Die Misere des deutsch-katholischen Antijudaismus

Die Mail einer Bekannten in Israel eröffnet mir die israelische Innenansicht auf die diplomatische Panne des deutschen Außenministers Gabriel in Israel, der ein Treffen mit der NGO „Breaking the Silence“ einem Termin mit dem Ministerpräsidenten vorzieht.

Die NGO wird in der israelischen Öffentlichkeit als linksradikale Agitation wahrgenommen: Sie denunziert die israelische Armee als Kriegsverbrecher und wird dafür vom Ausland finanziert, vor allem aus der EU und aus Deutschland. Das mit der Finanzierung macht mich neugierig. Ich hatte einiges erwartet, aber das Ergebnis der kurzen Recherche nach den deutschen Finanziers ist erstaunlich. Der größte Geldgeber im Geschäftsjahr 2016 ist MISEREOR, das katholische Hilfswerk gegen den Hunger in der Welt. Da wird mir übel vor so viel Selbstgerechtigkeit. Besoffen vom Gefühl einer politischen Sendung werden hier Spendengelder zweckentfremdet. Wieso sammelt MISEREOR in den Kirchenbänken für eine politische Einmischung in einem anderen Land? Es ist gerade so, als hätten wir in Deutschland einen Moscheeverein dabei erwischt, wie er eine zweifelhafte deutsche NGO finanziert, deren Ziel es ist, die Soldaten der Bundeswehr bei einem Auslandseinsatz als Vergewaltiger zu denunzieren. ses

Ehe und Familie – museumsreif?

Gezeichnet von einem Leser...

    

Anfang der Weisheit

Botho Strauß veröffentlichte vor Ostern unter dem Titel „Reform der Intelligenz“ einen Artikel in der ZEIT, der den denkfaulen „Ideenkitsch“ des Zeitgeistes als „Flachrelief aus Gedankenpolyester“ geißelt. Es geht ihm in seinem Artikel jedoch nicht nur darum, über die „befleckte Unempfänglichkeit“ des ideologischen Denkens zu spotten, sondern auch um „Auswege aus dem Niedergang des Denkens“ aufzuzeigen:

„Im Zynismus steckt ja eine enorme Kraft, die restlos mit sich zufrieden ist. Die Selbstzufriedenheitsschubkraft also gilt es zu nutzen und im Handumdrehen in königliche Demut, in Staunen, Entdecken und Bewundern zu transformieren. Ein starker Transformator muss man sein. Das wäre der Anfang.“ Das ist seine Version der Einsicht in die Gottesfurcht als Anfang der Weisheit. ses

Kletterleichte Herzenssachen

Ein christliches Jugendzentrum wirbt für das Projekt „Herzenssache – Das Spiel des Lebens“: gemeinsam in der Gruppe als eine fiktive Person durch einen Geburtskanal klettern; Parcours-Stationen passieren wie Taufe, Grundschule, Erstkommunion, Firmung, Schulabschluss.

Da wird geklettert, überlegt, gehüpft, gefragt, balanciert … mit jugendlichen Spielleitern über eine Stunde überlegen: wie Entscheidungen fällen, wie Christsein leben; als Abschlussgeschenk ein Lebkuchenherz mit einem Bibelsatz.
Eine einzige Stelle gibt es in der Bibel über den 12-jährigen Jesus. Sein Training: Er saß unter den Schriftgelehrten und ließ nicht locker, um Antworten zu bekommen. Darüber – Herzenssache – habe er sogar seine Familie vergessen, die schon weitergezogen war. pez

Jerusalem

Die Grabeskirche und den dortigen Touristenrummel wollen wir umgehen. So bitten wir unseren israelischen Guide, einen Politikwissenschaftler, uns in das jüdische Viertel zu führen und uns von der Geschichte dieses Ortes, vor allem im 20. Jahrhundert, zu erzählen. Energisch lehnt er ab.

Wir gehen in die Grabeskirche, sagt er und führt uns dorthin. Seine Erklärung: Ihr werdet Jerusalem nicht verstehen, wenn ihr nicht versteht: Diese Stadt ist errichtet auf dem Berg Moria, dem Berg der Bindung Isaaks an den Glauben Abrahams, und dem Berg Golgota. mas

Neue Frömmigkeit

In Wien wirbt ein Fitness-Studio mit einem großen Transparent:

„Wir haben den Tempel. Ihr bringt die Opfer.“ dio

Alles so schön grün hier!

Wie ein Reisemagazin interreligiös in Richtung Eden rudert und dabei heil um die Klippe Jerusalem kommt.

Wenn ein intellektuell anspruchsvolles Medium wie DIE ZEIT mit einem Papst-Interview überrascht, dann erörtert sie im Reiseteil auch gleich die Frage, wo der Garten Eden zu suchen sei und lädt zum Gespräch über das Paradies einen Imam, eine Pastorin und einen Rabbi ein.   

