Unnötig und entbehrlich

Eine Gemeinde gehört sich nicht. Nicht einmal das Vergnügen kann sie sich leisten, Elite zu sein; denn sie hat nichts von sich und schon gar nichts für sich – höchstens Leute gegen sich.

Sie weiß, dass sie weder ihr Dasein noch ihren Bestand eigenem Bemühen verdankt und sieht sich in ständiger Gefahr aufzugeben.
Losgelöst aus dem Gewohnten, hängend zwischen allen Fronten und genötigt zum Gang über das Wasser, kann sie sich nur an dem festhalten, der sie trägt. Eine Gemeinde ist ein Werkzeug in der Hand Gottes, seine Funktion in der Sichtbarkeit der Welt, weil er so verschieden von ihr ist, dass es keine andere Vermittlung geben kann.

Eine Gemeinde soll das Zeichen dafür sein, dass ein Gott ist, der den Namen als einziger verdient, weil er es sich leisten kann, verschwenderisch zu sein – etwas in der Welt zu wirken, auf das niemand gewartet hat, das niemand erhoffte und braucht: das Zeichen, dass er unnötig ist, entbehrlich wie ein Parfüm in der Mülltonne.

Solch Verschwenderisches an seiner Stelle zu tun, kann niemandem zugemutet werden – wer sollte sich dafür hergeben? Deshalb wirbt Gott, frei wie er ist, wen er will und wer will. Und verspricht ihnen nichts als seinen Auftrag: etwas zu tun, was bestenfalls unklug ist, wenn nicht verrückt.
Ist die Gemeinde nicht wie das verführte Mädchen, das dem Liebhaber an den einsamen Ort gefolgt ist, gelockt vom Versprechen unermesslichen Glücks? Mit ihrer Schöpfung setzte Gott seine Ehre aufs Spiel und trat in Konkurrenz mit den anderen Göttern, die ihre Knechte mit Zucker und Jenseits und Paradiesen voll Harems locken.

Der Gott des Jesus von Nazareth verspricht nichts als seine Nähe und dann ist er am Ziel, wenn er Partner seiner Freiheit findet – und keine Knechte um Geld. ars

Wer seid ihr? – Eine Antwort aus dem 2. Jahrhundert

Aus dem Antwortbrief eines Christen auf die Frage des Heiden Diognet, was das Christentum sei:

„Die Christen sind weder durch Heimat noch durch Sprache und Sitten von den übrigen Menschen verschieden. Sie bewohnen nirgendwo eigene Städte, bedienen sich keiner abweichenden Sprache und führen auch kein absonderliches Leben. Sie fügen sich der Landessitte in Kleidung, Nahrung und in der sonstigen Lebensart, legen aber dabei einen wunderbaren und anerkanntermaßen überraschenden Wandel in ihrem bürgerlichen Leben an den Tag.

Sie bewohnen jeder sein Vaterland, aber nur wie Beisassen; sie beteiligen sich an allem wie Bürger und lassen sich alles gefallen wie Fremde. Sie heiraten wie alle anderen und zeugen Kinder, setzen aber die geborenen nicht aus. Sie haben gemeinsamen Tisch, aber kein gemeinsames Lager. Sie gehorchen den bestehenden Gesetzen und überbieten in ihrem Lebenswandel die Gesetze. Sie lieben alle und werden von allen verfolgt. Man kennt sie nicht und verurteilt sie doch. Sie sind arm und machen viele reich; sie leiden Mangel an allem und haben doch auch wieder an allem Überfluss.“ um 180 n.Chr.

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