Alles so schön grün hier!

Wie ein Reisemagazin interreligiös in Richtung Eden rudert und dabei heil um die Klippe Jerusalem kommt.

Wenn ein intellektuell anspruchsvolles Medium wie DIE ZEIT mit einem Papst-Interview überrascht, dann erörtert sie im Reiseteil auch gleich die Frage, wo der Garten Eden zu suchen sei und lädt zum Gespräch über das Paradies einen Imam, eine Pastorin und einen Rabbi ein.   

Das kleine interreligiöse Seminar über die Heilshorizonte  in Judentum, Christentum und Islam ist erfreulich aufschlussreich, wenn man ein wenig zwischen den Zeilen liest. Jude und Christin äußern sich wenig konkret, aber diesseitig. Der Imam spricht ausschließlich vom Jenseits, dafür aber sehr konkret. Das muslimische Paradies kommt erst nach der „Vernichtung von allem“, dafür ist es großartig: „Es hat zum Beispiel hundert Stufen, zwischen zwei Stufen liegen tausend Jahre. Und es ist von einem Baum die Rede, von dessen Schatten läuft man 40 Jahre bis zum Stamm. Da braucht man schon ein ewiges Leben, um das alles zu sehen.“  Die Pastorin zeigt sich von den großen Zahlen des Imam unbeeindruckt und hat nichts besseres zu tun, als nach den 72 Jungfrauen zu fragen: „Was habe ich als Frau davon?“ Die Antwort des Imam, im Paradies seien auch die Männer Jungfrauen, beantwortet nicht direkt die Frage der Pastorin, klingt aber genderpolitisch korrekt. Skeptisch ist der Rabbi: „Wir Juden sehen uns als eine Gemeinschaft, private Paradiese sind da nicht vorgesehen.“

Bestimmt haben die Zahlen der muslimischen Mystik etwas zu bedeuten. Wenn man die Stufen und den Weg im Schatten zusammenzählt, sind es 50.040 Jahre, im Verhältnis zur Ewigkeit noch nicht einmal das akademische Viertelstündchen. Vielleicht ist das Paradies der Muslime doch etwas näher als sie meinen. Nur das mit der „Vernichtung von allem“, die dem vorausgehen muss, klingt irgendwie beunruhigend.

Die Redakteure der ZEIT wollen es weniger spekulativ und fragen die drei nach einem konkreten Ort, einem persönlichen Garten Eden. Da schwärmt der Imam vom Geschmack eines saftigen Granatapfels in der Trockenheit von Damaskus, während der Rabbi  von Jerusalem erzählt, wo er studiert hat und seine ersten beiden Kinder geboren wurden. Das Paradies der Pastorin liegt „in Mecklenburg oder irgendwo an der Ostseeküste“, da empfindet sie die „ganz große Resonanz“.  

Beim Reizwort Jerusalem müssen die ZEIT-Redakteure korrekterweise einhaken und festhalten, dass die Stadt allen drei Religionen heilig ist. Auch Imam und Pastorin sollen sich zu Jerusalem äußern.  Darauf herrscht „kurzes Schweigen, aber man hört die Synapsen rattern.“  Die Pastorin schaut auf ihr Wasserglas, der Imam lässt seinen Kaffee weiter kalt werden. „Beide sind Profis im interreligiösen Dialog. Sie wissen wie man heiße Eisen aus dem Feuer kriegt.“ Die Spannung löst sich, weil der Iman noch nie in Jerusalem war und die Pastorin angesichts heiliger Stätten „nicht auf Kommando ergriffen sein“ mag. Versöhnlich wird das Gespräch, als der Rabbi meint, dass die Paradiesvorstellungen nicht zufällig aus der Wüste kamen, sie sind „Ausdruck eines existenziellen Mangels“. Das gefällt dem Imam, weil es erklärt, warum das Paradies immer grün ist. Seine Gäste aus der Türkei bekommen in Deutschland „vor lauter Staunen den Mund nicht zu. So viel Grün!“ 

Am Ende des Gesprächs ist für den Imam Zeit zu beten. Die Pastorin versucht vergeblich einen Andachtsraum zu vermitteln: die Gedächtniskirche sei immerhin „optisch sehr zurückhaltend“. Aus praktischen Gründen geht der Imam aber lieber zum Rabbi nach Hause: Vor dem Gebet muss er sich waschen. ses

Gegen Bildung ist kein Kraut gewachsen

Kursthemen aus dem Programmheft eines Bildungszentrums (Februar – September 2017): „Gott denken – Malakademie – Ich persönlich – Der Klang von Wort und Farbe – Zen Meditation und Qi-Gong – Dem Glück auf der Spur – Weckworte – Gesund durch Lebensfreude – Trommeln – Gott neu denken“.

