet aber dieses „lieben wie dich selbst“?

Das Maß damals, das „Selbst“, war die Solidarität der Sippe. Einen Rest solcher Sippensolidarität erkennen wir, wenn „Wir“ auf einmal „Papst“ sind. Und diese Solidarität, die der eigenen Sippe zugewendet wird, soll schon ein halbes Jahrtausend vor der Zeitenwende in Israel allen gelten, sogar demjenigen, der der eigenen Verwandtschaft als Feind gilt. Die Feindesliebe bei Levitikus setzt den ins Unrecht, der sich rächt und nachträgt. hak

Lev 19,1-2.17-18

Der Herr sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten, und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.

Weltenwende

12. Februar 2017, 6. Sonntag im Jahreskreis A

Die technischen Fertigkeiten des Menschen haben sich über Jahrtausende entwickelt. Ebenso seine Sprache. Ebenso seine Religion. Worin sie anfangs bestand?

Durch allerhand Opfer und Riten die Götter gnädig zu stimmen, bei Laune zu halten. Geschah ein Unglück, schlug eine Seuche zu, hieß es unisono: „Die Götter hungern!“

Und einem weltweiten Paukenschlag gleich geschah plötzlich eine Kehrtwende, in Israel: Lass deine Opferei, meide den Altar – geh zuerst und suche deinen Glaubens-Bruder, mit dem du in Fehde liegst, und mache mit ihm Frieden. „Dann komm und opfere deine Gabe.“ Weltenwende?

Ja, wenn du und ich – statt blindlings den Himmel zu bestürmen – einander wahrhaft Brüder/Schwestern werden. Denn dann ereignet sich eine Revolution, still und leise, die in keiner Chronik verzeichnet und doch stärker ist als alle Waffenarsenale der Welt.
Denn sie kommt aus dem Himmel. bek

Mt 5,23-24

Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gebe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.

Himmelslicht

5. Februar 2017, 5. Sonntag im Jahreskreis A

„Salz der Erde“, „Licht der Welt“, „Stadt auf dem Berg“ – mit diesen und ähnlichen Bildern definiert Jesus die Identität der Jünger. Nicht das „Du sollst“ des ethischen Imperativs empfiehlt er seinen Zuhörern.

Er setzt Fakten: „Ihr seid“. Es geht ihm nicht um das „Du“, den sozial engagierten Einzelnen. Er sagt „Ihr“. Dieses „Ihr“ realisiert sich heute als Gemeinde. Wonach sie sich ausrichtet, entscheidet über ihre Wirkung. Würze und Ausstrahlung sind zwar verheißen, aber nicht selbstverständlich. mim

Mt 5,13-16

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Demut? Armut?

29. Januar 2017, 4. Sonntag im Jahreskreis A

Die Demütigen und Armen bei Zefanja sind keine lasche Gruppe von ängstlichen Minderbemittelten und Unentschlossenen, die mangels Besserem nach Gott Ausschau halten. Es sind vielmehr jene hartgesottenen Realisten, die auf der Suche nach Gerechtigkeit nur Gottes Maß anerkennen.

Demütiger Realismus lässt sich durch das ständige Hinter-dem-Maß-Zurückbleiben nicht entmutigen. Und arm im Sinne des Propheten ist, wer sich hartnäckig mit nichts weniger begnügt als mit dem von Gott vorgesehenen Reichtum des Glaubens. Die Tugend der Bescheidenheit ist hierfür kein Synonym, sondern geradezu der Gegensatz. tac

Zef 2,3; 3,12-13

Sucht den Herrn, ihr Gedemütigten im Land, die ihr nach dem Recht des Herrn lebt. Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut! Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zornes des Herrn. Ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk, das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn. Der Rest von Israel wird kein Unrecht mehr tun und wird nicht mehr lügen, in ihrem Mund findet man kein unwahres Wort mehr. Ja, sie gehen friedlich auf die Weide, und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.

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