Deutschland kommt mit der Einführung der Schockbilder zurecht

Am Kiosk:

Eine Marlboro, bitte

Welche?

Gold

Ich hab verschiedene. Wollen Sie eine mit ausgefallenen Zähnen?

Nein, die hab ich schon

Oder mit Loch im Hals?

Nein, hab ich auch schon

Ich hab noch Raucherbeine

Ja, ok. Die hab ich noch nicht

„Ich bin gerne Import-Priester!“

Im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ meint ZdK-Präsident Thomas Sternberg, Import-Priester seien auf Dauer keine Lösung für den Priestermangel in Deutschland.

Wahrscheinlich ist er kein Fußball-Fan. Denn dort haben sich „Importe“ längst bewährt, ebenso im internationalen Management. Ich sehe auch nicht, dass sich das auf Dauer verändern wird. Warum sollte ich also als gebürtiger Italiener für das Bistum Augsburg nicht einen ebenso guten Dienst leisten können, wie das jetzt Carlo Ancelotti für den FC Bayern versucht? Also ich bin gerne „Import-Priester“ im Bistum Augsburg und bringe meine Erfahrungen aus meiner Heimat selbstverständlich auch hier in die Seelsorge in Deutschland ein. Im Bischöflichen Ordinariat bin ich für die rund 150 Priester aus der Weltkirche verantwortlich, ich helfe auch in der Pastoral mit aus. Deshalb sehe ich mich verpflichtet, den 150 Priestern aus der Weltkirche eine Stimme zu geben. Wir sind gerne hier und empfinden uns auch nicht als Ausländer! Alle reden von einer globalisierten Welt. Wir als katholische Kirche sind das vielleicht älteste globale, die Welt umfassende Unternehmen. Warum sollte da nicht auch die deutsche Kirche von uns Priestern aus der Weltkirche lernen? Wir sind jederzeit gerne für Nachhilfe zu haben, auch für den Präsidenten des Zentralkomitees der Katholiken. Mein erster Tipp an ihn wäre folgende Überlegung: Papst Franziskus hat selbst nach seiner Wahl gesagt, vom Ende der Welt zu kommen. Ob Herr Sternberg ihn deshalb wie jetzt uns mit dem Begriff „Import“ in Verbindung bringen und ihn als „Import-Papst“ bezeichnen würde? Wohl sicher nicht! alp

Denk ich an Europa in der Nacht

Die EU beabsichtigt bei der UNESCO einen Resolutionsentwurf einzubringen, der den Tempelberg in Jerusalem zu einem ausschließlich muslimischen Heiligtum erklärt. Darüber macht sich Israel zurecht Sorgen.

Es gibt in Kreisen der EU ein antiisraelisches Einverständnis, das offenbar blind und ohne nachzudenken funktioniert. Wenn dazu der ahnungslose Eifer „für Palästina“ kommt, wird es hoch gefährlich. In diesem Eifer sehen vernünftige Palästinenser schon seit Arafats Zeiten eine große Gefahr: Er befördert nicht den Ausgleich, sondern nur Korruption und Terror.

Zu welchem Idioten man sich mit dieser Blindheit machen kann, zeigt die beabsichtigte Resolution. Genauso gut könnte die EU behaupten, dass in der Kathedrale von Reims nie französische Könige gekrönt wurden; dass der Vatikan auf der Geschichtslüge eines Petrusgrabes gebaut wurde; dass Karl der Große im Jahre 800 als erster Europäer in Brüssel den später nach ihm benannten Preis erhalten hat. Wir empfehlen der EU einstweilen mit der geplanten Resolution nicht zur UNESCO zu gehen, sondern zum Knopp-Verlag, der alles druckt, was irgendwie nach Skandal und Verschwörungstheorie riecht. ses

Der liebe Gott als rolling stone

„Können Sie sich noch erinnern? Unsere ‚Ich-bin-da‘-Steine.

