Al Naqba – die Katastrophe?

Zur Vorgeschichte der „Katastrophe“, der „Naqba“, wie Araber sie nennen – der Gründung des Staates Israel – gehört die Einwanderung von mehreren hunderttausend Juden aus Europa in den Jahrzehnten davor. Wie er über diese Zeit denke, wird ein israelischer Araber gefragt.

Seine Mutter, antwortet er, heute fünfundneunzig Jahre alt, habe diese Zeit miterlebt. Sie sagt dazu: „Die Juden sind kluge Menschen. Sie brachten Technologie ins Land, landwirtschaftliche Neuerungen, belebten die Wirtschaft. Bevor sie kamen, hatten wir keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Straßen. Es gab nichts, gar nichts. Palästina war ein armes Land. Unsere Schuhe haben wir uns aus alten Autoreifen gemacht. Die Juden haben dieses Land verwandelt – heute ist es ein Garten Eden.“ mas

Zwei-Staaten-Lösung?

Gefragt, in welchem Staat er nach der Zweistaatenlösung lieber leben würde, antwortet ein palästinensischer Araber in Israel:

Selbst wenn er König von Jordanien werden könnte, wolle er in jedem Fall hier in Israel leben, wo er frei sagen kann was er denkt. Mit Nachdruck fügt er hinzu: Hundert Prozent der israelischen Araber denken so, auch wenn nicht alle den Mut haben es zu sagen. Wir wollen das testen und wiederholen die Frage leicht abgewandelt gegenüber unserem palästinensischen Taxifahrer: ob es wohl einmal zwei Staaten geben werde? Nein auf keinen Fall – das stünde schon Koran auch in der Tora und in der Bibel. Es dürfe nur ein Land geben. Und das müsste muslimisch sein. ses

Sich in der Szene auskennen

Wie es zugeht, wenn ein Paar katholisch heiraten will und, Gott oder wem sonst sei gedankt, gerade noch ein ehemaliger Messdiener bei einem solchem „Event“ in der Kirchenbank sitzt.

Die ganze Hochzeitsgesellschaft ist froh um den einen, der vormachen kann, wann man steht, sitzt, kniet oder „Amen“ sagt, berichtet die FAS, 9. Oktober 2016. Der humorvolle Vorschlag jenes einen – beste Erinnerung an vergangene Glanzzeiten der Satire, als sie uns noch lehrte, den Realitäten ins Auge zu sehen – wie er sich künftig gewinnbringend vermarkten könnte, sei wiedergegeben: „Rent a Catholic. Halleluja statt Hossa. Sie wollen es katholisch krachen lassen? Prayback statt Playback – ich bin Ihr Animateur fürs Atmosphärische, der allerbeste für religiöse Feste. Biete: profunde Kenntnisse kirchlicher Rituale, Vorbildfunktion, buchbar für Hochzeit, Kinderkommunion, Taufe, Beerdigung. Portfolio erweiterbar für evangelische Interessenten.“ Frage an seine Freunde: „Wetten, ich würde gebucht?“ Davon waren alle überzeugt. pez

Aus einem Bericht über eine Frankreichreise

Am Portal der gotischen Kathedrale in Metz steht sie noch, die gebeugte Frau mit dem zerbrochenen Stab und der Binde vor den Augen – unbemerkt, vergessen. Wer wird sie aufrichten, nachdem das Unbegreifliche geschah?

Ist es leichter, ist es schwerer als die Lebensform der alten Orden neu zu errichten? Diese Frage ist bedeutungslos. Von Bedeutung ist nur, dass die Binde von den Augen genommen wird, aber nicht etwa von der Figur der Synagoge, sondern die vom Angesicht der Kirche. Damit sie in ihrem Gegenüber die erste und einzige Liebe Gottes erkennt. bek

Deutschland kommt mit der Einführung der Schockbilder zurecht

Am Kiosk:

Eine Marlboro, bitte

Welche?

Gold

Ich hab verschiedene. Wollen Sie eine mit ausgefallenen Zähnen?

Nein, die hab ich schon

Oder mit Loch im Hals?

Nein, hab ich auch schon

Ich hab noch Raucherbeine

Ja, ok. Die hab ich noch nicht

„Ich bin gerne Import-Priester!“

Im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ meint ZdK-Präsident Thomas Sternberg, Import-Priester seien auf Dauer keine Lösung für den Priestermangel in Deutschland.

Wahrscheinlich ist er kein Fußball-Fan. Denn dort haben sich „Importe“ längst bewährt, ebenso im internationalen Management. Ich sehe auch nicht, dass sich das auf Dauer verändern wird. Warum sollte ich also als gebürtiger Italiener für das Bistum Augsburg nicht einen ebenso guten Dienst leisten können, wie das jetzt Carlo Ancelotti für den FC Bayern versucht? Also ich bin gerne „Import-Priester“ im Bistum Augsburg und bringe meine Erfahrungen aus meiner Heimat selbstverständlich auch hier in die Seelsorge in Deutschland ein. Im Bischöflichen Ordinariat bin ich für die rund 150 Priester aus der Weltkirche verantwortlich, ich helfe auch in der Pastoral mit aus. Deshalb sehe ich mich verpflichtet, den 150 Priestern aus der Weltkirche eine Stimme zu geben. Wir sind gerne hier und empfinden uns auch nicht als Ausländer! Alle reden von einer globalisierten Welt. Wir als katholische Kirche sind das vielleicht älteste globale, die Welt umfassende Unternehmen. Warum sollte da nicht auch die deutsche Kirche von uns Priestern aus der Weltkirche lernen? Wir sind jederzeit gerne für Nachhilfe zu haben, auch für den Präsidenten des Zentralkomitees der Katholiken. Mein erster Tipp an ihn wäre folgende Überlegung: Papst Franziskus hat selbst nach seiner Wahl gesagt, vom Ende der Welt zu kommen. Ob Herr Sternberg ihn deshalb wie jetzt uns mit dem Begriff „Import“ in Verbindung bringen und ihn als „Import-Papst“ bezeichnen würde? Wohl sicher nicht! alp

Grüne Welle bergauf

Ein Fahrradfahrer vor meinem Mini radelt heroisch mit nahezu 20 Stundenkilometern die kurvenreiche Straße bergauf. Respekt.