Über 100 Referenten, alle bestens ausgebildet. Eine Person allein vereint z.B. folgende Expertisen: „Erzieherin, Trainer-Trainerin für FamilienTeam®, ProfiTeam® und KlassenTeam®, Systemische Paar- und Familientherapeutin“. Eine andere: „Referentin für Persönlichkeitsbildung und Familienbildung, Erwachsenenbildnerin, Ausbilderin Elterntraining, Lehrtrainerin in Biografiearbeit (LebensMutig), Organisationsentwicklung und Sozialmanagement, in Projektmanagement im Sozialtherapeutischen Rollenspiel“. Ein Blick auf den Umschlag: ein christliches Bildungshaus. Brauchen wir als Gesellschaft im Bildungsnotstand eine Bildungskirche? Welche Therapie kann da noch helfen? pez

Gefällt nicht

Der erste Versuch, ein Sakko online zu kaufen bei einem renommierten Portal, eine gute Marke:  Das Paket kommt, das Sakko passt, am Revers als Zugabe ein Anstecker aus Metall – ein Totenkopf.

Warum ein Totenkopf? Der Retourengrund auf dem Rücksendeschein: „Artikel gefällt nicht“. Zu ergänzen war: Nur ein Sakko bestellt. hak

Vor lauter Bäumen…

Aus einem kirchlichen Flyer zur Verwendung der Kirchensteuer:

Die Kirche „betreibt eine nachhaltige und naturschonende Bewirtschaftung der Wälder ... auch für die Tiere wird immer wieder bewusst Platz gelassen … Wenn etwa ein Baum vom Sturm geknickt ist, dann wird der Stamm oft erst in einigen Metern Höhe abgesägt … dann kommt der Specht … allmählich auch Wildbienen, Eichhörnchen, Fledermäuse …“

Jesus, so bei Markus geschrieben: Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. luw

Al Naqba – die Katastrophe?

Zur Vorgeschichte der „Katastrophe“, der „Naqba“, wie Araber sie nennen – der Gründung des Staates Israel – gehört die Einwanderung von mehreren hunderttausend Juden aus Europa in den Jahrzehnten davor. Wie er über diese Zeit denke, wird ein israelischer Araber gefragt.

Seine Mutter, antwortet er, heute fünfundneunzig Jahre alt, habe diese Zeit miterlebt. Sie sagt dazu: „Die Juden sind kluge Menschen. Sie brachten Technologie ins Land, landwirtschaftliche Neuerungen, belebten die Wirtschaft. Bevor sie kamen, hatten wir keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Straßen. Es gab nichts, gar nichts. Palästina war ein armes Land. Unsere Schuhe haben wir uns aus alten Autoreifen gemacht. Die Juden haben dieses Land verwandelt – heute ist es ein Garten Eden.“ mas

Zwei-Staaten-Lösung?

Gefragt, in welchem Staat er nach der Zweistaatenlösung lieber leben würde, antwortet ein palästinensischer Araber in Israel:

Selbst wenn er König von Jordanien werden könnte, wolle er in jedem Fall hier in Israel leben, wo er frei sagen kann was er denkt. Mit Nachdruck fügt er hinzu: Hundert Prozent der israelischen Araber denken so, auch wenn nicht alle den Mut haben es zu sagen. Wir wollen das testen und wiederholen die Frage leicht abgewandelt gegenüber unserem palästinensischen Taxifahrer: ob es wohl einmal zwei Staaten geben werde? Nein auf keinen Fall – das stünde schon Koran auch in der Tora und in der Bibel. Es dürfe nur ein Land geben. Und das müsste muslimisch sein. ses

Sich in der Szene auskennen

Wie es zugeht, wenn ein Paar katholisch heiraten will und, Gott oder wem sonst sei gedankt, gerade noch ein ehemaliger Messdiener bei einem solchem „Event“ in der Kirchenbank sitzt.