Das kleine interreligiöse Seminar über die Heilshorizonte  in Judentum, Christentum und Islam ist erfreulich aufschlussreich, wenn man ein wenig zwischen den Zeilen liest. Jude und Christin äußern sich wenig konkret, aber diesseitig. Der Imam spricht ausschließlich vom Jenseits, dafür aber sehr konkret. Das muslimische Paradies kommt erst nach der „Vernichtung von allem“, dafür ist es großartig: „Es hat zum Beispiel hundert Stufen, zwischen zwei Stufen liegen tausend Jahre. Und es ist von einem Baum die Rede, von dessen Schatten läuft man 40 Jahre bis zum Stamm. Da braucht man schon ein ewiges Leben, um das alles zu sehen.“  Die Pastorin zeigt sich von den großen Zahlen des Imam unbeeindruckt und hat nichts besseres zu tun, als nach den 72 Jungfrauen zu fragen: „Was habe ich als Frau davon?“ Die Antwort des Imam, im Paradies seien auch die Männer Jungfrauen, beantwortet nicht direkt die Frage der Pastorin, klingt aber genderpolitisch korrekt. Skeptisch ist der Rabbi: „Wir Juden sehen uns als eine Gemeinschaft, private Paradiese sind da nicht vorgesehen.“

Bestimmt haben die Zahlen der muslimischen Mystik etwas zu bedeuten. Wenn man die Stufen und den Weg im Schatten zusammenzählt, sind es 50.040 Jahre, im Verhältnis zur Ewigkeit noch nicht einmal das akademische Viertelstündchen. Vielleicht ist das Paradies der Muslime doch etwas näher als sie meinen. Nur das mit der „Vernichtung von allem“, die dem vorausgehen muss, klingt irgendwie beunruhigend.

Die Redakteure der ZEIT wollen es weniger spekulativ und fragen die drei nach einem konkreten Ort, einem persönlichen Garten Eden. Da schwärmt der Imam vom Geschmack eines saftigen Granatapfels in der Trockenheit von Damaskus, während der Rabbi  von Jerusalem erzählt, wo er studiert hat und seine ersten beiden Kinder geboren wurden. Das Paradies der Pastorin liegt „in Mecklenburg oder irgendwo an der Ostseeküste“, da empfindet sie die „ganz große Resonanz“.  

Beim Reizwort Jerusalem müssen die ZEIT-Redakteure korrekterweise einhaken und festhalten, dass die Stadt allen drei Religionen heilig ist. Auch Imam und Pastorin sollen sich zu Jerusalem äußern.  Darauf herrscht „kurzes Schweigen, aber man hört die Synapsen rattern.“  Die Pastorin schaut auf ihr Wasserglas, der Imam lässt seinen Kaffee weiter kalt werden. „Beide sind Profis im interreligiösen Dialog. Sie wissen wie man heiße Eisen aus dem Feuer kriegt.“ Die Spannung löst sich, weil der Iman noch nie in Jerusalem war und die Pastorin angesichts heiliger Stätten „nicht auf Kommando ergriffen sein“ mag. Versöhnlich wird das Gespräch, als der Rabbi meint, dass die Paradiesvorstellungen nicht zufällig aus der Wüste kamen, sie sind „Ausdruck eines existenziellen Mangels“. Das gefällt dem Imam, weil es erklärt, warum das Paradies immer grün ist. Seine Gäste aus der Türkei bekommen in Deutschland „vor lauter Staunen den Mund nicht zu. So viel Grün!“ 

Am Ende des Gesprächs ist für den Imam Zeit zu beten. Die Pastorin versucht vergeblich einen Andachtsraum zu vermitteln: die Gedächtniskirche sei immerhin „optisch sehr zurückhaltend“. Aus praktischen Gründen geht der Imam aber lieber zum Rabbi nach Hause: Vor dem Gebet muss er sich waschen. ses

Gegen Bildung ist kein Kraut gewachsen

Kursthemen aus dem Programmheft eines Bildungszentrums (Februar – September 2017): „Gott denken – Malakademie – Ich persönlich – Der Klang von Wort und Farbe – Zen Meditation und Qi-Gong – Dem Glück auf der Spur – Weckworte – Gesund durch Lebensfreude – Trommeln – Gott neu denken“.

Über 100 Referenten, alle bestens ausgebildet. Eine Person allein vereint z.B. folgende Expertisen: „Erzieherin, Trainer-Trainerin für FamilienTeam®, ProfiTeam® und KlassenTeam®, Systemische Paar- und Familientherapeutin“. Eine andere: „Referentin für Persönlichkeitsbildung und Familienbildung, Erwachsenenbildnerin, Ausbilderin Elterntraining, Lehrtrainerin in Biografiearbeit (LebensMutig), Organisationsentwicklung und Sozialmanagement, in Projektmanagement im Sozialtherapeutischen Rollenspiel“. Ein Blick auf den Umschlag: ein christliches Bildungshaus. Brauchen wir als Gesellschaft im Bildungsnotstand eine Bildungskirche? Welche Therapie kann da noch helfen? pez

Gefällt nicht

Der erste Versuch, ein Sakko online zu kaufen bei einem renommierten Portal, eine gute Marke:  Das Paket kommt, das Sakko passt, am Revers als Zugabe ein Anstecker aus Metall – ein Totenkopf.

Warum ein Totenkopf? Der Retourengrund auf dem Rücksendeschein: „Artikel gefällt nicht“. Zu ergänzen war: Nur ein Sakko bestellt. hak

Vor lauter Bäumen…

Aus einem kirchlichen Flyer zur Verwendung der Kirchensteuer:

Die Kirche „betreibt eine nachhaltige und naturschonende Bewirtschaftung der Wälder ... auch für die Tiere wird immer wieder bewusst Platz gelassen … Wenn etwa ein Baum vom Sturm geknickt ist, dann wird der Stamm oft erst in einigen Metern Höhe abgesägt … dann kommt der Specht … allmählich auch Wildbienen, Eichhörnchen, Fledermäuse …“

Jesus, so bei Markus geschrieben: Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. luw

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