Aber es wäre trotzdem nett, wenn er mich überholen ließe. Das scheint bei seinem Fahrstil über Kilometer weit vollkommen ausgeschlossen. Zeit genug, mich in sein mindestens zwei Fahrspuren breites Selbstbewusstsein hineinzuversetzen. Hier wird offensichtlich weitaus Wichtigeres getan, als in die Pedale getreten. Hier wird mal eben die Welt gerettet. Das raumgreifende Selbstbewusstsein fast ganz ohne CO2 vor meiner kleinen Kühlerhaube hat wahrhaft imposante Ausmaße, es bewegt sich so ausladend und unermüdlich wie die Windradflügel der Energiewende. Dabei ist er so cool und energieeffizient wie Tripel-A-Kühlschrank. Er ist nur kalte Schulter für mich und alle anderen Sorgen von Globalisierung und Industrialisierung, leuchtendes Vorbild vor meiner Kühlerhaube wie eine LED, die meine inzwischen zornrote Glüh-Birne richtig alt aussehen lässt. mas

Brexit 1534 | 2016

Die nach dem Ende des kalten Kriegs unter Historikern geführte Diskussion um die „Posthistoire“ und das Ende der Geschichte ist endgültig ad absurdum geführt worden:

Aus der Geschichte kann man nicht aussteigen wie aus einem Zug, der in die falsche Richtung fährt. Aber man kann historische Entscheidungen fällen. Davon haben die Briten Gebrauch gemacht.

Für die katholische Kirche ist der „Brexit“ schon bald ein halbes Jahrtausend alt. Heinrich VIII. trennte mit der Suprematsakte von 1534 die englische Kirche von der katholischen. Die im Verhältnis zur Weltgeschichte atemberaubend zeitraffende Langsamkeit im Geschichtsdenken der Kirche macht Kontinuitäten deutlich, die im politischen Tagesgeschehen kaum wahrgenommen werden.

Englands außenpolitisches Sicherheitsgefühl, das auf dem Gleichgewicht der Mächte beruht, wurde durch die EU zunehmend beunruhigt. Die Selbstdarstellung der deutschen Kanzlerin als Anführerin Europas hat sich, verschärft durch die von ihr erhobene Forderung nach einer europaweiten Flüchtlingsquote, zum entscheidenden Motiv für den Brexit ausgewachsen. Das ist der für uns Deutsche eher bedauerliche Teil der Geschichte. 

Diese nationale Perspektive kann noch geweitet werden. Englands Beharren darauf, dass vor Ort entschieden gehört, was vor Ort entschieden werden kann, kommt dem nahe, was in der katholischen Soziallehre des 19. Jahrhunderts als allgemeingültiges Prinzip der Subsidiarität entwickelt wurde. ses

Spitze?

Auf dem Nachrichtenticker von N24 am 20. Juni 2016: „München ist reichstes Bistum“, noch vor Köln und Paderborn.

Andere Kanäle warteten mit Summen auf. Erheblich! Soll man nur deswegen nachdenklich werden, weil das Kirchensteueramt auch bei der Kapitalertragssteuer die Hand aufhält?

Am 4. Dezember 1842 sagte John Henry Newman – damals noch Anglikaner – seinen Zuhörern: „Solange Gold und Silber von der Kirche verwendet werden, um die Lobpreisungen des Herrn zu erhöhen, werden sie gegeben werden und angenommen werden können; wenn sie aber um ihrer selbst willen geliebt werden, verlieren sie ihre Heiligung und sind nicht mehr „vom Vater“, sondern von der Welt.

Keine weiteren Fragen. ars

Unsinn und Unrecht – 10 Jahre UN-Menschenrechtsrat

Die edle Gepflogenheit des UN-Menschenrechtsrates, jeden Redner als „the distinguished representative“ anzukündigen, steigert die Komik wie ein Running-Gag:

Die Saudis bestätigen China seinen korrekten Umgang mit Minderheiten und China lobt Saudi-Arabien für Religionsfreiheit. Wenn die „distinguished representatives“ schon für Menschenrecht und Menschenwürde nicht viel tun können, so will doch die Würde des Abgeordneten ausgiebig zelebriert sein.

Der praktische Nebeneffekt dieser zeitraubenden diplomatischen Höflichkeit offenbart sich, als die Delegierten von Kuba, Venezuela, Russland und Pakistan mit Ordnungsrufen die Rede des UN-Watch-Sprechers Hillel Neuer unterbrechen und durch ihre Wortmeldungen seine Redezeit faktisch auf wenige Sekunden verkürzen. Hillel Neuer hatte gefragt: “Why are there no resolutions at all – zero – for human rights victims in China, Russia, Cuba, Saudi Arabia, and Venezuela? Why, on the contrary, are those governments elected members of this Council? Why are there no urgent sessions on gross and systematic rights abuses in Iran, Iraq, Syria, or Turkey?” ses

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