Die ganze Hochzeitsgesellschaft ist froh um den einen, der vormachen kann, wann man steht, sitzt, kniet oder „Amen“ sagt, berichtet die FAS, 9. Oktober 2016. Der humorvolle Vorschlag jenes einen – beste Erinnerung an vergangene Glanzzeiten der Satire, als sie uns noch lehrte, den Realitäten ins Auge zu sehen – wie er sich künftig gewinnbringend vermarkten könnte, sei wiedergegeben: „Rent a Catholic. Halleluja statt Hossa. Sie wollen es katholisch krachen lassen? Prayback statt Playback – ich bin Ihr Animateur fürs Atmosphärische, der allerbeste für religiöse Feste. Biete: profunde Kenntnisse kirchlicher Rituale, Vorbildfunktion, buchbar für Hochzeit, Kinderkommunion, Taufe, Beerdigung. Portfolio erweiterbar für evangelische Interessenten.“ Frage an seine Freunde: „Wetten, ich würde gebucht?“ Davon waren alle überzeugt. pez

Aus einem Bericht über eine Frankreichreise

Am Portal der gotischen Kathedrale in Metz steht sie noch, die gebeugte Frau mit dem zerbrochenen Stab und der Binde vor den Augen – unbemerkt, vergessen. Wer wird sie aufrichten, nachdem das Unbegreifliche geschah?

Ist es leichter, ist es schwerer als die Lebensform der alten Orden neu zu errichten? Diese Frage ist bedeutungslos. Von Bedeutung ist nur, dass die Binde von den Augen genommen wird, aber nicht etwa von der Figur der Synagoge, sondern die vom Angesicht der Kirche. Damit sie in ihrem Gegenüber die erste und einzige Liebe Gottes erkennt. bek

Deutschland kommt mit der Einführung der Schockbilder zurecht

Am Kiosk:

Eine Marlboro, bitte

Welche?

Gold

Ich hab verschiedene. Wollen Sie eine mit ausgefallenen Zähnen?

Nein, die hab ich schon

Oder mit Loch im Hals?

Nein, hab ich auch schon

Ich hab noch Raucherbeine

Ja, ok. Die hab ich noch nicht

„Ich bin gerne Import-Priester!“

Im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ meint ZdK-Präsident Thomas Sternberg, Import-Priester seien auf Dauer keine Lösung für den Priestermangel in Deutschland.

Wahrscheinlich ist er kein Fußball-Fan. Denn dort haben sich „Importe“ längst bewährt, ebenso im internationalen Management. Ich sehe auch nicht, dass sich das auf Dauer verändern wird. Warum sollte ich also als gebürtiger Italiener für das Bistum Augsburg nicht einen ebenso guten Dienst leisten können, wie das jetzt Carlo Ancelotti für den FC Bayern versucht? Also ich bin gerne „Import-Priester“ im Bistum Augsburg und bringe meine Erfahrungen aus meiner Heimat selbstverständlich auch hier in die Seelsorge in Deutschland ein. Im Bischöflichen Ordinariat bin ich für die rund 150 Priester aus der Weltkirche verantwortlich, ich helfe auch in der Pastoral mit aus. Deshalb sehe ich mich verpflichtet, den 150 Priestern aus der Weltkirche eine Stimme zu geben. Wir sind gerne hier und empfinden uns auch nicht als Ausländer! Alle reden von einer globalisierten Welt. Wir als katholische Kirche sind das vielleicht älteste globale, die Welt umfassende Unternehmen. Warum sollte da nicht auch die deutsche Kirche von uns Priestern aus der Weltkirche lernen? Wir sind jederzeit gerne für Nachhilfe zu haben, auch für den Präsidenten des Zentralkomitees der Katholiken. Mein erster Tipp an ihn wäre folgende Überlegung: Papst Franziskus hat selbst nach seiner Wahl gesagt, vom Ende der Welt zu kommen. Ob Herr Sternberg ihn deshalb wie jetzt uns mit dem Begriff „Import“ in Verbindung bringen und ihn als „Import-Papst“ bezeichnen würde? Wohl sicher nicht! alp

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