Zwei Monate lang lagen sie im Herbst 2015 an öffentlichen Orten in unserem Stadtteil und erinnerten daran, dass Gott da ist, in jedem Augenblick. Einige Steine sind übriggeblieben. Wir wollen sie der Erde zurückgeben. An den Ufern der Isar. Und in der Isar wird die Strömung dafür sorgen, dass sie langsam durch unsere Stadt rollen und ihre Botschaft weitersagen: ‚Ich bin da‘.“

Aus den Nachrichten eines Pfarrverbands der Erzdiözese München und Freising

Grüne Welle bergauf

Ein Fahrradfahrer vor meinem Mini radelt heroisch mit nahezu 20 Stundenkilometern die kurvenreiche Straße bergauf. Respekt.

Aber es wäre trotzdem nett, wenn er mich überholen ließe. Das scheint bei seinem Fahrstil über Kilometer weit vollkommen ausgeschlossen. Zeit genug, mich in sein mindestens zwei Fahrspuren breites Selbstbewusstsein hineinzuversetzen. Hier wird offensichtlich weitaus Wichtigeres getan, als in die Pedale getreten. Hier wird mal eben die Welt gerettet. Das raumgreifende Selbstbewusstsein fast ganz ohne CO2 vor meiner kleinen Kühlerhaube hat wahrhaft imposante Ausmaße, es bewegt sich so ausladend und unermüdlich wie die Windradflügel der Energiewende. Dabei ist er so cool und energieeffizient wie Tripel-A-Kühlschrank. Er ist nur kalte Schulter für mich und alle anderen Sorgen von Globalisierung und Industrialisierung, leuchtendes Vorbild vor meiner Kühlerhaube wie eine LED, die meine inzwischen zornrote Glüh-Birne richtig alt aussehen lässt. mas

Ein schwarzer Tag für Europa

Der 24. Juni 2016  war der Tag, an dem das Ergebnis des englischen Referendums für den Austritt aus der EU bekannt wurde.

Die wahre Bankrotterklärung, in der sich der Zustand der EU verdichtet, fand am selben Tag im Europäischen Parlament statt. In seiner Rede hatte der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas an den alten europäischen Judenhass appelliert, indem er die in Europa bekannte Lüge von der Brunnenvergiftung durch Juden erneut auftischte.

Instinktsicher dachte Abbas gerade im EU-Parlament eine jüngere Propagandageschichte aus der palästinensischen Autonomiebehörde platzieren zu können, die vor Ort längst als Lüge entlarvt war. Darin wird behauptet, ein Rabbiner habe dazu aufgerufen, palästinensische Brunnen zu vergiften. Der Rabbiner, der dies gesagt haben soll, existiert nicht. Die israelische NGO, die darüber berichtet haben soll, gibt es immerhin, aber sie kennt keinen solchen Bericht. Die Lüge ist aufgeklärt. Die Empörung blieb aus.

Vor einem solchen Parlament konnte Abbas beim selben Anlass und in derselben Rede damit punkten: „Wenn die Besatzung endet, wird der Terrorismus verschwinden, es wird keinen Terrorismus im Nahen Osten und nirgends mehr sonst auf der Welt geben“.  

Kann sich das Europäische Parlament noch deutlicher disqualifizieren als an diesem Tag? Abbas erhielt für seine Rede standing ovations des gesamten Europäischen Parlaments. Und Martin Schulz, Präsident dieses Parlaments, twitterte seinen Dank für die „inspirierende Ansprache“. Ein schwarzer Tag für Europa. ses

Brexit 1534 | 2016

Die nach dem Ende des kalten Kriegs unter Historikern geführte Diskussion um die „Posthistoire“ und das Ende der Geschichte ist endgültig ad absurdum geführt worden:

Aus der Geschichte kann man nicht aussteigen wie aus einem Zug, der in die falsche Richtung fährt. Aber man kann historische Entscheidungen fällen. Davon haben die Briten Gebrauch gemacht.

Für die katholische Kirche ist der „Brexit“ schon bald ein halbes Jahrtausend alt. Heinrich VIII. trennte mit der Suprematsakte von 1534 die englische Kirche von der katholischen. Die im Verhältnis zur Weltgeschichte atemberaubend zeitraffende Langsamkeit im Geschichtsdenken der Kirche macht Kontinuitäten deutlich, die im politischen Tagesgeschehen kaum wahrgenommen werden.

Englands außenpolitisches Sicherheitsgefühl, das auf dem Gleichgewicht der Mächte beruht, wurde durch die EU zunehmend beunruhigt. Die Selbstdarstellung der deutschen Kanzlerin als Anführerin Europas hat sich, verschärft durch die von ihr erhobene Forderung nach einer europaweiten Flüchtlingsquote, zum entscheidenden Motiv für den Brexit ausgewachsen. Das ist der für uns Deutsche eher bedauerliche Teil der Geschichte. 

Diese nationale Perspektive kann noch geweitet werden. Englands Beharren darauf, dass vor Ort entschieden gehört, was vor Ort entschieden werden kann, kommt dem nahe, was in der katholischen Soziallehre des 19. Jahrhunderts als allgemeingültiges Prinzip der Subsidiarität entwickelt wurde. ses

Spitze?

Auf dem Nachrichtenticker von N24 am 20. Juni 2016: „München ist reichstes Bistum“, noch vor Köln und Paderborn.

Andere Kanäle warteten mit Summen auf. Erheblich! Soll man nur deswegen nachdenklich werden, weil das Kirchensteueramt auch bei der Kapitalertragssteuer die Hand aufhält?

Am 4. Dezember 1842 sagte John Henry Newman – damals noch Anglikaner – seinen Zuhörern: „Solange Gold und Silber von der Kirche verwendet werden, um die Lobpreisungen des Herrn zu erhöhen, werden sie gegeben werden und angenommen werden können; wenn sie aber um ihrer selbst willen geliebt werden, verlieren sie ihre Heiligung und sind nicht mehr „vom Vater“, sondern von der Welt.

Keine weiteren Fragen. ars

Kein Grundeinkommen?

Mit satter Dreiviertelmehrheit hat sich das Schweizer Volk gegen das Grundeinkommen entschieden, das jüngste Lieblingskind deutscher Akademiker.

Warum nur? Geschenkte 2.500 Schweizer Franken monatlich, 30.000 im Jahr, für nichts! Das war doch eine im doppelten Wortsinn bestechende Idee! 

Ein Tagtraum des Grundversorgten führt durch weiche Polster öffentlicher Bibliotheken, durch das Plüsch der Opernhäuser in Kultur-Partynächte ohne Feierabend – wie die Raupe Nimmersatt durch alles, was gut und subventioniert ist. Arbeiten sollen andere. Ich müsste nur ein wenig  an meiner Bescheidenheit und Sparsamkeit arbeiten. Je mehr freie Zeit ich habe, umso mehr Monat habe ich am Ende des Geldes noch übrig. So hat jedes Paradies seine Schlange oder zumindest einen Wurm im Apfel.

Auch eine Deckelung der Gehälter im öffentlichen Dienst lag den Schweizern zur Entscheidung vor. Sie haben sich dagegen entschieden. Es ist ein Trost zu wissen, dass es in den Bergen Leute gibt, die sich mehr vom Leben erwarten, als im Versorgungsstaat ruhig gestellt zu werden. ses

Unsinn und Unrecht – 10 Jahre UN-Menschenrechtsrat

Die edle Gepflogenheit des UN-Menschenrechtsrates, jeden Redner als „the distinguished representative“ anzukündigen, steigert die Komik wie ein Running-Gag:

Die Saudis bestätigen China seinen korrekten Umgang mit Minderheiten und China lobt Saudi-Arabien für Religionsfreiheit. Wenn die „distinguished representatives“ schon für Menschenrecht und Menschenwürde nicht viel tun können, so will doch die Würde des Abgeordneten ausgiebig zelebriert sein.

Der praktische Nebeneffekt dieser zeitraubenden diplomatischen Höflichkeit offenbart sich, als die Delegierten von Kuba, Venezuela, Russland und Pakistan mit Ordnungsrufen die Rede des UN-Watch-Sprechers Hillel Neuer unterbrechen und durch ihre Wortmeldungen seine Redezeit faktisch auf wenige Sekunden verkürzen. Hillel Neuer hatte gefragt: “Why are there no resolutions at all – zero – for human rights victims in China, Russia, Cuba, Saudi Arabia, and Venezuela? Why, on the contrary, are those governments elected members of this Council? Why are there no urgent sessions on gross and systematic rights abuses in Iran, Iraq, Syria, or Turkey?” ses

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